Lebensdaten
1826 bis 1857
Geburtsort
Kerz (Siebenbürgen)
Sterbeort
Hermannstadt
Beruf/Funktion
siebenbürgischer Dichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 126553874 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kästner, Joseph Victor
  • Kaestner, Viktor
  • Kästner, Joseph Victor
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Zitierweise

Kaestner, Viktor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd126553874.html [17.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Daniel (1790–1867), Pfarrer in K., dann in Neudorf, veröff. Stud. üb. heim. Gesch.schreiber (s. W);
    B Heinrich, Bez.vorsteher in Puy;
    - 1854 Pauline, T d. Pfarrers Simonis in Petersdorf;
    2 K.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums (bis 1845) und der Rechtsfakultät (bis 1847) in Hermannstadt war K. beim Gericht in Moros-Vásárhely (Jan. bis Mai 1848), bei der Hermannstädter Stadtverwaltung (Mai 1848 bis Nov. 1849) und in der Direktionskanzlei des Komes angestellt. Während der Revolutionszeit stand er im Kampf gegen die revolutionären Ungarn auf Seiten des Kaisers. K. setzte sich journalistisch für das Projekt eines selbständigen Kronlandes „Sachsenland“ ein sowie für eine Neukolonisation durch Ansiedler aus Norddeutschland. Nachdem beide Pläne gescheitert waren, zog er sich von seiner journalistischen Tätigkeit zurück und wechselte vom Verwaltungs- in den Finanzdienst über, der ihn freilich ebensowenig befriedigte wie ersterer. Nach kurzer Tätigkeit in Broos wurde K. im Sommer 1853 als Finanzbezirkskommissär zur Dienstleistung in die Präsidialkanzlei nach Hermannstadt berufen.

    Die ersten dichterischen Versuche K.s reichen in seine Gymnasialzeit zurück; der Einfluß Schillers, Matthissons und der Ossiandichtung ist hierbei unverkennbar. Stelzhammers österr. und J. K. Schullers siebenbürg.-sächs. Dialektgedichte ermunterten ihn, als erster der bedeutenden siebenbürg.-sächs. Dichter in der Mundart zu schreiben. K. wollte die Mundart von dem Vorurteil befreien, sie eigne sich nicht für die Dichtung, sie stehe auf einer niedrigen Entwicklungsstufe und sei bildungsunfähig. Vielmehr erhoffte er sich durch eine Neubelebung der Volkspoesie eine Stärkung der siebenbürg.-sächs. Kultur gegenüber dem aufstrebenden Magyarentum. 1847 schrieb er seine ersten sächs.-siebenbürg. Gedichte: „Me Bēchelchen“ (Mein Bächlein), „De Brockt um Ålt“ (Die Braut am Alt), „Wäjelid“ (Wiegenlied) und „Weiwertrå“ (Weibertreue). Hier, wie in allen seinen Gedichten, wird erkennbar, wie stark K. von seinem Elternhause, der Dorfgemeinschaft und seiner siebenbürg. Heimat geprägt war, über deren Grenzen er nie hinausgelangte. Anregungen aus dem zeitgenössischen literarischen Leben Deutschlands und Österreichs fehlten fast völlig. Während sein geistiger Horizont und sein Themenrepertoire daher begrenzt erscheinen, wird seine dichterische Beschäftigung mit seiner Heimat und der Natur, vor allem mit dem Kleinleben in der Natur, um so intensiver. Stilistisch lehnt er sich an das Volkslied an; durch den häufigen Gebrauch von Kose- und Verkleinerungsformen gewinnt seine Lyrik intimen Charakter. Allerdings wurde nur „De Brockt um Ålt“ zum Volkslied. Während nämlich das Volkslied das Typische zeichnet, verliert sich K. im Detail; bewußter und gewählter als es in der Volkspoesie geschieht, werden Natur- und Menschenleben miteinander verglichen. Soll die Mundart das sächs. Leben widerspiegeln und eine Übereinstimmung der äußeren und inneren Form der Gedichte bewirken, so handelt es sich trotzdem nicht um gesprochene Sprache des Alltags, sondern um K.s spezielle Dichtersprache. Indem K. beweisen wollte, die Mundart könne es der hochdeutschen Sprache ebenso an poetischer Wirkung wie mit ähnlichen Stilmitteln gleichtun, wurde er zu einem der größten siebenbürg.-sächs. Mundartdichter, nicht aber zu einem Volksdichter.

  • Werke

    Gedichte, hrsg. v. J. Daniel K. (V), 1862;
    Gedichte in siebenbürg.-sächs. Mundart, hrsg. mit e. Lb. v. A. Schullerus, 1895 (P;
    Neudr. 1926);
    Über Volkssprache u. Mundarten, namentl. d. Siebenbürg.-sächs. u. deren Eignung f. d. Poesie, in: Transilvania, Beibl. z. Siebenbürger Boten, 1851, S. 2-4;
    Die Sage v. d. Gründung u. Zerstörung d. Kerzer Abtei nebst e. hist. Einl., in: Bll. f. Geist, Gemüth u. Vaterlandskde., Beibl. z. Siebenbürg. Wbl., 1851/52, S. 129-34, 137-40, 153-58;
    - Artikel in: Wanderer;
    Lloyd;
    Augsburger Allg. Ztg.;
    Satellit (Beibl. d. Kronstädter Ztg.). Zu V Joh. Daniel: De scriptoribus rerum Transsylvanicarum Saxonicis Diss., 1819.

  • Literatur

    ADB 15;
    M. Albert, Über K.s Gedichte, in: Hermannstädter Ztg., 1862, Nr. 285;
    A. Schullerus, Zur neuen Ausg. d. Gedichte V. K.s., in: Korr.bl. d. Ver. f. siebenbürg. Landeskde., 1894, S. 153 f.;
    ders., V. K.s „Braut am Alt“, ebd., 1898, S. 68 f.;
    ders., Zwei sächs. Volksdichter (V. K. u. Michael Albert), in: F. Teutsch, Bilder a. d. vaterländ. Gesch. I, 1895, S. 306-18;
    ders., Die Volkslit. d. Siebenbürger Sachsen, in: Akadem. Bll., 1902, Nr. 10 ff.;
    ders., Zum Gedächtnis V. K.s, Festrede, in: Kal. d. Siebenbürger Volksfreundes, 1927, S. 100-03;
    E. Buchholzer, Die Volkspoesie d. Siebenbürger Sachsen, 1898;
    R. Hörler, Die mundartl. Kunstdichtung d. Siebenbürger Sachsen, in: Archiv d. Ver. f. siebenbürg. Landeskde. 39, 1915, H. 3, S. 649-57;
    R. Csake, Vorber, zu e. Gesch. d. dt. Lit. in Siebenbürgen, 1920, S. 83-86;
    K. K. Klein, Dt. Schrifttum in Siebenbürgen, in: K. Bell, Siebenbürgen, 1930, S. 152;
    ders., Lit.gesch. d. Deutschtums im Ausland, 1939, S. 476;
    ders., Transsylvanica, ges. Abhh. u. Aufsätze z. Sprach- u. Siedlungsforschung d. Deutschen in Siebenbürgen, 1963;
    J. Rohrmüller (= E. v. Trauschenfels), in: Bll. f. Geist, Gemüth u. Vaterlandskde. 37 f., 1857, S. 253 f., 262-65;
    Wurzbach X;
    J. Trausch, Schriftst.-Lex. od. biogr.-literär. Denk-Bll. d. Siebenbürger Deutschen II, 1870, S. 243 f., IV (hrsg. v. F. Schuller), 1902, S. 235.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Kaestner, Viktor" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 740-741 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd126553874.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kästner: Joseph Victor K., mundartlicher Dichter, geb. am 1. Januar 1828 zu Kerz in Siebenbürgen, als kk. Finanzbezirkscommissär in Hermannstadt am 29. August 1857. Auch die litterarischen Bewegungen im Mutterlande ziehen ihre letzten Kreise in den Colonistengebieten diesseits und jenseits des Oceans. Jungdeutschland fand unter den Sachsen in Siebenbürgen keinen ganz unbedeutenden Vertreter in Josef Marlin (s. d.), die romantische Schule in K. Er ist einer der ersten gewesen, der überdieß dem volksmäßig Nationalen nicht nur in bald sinnig minnigen, bald märchenhaften, bald patriotischen, bald scherzenden Weisen Ausdruck verlieh, sondern die Mundart selbst nach allen diesen Richtungen hin anwendet. Als Sohn eines sächsischen Landpfarrers stand sie ihm allerdings auch mit ihrer ganzen Fülle und Weichheit zur Verfügung, und der hohe landschaftliche Reiz seines Geburtsortes Kerz im schönen Thale des|Altflusses, an dessen südliche Ufer die Hochgebirge der Karpaten herantreten, hatten sein poetisch empfängliches Gemüth ebenso nachhaltig berührt als die historischen Erinnerungen an die Cistercienserabtei des 12. Jahrhunderts, deren Trümmer den Pfarrhof begränzen. Nimmt man dazu noch die politisch aufgeregte Zeit, in welche seine Jugend fällt, mit dem beginnenden Kampfe der nichtmagyarischen Nationalitäten Ungarns gegen die zu überschäumendem Selbstbewußtsein erwachten Magyaren, das endlich in den Jahren 1848—49 zum ersten stürmischen Ausbruch kam, nach Bewältigung der Revolution den kurzsichtigen österreichischen Absolutismus, der die Nationalitäten in kaum geringerem Maße bedrohte als der Chauvinismus, so sind alle Elemente vorhanden, um dichterisch zu stimmen. Und so fehlte zuletzt auch der tragische Conflict nicht: der glühende Freund seines Volkes, der leidenschaftlich auswallende Dichter fand seinen äußern Beruf als — Finanzbeamter im Dienste der Gewalt, die in den Völkern wie in den Einzelnen nur Material für die Büreaukratie sah. Aus diesem innern Widerspruche fließen nicht wenigere seiner Lieder als aus der Liebe zur Heimath und zu Weib und Kind, die ihm die letzten drei Jahre seines Lebens verschönerten. Ein früher Tod raffte ihn dahin. Seine Gedichte (Lyrisches, Episches und Scherzhaftes) erschienen von Freundeshand gesammelt 1862 in Hermannstadt bei Th. Steinhaußen, zugleich in Schriftdeutsch übertragen. Einen biographischen Nachruf widmete ihm Eugen v. Trauschenfels im „Oesterreichischen Morgenblatt“ 1858, Nr. 46—49 und später „Transsilvania“, Neue Folge, 1863, Nr. 8 und Trausch im Schriftsteller-Lexikon u. d. W.

  • Autor/in

    Fr. Müller.
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Friedrich, "Kaestner, Viktor" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 451 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd126553874.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA