Lebensdaten
1853 bis 1932
Geburtsort
Darmstadt
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Fahrzeugindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116227370 | OGND | VIAF

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Zitierweise

Kleyer, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116227370.html [22.02.2017].

CC0

Kleyer, Heinrich

Fahrzeug-Industrieller, * 13.12.1853 Darmstadt, 9.5.1932 Frankfurt/Main. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Wilhelm (1822–79), Mechaniker, dann Maschinenfabr. in D., S d. Christine K.; M Sophie (1823–69), T d. Schuhmachermeisters Joh. Heinr. Christoph Hohn in Teterow/Mecklenburg u. d. Hanna Marie Dor. Helm; Hamburg 1882 Elvira (1863–1942), T d. Stanislaw Biernatzki (1830–1916), Industrieller, Gründer (1856) d. Importfirma f. Textilmaschinen Biernatzki & Co. in Hamburg u. v. Maschinenfabriken in Chemnitz (s. L.), u. d. Louise Schmidt; Schwager Alexander Biernatzki (1871–1937), Werkzeug- u. Textilmaschinen-Fabr. in Chemnitz u. Hamburg (s. Wenzel); 3 S, 5 T, u. a. Wilhelm (1885–1969), Dir. d. Adler-Werke AG, Erwin (1888–1975), kaufm. Dir. u. Export-Dir. d. Adler-Werke AG, Automobilsportler, Otto (* 1898), Inh. e. Fa. z. Verarbeitung v. Plastikfolien.

  • Leben

    Nach Realschulbesuch studierte K. an der TH Darmstadt. Danach arbeitete er in kaufmännisch-technischer Stellung in einem Frankfurter Eisenwaren- und Maschinengeschäft und in einem Siegener Walzwerk. 1875 trat er in das Maschinen-Importhaus Biernatzki & Co, Hamburg, ein und reiste 1879 nach den USA, wo er bei Sturtevant in Boston und im amerikanischen Patentamt arbeitete. Nach seiner Rückkehr siedelte er 1880 nach Frankfurt/Main über. Hier eröffnete er am 1.3.1880 eine Maschinen- und Fahrradhandlung. Einen deutschen Fahrradbau gab es damals noch nicht. Daher baute er 1885/86 ein 9stöckiges Fahrradhaus mit eigener Fabrikation; 1886 brachte er sein erstes Niederrad unter dem Markennamen „Adler“ auf den Markt, den er fortan für alle seine Fahrzeuge verwendete. 1887 kaufte er ein größeres Grundstück im Frankfurter Westen und errichtete dort eine Fabrik, die bei Beginn der Fertigung 1889 600 Beschäftigte zählte. Seit 1894 baute er nur noch Niederräder mit Polygon-Rahmen, Transport-Dreiräder und Damen-Fahrräder. K. verwertete auch als erster in Deutschland die Erfindung des Luftreifens nach Dunlop für seine Fahrräder und inszenierte 1893 in Frankfurt/Main die Gründung der Dunlop Pneumatic Tyre Comp. GmbH, die sich später in Hanau/Main niederließ. – K. gelang noch die Einführung eines anderen bedeutenden Massenartikels in Deutschland. Er erwarb 1896 die Herstellungsrechte für die „Empire“-Schreibmaschine des Amerikaners W. P. Kidder und entwickelte diese weiter. Seit 1901 nannte er seine Schreibmaschine ebenfalls „Adler“. Es handelte sich um die erste deutsche Maschine von Bedeutung. 1913 gelang ihm ein großer Erfolg mit seiner dreireihigen Kleinschreibmaschine, der ersten Kleinschreibmaschine mit Stoßstangen. K.s Schreibmaschinen galten als unverwüstlich und preiswert. – 1898 begann K. den Motorradbau (seit 1902 nur noch Motorzweiräder) und ging 1900 auf den Automobilbau über, seit 1903 mit eigenen Motoren. Er errichtete 13 Niederlassungen und Filialen im In- und Ausland. Während des 1. Weltkrieges lieferte er das 500 000. Fahrrad, 1920 beschäftigte er 10 000 Menschen. Der Größe seiner Firma Rechnung tragend, wandelte K. 1895 diese in eine AG um, die Adler-Fahrradwerke AG vormals Heinrich Kleyer, arbeitete selbst als Generaldirektor mit und wurde später Vorsitzender des Aufsichtsrats. Einen Wendepunkt brachte 1926, als K. seinen Fahrzeugbau auf Großserie umstellte. Das Ergebnis waren neue Personenwagen-Typen mit Vier- und Sechszylinder-Motoren. Seine Automobilproduktion war seitdem ständig ausverkauft, er fertigte 60 Wagen täglich. 1927 trat K. in eine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Karosseriewerk Ambi-Budd in Berlin-Johannisthal ein, indem er Ganzstahl-Karosserien ausschließlich dort bezog. Im März 1932 erlebte er noch das Debüt seines Personenwagens „Trumpf“ auf dem Genfer Salon, des ersten „Adler“ mit Frontantrieb und Schwingachsen. – K. verstand es, seine Erzeugnisse überall gut einzuführen. Er gründete 1881 den Frankfurter Bicycle-Club, baute ein Velodrom, eine Schul- und Schau-Radfahrbahn. Er betätigte sich selbst als aktiver|Rad- und Motorsportler. Als führender Büromaschinen-Hersteller besteht sein Unternehmen noch heute.|

  • Auszeichnungen

    KR, Dr.-Ing. E. h. (Darmstadt 1911).

  • Literatur

    A. Lang, Die Adler Fahrradwerke vorm. H. K. Frankfurt a. M. 1880-1905, 1905 (P); H. Schmitt, Adlerwerke vorm. H. K. AG Frankfurt 1880-1926, 1926; P. G. Ehrhardt, 50 J. Adler 1880-1930, 1930 (P); E. Martin, Die Schreibmaschine u. ihre Entwicklungsgesch. 1949, S. 469 (P); H. C. Gf. v. Seherr-Thoß, Oldtimer, 1965, S. 42 ff.; ders., Die dt. Automobilindustrie, 1974; Braunbecks Sport-Lex., 1912, S. 209 (P); Rhdb. (P). - Zu Biernatzki: St. Biernatzki, aus d. Leben e. Hamburger Kaufm., 1915; W. Biernatzki, Die Fam. Biernatzki, 1928.

  • Autor

    Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß
  • Empfohlene Zitierweise

    Seherr-Thoß, Hans Christoph Graf von, "Kleyer, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 63-64 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116227370.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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