Lebensdaten
1851 bis 1920
Geburtsort
Graz
Sterbeort
Graz
Beruf/Funktion
Indologe
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 119105721 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kirste, Johann
  • Kirste, Hans
  • Kirste, J.
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Zitierweise

Kirste, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119105721.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam, stammt aus Lissa im preuß. Reg.bez. Posen, dem Hauptsitz d. Böhm. Brüdergemeinde in Polen;
    V Joh. Martin, seit 1806 in G., Hofseilermeister, Kirchenvorsteher d. ev.-ref. Gemeinde, Mitbegründer d. Grazer ev. Kirchengemeinde;
    M Antoinette Hieronymi aus Coburg;
    Anna (1862–1941), T d. Simon Kailich;
    S Leo (s. 2).

  • Leben

    K. studierte seit 1870 klassische Philologie, Sanskrit und vergleichende Grammatik der indogermanischen Sprachen in Graz (bei K. Schenkl), Jena (bei B. Delbrück), Leipzig (bei H. Brockhaus und A. Kuhn), Berlin (bei A. Weber, A. Leskien, F. Miklosich) und Wien (bei F. Müller), wo er 1876 in Vergleichender Sprachwissenschaft promovierte. In Paris beschäftigte er sich an der École Pratique des Hautes Études 1881-84 mit Altindisch sowie Alt- und Mitteliranisch, in Belgrad 1884 mit slawischen Sprachen. In Wien betrieb er 1885 Sanskrit bei Karl Bühler und habilitierte sich daselbst 1886 für vergleichende Sprachwissenschaft und Sanskrit. 1892 wurde er als außerordentlicher Professor für orientalische Philologie nach Graz berufen, wo er 1902-20 als Ordinarius wirkte. An neueren Sprachen beherrschte er außer Französisch, Englisch und Italienisch auch Russisch und Serbisch. Er übersetzte das nationale epische Meisterwerk Gorski vijenac („Der Bergkranz“, 1847) des montenegrinischen Bischofs und Staatsmannes Petar II. Njegoš (1886). K. beabsichtigte, der Aussprache seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und Untersuchungen über Entstehung und Veränderung der Vokale durchzuführen. In diesem Zusammenhang waren für ihn die Lehrveranstaltungen Merkels in Leipzig und des Physiologen E. W. von Brücke in Wien von Bedeutung. Aus Mangel an Hilfsmitteln war es ihm lediglich möglich, einige kleinere Arbeiten auf diesem Gebiet zu verfassen. Er wandte sich dann dem Studium der Grammatik zu. Seine in erster Linie in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie publizierten Arbeiten betreffen vor allem die vergleichende indogermanische Grammatik, das Altindische und das Mittelpersische (Pehlevi). 1881 erschien seine Untersuchung „Die constitutionellen Verschiedenheiten der Verschlußlaute im Indogermanischen“. In kürzeren Untersuchungen war K. bestrebt, den phonetischen Wert von Lauten des Sanskrit zu bestimmen. Von besonderer Bedeutung sind seine Ausgaben indischer grammatischer und lexikographischer Werke, wofür er eine Reihe von Handschriften kollationierte. Zusammen mit G. Bühler verfaßte er eine Analyse der Zitate in einem aus dem 12. Jahrhundert stammenden Kommentar zur Yājñavalkya-Smṛti, einem in Sanskrit verfaßten Gesetzbuch des 3./4. Jahrhundert nach Christus. Ferner edierte er 2 Quellenschriften zur indischen Lexikographie des mittelalterlichen indischen Grammatikers Hemacandra; auch dafür hatte er Handschriften aus europäischen und indischen Bibliotheken verglichen. Auch mit hebräisch-indischen Grabinschriften aus Aden sowie mit den semitischen Zeitwörtern, die in das Mitteliranische eingedrungen waren, hat er sich beschäftigt. In seiner letzten größeren Arbeit „Orabazes“ (1917) bemüht sich K. um den Lautwert eines besonderen Schriftzeichens auf Münzlegenden aus Ostturkestan. Er lebte, in späteren Jahren auch aus Gesundheitsgründen, sehr zurückgezogen, stand aber stets in lebhaftem wissenschaftlichem Briefwechsel mit Fachkollegen der ganzen Welt, besonders aus Indien. K. wird als verschlossener Charakter geschildert, der von der indischen Philosophie nicht unbeeinflußt geblieben war.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Société Asiatique (Paris), Membre perpétuel de la Société de Linguistique (Paris); korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. in Wien (seit 1902); Vorstandsmitgl. d. Dt. Morgenland. Ges.

  • Werke

    Weitere W u. a. Indian Studies II, Contributions to the Hist. of the Mahābhārata (mit G. Bühler), in: SB d. Ak. d. Wiss. Wien, phil.-hist. Kl. 127, 1892, XII;
    Die alphabet. Einordnung v. Anus-vāra u. Visarga, ebd. 133, 1895, VIII;
    Epilegomena zu m. Ausg. v. Hemachandra's Unādiganasūtra, ebd. 132, 1895, XI;
    Prof. J. K. Collation d. Textes d. Yājñavalkya-Smṛti. Analyse d. Citate in Aparārkas Commentare, hrsg. v. G.|Bühler, Denkschrr. d. Ak. d. Wiss. Wien, phil.-hist. Kl. 42, 1893, V. -
    Hrsg.: Das Uṇādigaṇasūtra d. Hemachandra mit d. selbstverfaßten Commentare d. Autors, 1895;
    Der Dhātupāṭha des Hemachandra, mit dem selbstverfaßten Commentare des Autors, 1901.

  • Literatur

    N. Rhodokanakis, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien 70, 1920, S. 254-56;
    F. Lochner v. Hüttenbach, Das Fach vgl. Sprachwiss. an d. Univ. Graz, 1976 (W, L);
    ÖBL.

  • Portraits

    W. Rau, Bilder hundert dt. Indologen, 1965 (Verz. d. oriental. Hss. in Dtld. Suppl.bd. 4, S. 50).

  • Autor/in

    Fritz Freiherr Lochner von Hüttenbach
  • Empfohlene Zitierweise

    Lochner von Hüttenbach, Fritz Freiherr, "Kirste, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 678 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119105721.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA