Lebensdaten
1869 bis 1948
Geburtsort
Dortmund
Sterbeort
Dinslaken
Beruf/Funktion
Walzwerker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 13770836X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kalle, Julius
  • Calle, Julius

Orte

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Zitierweise

Kalle, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13770836X.html [23.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Julius, Schmiede- u. Schlossermeister in Dortmund, Maschinenbauer, S d. Bildhauers Wilhelm u. d. Elisabeth Anna Maria Ophoff aus Waltrop;
    M Elfriede, T d. Wirts Friedrich Westhelle in Iserlohn;
    Johanna (1871–1956), T d. Kaufm. Theodor Stassinet aus Belgien; kinderlos.

  • Leben

    K. besuchte die Höhere Maschinenbauschule in Chemnitz und war dann in mehreren Unternehmen im Ruhrgebiet tälig. 1896 wurde August Thyssen, auf der Suche nach einem Mitarbeiter für den weiteren Ausbau des Walzstahl- und Weiterverarbeitungsbereiches seines Montankonzerns, auf ihn aufmerksam. Nach einer Reise durch die USA im Auftrag von Thyssen erhielt K. die Aufgabe, ein Bandeisenwalzwerk nach modernsten technischen Erkenntnissen zu konzipieren. Es wurde als Walzwerk der zum Thyssen-Konzern gehörenden Gewerkschaft Deutscher Kaiser (GDK) in Dinslaken errichtet und nahm 1897 seinen Betrieb auf. K. gehörte seitdem dem Grubenvorstand der GDK an. Dem Walzwerk Dinslaken galt sein Wirken bis zu seinem Tode. – Die Herstellung von Bandstahl sah sich um die Jahrhundertwende vor Probleme mannigfacher Art gestellt. Die technische Entwicklung der weiterverarbeitenden Industrien (Elektrotechnik, Nähmaschinen, Fahrräder, Uhren und andere), vor allem aber die Entwicklung der Elektrizitätswirtschaft und der Ausbau der Überlandzentralen stellten an Länge, Güte, Toleranzen und Oberflächenbeschaffenheit der Bänder Ansprüche, denen die herkömmliche Walzwerktechnik nicht mehr gewachsen war. 1904 baute K. nach den 1902 entwickelten Plänen der amerikanischen „Morgan Construction Company“ in Worcester (Mass.) die erste deutsche kontinuierliche Straße. Mit ihr konnten Bänder auf bis dahin in Deutschland nicht erreichte Längen heruntergewalzt werden. Bis 1914 hatte K. das Unternehmen zu einem der wenigen vertikal gegliederten Walzwerke in Deutschland aufgebaut mit Warm-, Kalt-, Rohr- und Drahtwalzwerken, je einer Stahlflaschen- und Mastenfabrik sowie den dazugehörigen Nebenbetrieben. Das Kaltwalzwerk galt als größtes und leistungsfähigstes seiner Art in Europa. Hervorgehoben werden müssen auch die ersten Versuche mit dem kontinuierlichen Walzen von Röhren. Seit 1906 begann K., die Antriebskraft der Walzstraßen vom Dampf auf Elektrizität umzustellen. Bis 1914 war das Kaltwalzwerk voll elektrifiziert. Als das Bandeisenwalzwerk 1926 mit anderen Werken des Thyssen-Konzerns in die Vereinigte Stahlwerke AG eingebracht wurde, gehörte K. zunächst dem Vorstand des neuen Konzerns an, seit Bildung der Betriebsgesellschaft Bandeisenwalzwerke AG, Dinslaken, war er Vorstandsvorsitzer und später Aufsichtratsvorsitzer des Unternehmens. 1937 wurde unter seiner Oberleitung in Dinslaken die erste deutsche Breitbandstraße nach amerikanisch Vorbild errichtet. Mit ihr konnten erstmalig Bänder und Bleche von 400-1 300 mm Breite (bisher 500 mm Höchstbreite) bis herunter auf 1,25-10 mm Stärke gewalzt werden. Diese bis 1945 einzige Breitbandstraße in Deutschland bildete zugleich Höhepunkt und Abschluß von K.s Schaffen. 1945 wurde sie zugunsten der UdSSR demontiert. – K. war nicht nur Ingenieur und Techniker. Von Anfang an setzte er sich als erster Beigeordneter und Kreisdeputierter mit Nachdruck für die Entwicklung der kleinen Landgemeinde Dinslaken ein. Wie viele zeitgenössische angestellte Unternehmer suchte er den hemmungslosen Wettbewerb durch Verbände zu mindern. Über Jahre war er 2. Vorsitzender der Vereinigung Rheinisch-Westfäl. Bandeisenwalzwerke und Vorsitzender der Konvention der Kaltwalzwerke.

  • Literatur

    Die Bandeisenvereinigung, 1938;
    Nekr. a. d. rhein.-westfäl. Industriegebiet, 1939–51, 1955;
    60 J. Bandstahlvereinigung 1896-1956, 1956;
    W. Pieper, Theodor Wuppermann u. d. Vereinigung rhein.-westfäl. Bandeisenwalzwerke, 1963. |

  • Quellen

    Qu.: Firmenarchiv d. August Thyssen-Hütte AG.

  • Autor/in

    Gertrud Milkereit
  • Empfohlene Zitierweise

    Milkereit, Gertrud, "Kalle, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 65 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13770836X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA