Lebensdaten
1831 bis 1904
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Galvanoplastiker ; Schriftgießereibesitzer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139239952 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Berthold, August Hermann
  • Berthold, Hermann
  • Berthold, August Hermann

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Berthold, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139239952.html [15.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Daniel (1799–1832), Kattundrucker, S des Kattunmachers Johann Christian und der Charlotte Luise Zimmermann;
    M Friederike, T des Seidenwarenfabrikant Johann Gottlob Sperling in Berlin und der Johanna Christiane Reichert.

  • Leben

    B. war Feinmechaniker und ging nach Paris, um Vorlesungen über Galvanoplastik zu hören und praktische Erfahrungen im „Kaiserlichen Französischen Galvanischen Institut“ zu sammeln. 1858 gründete er in Berlin ein „Institut für Galvanotypie“ und befaßte sich mit galvanoplastischen Arbeiten für den Buchdruck wie auch mit der Herstellung von Galvanos für ganze|Werke als Ersatz der Stereotypie und mit dem Verstählen von Kupferplatten. 1861 verband er sich mit G. Zechendorf, um dem Unternehmen eine Schriftgießerei, Messinglinien-Fabrik, Stereotypie und Gravieranstalt anzugliedern. Schon am 1.1.1865 trat er aus der Firma aus und beschränkte sich fortan auf die Messinglinien-Fabrikation, die Galvanoplastik und die Herstellung von Buchdrucker-Werkzeugen. Er erfand den Keilhebelverschluß für den Winkelhaken. Jedoch entwickelte sich unter Mitarbeit des Meisterdruckers Carl Koepsel die Fabrikation von Messinglinien, dieses wesentlichen Hilfsmittels der Typographie, am erfolgreichsten.

    Die Mehrheit der deutschen Schriftgießereien und Messinglinien-Fabriken erklärte 1872, neue Druckereien nur nach dem Didot-Schriftsystem einrichten zu wollen. Einheitliche Schriftgrößen und -höhen anstelle der ungenormten sollten dem unwirtschaftlichen Durcheinander ein Ende bereiten. Es ergab sich jedoch, daß selbst das von P. S. Fournier (der Jüngere) 1737 geschaffene und um 1785 von Francois Ambroise Didot und seinem Sohne Firmin wesentlich verbesserte Didot-System, das mit dem französischen Fuß in Einklang gebracht worden war, Verschiedenheiten bei den deutschen Schriftgießereien aufwies, weil das Grundmaß verschieden war. Nachdem die Bemühungen um ein Typometer wieder eingeschlafen waren, machte H. Smalian 1878 im „Journal für Buchdruckerkunst“ erneut den Vorschlag, ein Didot-System-Maß für den Schriftkegel auf metrischer Grundlage zu schaffen, und wies auf B. hin, dessen Messinglinien peinlich genau nach dem Pariser System hergestellt waren. Nach einer Einigung der deutschen Gießereien wurde B. mit der Herstellung des Typometers und der Festlegung des typographischen Punktes betraut, wozu er sich die Mitarbeit von W. Foerster, dem Direktor der Berliner Sternwarte, sowie der Normal-Eichungs-Kommission sicherte. Sein „B.-Typometer“ von 1879 unterteilte das Maß von 1 m in 2660 typographische Punkte (1 typographisch-metr. Punkt = 0,3769 mm). Nach diesem von der Reichsregierung anerkannten Typometer erhielten die beteiligten Gießereien im Mai 1879 amtlich nachgeprüfte Teilmaße von 30 cm Länge (= 798 Punkte). Damit wurde das „Deutsche Normal-Schriftsystem“ endgültig festgelegt, das von den Gießereien streng eingehalten wird. B., dessen erste Gesamtprobe seiner Messinglinien von 1880 hervorgehoben zu werden verdient, verkaufte 1888 sein Unternehmen. Der patriarchalisch aufgebaute Betrieb genießt Weltruf; er wurde 1891 in eine Kommanditgesellschaft und 1896 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und besteht noch heute unter B.s Namen.

  • Literatur

    C. B. Lorck, Hdb. d. Gesch. d. Buchdruckerkunst. T. 2, 1883;
    A. Waldow, Enz. d. graph. Künste, 1884;
    H. Smalian, Das dt. Normal-Schriftsystem, in: Das Buchgewerbe d. Reichshauptstadt, 1914, S. 39-46;
    ders., Ein Leben im Dienste d. Buchdruckerkunst, 1919;
    H. Hoffmann, Das Haus B. 1858-1921, 1921 (P);
    Friedrich Bauer, Chronik d. Schriftgießereien in Dtld. u. d. dt.-sprach. Nachbarländern, 21928;
    ders., Die Normung d. Buchdrucklettern, 1929;
    H. Barge, Gesch. d. Buchdruckerkunst, 1940;
    G. A. E. Bogeng, Gesch. d. Buchdruckerkunst II, 1941;
    LGB I, 1935.

  • Autor/in

    Karl H. Salzmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Salzmann, Karl H., "Berthold, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 166 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139239952.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA