Lebensdaten
1873 bis 1932
Geburtsort
Arnsdorf Kreis Schweidnitz (Schlesien)
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118995359 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Keller, Paul
  • Celler, Paul

Orte

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Zitierweise

Keller, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118995359.html [31.03.2020].

CC0

  • Genealogie

    V August ( 1922), Maurer, dann reisender Schnittwarenhändler (Leinwand u. Stoffe), S d. Johann, Brunnenbauer u. Kleinbauer in A.;
    M Josepha Peschke, aus d. Gegend v. Troppau;
    Arnsdorf 1896 Magda Wentzig ( 1957), Bauern-T aus A; Lebensgefährtin (seit 1913) Elisabeth (* 1893), T d. Prof. Göllner in B.; Ehe kinderlos; mit E. Göllner, 1 S, 1 T (beide v. K. adoptiert);
    1 Adoptiv-S, 1 Adoptiv-T.

  • Leben

    Da K.s Eltern aus beruflichen Gründen selten zu Hause waren, wuchs er bei seinem Großvater auf, der seine Liebe zur Natur und zur Heimat weckte. Schon während seiner Arnsdorfer Volksschulzeit debütierte K. mit zwei Gedichten in der „Deutschen Dichterlaube“ (Berlin). Mit dem Vorsatz, Lehrer zu werden, besuchte er 1887-90 die Präparandenanstalt in Landeck und 1890-93 das Lehrerseminar in Breslau. Weit mehr als seine Studien beschäftigte ihn dort die Einrichtung eines „Seminartheaters“, für das er zahlreiche kleine Stücke schrieb und von dem er in seiner Kurzgeschichte „Das Königliche Seminartheater“ (erschienen 1916) erzählt. Im Winter 1893 trat er seine erste Stelle in Jauer Kreis Ohlau an. Doch bereits im nächsten Jahr wechselte er an die Präparandenanstalt in Schweidnitz über, wo er bis 1896 den Posten eines Hilfslehrers innehatte. 1896-1908 war er Volksschullehrer in Breslau.

    Schon während seiner Seminarzeit hatte K. gelegentlich für den „Neuroder Hausfreund“ und später für die „Schlesische Volkszeitung“ und die „Katholische Schulzeitung für Norddeutschland“ Erzählungen, Skizzen und Plaudereien verfaßt. In den Breslauer Jahren widmete er sich nun neben seinem Beruf immer intensiver der Schriftstellerei. 1898 erschien sein erster 2bändiger Erzählungsband mit dem Titel „Gold und Myrrhe“. K. zeigt sich bereits hier als gewandter und phantasievoller Fabulierer und wendet sich in seinen Kurzgeschichten und Märchen gegen den materiellen Fortschrittsoptimismus und gegen hybride und selbstgerechte Moralvorstellungen. Berühmt wurde K. mit seinem 1902 erschienenen Roman „Waldwinter“, der zu den meistgelesenen Büchern jener Zeit gehörte. Seinen Roman „Die Heimat“ (1903) nannte Felix Dahn „echte Heimatkunst“. 1909-12 gab K. die Zeitschrift „Der Guckkasten“ heraus, 1914 gründete er die Zeitschrift „Die Bergstadt“, in der viele seiner Erzählungen zum erstenmal veröffentlicht wurden. Zwischen 1903 und 1927 unternahm er in Begleitung seines Freundes, des Schriftstellers Paul Barsch, zahlreiche Reisen in die Schweiz, nach Italien, Dänemark, Schweden, Ungarn, Tunesien und Algerien. 1927 reiste er nach Istanbul. Häufige Lese- und Vortragsreisen führten ihn bis kurz vor seinem Tode durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und die Tschechoslowakei.

    K. gehörte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den meistgelesenen Autoren Deutschlands. 1931 erreichten seine Bücher eine Auflagenhöhe von 5 Millionen Exemplaren. Neben seinen Erzählungs- und Novellenbänden waren die Romane „Waldwinter“ (1902), „Die Heimat“ (1903), „Der Sohn der Hagar“ (1907) und „Ferien vom Ich“ (1915) seine bekanntesten Werke, die zum Teil auch verfilmt wurden. Seine Erzählungen, oft in Form von Märchen, Gleichnissen und Allegorien, sind geprägt von konservativem Idealismus, Heimatliebe und naiver Frömmigkeit. Fast alle seine Werke spielen in der schlesischen Heimat des Dichters, deren Naturschönheiten K. immer wieder und fast schwärmerisch beschreibt. Zwar wurzeln seine Erzählungen und Romane in den Moral- und Wertvorstellungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, doch versucht er in all seinen Büchern, die Leser zu einem sozialen und moralischen Verantwortungsgefühl gegenüber Strauchelnden („Sohn der Hagar“) und Gestrandeten („Der Lump“, Erzählung) zu erziehen. Immer wieder mahnt er zur moralischen Umkehr und zur Abwendung vom materiellen Gewinnstreben in der Großstadt („Ferien vom Ich“). Nach seiner Ansicht findet der durch die Zivilisation verdorbene Mensch allein in der Natur und|bei körperlicher Arbeit zur eigentlichen sittlichen Tiefe und zur humanen und christlichen Existenz zurück. Während sich K. hauptsächlich mit dem Schicksal der „kleinen Leute“ befaßt, bleibt die Tendenz seiner Erzählungen doch stets romantisch-idyllisch und konservativ-moralisch. Zeit- und sozialkritische Fragestellungen oder gesellschaftliche Analysen, wie sie die Naturalisten anstellten, liegen ihm fern. Sind seine Frühwerke noch von großem Einfallsreichtum, verbaler Brillanz und vitaler Erzählfreude geprägt, gleitet K. in seinem Spätwerk häufig in süßliche, stark klischeehafte Sentimentalität ab.

  • Werke

    Weitere W u. a. Romane: Die alte Krone, 1909;
    Die Insel d. Einsamen, 1913;
    In fremden Spiegeln, 1920;
    Die vier Einsiedler, 1923;
    Marie Heinrich, 1926;
    Titus u. Timotheus u. d. Esel Bileam, 1927;
    Ulrichshof, 1929;
    Mihel, der Rächer, 1931. -
    Das Niklasschiff (Neue Erzz.), 1907;
    Grünlein (Dt. Kriegsgesch.), 1915;
    Von Hause, 1917;
    Hubertus, 1918;
    Altenroda (Novellen), 1921;
    Bergkrach (Humoreske in schles. Mundart), 1932;
    Sein zweites Leben (Liebesbriefe v. P. K. an Isa Göllner), 1934 (P).

  • Literatur

    J. Eckardt, P. K., 1908;
    H. H. Borcherdt, P. K., 1910;
    G. W. Eberlein, P. K., 1922;
    H. Wentzig, P. K., 1954 (P);
    A. Teuber, in: Schlesien 2, 1957;
    W. Menzel, ebd. 18, 1973, S. 149-55;
    A. Lubos, Die schles. Dichtung im 20. Jh., 1961;
    J. Hoffbauer, in: Schles. Lb. V, 1968, S. 178-86 (L, P).

  • Portraits

    Büste v. Paul Schulz, Abb. b. Wentzig, s. L.

  • Autor/in

    Eva-Suzanne Bayer-Klötzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bayer-Klötzer, Eva-Suzanne, "Keller, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 465 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118995359.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA