Lebensdaten
erwähnt 1468, gestorben 1482
Geburtsort
Ehenweier bei Schlettstadt (Elsaß)
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Drucker in Basel
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136009115 | OGND | VIAF: 80426070
Namensvarianten
  • Rihel, Bernhart
  • Richel, Bernhard
  • Rihel, Bernhart
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Richel, Bernhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136009115.html [05.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbek.;
    Anna (Ennelin);
    T Magdalena (⚭ Nicolaus Kesler [Keßler], um 1445 – nach 1519, Buchführer, -drucker u. -händler, s. NDB XI; Lex. MA);|E Bernhard Keßler, Buchführer u. -händler in B.; Verwandtschaft mit d. Straßburger Buchdruckerfam. Rihel ist nicht wahrsch.

  • Leben

    In der ersten urkundlichen Nachricht von 1472 wird R. ausdrücklich als Buchdrucker genannt. Die darin behandelte Streitsache bezieht sich auf den Nachlaß von Jost Burnhart, der ihm etliche Buchstaben geliefert hatte. Als früheste Werke gelten zwei mit Holzschnittinitialen ausgestattete Bibelausgaben, die Rubrikatorenvermerke aus dem Jahr 1474 enthalten. Möglicherweise ist von diesen beiden Werken auch 1473 in einer Vereinbarung die Rede, als R. eine Forderung von 207 Gulden mit noch nicht ausgedruckten Titeln aus seiner Offizin zu begleichen beabsichtigte. Eine der Bibeln entstand in Gemeinschaft mit Bertold Ruppel ( 1494/95). Der erste datierte Druck R.s, der „Sachsenspiegel“, stammt von 1474 und ist zugleich einer der frühesten dt.sprachigen Drucke in Basel. Im selben Jahr erwarb R. das Basler Bürgerrecht. 1475 ging er für zwei Drucke eine Partnerschaft mit Michael Wenssler ( v. 1512) ein. Die enge Beziehung zu Ruppel und Wenssler findet sich nicht nur bei gemeinsamen Druckprojekten, sondern auch in R.s Buchhandelsbetrieb, der den gesamten süddt. Raum bis nach Wien umfaßte. Neben seinen eigenen Titeln vertrieb R. hier v. a. solche seiner beiden Druckerkollegen. 1477 produzierte der im „Haus zum Blumen“ („ad florem“) druckende R. mit Ruppel und Wenssler zwei weitere Werke. 1478 erwarben er und seine Frau das Anwesen für 550 Gulden. Die stattliche Kaufsumme, die auf eine große Immobilie schließen läßt, sollte z. T. in jährlichen Rentenzahlungen an den Verkäufer abgegolten werden. In den folgenden Jahren erschienen u. a. Missalien für Basel, ein Brevier für Besançon sowie eine dt. Ausgabe von Werner Rolewincks „Fasciculus temporum“. Die lat. Ausgabe vom 20.2.1482 ist R.s letzter datierter Druck; am 6.8.1482 wird seine Frau als Witwe geführt. Noch 1486 bezeichnete man sie als „Trukerin zem Blumen“, ein Jahr später erhielt sie eine Forderung gemeinsam mit ihrem Schwiegersohn Nicolaus Keßler. 1489 dürfte dieser, der seit 1475 bei R. beschäftigt gewesen war, endgültig die Geschäfte übernommen haben, da nun er die Bezeichnung „Drucker zum blumen“ führte.

    Für R.s Offizin gesichert sind zwischen 1472 und 1482 etwa 29 v. a. religiöse Titel (evtl. treten dazu noch 11 weitere) von mittelmäßiger Druckqualität. Seine Druckermarke zeigt an einem Ast zwei Schilde mit einem Dreiberg bzw. einem „B R“ mit Kreuz.

  • Literatur

    ADB 28;
    K. Stehelin, Regg. z. Gesch. d. Buchdrucks bis z. J. 1500 [in Basel], in: Archiv f. Gesch. d. dt. Buchhandels 11, 1888, S. 5-182, 12, 1889, S. 6-70;
    A. Pfister, Das dt. Speculum humane salvationis (Spiegel menschl. Behaltnis), Basel, B. R., 31.8.1476 u. d. frühe Basler Inkunabelholzschnitt, Diss. Basel 1937;
    P. L. Van der Haegen, Basler Wiegendrucke, Verz. d. in Basel gedr. Inkunabeln v. Berthold Ruppel bis Nikolaus Kessler, 1985;
    E. Voulliéme, Die Dt. Drucker d. fünfzehnten Jh., 1922;
    F. Geldner, Die dt. Inkunabeldrucker I, 1968 (Abb. d. Druckermarke S. 116);
    The Illustrated Incunabula Short-Title Cat. (IISTC), 21998 (CD);
    Lex. MA;
    LGB2.

  • Autor/in

    Christoph Reske
  • Empfohlene Zitierweise

    Reske, Christoph, "Richel, Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 511-512 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136009115.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Richel: Bernhard R. (Rihel), einer der bedeutendsten Drucker zu Basel im 15. Jahrhundert, nach Fechter's Unterfuchungen (im Baseler „Taschenbuch auf das Jahr 1863") aus Ehewiler, einem Dorf in der Rheinpfalz, nach anderen Mittheilungen aus Nürnberg oder Württemberg gebürtig, kam auf seinen Wanderungen nach der Schweiz und erwarb 1474 das Bürgerrecht in Basel, nachdem er sich im J. 1468 daselbst niedergelassen hatte. Die Gründung der Baseler Universität im J. 1460 rief sofort auch aus Deutschland junge Leute als Studenten dahin, die später dem Studium entsagten und sich der um diese Zeit durch die Erstürmung von Mainz offenkundig gewordenen Buchdruckerkunst zuwandten. Vielleicht auch kamen einige unter ihnen sogar in der bestimmten Absicht nach Basel, nach beendetem Studium des unentbehrlichen Latein sich der Erlernung der Typographie zu widmen. In den Matrikeln der Baseler Universität kommen schon in den ersten drei Jahren des sechsten Decenniums eine Reihe von später als Buchdrucker bekannt gewordenen Namen vor, wie Michel Wenßler aus Straßburg, der 1462 akademischer Bürger wurde. Ulrich Gering, Michel Friburger, Martin Krantz, Eberhart Franolt, Bernhardt R. und andere. Daß R. erst 1474 das Bürgerrecht als Buchdrucker erkaufte, erklärt sich dadurch, daß dieses Recht nach altem Herkommen damals immer erst nach mehrjährigem Aufenthalt in einer Stadt ertheilt wurde. Der erste Druck Richel's ist die „Biblia latina“, die um 1468—1470 entstanden sein dürfte, und die in ihrem ersten Theil von Berthold Ruppel (s. d.) daselbst gedruckt wurde, deren zweiter Theil aber aus der Presse Richel's hervorgegangen ist. Ruppel war ein Gehülfe Gutenberg's (Braun,|Notitia hist.-lit. I, 53), der in Basel 1464 zu drucken begonnen hat. Wodurch seine Thätigkeit daselbst plötzlich unterbrochen wurde, sodaß die Beendigung dieser ersten Baseler Bibel von R. übernommen werden mußte, ist nicht bekannt geworden. Die Holzschnitt-Initialen in dem zweiten von R. gedruckten Theil dieser Bibel gehören jedenfalls zu dem Frühesten, was die Holzschneidekunst in dieser Art von Bücherschmuck hervorgebracht hat. Wie lange die beiden Typographen Nuppel und A. in Verbindung mit einander gestanden haben, ist bei dem Mangel an weiteren gemeinschaftlich hergestellten Druckwerken nicht mit Bestimmtheit festzustellen, doch scheint die Gemeinschaft noch 1473 bestanden zu haben, da in diesem Jahre unterm 25. Juni ein gerichtlicher Vergleich zu Stande gekommen ist, in dem beide zusammen als eine Partei gegen „ihren Knecht Anderiß Zwickdarm“, den dieselben hatten verhaften lassen, genannt werden (Stehlin, Regesten Nr. 14). Im ganzen hat R. bis zum Jahre 1477. abgesehen von dem vorher erwähnten zweiten Theil, drei lateinische Bibelausgaben gedruckt, von denen die „Biblia sacra vulgata“, die vermuthlich 1473 in zwei Foliobänden erschienen ist, der erste selbständige Druck Richel's sein dürfte. Dieselbe trägt weder seine Firma, noch eine Jahreszahl, ist jedoch mit seinen Typen gedruckt. Dagegen ging im J. 1474 aus seiner Officin ein „Sachsenspiegel“ hervor, die erste Ausgabe des von Eyke v. Reppgowe um 1225 verfaßten deutschen Rechtsbuches und zugleich das erste Buch, welches in Basel mit Angabe des Jahres und Druckers erschien. Die erste Ausgabe dieses Druckes ist insofern von besonderer Bedeutung, weil sie die erste in deutscher Sprache zu Basel gedruckte Schrift ist, wie überhaupt R. der erste Typograph ist, der sich auf seinen Druckwerken genannt hat, und zum ersten Male Druckwerke in deutscher Sprache daselbst herausgegeben hat. Nachdem die Verbindung mit Nuppel gelöst war, scheint R. kurze Zeit für sich allein gedruckt zu haben, aber schon im J. 1475 finden wir ihn wieder in Gemeinschaft mit einem anderen Drucker, diesmal mit Michael Wenßler aus Straßburg. Es erschien in diesem Jahre von ihm allein gedruckt noch die „Biblia latina“ in Großfolio, und dann „Roberti de Litio Ord. Min. Quadragesimale. Basileae per Bernh. Richel et Mich. Wensler Socii, anno 1475“ (Fol.). Vom Jahre 1476 ab war R. dagegen allein thätig, und druckte nun bis 1482 eine ganze Anzahl von Werken, unter denen folgende hervorgehoben zu werden verdienen: „Gratiani Decretum cum apparatu. Basileae 1476“. — „Biblia lat. ex vers. D. Hieronymi. 1476“ (S. l. et nom. typ.). — „Institutiones Justin. cum appar. 1476". — „Nicolai de Tudeschis Panormitanus (Abbas Siculus), lectura super V libros decretalium. 1477“. 5 voll. — „Ein bürdlin der zit. 1481“. — Es ist dieses die erste Ausgabe der deutschen Uebersetzung des von R. 1482 auch in lateinischer Sprache gedruckten „Fasciculus temporum“. Dieses von Werner Rolevinck v. Laer verfaßte Schriftchen, das deutsch und lateinisch 1488 und 1493 von Johann Prüß in Straßburg nachgedruckt wurde, ist insofern bemerkenswerth, als sein Verfasser, ein Karthäuser Mönch, ein Zeitgenosse Gutenberg's, unter dem Jahre 1457 dieser Chronik eine Notiz über die „zu Mainz erfundene Buchdruckerkunst“ gebracht hat. Dieses Zeugniß von Mainz befindet sich zwar in der lateinischen Ausgabe Richel's, fehlt aber in seiner deutschen Ausgabe, die sich dagegen durch die naive Schlußschrist auszeichnet, welche lautet: „Gedruckt aber gerecht suber vnd rein durch Hermeyster Bernhart Richel burger zu Basel alß man zalt nocht der geburt christi. M.cccc. I. xxxi. ior pridie Kl. Septembris.“ Aus dem Jahre 1482 ist noch eine Evangelienerklärung bekannt, die unter dem Titel „Hugonis Cardinalis Postilla super quatuor Evangelia“ erschien, und nach der R. nur noch den oben genannten „Fasciculus“ gedruckt hat. Einige seiner Drucke, wie die „Biblia latina de Parabolis“, „Astexani summade cas. Conscientiae“ und die „Viola sanctorum“ sind ohne Firma oder Jahreszahl erschienen. Ueber die persönlichen Verhältnisse Richel's sind uns nur knappe Nachrichten erhalten geblieben. Er druckte, wie schon gesagt wurde, allein vier Ausgaben der Vulgata, was, ausgenommen Anton Koburger in Nürnberg, keinem der alten Drucker nachgerühmt werden kann. R. scheint in Basel eine bemerkenswerthe Persönlichkeit gewesen zu sein, denn er wurde in verschiedenen Streitsachen als Schiedsrichter berufen (Stehlin, Regesten Nr. 55, 75 etc.). Sein Absatz an Druckwerken mag nach den in den Baseler Gerichtsbüchern häufig vorkommenden Beschlagnahmen des Eigenthums seiner Bücherkäuser ein nicht unbeträchtlicher gewesen sein, auch geht aus diesen Acten hervor, daß er stets mehrere „Diener“ beschäftigte, die für ihn auch außerhalb Basel Bücher verkauft haben. Ein Beweis dafür, daß zu jener Zeit noch öfter Tauschhandel getrieben wurde, ergibt sich aus einer Gerichtsverhandlung vom 28. Juli 1475, in welcher Niclaus Rauchfaß bekennt, daß er dem Buchdrucker Bernh. R. 40 Gulden für Bücher schuldig sei, und verspricht, „demselben dafür den Wein, der ihm nächsten Herbst zu Gebweiler wachsen wird, zu geben und die Fässer dazu zu liesern“. R. druckte zu Basel in dem Hause „zum kleinen Blumen“, das er im J. 1478 von Junker Rudolf Schlierbach für 550 Gulden, „nebst Scheune und Garten, bei dem Salzthurm an der Ecke hinter der Herberge zum großen Blumen gelegen“, gekauft hatte. Er starb im J. 1482, und vermuthlich im August dieses Jahres, wenigstens wurde „Frau Ennelin, Meister Bernhart Richel's sel. Wittwe auf ihr Begehren mit Oswalt Holtzachan am 6. August bevogtet“. Die Wittwe scheint die Officin bis zum Jahre 1486 noch fortgeführt und dann verkauft oder sich wieder verheirathet zu haben. R. bediente sich eines Signets, das seine Anfangsbuchstaben B. R. enthielt. Der Schild hängt an einem abgeschlagenen Baumast, und dem gegenüber befindet sich ein zweiter Schild, in welchem die Umrisse von drei Bergen auf weißem Grunde sich zeigen.

    • Literatur

      Vgl. Klemm, Catalog S. 211, 212, 439—441. — Kapp, Geschichte S. 114—116. —
      Falckenstein, Geschichte S. 269. —
      v. d. Linde, Gutenberg S. 45. —
      v. d. Linde, Geschichte S. 313, 713, 838. —
      Archiv f. Geschichte des Buchhandels V, S. 33; XI, Nr. 5 u. ff. —
      Stockmeyer und Reber, Beiträge S. 3, 17, 20. — Hain, repertorium bibl. Nr. 3041, 4422, 6932, 6939, 6959, 7888, 8975, 12 309 u. s. w.

  • Autor/in

    J. Braun.
  • Empfohlene Zitierweise

    Braun, J., "Richel, Bernhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 426-428 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136009115.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA