Lebensdaten
1706 bis 1775
Geburtsort
Fischbach bei Bischofswerda (Sachsen)
Sterbeort
Meißen
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Porzellanmodelleur
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118714511 | OGND | VIAF: 32791264
Namensvarianten
  • Kändler, Johann Joachim
  • Kändler, Johann Joachim
  • Kaendler, Johann Joachim
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Zitierweise

Kändler, Johann Joachim, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118714511.html [13.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Joachim (1655–1737), 1683 Feldprediger beim sächs. Leibrgt. z. Fuß, seit 1684 Pfarrer in Wildschütz u. Schöna b. Torgau, seit 1690 in F., S d. Steinmetzmeisters Martin (1623–91) in Planitz b. Zwickau u. d. Maria Löscher;
    M Joh. Salome N. N. (1681–1752);
    B Christian Gottlob ( 1766), Rektor d. Stadtschule in Sangerhausen (s. Jöcher-Adelung III), Christian Heinrich (1709–65), Former u. Bossierer, seit 1731 in d. Porzellanmanufaktur Meißen, zuletzt Vorsteher d. Maler u. Formercorps, Joh. Friedrich, Steinmetz, 1726 in Moritzburg tätig;
    - 1732 Joh. Elisabeth (1710–98), T d. Fayencetöpfers Peter Eggebrecht in Dresden;
    3 S, 1 T;
    N Joh. Friedrich (1734–91), Modelleur, Schüler K.s, seit 1757 (Gründungsjahr) Vorsteher d. Porzellanmanufaktur Ansbach, v. ihm Figurengruppen u. Geschirrteile in Meißnischer Form (s. L).

  • Leben

    K. begann vor 1723 seine Lehrzeit bei dem Dresdner Hofbildhauer Benjamin Thomae, einem Schüler und Mitarbeiter Permosers. 1723 wirkte er neben Thomae an der Innenausstattung des Grünen Gewölbes mit; 1730 wurde er zum Hofbildhauer ernannt und am 22.6.1731 als Modelleur bei der Meißner Porzellan-Manufaktur eingestellt. 1733, nach dem Ausscheiden Gottl. Kirchners, zum Modellmeister ernannt, erhielt er 1740 die Leitung der plastischen Abteilung und wurde Lehrer an der Meißner Zeichenschule (1741 Arkanist, 1749 Hofkommissar); er blieb bis zu seinem Tode im Dienst.

    Von den bezeugten Holzschnitzereien K.s ist nichts mehr faßbar, dagegen blieben Sandsteinskulpturen erhalten, u. a. im Meißner Museum die Grabmäler Keil (1732 f.) und Schlegel (1736 f., 1748 f.), vor allem aber das Epitaph für Alexander v. Miltitz in Naustadt (1738 ff.). Es sind dramatische Werke mit kraftvoll bewegten Figuren, noch ganz zum pathetischen Hochbarock gehörend; nur im scharfbrüchigen Gefältel und dem Grotten- und Pflanzenwerk verraten sie spätbarocke Gesinnung. Wenn diese Arbeiten auch zu den bedeutenden Werken der obersächs. Skulptur gehören und K., wie es die auffallenden Signaturen zeigen, auf sie Wert legte, so hat er doch auf einem anderen Gebiet einen epochalen Beitrag zur europ. Kunst geleistet, auf dem der Gestaltung des vom Chinaporzellan unterschiedlichen europ. harten Porzellans. Nach Ehrenfried Walther v. Tschirnhausens und Joh. Frdr. Böttgers Erfindung von 1709 stellte August der Starke sofort die Forderung nach künstlerischer Formung des für Europa neuen Werkstoffes. Trotz bedeutender Erfolge, besonders in der Malerei (Höroldt) und der Entstehung großer Figuren (Kirchner), wurde erst mit K.s Berufung 1731 der Weg zum Porzellankunstwerk frei. K. vermochte es, dem seiner Zeit gemäßesten, blendend-weißen, leuchtend bunt bemalten, ebenso harten wie fragilen und hauchdünn formbaren Stoff das Wesen des deutschen Spätbarock aufzuprägen. Er löste das Porzellan von den asiat. Vorbildern, veredelte aber auch das Gebrauchsgeschirr zu nie dagewesenen Formen festlichen Schmucks. K., der sagte, daß er 1731 „keinen rechtschaffenen Henkel“ vorfand, durchformte das Geschirr von Grund auf. Nicht nur aus der Tier- und Pflanzenwelt des Barock bildete er Ausgüsse, Henkel, Terrinenfüße neu, auch die glatten Flächen erhielten – ureigenste Idee K.s – zartes Reliefdekor. Daß figürlicher Zierat Terrinen, Leuchter und Schalen bereicherte, gehört zum Wesen des anthropomorph gestaltenden Barock (u. a. im Schwanenservice 1737/41; Sulkowski-Service, 1735/37).

    Zunächst hatte K. die Aufgabe gehabt, für August den Starken die von Kirchner begonnene Reihe großer Tiere fortzusetzen. Ohne Beispiel und Nachfolge sind diese technisch oft schwer herstellbaren Werke großen Formats, die K. über die Geschlossenheit der Kirchnerschen Tiere hinaus als zartgliedrig-porzellangemäße, reich bewegte Werke schuf. Die Tafeldekorationen aus Tragant, Metall oder Elfenbein löste K. ab durch sein völlig neues figürliches Porzellan, das sich nun auch vom Tafelschmuck aus weiterentwickelte und jedes nur denkbare Thema des Spätbarock eroberte. Dieses Heer verschiedenster Figuren, das „Deutsch-Tanagra“, gehört zu den phantasievollsten und liebenswürdigsten Erfindungen der deutschen Kunst überhaupt.

    Am Ende von K.s Leben erstarrte unter dem Einfluß des Rationalismus das Leben des Spätbarock. Wenn auch die folgenden Generationen den Formenreichtum der von K. ersonnenen Welt nur zur Scheidemünze auszuprägen imstande waren, blieb dennoch in allen europ. Manufakturen, die seinem Werk schon zu seinen Lebzeiten folgten, die Grundlage der Werke K.s erhalten. Im Jugendstil und in den 20er Jahren des 20. Jh. lebte dann etwas vom Geist seiner schöpferischen Qualität in den Porzellanarbeiten Essers, Scheurichs, Trude Petris, zuletzt in Wilh. Wagenfelds Werk, wieder auf.

  • Literatur

    ADB 15;
    Meißner Porzellan 1710-1810, Kat. d. Ausstellung im Bayer. Nat.mus., bearb. v. R. Rückert, 1966, S. 44-51 (vollst. L-Verz.);
    ThB (auch f. Fam., L).

  • Autor/in

    Sigfried Asche
  • Empfohlene Zitierweise

    Asche, Sigfried, "Kändler, Johann Joachim" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 731 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118714511.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kändler: Johann Joachim K., Bildhauer, geb. 1706 zu Seeligstedt bei Marienwerder, 1775 zu Meißen. Er bildete sich auf der Akademie zu Dresden, insbesondere unter der Leitung Thomä's zum Künstler aus, wurde 1730 Hofbildhauer daselbst und um 1736 Modellmeister an der Porzellanmanufactur|zu Meißen, deren Blüthezeit er hauptsächlich mit heraufführen half. Zu einem großen Theil jener graziösen Rokokofigürchen und Gruppen, Vasen und Spiegelrahmen, welche den Ruf des vieux Saxe gründeten, lieferte er die Modelle. Verschiedene größere Werke, zu deren Ausführung in Porzellan K. die Modelle gefertigt, mißglückten beim Brennen; so ein kolossales Monument König August III., das in Dresden auf dem Jüdenhof am Neumarkt aufgestellt werden sollte. Ein kleines Modell dazu, ebenfalls in Porzellan, befindet sich neben anderen Arbeiten des begabten Künstlers in der königl. Porzellan- und Gefäßsammlung zu Dresden.

  • Autor/in

    C. Clauß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Clauß, Carl, "Kändler, Johann Joachim" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 76-77 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118714511.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA