Lebensdaten
1665 bis 1705
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
kaiserlicher Reichsvizekanzler
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 124899242 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kaunitz, Dominik Andreas Graf
  • Kaunitz
  • Kaunitz, D. A. von
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Zitierweise

Kaunitz, Dominik Andreas Graf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124899242.html [09.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Leopold Wilhelm (1614–55, s. Einl.), S d. Ulrich (1569–1617) u. d. Ludmilla v. Ruppau;
    M Eleonore (1623–87), T d. Maximilian Fürst v. Dietrichstein (1597–1638, N d. Kardinals Franz Fürst v. D., 1636, s. NDB III), Oberhofmeister Ferdinands III., u. d. Anna Maria Prn. Liechtenstein;
    Tanten-m Anna Franziska Gfn. v. Dietrichstein ( Walter Gf. Leslie. 1667, Hofkriegsratspräs., Hauptbeteiligter b. d. Ermordung Wallensteins). Margarete Gfn. v. D. ( Raimund Fürst v. Montecuccoli, 1680, österr. Feldherr u. Staatsmann), Maria Klara Gfn. v. D. ( Friedrich Gf. v. Trauttmansdorff, 1696, kaiserl. Bevollmächtigter beim Westfäl. Frieden);
    Vt Rudolph Gf. ( 1689, Elisabeth, T d. Gen. Albrecht v. Wallenstein, 1634), Oberstlandjägermeister v. Böhmen;
    - 1675 Maria Eleonore (1657–1706), T d. Adoph Wratislaw Gf. v. Sternberg ( 1703), Oberstburggf. u. Statthalter im Kgr. Böhmen (s. Wurzbach 38), u. d. Anna Lucie Gfn. Slavata;
    4 S, 4 T u. a. Franz Karl (1676–1717), Bischof v. Laibach;
    E Wenzel Anton (s. 2).

  • Leben

    Nach einer Kavaliersreise durch Italien 1671-73 studierte K. an der Adelsakademie in Besançon, reiste dann weiter durch Frankreich und kehrte Juni 1674 nach Austerlitz zurück. 1676 wurde er Prinzipalkommissar beim böhmischen Landtag in Brünn. 1682 erhielt er die wichtige Gesandtschaft in München. Es gelang ihm, den Kurfürst Max Emanuel auf der kaiserlichen Seite zu halten. 1683 beherbergte K. den Kurfürsten, mit dem er befreundet war, in seinem Haus in Wien und auf seinen mährischen Gütern. Über seine geistreiche, schöne Gemahlin übte er lange einen wichtigen Einfluß auf den Kurfürsten aus. Insbesondere wird ihrer Überredungskunst die Heirat des Kurfürsten mit der Erzherzogin Maria Antonie zugeschrieben, mit der sich Bayern die Aussicht auf Teile des spanischen Erbes eröffnete. Am Zustandekommen der Augsburger Allianz 1686 war K. maßgeblich beteiligt. 1687 scheiterte er mit seiner Mission, Jakob II. von England auf die Seite der antifranzösischen Koalition zu ziehen. 1687 gelang es ihm als kaiserlicher Wahlkommissar, die Wahl Joseph Clemens', eines Bruders des Kurfürsten von Bayern, zum Koadjutor von Köln gegen heftigen französischen Widerstand durchzusetzen. 1688/89 war er wieder in München. Seit 1685 Geheimer Rat, wurde er 1687 zum Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies geschlagen. Nachdem verschiedene Bewerbungen nicht zum Ziel geführt hatten, wurde er 1694 zum außerordentlichen Bevollmächtigten des Kaisers im Haag ernannt, wo er bis Ende 1697 blieb. Beim Frieden von Rijswijk war er der erste kaiserliche Unterhändler.

    Auf Betreiben des Kurfürst Max Emanuel wurde K. 1696 Reichsvizekanzler. Zu dieser Zeit hatte das Amt bereits erheblich an Glanz verloren. Da er als Vertreter der böhmischen Adelsclique angesehen wurde, wurde seine Ernennung im Reich mit Mißtrauen aufgenommen, das er nie ganz überwinden konnte. K. vertrat eine auf Ausgleich mit Frankreich zielende Politik, die die alten habsburgischen Bindungen an Spanien mit Mißtrauen betrachtete. Er wollte einen flächenmäßig arrondierten Territorialstaat in Mitteleuropa mit den böhmischen und österreichischen Ländern als Kern. Durch Verhandlungen mit Frankreich hoffte er, Mailand zu erwerben und Bayern eintauschen zu können. Wegen dieser Haltung verlor er 1700 beim Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges an Einfluß. Bei dem Revirement 1703, bei dem sich nicht zuletzt der spätere Kaiser Joseph I. gegen die Räte seines Vaters durchsetzte, gehörte K. zur Partei der neuen Leute um Wratislaw Starhemberg und Prinz Eugen. Seine Amtsführung in den letzten beiden Jahren wurde insbesondere von seinem Nachfolger Friedrich Karl von Schönborn scharf kritisiert.

    In seinen letzten Jahren beschäftigte sich K. mit weit ausgreifenden wirtschaftlichen Plänen. So hoffte er, 1702 durch den Bau einer großen Textilmanufaktur in Austerlitz, der ersten in Böhmen, aus seinen ständigen Geldverlegenheiten herauszukommen. Die Produktion wurde 1704 aufgenommen, ohne zu großen Ergebnissen zu führen. K. starb hochverschuldet.

  • Literatur

    ADB 15;
    M. Braubach, Prinz Eugen v. Savoyen, 5 Bde., 1963-65;
    G. Klingenstein, Der Aufstieg d. Hauses Kaunitz, 1975 (P).

  • Autor/in

    Karl Otmar Freiherr von Aretin
  • Empfohlene Zitierweise

    Aretin, Karl Otmar Freiherr von, "Kaunitz, Dominik Andreas Graf" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 363 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124899242.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kaunitz: Dominik Andreas Graf von K., ein Enkel Ulrichs, des ersten Freiherrn von Kaunitz (1569—1617), wurde als der einzige Sohn des im J. 1642 in den böhmischen Grafenstand erhobenen Leopold Wilhelm v. K. (geb. am 16. Januar 1614), des Stifters der jüngeren mährischen, später fürstlichen, jetzt ausgestorbenen Linie — aus dessen zweiter Ehe mit Maria Eleonora Gräfin von Dietrichstein im J. 1655, dem Todesjahre seines Vaters — geboren. Er war bereits kaiserlicher Rath, Kämmerer und Landrechtsbeisitzer in Mähren, als ihn Kaiser Leopold I. am 25. Novbr. 1682 in den Reichsgrafenstand erhob. In demselben Jahre betrat er seine diplomatische Laufbahn als kaiserlicher Gesandter am kurbaierischen Hofe. Er eröffnete dem Kurfürsten die Absicht des Kaisers zu persönlicher Berathung mit den Kurfürsten den Reichstag in Regensburg zu besuchen und erlangte die Zusage des baierischen Kurfürsten sich bei dieser Zusammenkunft einzufinden. Er benachrichtigte denselben von dem Abschlusse eines Defensivbündnisses zwischen dem Kaiser und dem Könige von Schweden und bewog ihn zur Truppenstellung gegen die Türken. Im Juli 1683 kam die betreffende Convention zu Stande. Gegen das Ende des Jahres 1686 wurde K. mit einer Mission nach Brüssel, in den Haag und nach London betraut. Er sollte sich mit dem Gouverneur der spanischen Niederlande in das Einvernehmen setzen, über die zu Eleve zwischen Kurbrandenburg und dem Prinzen von Oranien getroffenen Verabredungen und über die wahren Gesinnungen des Prinzen sich informiren, am englischen Hofe aber im engsten Anschlusse an den spanischen Gesandten freundliche Beziehungen zu dem Kaiserhofe anzubahnen und zu erhalten suchen. Er hatte namentlich die Aufgabe, den König Jakob II. aufzuklären über die eigentlichen Pläne und Absichten des Königs Ludwig XIV., welche dahin zielten, Belgien an sich zu reißen, das römische Reich zu zerstückeln und sollte dem Könige Jakob II. eventuell ein Bündniß anbieten zu gemeinsamem Schutze des Friedens, zu gemeinsamer Vertheidigung gegen weitere verheerende und zerstörende Unternehmungen der französischen Krone. — Im folgenden Jahre finden wir K., dessen treue Dienste der Kaiser durch Verleihung der Würde eines geheimen Rathes und des Ordens vom goldenen Vließe anerkannt hatte, als kaiserlichen Gesandten an den kurfürstlichen Höfen von Baiern und der Pfalz, von Mainz. Trier und Köln. Er sollte Ceremonialanstände beilegen, die sich beim Kurfürstencollegium in Regensburg, erhoben hatten, suchte die Kurfürsten zu gemeinsamem Vorgehen zu bewegen, um die weitere Ausführung und Vollendung der von Frankreich geplanten Grenzbefestigungen zu verhindern, bemühte sich Mannschaften zur Ausfüllung der während der letzten Feldzüge in die Reihen der kaiserlichen Infanterie gerissenen Lücken zu erhalten, und trachtete die Wahl des ganz von Frankreich abhängigen Kardinals von Fürstenberg, des Bischofs von Straßburg zum Coadjutor von Köln zu vereiteln. Nach dem am 3. Juni 1688 erfolgten Tode des Kurfürsten Max Heinrich eilte K. als kaiserlicher Wahlbotschafter abermals nach Köln. Mit vieler Klugheit und Entschlossenheit wußte er die Wahl des vom Könige Ludwig XIV. unterstützten Kardinals von Fürstenberg zu vereiteln und die Wahl des vom Kaiser candidirten Prinzen Josef Clemens, des Bruders des baierischen Kurfürsten zum Erzbischofe in Köln (20. Septbr. 1688) zu fördern. Im J. 1689 wohnte er der Passauer Bischofswahl als kaiserlicher Commissär bei und im folgenden Jahre wurde er nach Mainz und Trier gesandt, um die Wahl des Hoch- und Deutschmeisters zum Coadjutor des kranken Kurfürsten von Mainz zu betreiben. Wiederholt finden wir ihn auch in den folgenden Jahren — namentlich 1694 und 1695 als kaiserlichen Gesandten in Köln, in Brüssel und im Haag. Als kaiserlicher Bevollmächtigter nimmt er an dem Congresse der Alliirten im Haag, als erster Bevollmächtigter des Kaisers an den Verhandlungen des Ryswicker Friedens regen Antheil. Seit dem J. 1698 leitete er als kaiserlicher Reichsvicekanzler und geheimer Conferenzminister die Staatsgeschäfte des deutschen Reiches. Mit aller Hingebung widmete sich K. den Pflichten dieses hohen und wichtigen Amtes, dem er vermöge seiner außerordentlichen Begabung vollkommen gewachsen erschien. Leider wurden seiner Thatkraft, seinem lebhaften Pflichteifer vielfache Schranken gesetzt durch seine Kränklichkeit. Er starb zu Wien am 11. Januar 1705. Seine am 25. Novbr. 1675 geschlossene Ehe mit Maria Eleonora (gest. am 2. Decbr. 1706), einer Tochter des Oberstburggrafen von Böhmen, Adolf Wratislaw Grafen von Sternberg, entstammten vier Söhne und vier Töchter. Der älteste Sohn Franz Karl wurde geboren am 2. Nov. 1676 und starb am 25. Septbr. 1717 als Bischof von Laibach. Der dritte Sohn Max Ulrich (1679—1746) ward der Vater des berühmten Staatskanzlers der Kaiserin Maria Theresia.

    • Literatur

      Nach Acten des k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien. Vgl. D'Elvert (Christian), Die Kaunitze (im Taschenbuche für die Geschichte Schlesiens und Mährens, hrsg. von G. Wolny. 2. Jahrg. 1827). Arneth (Alfred Ritter von), Prinz Eugen von Savoyen, Bd. I (Wien 1858). — Wurzbach, Biogr. Lexikon, Theil 11. (Wien 1864).

  • Autor/in

    Ant. Vict. Felgel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Felgel, Anton Victor, "Kaunitz, Dominik Andreas Graf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 485-486 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124899242.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA