Lebensdaten
1827 bis 1894
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Weikersdorf (Baden, Niederösterreich)
Beruf/Funktion
Erzherzog von Österreich ; Hoch- und Deutschmeister ; Generalinspekteur der Artillerie ; Feldmarschalleutnant
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 130257397 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Wilhelm Franz Karl
  • Wilhelm von Österreich
  • Wilhelm
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130257397.html [21.11.2019].

CC0

  • Leben

    Wilhelm, Erzherzog von Oesterreich, königlicher Prinz von Ungarn, geboren zu Wien am 21. April 1827 als jüngster Sohn des Erzherzogs Karl und seiner Gemahlin Prinzessin Henriette, Tochter des Fürsten Friedrich Wilhelm zu Nassau-Weilburg, erhielt unter der persönlichen Leitung seines|Vaters eine überaus sorgfältige Erziehung. Wenngleich kein Zweig der Wissenschaft beim Unterrichte des Prinzen vernachlässigt wurde, so legte doch er selbst, früher Neigung folgend, besonderes Gewicht auf mathematische und naturwissenschaftliche Studien. Obwohl Kaiser Ferdinand dem Erzherzog W. bereits im J. 1843 das Infanterieregiment Nr. 12 verliehen hatte, widmete sich dieser doch der Artilleriewaffe, wurde im Alter von zwanzig Jahren zum Generalmajor befördert und am 25. Juni 1847 zum Artilleriebrigadier in Wien ernannt, nachdem er schon am 11. October 1845 in den deutschen Ritterorden getreten und 1846 Coadjutor dieses Ordens geworden war. Gleich seinem Bruder, dem Erzherzog Albrecht, eilte auch Erzherzog W. bei Ausbruch der Feindseligkeiten 1848 nach Italien, um sich dem FM. Radetzky zur Verfügung zu stellen, nahm theil an der Schlacht bei Santa Lucia und an dem Ausfalle aus Mantua und erwies sich als tapferer und umsichtiger Soldat während der Belagerung von Malghera. Im October 1849 nach Wien zurückgekehrt, wurde Erzherzog W. zum Sectionschef bei der damaligen General-Artilleriedirection ernannt, am 7. März 1853 zum Feldmarschalllieutenant befördert und mit dem Vorsitze der Berathungen der Sectionsvorstände des bestandenen Armee-Obercommandos betraut. Nachdem ihm am 10. September 1854 das Feldartillerieregiment Nr. 6 verliehen worden war, erfolgte am 17. Februar 1857 seine Ernennung zum Chef des Armee-Obercommandos.

    Im Feldzuge des Jahres 1859 stand Erzherzog W. als Feldartilleriedirector bei der I. Armee und seine Leistungen wurden durch Verleihung des Militärverdienstkreuzes gelohnt. Nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt bereitete Erzherzog W. die Umwandlung des Armee-Obercommandos in ein den constitutionellen Principien entsprechendes Kriegsministerium vor, er selbst wurde am 20. October 1860 zum Feldartilleriedirector bei der Armee im lombardisch-venetianischen Königreich ernannt, in welcher Stellung er bis zum 15. April 1862 verblieb, um an diesem Tage als Gouverneur der Bundesfestung Mainz das Commando über die dortigen Truppen zu übernehmen. Nach dem Tode des Hoch- und Deutschmeisters Erzherzog Maximilian d'Este, 1. Juni 1863, trat Erzherzog W. an dessen Stelle, gleichzeitig als Inhaber an die Spitze des Infanterieregiments Nr. 4. Für die Umgestaltung des Ordens leistete W. Außerordentliches, insbesondere ist die freiwillige Sanitätspflege im Kriege und im Frieden seiner Initiative zu danken. Nach zweijähriger Thätigkeit als Gouverneur von Mainz wurde Erzherzog W., 19. Februar 1864, zum General-Artillerieinspector ernannt. Im Feldzuge des Jahres 1866 erhielt er die Bestimmung als Feldartilleriedirector der Nordarmee. Am Tage der Schlacht von Königgrätz hielt er in der Suite des Armee-Obercommandanten FZM. v. Benedek, im Centrum der österreichischen Schlachtstellung, auf der Höhe von Lipa, als die Meldung eintraf, daß die Preußen Chlum besetzt hätten. Die von dorther einschlagenden Geschosse verwundeten mehrere Officiere aus der Umgebung Benedek's. Unter ihnen befand sich auch der Erzherzog, welchen ein Sprengstück am Kopfe verletzte. Die Verdienste der kaiserlichen Artillerie an jenem Tage sind bekannt, nicht zum wenigsten der energischen und umsichtigen Einwirkung ihres damaligen Feldartillerieinspectors ist es zu danken, daß der allgemeine Rückzug der Armee nicht in eine Deroute ausartete. In Würdigung dieser Verdienste verlieh der Kaiser dem Erzherzog W. das Großkreuz des Leopoldordens mit der Kriegsdecoration und ernannte ihn im Januar 1867 zum Feldzeugmeister. Bei Einführung des neuen Wehrgesetzes wurde Erzherzog W. mit der Organisation der österreichischen Landwehr betraut und am 14. Juli 1867 zu ihrem Obercommandanten ernannt. Am 20. Juni 1862 dieser Stellung enthoben, übernahm der Erzherzog als Generalinspector der Artillerie wieder die Leitung dieser Lieblingswaffe, um die er sich schon bisher unvergängliche Verdienste erworben und welcher er in der folgenden letzten Periode seines Lebens, die sich infolge der Neubewaffnung der Artillerie und einschneidender Reorganisationsarbeiten überaus nützlich gestaltete, seine ganze rastlose Thätigkeit widmete. Viele Verbesserungen des Waffenwesens wurden theils von ihm angeregt, theils unter seiner Leitung durchgeführt. Hierzu zählt unter anderem auch die Ausführung der vielfach außerordentlich schwierigen Arbeiten und Versuche mit Hinterladergewehren, welche seiner Zeit mit der Annahme des Gewehrsystems Werndl abschlossen. Insbesondere ist die Erfindung der Stahlbronze auf seine Anregung zurückzuführen. Der Einfluß des Erzherzogs als Artillerieinspector erstreckte sich sowohl auf militärische wie auf administrative und instructive Angelegenheiten. Er überwachte und leitete die einheitliche theoretische und praktische Neubildung der Feld- und Festungsartillerie, richtete seine Obsorge auf die Schlagfertigkeit der Artillerietruppe und die Kriegsbrauchbarkeit des gesammten Artilleriematerials, auf den Dienstbetrieb und endlich auf die Schulung und Pflege des Officiersnachwuchses, sowie auf die höhere Ausbildung der sich für die Specialverwendung eignenden Oberofficiere. Ein besonderes Augenmerk wendete der Erzherzog der Manövrirfähigkeit der Artillerie zu. Selbst ein vorzüglicher Reiter und Fahrer, der nicht nur elegant im Sattel und auf dem Kutschbock saß, sondern auch die Pferde zu führen wußte, legte er ein Hauptgewicht auf die Pflege der Fahrkunst.

    Trotz der vielfachen Thätigkeit, welche der militärische Dienst, die Würde als Hoch- und Deutschmeister ihm auferlegten, erübrigte der Erzherzog doch noch Zeit, allen Erscheinungen der Kunst und Wissenschaft seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Insbesondere war er ein fast ebenso tüchtiger Musiker und Musikkenner wie Soldat.

    Den Sommer verbrachte Erzherzog W. mit Vorliebe in Baden bei Wien. Dort ereilte ihn auch ein verhängnißvolles Geschick. Am 29. Juni 1894 Vormittags kurz nach zehn Uhr, auf einem Spazierritt begriffen, sank er in Weikersdorf infolge eines Schlaganfalles vom Pferde und wurde, am Hinterhaupte schwer verletzt, in seine Villa gebracht, wo er um 5½ Uhr Nachmittags verschied. Die Leiche wurde am 2. August in Anwesenheit des Kaisers in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt.

    • Literatur

      Acten des k. und k. Kriegs-Archivs. — Grünhut-Franges, Haus Habsburg-Lothringen. —
      Duncker, Erzherzog Albrecht. — Armeeblatt 1894, Nr. 31 und Nekrologe anderer Zeitungen.

  • Autor/in

    Criste.
  • Empfohlene Zitierweise

    Criste, Oscar, "Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 55 (1910), S. 91-93 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130257397.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA