Lebensdaten
1650 bis 1726
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Gartenkünstler ; Baumeister
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 123414903 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Karger, Johann Friedrich
  • Kargor, Johann Friedrich

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Zitierweise

Karcher, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd123414903.html [25.05.2017].

CC0

Karcher, Johann Friedrich

Gartenkünstler und Baumeister, * 8.9.1650, 9.2.1726 Dresden. (lutherisch)

  • Genealogie

    Eltern unbek.; 1) 1697 Katharina Elisabeth verw. Maas geb. Schöps ( 1714) aus Görlitz, 2) 1715 Anna Theodora verw. Steinbach geb. Förster ( 1717) aus Görlitz; 1 T aus 1).

  • Leben

    K.s Herkunft und früher Lebensweg sind unbekannt, doch zeigt seine erste überlieferte Arbeit, ein im März 1683 erstelltes Gutachten für die Umgestaltung des Großen Gartens zu Dresden, eine so gründliche Kenntnis der zeitgenössischen französischen Gartenkunst, daß eine vorangehende Tätigkeit in Frankreich, möglicherweise unter André Le Nôtre, wahrscheinlich ist. Am 6.8.1683 wurde K. zum kursächsischen Obergärtner ernannt. 1696 bestätigte August d. Starke diese Bestallung, und noch 1706 galt K. als der führende Gartenkünstler des Landes, obgleich er sich damals offenbar mehr als Architekt betätigte. 1698 und 1714 führten ihn Studienreisen erneut nach Frankreich. Im Mittelpunkt von K.s gartenkünstlerischem Wirken stand der Große Garten, den er seit 1684 betreute und der, nach seinen Plänen erweitert und mehrfach verändert, 1719 vollendet wurde. Zugeschrieben werden K. unter anderem auch der Zinzendorfische Garten bei Dresden und die Gartenanlagen des Schlosses Joachimstein bei Zittau. K.s Anteil an der Gestaltung der königlichen Gärten im Dresdener Schloß- und Zwingerbereich ist ungewiß, doch zeigt ihn das Titelblatt des 1729 von M. D. Pöppelmann herausgegebenen Kupferstichwerkes über dem Zwinger mit einem Orangenzweig in der Hand, ohne Zweifel ein Hinweis auf seinen gartenkünstlerischen Beitrag. Seit 1710 wurde Pöppelmann vom König auch als Gartenarchitekt bevorzugt, K. trat allmählich in den Hintergrund, nicht zuletzt wohl auch wegen eines um 1714 beginnenden Augenleidens. 1718 ist noch einmal von einem „Projet de Karger“ für die Gestaltung der Umgebung des Jagdschlosses Moritzburg die Rede, und von 1724 stammt K.s Federzeichnung einer „Gartenanlage mit Schloß und Ausblick auf eine Stadt…“.

    Für K.s Entwicklung als Baumeister mag eine 1693 unternommene Italienreise bedeutsam sein. Allerdings zeigen schon frühere Gartenentwürfe sein besonderes Interesse an Pavillons (zum Beispiel die sogenannten „Refraichirhäuschen“ im Großen Garten) und anderen Gartenarchitekturen. Das mag dazu beigetragen haben, daß er öfter mit der Errichtung provisorischer Bauten für Feste oder andere höfische Veranstaltungen beauftragt wurde. Zu ihnen gehörten unter anderem die Arkade für das Vogelschießen am 20.9.1699 oder das (gemeinsam mit Pöppelmann entworfene) hölzerne Amphitheater für die Festlichkeiten von 1709, beides Vorstufen der „Freiraumarchitektur“ der Zwingeranlage.

    Das eigentliche architektonische Werk K.s ist schwer zu fassen, weil infolge der politischen Schwierigkeiten Sachsens am Beginn des 18. Jahrhunderts die meisten seiner Baupläne nicht ausgeführt wurden und nur wenige von ihm signierte Entwürfe erhalten blieben. Neuere Untersuchungen haben aber ergeben, daß einige bisher Pöppelmann oder anderen Baumeistern zugeschriebene Planungen mit K. in Verbindung zu bringen sind. So ist zu vermuten, daß er an Vorschlägen für den Neubau eines Residenzschlosses in Dresden beteiligt war (nach 1701), und daß die ersten Entwürfe für den Umbau des königlichen Schlosses in Warschau (seit etwa 1699) von ihm stammen. Diese Aufgaben erklären auch seine 1699 erfolgte Ernennung zum Oberlandbaumeister (1706 zum alleinigen Oberlandbaumeister), ein für einen Gärtner außergewöhnlicher Rang. Ebenso spricht für seinen Ruf als Architekt, daß er 1698 in Berlin „wegen einiger praesentirter Risse“, wahrscheinlich für den von Friedrich I. beabsichtigten Schloßbau, eine ansehnliche Belohnung erhielt und daß er um 1712 im Auftrage des Landgrafen von Hessen zwei Entwürfe für einen Neubau des Schlosses Weißenstein (Wilhelmshöhe) anfertigte. Um die gleiche Zeit war K. an dem Bau des Schlosses Joachimstein bei Zittau beteiligt. Das 1707-11 für die Gräfin Cosel erbaute Taschenbergpalais in Dresden ist nach zeitgenössischen Quellen ein gemeinsames Werk von ihm und Pöppelmann, auf dessen künstlerische Entwicklung er ohne Zweifel einen erheblichen Einfluß ausübte. Um 1710 verfaßte K. im Auftrage des Königs ein Gutachten über städtebauliche Prinzipien als Grundlage zu einem „neuen Baureglement“ und unterbreitete Vorschläge für die Gestaltung von mit öffentlichen Mitteln geförderten Hausbauten. – K. gehörte zu den begabtesten deutschen Gartenkünstlern seiner Zeit und zu den führenden Architekten des sächsisch Barock.

  • Werke

    Weitere W u. a. Festarchitekturen: Entwurf f. Arkaden e. Festplatzes, 1697; „Kleines Colosseum f. d. Krönungsfeier in Tarnowitz, 1697; Anlage f. Schießfest im Zwinger 1711, f. Damenfest im Gr. Garten, 1719. - Bauten bzm. Bauentwürfe: Kasernen f. Dresden, 1704; Umgestaltung d. Kl. Theaters bei d. Redoute in Dresden, 1708; Jagdpavillon b. Wermsdorf, um 1710.

  • Literatur

    H. Koch, Sächs. Gartenkunst, 1910, S. 24, 30, 117, 123; O. Heynitz, Joachimstein, in: Bll. d. Landesver. Sächs. Heimatschutz 28, 1929, S. 393 ff.; W. Bachmann, Entstehung u. Frühgesch. d. Gr. Gartens, in: Flora 36/38, 1934, S. 87 ff.; Neues Lausitz. Mgz. 113, 1937, S. 44 ff.; E. Hempel, Der Dresdner Zwinger, o. J., S. 48, 80; ders., Gesch. d. dt. Baukunst, 1949, S. 410; ders., Der Zwinger zu Dresden, 1961, S. 28; W. Hentschel, Die sächs. Baukunst in Polen, 1967; ders., Die Zentralbauprojekte Augusts d. Starken, 1969; H. Heckmann, M. D. Pöppelmann, 1972; ThB (W, L).

  • Autor

    Dieter Hennebo
  • Empfohlene Zitierweise

    Hennebo, Dieter, "Karcher, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 148 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd123414903.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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