Lebensdaten
1636 bis 1689
Geburtsort
Alt-Raudten bei Wohlau (Schlesien)
Sterbeort
Groß-Albershof bei Sulzbach (Oberpfalz)
Beruf/Funktion
geistlicher Dichter ; Theosoph ; Kabbalist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118723863 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rautner, Peganius (Pseudonym)
  • Rautner, Christian (Pseudonym)
  • Peganius, Christian
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Zitierweise

Knorr von Rosenroth, Christian, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118723863.html [26.07.2016].

CC0

Knorr von Rosenroth, Christian (Pseudonym Rautner, Peganius) (Adelsbestätigung 1668)

Theosoph und Dichter, * 15. oder 16.7.1636 Alt-Raudten bei Wohlau (Schlesien), 4. oder 8.5.1689 Groß-Albershof bei Sulzbach (Oberpfalz). (evangelisch)

  • Genealogie

    V Abraham Benedikt K. v. R. (1594–1654), 1618 Pfarrer in A.-R., seit 1645 in Tschepplau (Kr. Glogau), Vf. d. Erziehungsschr. „Anführung z. Teutschen Staatskunst“ (vollendet u. hrsg. v. K., 1672), S d. Jacob K., Sekr. d. Hzg. v. Öls; M Susanna, T d. Pastors Georg Neumann in A.-R.; B Caspar K. (1619-76), 1644 Konrektor, 1645 Diakonus, 1668 Pastor in Glogau, Vf. d. Lpr. f. Andreas Gryphius, 1664; Schw Susanne ( Michael Rosenberg, 1822–1687, Pastor in Schönborn b. Züllichau, Kolzig u. Kontopp Kr. Grünberg); Regensburg 17.7.1668 Anna Sophia ( 1696), T d. Georg Balthasar Paumgartner, Herrn auf Holenstein u. Anghoff, u. d. Maria Helena Hohenegg zu Hagenburg; 4 K (2 früh †) Johann Christian (1671–1716), 1699 Kammerjunker in Wolfenbüttel, braunschweig-lüneburg. Gesandter beim Regensburger Reichstag, 1710 Geh. Legationsrat, Vf. geistl. Singspieltexte („Daniel“, 1701, „Salomon“, 1701, vermutl. zus. mit Hzg. Anton Ulrich v. Braunschweig, komp. v. Gg. Caspar Schürmann), Anna Dorothea (1669–1726, Marquard Leopold Frhr. v. Schütz auf Pfeilstadt, kurpfälz. Kammerherr); N Christian Anton K. (1653-1721), studierte 1667-71 Rechtswiss. in Leipzig, trat z. kath. Kirche über, Landesbestellter d. Fürsten u. Stände in Ober- u. Niederschlesien, Dichter (u. a. Gedichte im „Schles. Helicon“, 1699 f.).

  • Leben

    Das Kriegsgeschehen in seiner schlesischen Heimat überschattete K.s Kindheit, übte prägenden Einfluß auf seinen Charakter aus und bestimmte nachhaltig seine philosophisch-religiöse Entwicklung. Der Vater mußte mit der Familie 1642 Alt-Raudten verlassen, in Tschepplau Zuflucht suchen und in seinen letzten Lebensjahren Zeuge der Einziehung aller evangelischen Kirchen im Gebiet um Glogau werden. K. erhielt den ersten öffentlichen Unterricht auf der Lateinschule zu Fraustadt, besuchte dann das Pädagogium in Stettin und immatrikulierte sich 1655 an der Universität Leipzig. Gemäß dem in der „Anführung zur Teutschen Staatskunst“ von seinem Vater für ihn entworfenen Bildungsplan, der das Ziel der Befähigung zum politischen Hofdienst verfolgte, studierte K. Theologie, Rechtswissenschaft, Geschichte, Philosophie, klassische und moderne Sprachen. 1660 erwarb er den Magistergrad mit einer Dissertation zur antiken Numismatik. Schon ein Jahr vorher war er durch Philipp von Zesen mit einem auf die in seinem Namen enthaltene Antithetik anspielenden Zunftspruch als „Der Schaamhaftige“ in die „Deutschgesinnete Genossenschaft“ aufgenommen worden. Nach längeren, vermutlich in Wittenberg betriebenen Privatstudien unternahm er 1663-66 eine Reise nach den Niederlanden, Frankreich und England. Während dieser Jahre wandte er sich der Naturphilosophie und Alchemie, der hermetischen Literatur und der hebräischen „Ursprache“ zu. In den Religionsfreiheit gewährenden Niederlanden nahm er Verbindungen auf zu Mennoniten und anderen christlichen Konventikeln, zu Theosophen, Kabbalisten, paracelsischen und pansophischen Naturforschern, vielleicht auch zu Spinoza. Entscheidend für seinen weiteren Lebensweg wurde die Begegnung mit Franciskus Mercurius van Helmont, dem Sohn des großen Arztes Johann Baptista van Helmont. Ihm, der ein Günstling des Pfalzgrafen Christian August war, verdankte es K., daß er nach Sulzbach an den pfälzischen Hof berufen wurde. Dort ist er bis an sein Lebensende geblieben. 1668 ernannte ihn der Pfalzgraf zum Hof- und Kanzleirat. Gemeinsame alchemistische und kabbalistische Interessen bewirkten im Laufe der Jahre ein fast freundschaftliches Verhältnis, obwohl der Pfalzgraf zum Katholizismus übergetreten war, K. hingegen an seiner Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche festhielt. Der Sulzbacher Hof entwickelte sich zu einer Pflegestätte experimentierender und spekulativer Naturforschung; ein eigens für hebräische Drucke gegründeter Verlag ermöglichte umfangreiche Publikationen aus dem kabbalistischen Schrifttum. Unter den vielen Gelehrten, mit denen K. in Verbindung stand, waren Leibniz, der ihn 1688 zweimal in Sulzbach besuchte, und der englische Philosoph Henry More die bedeutendsten. Die Verschmelzung gnostisch-neuplatonischer Überlieferungen mit der theosophischen Naturmetaphorik Jakob Böhmes und kabbalistischen Geheimlehren in den Schriften Mores hat bei K. die Ausbildung eines mystischen Spiritualismus grundlegend beeinflußt.

    Einen großen Teil seiner Arbeitskraft widmete er anonym oder pseudonym veröffentlichten Textsammlungen und Übersetzungen, in denen sich der eigene Standpunkt in Erläuterungen und Exkursen verbarg. Mit den Verdeutschungen der „Magia naturalis“ von Giambattista della Porta aus dem Lateinischen, der „Pseudodoxia epidemica“ von Thomas Brown aus dem Englischen und des „Ortus Medicinae“ von J. B. van Helmont nach der lateinischen und holländischen Fassung erwarb er sich ein hohes, sprachgeschichtlich noch kaum gewürdigtes Verdienst um die Ausbildung deutscher wissenschaftlicher Prosa. Wie K. pansophische Naturwissenschaft mit christlicher Mystik zu vereinigen suchte, läßt sich aus der Einfügung des „Handbuchs der wieder zu recht gebrachten Natur-Kunst“ (Enchiridion Physicae restitutae, 1608) von Jean ď Espagnet und von Henry Mores „Beweis, daß sich in der Welt auch unkörperliche Dinge befinden“ (Enchiridion metaphysicum, 1671) in die Übersetzung der „Pseudodoxia epidemica“ annähernd erschließen. Entsprechendes gilt von der Aufnahme kabbalistischer Leitsätze von More in die „Kabbala Denudata“. Dieses Kompendium von Schriften der jüdischen Mystik aus verschiedenen Zeiträumen, von denen die meisten durch K.s Übersetzung ins Lateinische zum|erstenmal bekannt wurden, suchte – wie vormals Johann Reuchlins humanistische Studien – den Nachweis zu führen, daß die Kabbala ihrem Kern nach christlich sei. K. war, gestützt auf die Etymologie des Wortes, davon überzeugt, daß in den von ihm mitgeteilten kabbalistischen Schriften das Geheimwissen einer Uroffenbarung der Kosmogonie aufbewahrt sei, deren Emanationssystem bereits die christliche Erlösungslehre in sich schließe und dadurch das Judentum mit dem Christentum verbinde. Von dieser typologischen Interpretation erhoffte er sich sowohl die Überwindung der innerchristlichen Lehrgegensätze als auch eine Bekehrung der Juden.

    K.s Dichtungen stehen in engem Zusammenhang mit seinen wissenschaftlichen und religiösen Bemühungen. Wie in der – vielleicht aus dem Nachlaß des Vaters übernommenen – „Eigentlichen Erklärung über die Gesichter der Offenbarung“ die Apokalypse als kontinuierliche Geschehensallegorie verstanden und historisch-chiliastisch nach ihrem „prophetischen“ Sinn ausgelegt wird, so hat K. mit zwei Moralitäten Musterbeispiele des allegorischen Dramas gegeben, in denen Götter, Naturdinge, sinnliche, seelische und geistige Wesenheiten als personifizierte Allegorien auftreten und der Handlungsverlauf „eigentlich“ etwas anderes bedeutet, als was er zur Schau stellt. Im Auftrag Christian Augusts verfaßte K. 1677 zur Hochzeit Kaiser Leopolds I. mit der pfälzischen Prinzessin Eleonora Magdalena Theresia das Festspiel „Conjugium Phoebi et Palladis“, das mit aller Prachtentfaltung des höfischen Barocktheaters in 22 Szenenwechseln einen Höhepunkt der Feierlichkeiten bilden sollte. Der konventionell mythologischen Huldigung für das Kaiserpaar verlieh er beziehungsreiche Mehrdeutigkeit durch den genialen, wenn auch vermutlich von G. A. Augurellis Epos „Chrysopoeta“ inspirierten Einfall der Verknüpfung mit einer Vorführung des alchymistischen Prozesses der Goldgewinnung im Gewand einer allegorischen Handlung. Während K. nach dem Literalsinn die Lehre von den merkurischen und sulphurischen Aktivitäten verbildlichte, deutete er mit dem historischen Sinn auf den dynastischen Anlaß der Heirat und, als Rat und Warnung, unausgesprochen auf aktuelle politische Gegebenheiten hin. Inwieweit darüber hinaus ethische, pansophische, vielleicht auch christlich-mystische Auslegungsmöglichkeiten von dem Publikum der Hofgesellschaft wahrgenommen wurden, ist nicht überliefert. Bei der zweiten Moralität, dem „aus dem Stege-Reiff“ gedichteten allegorischen Spiel „Von der Vermählung Christi mit der Seelen“, kam es von vornherein nur auf den geistlichen Sinn an, wenngleich Motive des höfisch-heroischen und schäferlichen Barockromans, zuweilen auch an shakespearische Phantasmagorien erinnernde Vorgänge das Geschehen leiten. Im Unterschied zu einer wohl für eine Aufführung bestimmten ersten Fassung, die handschriftlich erhalten ist, begleitet im Druck der Autor selbst kommentierend die ganze Handlung. Schon eingangs formuliert er seine Absicht, „die menschliche Seele gleichsam singend und spielend auf den Weg ihrer wahren Glückseligkeit zu leiten“. Alle Personen tragen arabische Namen, durch die sie als Abstrakta gekennzeichnet sind. Dargestellt wird die letzte Phase des mystischen Prozesses, der zur Vereinigung der Seele mit Christus führt. Nur um des heilserfüllenden Ausgangs willen hat K. diese dramatische Allegorie ein Lustspiel genannt; es schließt mit einer geistlich-weltlichen Doppelhochzeit, wobei Tugend und geläuterte Leidenschaft als weltliches Paar figurieren.

    Die antike Philosophie fand Eingang in K.s Weltbild durch die dem Barockzeitalter geläufige Bewertung des Stoizismus als einer historischen Voraussetzung christlicher Ethik. Die gemeinsam mit van Helmont unternommene Verdeutschung der „Consolatio Philosophiae“ des Boethius, deren Gedichte mit Sicherheit von K. allein übertragen wurden, bekräftigte die enge Verknüpfung des philosophischen Strebens nach der tranquillitas animi mit K.s christlichem Glückseligkeitsideal, wie sie bei ihm im Vorrang der erkennenden Vernunft gegenüber dem ekstatischen Gefühl auf dem Weg zur unio mystica ihren deutlichsten Ausdruck gefunden hat. Die Sammlung seiner „geistlichen Sitten-Lieder“, in die er zwischen die eigenen Gedichte eine Reihe der Boethius-Übertragungen, außerdem Neufassungen mittelalterlicher Hymnen und Umdichtungen aufgenommen hat, folgt in ihrem vierteiligen zyklischen Aufbau weitgehend den fortschreitenden Unterweisungen der Philosophia in der „Consolatio“. Der Titel „Neuer Helicon“ soll als allegorischer Antitypus Sion, den Berg Gottes, bezeichnen. Die nach eigener Aussage während vieler Jahre einzeln entstandenen Lieder dienten zunächst der privaten Erbauung in der Familie des Dichters, darum konnte sich eine Anzahl von ihnen aus dem Systemzusammenhang der christlich-stoizistischen Glückseligkeitslehre leicht wieder lösen und in vornehmlich pietistische Gesangbücher aufgenommen werden Das Lied „Morgenglanz der Ewigkeit“ („Morgen-Andacht“) gehört, unabhängig vom kirchlichen Gebrauch, zum zeitlosen Bestand religiöser Naturlyrik in deutscher Sprache.

  • Werke

    Diss. De Antiquis Romanor. Numismatib. Consecrationem Illustrantibus, 1660;  Des … Sever. Boetii … Christl.-Vernunfftgemesser Trost u. Unterricht/in Widerwertigkeit u. Bestürtzung üb. dem vermeinten Wohl- od. Übelstand der Bösen u. Frommen, 1667, 21697;  Eigentl. Erklärung üb. d. Gesichter d. Offenbarung S. Johannis/Voll unterschiedl. neuer Christl. Meinungen, 1670, 21671 (unter Ps. A. B. Peganius);  Harmonia Evangeliorum, Oder Zusammenfügung d. vier H. Evangelisten, 1672, 2mit Vorrede v. A. H. Francke, 1699;  Conjugium Phoebi et Palladis od. Die/durch Phoebi u. Palladis Vermählung/erfundene Fortpflantzung d. Goldes … in e. Chymisches Pracht-Spiel verfasset, 1677;  Kabbala Denudata, 1677 f. (Nachdr. 1974);  Kabbalae Denudatae Tom. sec: Id est Liber Sohar Restitutus …, 1684;  Des … Joh. Bapt. Portae v. Neapolis Magia Naturalis od. Haus-, Kunst- u. Wunder-Buch, 1680, 21713;  Des … Thomae Brown … Pseudodoxia Epidemica, Das ist: Unters. derer Irrthümer/so bey d. gemeinen Mann/u. sonst hin u. wieder im Schwange gehen …, 1680;  Aufgang d. Artzney-Kunst … in d. Hochteutsche Sprache übers. … u. mit deutl. Anmerckungen … erl., 1683 (Nachdr., mit Btrr. v. W. Pagel [zu Helmont] u. F. Kemp, 1971);  Neuer Helicon mit seinen Neun Musen/Das ist: Geistl. Sitten-Lieder … Theils neu gemacht/theils übers./theils aus andern alten/bey Unterrichtung seiner Kinder geändert … auch Ein geistl. Lust-Spiel/Von d. Vermählung Christi mit d. Seelen, 1684, 31699. - Auswahl: A. Fischer u. W. Tümpel, Das dt. ev. Kirchenlied d. 17. Jh. V, 1911, S. 494-511 (fälschl. unter Christian Anton Phil. K. v. R.)Dt. Literatur … in Entwicklungsreihen, R.: Barock, Barocklyrik, hrsg. v. H. Cysarz, III, 1937, S. 235-41. - Hs. Teilnachlaß: Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibl., u. a.: Itinerarium a. d. Jahr 1663 (Teildrucke in: Gesch.bll. f. Stadt u. Land Magdeburg 49/50, 1914/15, S. 184-94, u. Zs. d. Ver. f. Hamburg. Gesch. 24, 1921, S. 87-139).

  • Literatur

    ADB 16;  A. Fuchs, Ch. K. v. R., Ein Beitrag zu s. Leben u. s. Werken, in: Zs. f. KG 35, 1914, S. 548-83;  ders., Die Quellen zu d. geistl. Liederdichtung d. Ch. K. v. R., in: Mschr. f. Gottesdienst u. kirchl. Kunst 20, 1915, S. 185-90, 228-30;  C. E. Paulig, Ch. K. v. R., Eine biogr.-literargeschichtl. Stud., in: Corr.bl. d. Ver. f. Gesch. d. ev. Kirche Schlesiens 16, 1918/19, S. 100-71, 177-242, 18, 1925/26, S. 163-72, 233-366;  K. Salecker, Ch. K. v. R., 1931;  F. Kemp, Ch. K. v. R., Sein Leben, s. Schrr., Briefe u. Überss., in: Aufgang d. Artzney-Kunst, Nachdr. 1971, II, S. 21-38 (W, L);  H. Grassl, Aufbruch z. Romantik, 1968, S. 101-14 u. ö.;  K. R. H. Frick, Die Erleuchteten, 1973, S. 317-36;  M. Finke, Der Sulzbacher Musenhof im 17. Jh., Ein Btr. z. Geistesgesch. d. Spätbarock, Staatsexamensarb. Bochum 1978 (ungedr.)Goedeke III (fälschl. unter Christian Anton Phil. K. v. R.)Kosch, Lit.-Lex.RGGMGG VII.

  • Autor

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Knorr von Rosenroth, Christian" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 223-226 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118723863.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Knorr von Rosenroth, Christian

  • Leben

    Knorr: Christian K. von Rosenroth, gelehrter Kenner der Kabbala und Dichter geistlicher Lieder, wurde am 15. Juli 1636 zu Alt-Rauten, einem Dorfe bei Rauten im Fürstenthum Wohlau, geboren, woselbst sein Vater, Abraham K. von Rosenroth, Pastor war. Nachdem er die Schulen zu Fraustadt und Stettin besucht, studirte er zu Leipzig, wo er Magister wurde und zu Wittenberg und machte darauf eine größere gelehrte Reise durch Frankreich, England und Holland. In Amsterdam machte er die Bekanntschaft eines armenischen Fürsten, sowie die des berühmten Oberrabbiners Meier Stern aus Frankfurt a. M. und einiger gelehrten Engländer und ward durch diese in das Studium der orientalischen Sprachen, der Kabbala und der Alchymie eingeführt und gewann auf diesen Gebieten große Kenntnisse. Hinfort suchte er immer tiefer in das Geheimniß der Kabbala einzudringen und die gewonnenen Einsichten zu einer mystischen Schrifterklärung zu verwerthen. Durch diese Beschäftigungen gewann er das Vertrauen des im J. 1655 wegen seiner mystischen Richtung zur katholischen Kirche übergetretenen Pfalzgrafen Christian August zu Sulzbach, der ihn im J. 1668 zu seinem Geheimen Rath und Canzleidirector ernannte. In demselben Jahre heirathete er Anna Sophie, geb. Paumgart v. Holenstein; seiner Frau und Kindern zu Liebe dichtete er eine große Anzahl geistlicher Lieder, in denen sich in edler und ernster Weise seine mystische Richtung ausspricht. Kaiser Leopold I., zu dessen Vermählungsfeier K. ein "Chymisches|Prachtspiel" unter dem Titel "Conlugium Phoebi et Palladis" dichtete, erhob die Familie im J. 1677 in den Freiherrnstand. Unter seinen Schriften nimmt die "Cabbala denudata" (Sulzbach 1677 und 1684 in zwei Theilen) eine hervorragende Stellung ein; Reimmann nennt sie eine wahrhaft herkulische und von keinem Christen bislang versuchte Arbeit, durch die er sich unvergänglichen Ruhm erworben. Seine Lieder gab noch zu seinen Lebzeiten ein ungenannter Freund heraus: "Neuer Helikon mit seinen neun Musen, d. i. geistliche Sittenlieder", Nürnberg 1684 (2. Aufl. 1694); unter ihnen haben vor allen die beiden "Morgenglanz der Ewigkeit" und "Höchster Formirer der löblichsten Dinge" eine weite Verbreitung gefunden; Freylinghausen nahm in seine Gesangbücher 16 auf. — K. starb zu der von ihm vorausgesagten Stunde am 4. Mai 1689 oder nach Hörner (s. u.), der sich auf das Sulzbacher Kirchenbuch für seine Angabe beruft, am 8. Mai 1689, im 53. Lebensjahre.

    Wetzel, Hymnopoeographia, Bd. II, S. 43 ff.; Analecta hymnica, Bd. II, S. 444 ff. — (Hörner) Nachrichten von Liederdichtern des augsburgischen Gesangbuches, 2. Aufl., Schwabach 1775, S. 142 f. — Koch, Gesch. des Kirchenlieds u. s. f., 3. Aufl., Bd. IV, S. 28—31. — Winterfeld, Evang. Kirchengefang, II. S. 512 ff. — Goedeke, S. 472, Nr. 137; S. 491, S. 235.

  • Autor

    l. u.
  • Empfohlene Zitierweise

    l. u., "Knorr von Rosenroth, Christian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 327-328 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118723863.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA