Lebensdaten
1792 bis 1831
Geburtsort
Klosterneuburg (Niederösterreich)
Sterbeort
Baden bei Wien
Beruf/Funktion
Musikhistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116038829 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kandler, Franz Sales
  • Kandler, Franz
  • Kandler, Franz Sales
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Kandler, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116038829.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz, Schulmeister in K.;
    M Elisabeth Mareck; ledig.

  • Leben

    Nach erstem Gesangsunterricht durch seinen Vater wurde K. 1802 Sängerknabe an der Hofkapelle in Wien und erhielt Unterricht in Harmonielehre durch J. G. Albrechtsberger und in der Komposition durch Antonio Salieri und A. Gyrowetz. Seit 1804 besuchte er daneben das akademische Gymnasium und begann 1808 das Studium der Philosophie, 1810 das der Jurisprudenz an der Universität Wien. Nach kurzer Tätigkeit als Lehrer trat K. 1815 in den Dienst des Hofkriegsrates und wurde 1817 auf Grund seiner italienischen Sprachkenntnisse als Marinebeamter in das damals österreichische Venedig versetzt. Seine Amtstätigkeit gab ihm dort hinreichend Gelegenheit zu musikalischer und musikhistorischer Betätigung. Er stellte die Grabstätten von Gioseffo Zarlino, Benedetto Marcello, Antonio Lotti und Baldassare Galuppi fest und ließ für Johann A. Hasse in der Chiesa di S. Marcuola ein marmornes Grabdenkmal errichten. Auf Grund einer 1820 abgelegten Kapellmeister-Prüfung wurde er Ehrenmitglied der Accademia filarmonica zu Bologna. 1821 wurde er als Militärbeamter nach Neapel versetzt, von wo aus er im Interesse seiner musikhistorischen Studien eine Reise zu Fortunato Santini nach Rom unternahm. Die nach seinem Tod von R. G. Kiesewetter herausgegebene deutsche Bearbeitung von Giuseppe Bainis Monographie über Palestrina entstand in diesen Jahren, ebenso manche Beiträge über italienische Musik, Musiker und Musikzustände in verschiedenen Zeitschriften. 1826 kehrte K. als Konzeptsbeamter in den Wiener Hofkriegsrat zurück. Ursachen und Ort seines wenige Jahre darauf erfolgten Todes sind nicht restlos geklärt. K., der unter anderem mit Simon Mayr und Franz Schubert im Briefwechsel stand und angesehene Komponisten, wie Giacomo Meyerbeer und Saverio Mercadante zu seinen Freunden zählte, gehört neben Joseph Sonnleithner, Ignaz Franz von Mosel, Kiesewetter und Anton Schmid zu den Begründern der österreichischen Musikwissenschaft. Auch hat er sich als Kritiker durch seine scharfe, doch objektive Beurteilung der italienischen Musikverhältnisse seiner Zeit einen guten Namen gemacht und eine Reihe von Opern- und Oratorien-Libretti aus dem Deutschen, Englischen und Französischen ins Italienische übersetzt. Seine Leistungen als Komponist sind dagegen unbedeutend.

  • Werke

    u. a. Kompp.: Österr. Volkslied auf d. Vermählung … d. Prn. Marie Luise v. Österreich mit … Kaiser Napoleon, 1810.

  • Schriften

    Schrr.: Cenni storico-critici intorno alla vita ed alle opere del … Giovanni Adolfo Hasse, detto Il Sassone, 1820; Ehrenspiegel d. k. k. österr. Armee, 1831; Über d. Leben u. d. Werke d. G. Pierluigi da Palestrina … Nach d. Memorie storico-critiche d. Abbate Giuseppe Baini … vf. u. mit hist.-krit. Zusätzen …, hrsg. v. R. G. Kiesewetter, 1834; Cenni storico-critici sulle vicende e lo stato attuale della musica in Italia, 1836. - Zahlr. Abhh. in: Allg. musikal. Ztg. mit bes. Rücksicht auf d. österr. Kaiserstaat (Wien), Allg. musikal. Ztg. (Leipzig), Wiener Zs. f. Kunst, Lit., Theater u. Musik (Wien), Caecilia (Mainz) u. Revue musicale (Paris).

  • Literatur

    ADB 15;
    Allg. musikal. Ztg. 33, 1831;
    L. Schiedermair, Venezian. Briefe F. S. K.s a. d. J. 1818–20, in: Riemann-Festschr., 1909;
    NND IX;
    Wurzbach X;
    MGG VII (W, L);
    ÖBL (W, L).

  • Autor/in

    Othmar Wessely
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessely, Othmar, "Kandler, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 101 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116038829.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kandler: Franz Sales K., geb. zu Klosterneuburg bei Wien am 23. Aug. 1792, war der Sohn eines Schullehrers, der ihn in der Musik unterrichtete und 1802 als Sängerknaben der Hofkapelle im k. k. Conviete unterbrachte. Nach Absolvirung der philosophischen und Rechtsstudien an der Wiener Universität lebte er vom Unterrichtertheilen und erhielt 1815 eine Anstellung beim Hofkriegsrathe in Wien. Da er der italienischen Sprache mächtig war, wurde er 1817 nach Venedig, 1821 nach Neapel und 1823 nach Mailand zur dort stationirten k. k. Armee versetzt. Im J. 1826 wurde er als Feldkriegsconcipist nach Wien zurückberufen, starb aber bereits am 26. September 1831 in Baden als eines der ersten Opfer der eben ausgebrochenen Cholera. K. besaß eine umfassende wissenschaftliche Bildung und tüchtige musikalische Kenntnisse. In der Theorie der Musik hatte ihn Albrechtsberger unterrichtet, wie ihn denn auch Salieri und Gyrowetz mit ihrem Rathe unterstützten. Bald jedoch gab er die Versuche in der Composition auf und widmete sich dem Studium der Geschichte der Musik. Der Aufenthalt in Italien und die Benutzung der dortigen musikalischen Archive begünstigten dieses Streben, und so entstanden mehrere werthvolle Aufsätze in musikalischen Zeitungen, welche Fétis im 4. Theil seiner Biographie universelle des Musiciens (Paris 1862 S. 473 ff.) verzeichnet. Selbständig veröffentlichte er: „Cenni storico-critiei intorno alla vita ed alle opere del celebre compositore Giovanni Adolfo Hasse, detto il Sassone“ (Venedig 1820), wovon noch im nämlichen Jahre eine zweite Auflage erschien. Während seines Aufenthaltes in Venedig hatte K. die verfallene Ruhestätte Hasse's in der Kirche St. Marcuola aufgefunden und dieselbe 1820 mit einem Denkstein von weißem Marmor und einer Inschrift versehen. Er ward darauf zum Ehrenmitgliede der filarmonischen Gesellschaft in Bologna ernannt. In seiner letzten Zeit beschäftigte er sich mit einer Uebersetzung der von Abbate Giust. Baini über Palestrina verfaßten Biographie, welche aber erst R. G. Kiesewetter mit einem Vorworte und gelegentlichen Anmerkungen aus Kandler's Nachlasse unter dem Titel herausgab: „Ueber das Leben und die Werke des heil. Pierluigi da Palestrina, genannt der Fürst der Musik. Nach den Memorie storico-critiche des Abbate G. Baini verfaßt und mit historisch-kritischen Zusätzen begleitet“ (Leipzig 1834). Nach des tüchtigen Musikforschers Tode wurde noch folgendes Werk von ihm veröffentlicht: „Cenni storico-critici sulle vicende e lo stato attuale della musica in Italia“, Venetia 1836. Dasselbe ist eine Uebersetzung mehrerer Artikel, welche theils in seinem Nachlasse gefunden, theils in der Musikzeitschrift Cäcilia (Mainz bei Schott) veröffentlicht worden waren.

    • Literatur

      Wurzbach. Biogr. Lex., 10. Thl.

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Kandler, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 76 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116038829.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA