Lebensdaten
1568 bis 1631
Geburtsort
Säckingen
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Jesuit ; Kontroverstheologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122889576 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Keller, Jakob
  • Aurimontius, Jacobus
  • Fabius, Hercynianus
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Zitierweise

Keller, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122889576.html [09.12.2019].

CC0

  • Leben

    K. trat 1588 in den Jesuitenorden ein, lehrte um 1600 in Ingolstadt Philosophie und Theologie, wurde 1606 Rektor des Jesuitenkollegs in Regensburg und 1607 Rektor des Jesuitenkollegs in München, welches wichtige Amt er mit einer Unterbrechung (1623–26) bis zu seinem Tod behielt. Neben dieser Tätigkeit im Orden, bei der er unter anderem Jacob Balde förderte, sowie derjenigen als theologischer Berater Herzog Maximilians I. von Bayern, trat K. hauptsächlich als Kontroverstheologe sowie anonym beziehungsweise pseudonym als politischer und historischer Schriftsteller hervor, wobei er, persönlich milde, Gelehrsamkeit und Scharfsinn mit Schärfe, ja Derbheit der Formulierung verband. In seinem an die lutherischen Reichsfürsten gerichteten „Tyrannicidium“ (lateinisch und deutsch München 1611) bezeichnete er kurz nach der Ermordung Heinrichs IV. von Frankreich die Lehre des J. Mariana vom Tyrannenmord als nicht repräsentativ für den Jesuitenorden. Dem Werk des protestantischen Pfalz-Neuburger Hofpredigers J. Heilbrunner „Uncatholisch Pabstthumb“ (1609) setzte K. 1614 das „Catholische Pabstthumb“ (2 Bände) entgegen, woran sich weitere Kontroversen schlossen.

    Mit seinen politischen und historischen Arbeiten stand K. im Dienst der politischen und dynastischen Zielsetzungen Maximilians I. von Bayern. 1620 beschrieb er in einem „Panegyricus“ auf Maximilian den böhmischen Feldzug dieses Jahres, 1621 stellte er im „Constantius Peregrinus castigatus“ unter dem Pseudonym „Berchtoldus a Rauchenstein“ Maximilians Verdienste um den Sieg am Weißen Berg polemisch heraus. Insbesondere war K. dann am sogenannten Kanzleienstreit beteiligt: Unter dem Pseudonym „Fabius Hercynianus“ schrieb er gegen L. Camerarius und die pfälzisch-kalvinistische Partei 1623 die „Litura seu Castigatio Cancelleriae Hispanicae“ (lateinisch und deutsch 1623), 1624 die „Cancelleriae Anhaltinae pars secunda“ (lateinisch und deutsch 1624), 1625 den „Rhabarberus“ und den „Tubus Gallilaeanus“ (lateinisch und deutsch 1625), in denen auch von der Liga erbeutete pfälzische Akten wirkungsvoll publiziert wurden. Dagegen stammt der Ausgangspunkt des Kanzleienstreits, die „Anhaltische Kanzlei“ von 1621 sehr wahrscheinlich nicht von K., sondern von den bayerischen Geheimräten Jocher und Leuker. Auch die 1625 erschienenen, gegen Richelieu gerichteten berühmten Flugschriften „Mysteria politica“ und „Admonitio ad Ludovicum XIII. regem“ wurden nicht von K., sondern vom Beichtvater Maximilians I., P. Contzen SJ, verfaßt.

    Die bedeutendste kritische Leistung K.s war dem historischen Bereich gewidmet, der Verteidigung Kaiser Ludwigs des Baiern im Auftrag Herzog Maximilians. Gegen die Darstellung Kaiser Ludwigs in der Fortsetzung der Annales Ecclesiastici des Baronius durch den Dominikaner Abraham Bzovius (Band XIV., 1617) veröffentlichte K. unter dem Namen des bayerischen Oberstkanzlers Hans Georg Hörwarth von Hohenburg den „Ludovicus Quartus Imperator defensus contra Bzovium“ (1618, 21621). Unter Benützung, aber auch Erweiterung und vor allem kritischer Handhabung der von Chr. Gewold gesammelten Quellen gelang es K. mit großem Scharfsinn, Bzovius Punkt um Punkt zu widerlegen und damit die wissenschaftliche Grundlage für die Neufassung der inkriminierten Passagen durch Bzovius (1625) herzustellen. Das Werk hat einen gesicherten Platz in der bayerischen Historiographie. – K.s historischer Ort ist die Welt der Gegenreformation, die nicht zuletzt durch die enge Zusammenarbeit zwischen Ordensleuten und katholischem Fürstentum gekennzeichnet ist.

  • Werke

    Verz. s. Sommervogel IV, S. 981-97 (Korrekturen s. oben).

  • Literatur

    ADB 15;
    Duhr, II, 2;
    A. Dürrwächter, Chr. Gewold, 1904;
    F. H. Schubert, L. Camerarius, 1955;
    D. Albrecht, Die auswärt. Pol. Maximilians v. Bayern, 1962;
    A. Kraus. Die Ann. Ecclesiastici d. A. Bzovius u. Maximilian I. v. Bayern, in: Reformata Reformanda, Festgabe f. H. Jedin, 1965, S. 253-303;
    Briefe u. Akten z. Gesch. d. 30j. Krieges, NF 1, T. II (1621–22), bearb. v. A. Duch, 1970, S. 43;
    L. Weber, Veit Adam v. Gepeckh, Fürstbischof v. Freising 1618–51, 1972;
    Wetzer-Welte VII;
    R. Bireley, Maximilian v. Bayern, A. Contzen u. d. Gegenref. 1624–35, 1975.

  • Autor/in

    Dieter Albrecht
  • Empfohlene Zitierweise

    Albrecht, Dieter, "Keller, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 457 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122889576.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Keller: Jakob K., geb. 1568 zu Säckingen in Schwaben, am 23. Febr. 1631 zu München, trat in seinem zwanzigsten Lebensjahre in den Jesuitenorden, lehrte in den Schulen desselben Humaniora, Philosophie, Moraltheologie und scholastische Theologie, und stand später den Collegien zu Regensburg und München als Rector vor. Beim Kurfürsten Maximilian von Baiern stand er in großer Gunst, und wurde von demselben mehrfach in Geschäften verwendet,|betheiligte sich auch lebhaft an den confessionellen Controversen seines Zeitalters; zu Neuburg an der Donau disputirte er mit Jakob Heilbronner, über welchen Redeact er eine besondere Schrift veröffentlichte. Aus seinen übrigen Controversschriften heben wir hervor: „Papatus catholicus“, auch in deutscher Bearbeitung unter dem Titel: „Katholisches Papstthumb“, 1616 (2 Bde. Fol.).

    • Literatur

      Siehe Backer III, p. 390; VII, p. 283.

  • Autor/in

    Werner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Werner; Riezler, Sigmund Ritter von, "Keller, Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 581-582 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122889576.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Keller: Jakob K., Jesuit (Ergänzung zu A. D. B. XV, 581). Die Studien sind ihm nicht leicht geworden. Darauf beruht es wol, daß einer seiner jesuitischen Beurtheiler ihm nur eine mittelmäßige Begabung zuspricht. Zutreffender aber ist das Urtheil eines andern: daß K., nachdem einmal das Eis gebrochen war, als Schüler wie Lehrer die glücklichsten Fähigkeiten bewiesen habe. Im 20. Lebensjahre wurde er bereits Doctor (nach anderer|Angabe: Licentiat) der Theologie, am 8. Januar 1589 in Luzern in den Orden aufgenommen. Die Gelübde legte er am 13. Januar 1591 zu Augsburg ab. Im Orden erkannte man, daß er sich besonders durch Weltklugheit auszeichne, und rief ihn daher an die Spitze des Collegs in Regensburg, bald aber (1607) des noch wichtigeren in München. Dieses leitete er dann 16 Jahre und nach einer Unterbrechung nochmals in seinen letzten drei Lebensjahren. Bei Maximilian von Baiern stand er in hohem Ansehen; bei seinem Bruder Albrecht und dessen Gemahlin war er Beichtvater. Er litt an häufigen und sehr lästigen Wallungen des Blutes gegen das Gehirn — er selbst sagt: in seinem Kopfe arbeiteten Cyklopen — und starb plötzlich, wohl vom Schlage gerührt.

    Unter einem Maximilian, der die Jesuiten so hoch verehrte, in den Vorjahren und dann in den Stürmen des großen Religionskrieges war dem Rector des Münchener Jesuitencollegs unter allen Umständen eine bedeutende, über die inneren Kloster- und Ordensangelegenheiten hinausgreifende Rolle gesichert. Bei K. kam seine Gelehrsamkeit und Klugheit, besonders aber die Gewandtheit und Schärfe seiner Feder dazu und so konnte es nicht fehlen, daß er diese, theils aus eigenem Antrieb, theils wol auf Ermunterung des Herzogs im Dienste der katholischen Sache verwerthete. Unter den Polemikern, die der Jesuitenorden damals gegen die Protestanten auf dogmatischem wie politischem Gebiete ins Feld stellte, zählt K. zu den rührigsten und geschicktesten. Zweifellos hat er nach damaliger Jesuitensitte häufig den Kampfplatz mit geschlossenem Visier betreten und so ist es nicht immer möglich, seine Autorschaft mit Sicherheit festzustellen. Unter dem Namen: Jakob Silvanus (Keller's Heimath Säckingen liegt an den südlichen Ausläufern des Schwarzwaldes) erschien 1607 die „Philippica“, eine lebendige und witzige, aber von Schmähungen nicht freie Streitschrift gegen des Protestanten Löfenius „Wohlmeinende Warnung wider des Papstes und seiner Jesuiten Lehre und Praktiken“. Als Verfasser wurde allgemein K. betrachtet; daß dieser in seinem „Tyrannicidium“ die Urheberschaft ablehnte, kann die Annahme nicht entkräften. In diesem Tyrannicidium (München 1611, auch in deutscher Uebersetzung) wies K. die Verdächtigung zurück, als seien die Jesuiten in die Mordthat Ravaillac's verwickelt, und suchte den Vorwurf zu widerlegen, daß sie den Tyrannenmord lehrten. Unter den von jesuitischer Seite in diesem heftigen Federkriege veröffentlichten Schriften ist das Tyrannicidium das bedeutendste. 1617 und 1618 hatte der Archivar Gewold eine Ehrenrettung Kaiser Ludwig's des Baiern gegen den Dominicaner Bzovius verfaßt und auf Maximilian's Weisung K. als dem von ihm selbst vorgeschlagenen Censor seine Schrift Bogen für Bogen vorgelegt. K. erkannte, daß er die Sache noch besser machen könne, und da er sich und seinem Orden die günstige Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte, Maximilian's Dank zu verdienen, schrieb er flugs selbst einen „Ludovicus imp. defensus“, ein Werk, das auf Gewold's Schultern steht, aber, wie man anerkennen muß, die Arbeit des Archivars an kritischem Scharfsinn und wissenschaftlichem Werth übertrifft. Gewold war nach seinem bisher behaupteten curialistischen Standpunkte und bei dem starken Einflusse, den der Jesuit Greiser auf ihn übte, gerade für diese Aufgabe wenig geeignet. Es ist überaus merkwürdig, daß der eifrige Jesuit in diesem Buche, seinem für Kaiser Ludwig begeisterten Landesherrn zuliebe, die Partei der Staatsgewalt gegen die Curie ergreift und die Politik der avignonesischen Päpste entschieden verurtheilt. Offen aber konnte ein Mitglied der Gesellschaft Jesu nicht als Autor einer Schrift auftreten, in der solche Töne angeschlagen und die curialistische Auffassung vom Kaiserthum bekämpft wurde. Die Welt mußte daher über|den Verfasser getäuscht werden: K. blieb im Dunkel und der Landschaftskanzler, der gelehrte Hans Georg Herwart, lieh dem Werke seinen Namen.

    Die Calvinisten betrachtete K. gleich Herzog Maximilian als nicht in den Religionsfrieden eingeschlossen. An den für die calvinistische Partei compromittirenden Büchern „Fürstl. Anhaltisch geheime Kanzlei“ und „Der unirten Protestirenden Archif“, Enthüllungen, die aus den erbeuteten Acten Christian's von Anhalt und des Heidelberger Archivs nach Maximilian's Auftrag zusammengestellt und 1621 veröffentlicht wurden, scheint neben den Räthen Jocher und Leucker K. mitgewirkt zu haben, wenn er nicht geradezu der Hauptverfasser war. Auch in den Federkrieg, der sich nach der Schlacht am Weißen Berge zwischen Bucquoy und Tilly entspann, hat K., wie es scheint, eingegriffen. Man vermuthet ihn unter dem Pseudonym Berchtold v. Rauchenstein, der Bucquoy's irischem Beichtvater Fitzsimon und seiner Geringschätzung der Verdienste Tilly's und Maximilian's die Schrift „Constantius Peregrinus castigatus“ (Bruggae 1621) entgegenstellte. Alegambe (Bibl. Script. Soc. Jesu 448) nennt K. auch als Verfasser des Panegyricus (deutsch: Lobred) auf die glückliche Rückkehr Maximilian's nach München nach dem siegreichen Feldzuge von 1620 Es ist aber fraglich, ob dafür nicht Keller's Ordensgenosse Drechsel in Betracht kommt, von dem jedenfalls das Material zu der Schrift hauptsächlich geliefert wurde.

    1624 erschienen in Neapel die „Mysteria politica, h. e. Epistolae arcanae virorum illustrium“. Die Schrift, die in Paris durch den Henker verbrannt wurde, enthält erfundene Briefe von Männern aus dem Lager der protestantischen Partei, deren Ränke und Pläne dadurch aufgedeckt werden sollen. Ihr Hauptzweck ist, auf die französische Politik einzuwirken, die französischen Staatsmänner vor der Verbindung mit den Feinden der katholischen Sache zu warnen, sie vielmehr zum Kampf gegen die Hugenotten anzufeuern. K. wird als der Verfasser vermuthet, und ist dies zutreffend, so hat er hier sicher nicht ohne die Zustimmung, wahrscheinlich sogar auf die Anregung seines Fürsten in die actuelle Politik einzugreifen versucht. Auch für die „Admonitio ad Ludovicum XIII. regem“ ist an K. als Verfasser gedacht worden. Gegen Camerarius richtete er 1625 den „Tubus Galileanus“ und eine andere Streitschrift, die unter dem deutschen Titel: „Purgiertränklein“ erschien. Eine Lebensbeschreibung des P. Canisius aus seiner Feder vom Jahre 1612 liegt handschriftlich (Nr. 320 in Folio) in der Münchener Universitätsbibliothek.

    Münchener Reichsarchiv, Jesuitica, bes. Fasc. 82: Literae annuae (diese für Keller die Hauptquelle der Elogia in Nr. 196½, p. 81); ferner Fasc. 190. 199. — Friedrich, Der Jesuit Keller als der wahre Verfasser der unter dem Namen Herwarts 1618 erschienenen Schrift: Lud. IV. imp. defensus (Sitz.-Ber. d. Münchener Akad., hist. Cl. 1874). — Stieve, Briefe u. Acten V, 919 und A. D. B. XIV, 102. — Janssen, Gesch. d. deutschen Volkes V, 549 flgd. — Koser, Der Kanzleienstreit. — Duhr in Wetzer u. Welte, Kirchenlexikon VII, 361. — Jul. Krebs, Die Schlacht am Weißen Berge, S. 136 f. — Rich. Krebs, Die politische Publizistik der Jesuiten und ihrer Gegner in den letzten Jahrzehnten vor Ausbruch des 30jähr. Kriegs, s. Register. — Riezler, Gesch. Baierns VI, 381 f., 438 f. und Kriegstagebücher aus dem ligistischen Hauptquartier 1620 (Abhdlgn. der Münchener Akad., hist. Cl. XXIII, 85). — Dürrwächter, Christoph Gewold, S. 85 f. — Verzeichniß der Schriften bei Backer-Sommervogel, Bibl. de la Comp. de Jésus IV, 981—997 und IX, 544.

  • Autor/in

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    CC-BY-NC-SA