Lebensdaten
1849 bis 1904
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Friedrichsruh
Beruf/Funktion
Staatssekretär ; Staatsminister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118663542 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bismarck, Nikolaus Heinrich Ferdinand Herbert von
  • Bismarck, Herbert Fürst
  • Bismarck, Herbert, Fürst von
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Zitierweise

Bismarck, Herbert Fürst von, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118663542.html [04.12.2016].

CC0

Bismarck, Nikolaus Heinrich Ferdinand Herbert Graf von, Fürst von (seit 1898)

* 28.12.1849 Berlin, 18.9.1904 Friedrichsruh. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Otto s. (3); Wien 1892 Marguerite (1871–1945, reformiert), T des Grafen Georg von Hoyos (1842–1904, katholisch) und der Alice Witehead (1851–1936, reformiert); 3 S, 2 T, u. a. Goedela ( 1919 Graf Hermann Keyserling, 1880–1946, Philosoph); S Otto (1897–1975) Diplomat, Politiker.

  • Leben

    B. studierte in Bonn Jura, nahm erst als Fähnrich, später als Leutnant im 1. Garde-Dragoner-Regiment am Deutsch-Französischen Kriege teil und wurde bei Mars-la-Tour verwundet. Nach dem Abschluß des Studiums trat er Januar 1874 in den auswärtigen Dienst ein und wurde bei verschiedenen Gesandtschaften, zumeist aber als Privatsekretär seines Vaters beschäftigt, der sich im Verein mit Holstein seiner Ausbildung besonders annahm. Ende März 1880 zum Legationsrat ernannt, wurde er im Dezember 1881 zum Botschaftsrat in London befördert. 1884 in gleicher Eigenschaft nach St. Petersburg versetzt, wurde er noch im gleichen Jahre zum Gesandten im Haag ernannt. Dem schloß sich 1885 die Berufung zum Unterstaatssekretär und 1886 die zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes an. Weihnachten 1887 ernannte ihn Wilhelm I. zum Wirklichen Geheimen Rat und Ende April 1888 zum preußischen Staatsminister. Zusammen mit seinem Vater trat B. im März 1890 zurück, obwohl Wilhelm II. sein Verbleiben im Amt wünschte. Politisch trat er danach nur noch gelegentlich im Reichstag hervor, dem er seit 1893 wieder, wie schon 1881-89, als Mitglied der Reichspartei angehörte. - Infolge des heftigen Widerstandes seines Vaters hatte B. 1881 seinen Plan einer Heirat mit der geschiedenen Fürstin Elisabeth Carolath geborene Gräfin Hatzfeld-Trachenberg aufgegeben.

    Die Urteile über den ältesten Sohn des Kanzlers, den dieser sehr liebte und für sich unersetzlich erklärte, schwanken. Unzweifelhaft verfügte B., schon durch die väterliche Unterweisung, über ein hohes Maß von diplomatischer Sachkenntnis, die durch Intelligenz und große Arbeitskraft gestützt wurde. Seine politische Begabung zeigte sich besonders bei mehreren Sondermissionen in London, die er 1882-89 als Beauftragter seines Vaters durchzuführen hatte, als es darum ging, sowohl in der Frage über die Zukunft Ägyptens als auch in den seit 1884 aufgekommenen kolonialpolitischen Spannungen das wichtige deutsch-englische Verhältnis zu regeln und zu bereinigen. Obwohl B. infolge der väterlichen Rückendeckung von vornherein die Möglichkeit hatte, energischer und freimütiger aufzutreten als andere deutsche Diplomaten, nutzte er sein Ansehen auch kraft eigener Persönlichkeit zu diplomatischen Erfolgen. Namentlich das Abkommen über Samoa von 1889 war mit sein Verdienst. - Stets hielt er sich jedoch genau an die Instruktionen seines Vaters, dessen Willen er sich unterordnete. Offensichtlich fand sein eigener Wille die höchste Befriedigung, im Dienste des Vaters aufzugehen und dessen Gedanken durchzuführen, nicht aber selbständig eigene Ideen und Absichten zu verfolgen. Diese Einstellung kommt in der Selbstverständlichkeit seines Rücktrittes zusammen mit dem Vater ebenso zum Ausdruck wie - und vielleicht noch stärker - in der weitgehenden politischen Zurückhaltung, die er noch nach dem Tode des Vaters ausübte.

    Angesichts des Generationenunterschiedes muß ein solches kritikloses Aufgehen im väterlichen Willen eher unnatürlich erscheinen. Es ist durchaus möglich, daß der Wille des Kanzlers den seines Sohnes, zumal im Kampfe um die geplante Heirat, innerlich zerbrochen hat. Jedenfalls treten in B.s Wesen Züge der Schroffheit und Menschenverachtung in Erscheinung, die einen inneren Druck verraten, ihm viele Feinde schufen und ihn an einer freien und positiven Zielrichtung verhinderten. Es bleibt fraglich, ob Otto von B. seinen Sohn ernstlich zum Nachfolger heranbilden wollte. Bei aller diplomatischen Begabung sind wahrhaft staatsmännische Züge bei Herbert B. nicht zu finden.

  • Werke

    Polit. Reden, hrsg. v. J. Penzier, 1905.

  • Literatur

    H. v. Poschinger, Gf. H. v. B. 1849-90, 1899; W. Windelband, H. B. als Mitarbeiter seines Vaters, in: Dt. Revue 46, 1921 (auch selbständig); Gf. Ph. Eulenburg, Aus 50 J., 1925; Gf. H. Lerchenfeld, Erinnerungen u. Denkwürdigkeiten, 1935; K. Eberhard, H. B.s Sondermissionen in London 1882–89, Diss. Erlangen 1949 (ungedr.); H. Jacobi, in: BJ IX, S. 101-18, 516 (u. X, Totenliste 1904, L).

  • Portraits

    Holzschnitt (mit Braut), in: Daheim, 1892, Beil. Nr. 38; Holzschnitt in: LIZ 83, 1884, S. 370, 87, 1886, S. 585, 98, 1892, S. 585; Lichtdr. nach Zeichnung (als Dragoner) v. A. v. Werner (Dresden, Stadtmus.).

  • Autor

    Eberhard von Vietsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Vietsch, Eberhard von, "Bismarck, Herbert Fürst von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 268 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118663542.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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