Lebensdaten
1889 bis 1948
Geburtsort
Magdeburg
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Typograph ; Druckschriftgestalter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 142063622 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jost, Heinrich
  • Salini, Lino

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Zitierweise

Jost, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd142063622.html [09.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich, Buchbinder in Heckholzhausen;
    M Clara Ledig aus Brandenburg/Havel;
    1916 Gertrud König aus Halle/Saale; kinderlos.

  • Leben

    J. wurde Buchhändler. Er lernte die Meisterwerke der Buchkunst kennen und lieben, erwarb künstlerische Fähigkeiten und Kenntnisse durch Besuch der Abendkurse der Magdeburger Kunstgewerbeschule, des Kaiser-Friedrich-Museums und zahlreicher Ausstellungen. Die Erneuerung der deutschen Buchkunst zu dieser Zeit, besonders durch die Zeitschriften „Pan“ und „Insel“, bewog ihn, in München eine grundlegende Ausbildung als Graphiker in der von Paul Renner und Emil Preetorius gegründeten „Schule für Illustration und Buchgewerbe“ zu suchen. J. verdankt beiden Lehrern viel; Freundschaft verband ihn lebenslang mit Renner, der typographisch am stärksten auf ihn einwirkte. Er folgte den Lehrern auch, als sie die angesehene Debitzschule übernahmen. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges war J. für verschiedene Münchner Verlage, besonders für C. H. Beck, tätig. Zunächst als Soldat einberufen, wurde er 1917 von den „Münchner Neuesten Nachrichten“ als künstlerischer Berater und Mitarbeiter für Graphikfragen reklamiert. Als Schrift- und Schreibkünstler hat J. Hervorragendes geleistet, u. a. schrieb er für den Drei Masken-Verlag „Wanderlieder“ und das „Trostbüchlein“. Dem handgebundenen Buch schenkte er seine ganze Zuneigung. In der Schriftgliederung bewies er starkes architektonisches Gefühl; Rechteck und Raute in schlichter Linienführung bilden fast ausnahmslos die Elemente der Flächenteilung. 1918 übernahm er die künstlerische Leitung der Verlage Hanfstaengl, Drei Masken-Verlag und Gg. Müller, München; gleichzeitig war er Mitarbeiter von C. H. Beck, Alb. Langen, Callwey, Bruckmann, Duncker & Humblot. Außerdem lieferte er Entwürfe zu Handeinbänden für G. Keilig, Knorr & Hirth, München, und Gust. Fritzsche, Leipzig. Noch in seine Münchner Zeit fällt die Vollendung seiner ersten Schriftzeichnung, der „Jost-Mediaeval“ (gegossen von der Schriftgießerei Ludwig und Mayer, Frankfurt/M.). 1923 von Gg. Hartmann, dem Inhaber der Bauerschen Gießerei in Frankfurt/M., zu deren künstlerischem Leiter berufen, fand J. ein neues Tätigkeitsfeld: die Praxis der Schriftherstellung und die typographische Anwendung für Reklame und Buchgestaltung. Er entwarf die lichte Auszeichnungsschrift „Atrax“ und zeichnete die „Federzüge“ zur „Bernhard-Schönschrift“. Ferner entstand die Werbetype „Beton“. Auch beim Ankauf von Schriftentwürfen und an der endgültigen Ausführung einer neuen Schrift vom Schnitt bis zur druckfähigen Type war er entscheidend beteiligt. So überwachte er die „Futura“ von Renner (1925), von Schneidler die „Zentenar-Fraktur“ (1937), die „Legende“ und die „Schneidler-Mediaeval“. Unter seiner Leitung entstanden auch die bibliophilen Hausdrucke der Bauerschen Gießerei, beginnend mit Goethes „Von deutscher Baukunst“ (1923) in der Bodoni-Antiqua, über die „Schmuckstücke und Marken“ von Berthold Wolpe in der neuen Schrift „Hyperion“ (1925), bis hin zu dem großen repräsentativen Werk der „Röm. Elegien“ von Goethe in der Schneider-Mediaeval und mit Zeichnungen von Ingve Berg (1938). Für den Sammler Gg. Hartmann schuf J. 1932 die „Meisterwerke alter Malerei“ und 1942 „Alte Kunst lebendig“. 1943 entstand „Die Apokalypse“ mit Lithos von Max Beckmann und dem im großen Schriftgrad der „Legende“ von Ernst Schneidler gesetzten Text, ein Meisterwerk von großer Eindringlichkeit. Den gewandelten Vorstellungen von einer gültigen Buchausstattung nach Kriegsende entsprach J. mit Goethes „Faust“ in der neuen, von ihm entworfenen „Georg-Hartmann-Antiqua“ mit Zeichnungen von Karel Svolinsky. In dieser Type von edler Einfalt geht J. wieder zurück auf die starke architektonische Gebundenheit seiner frühen Schriftgestaltung.

  • Literatur

    R. Baumgart, in: Der Dt. Buch- u. Steindrucker, 1924, H. 12;
    R. Diehl, in: Archiv f. Buchgewerbe 63, 1926;
    F. Bauer, in: Gebrauchsgraphik, 1929, H. 9;
    W. G. Oschilewski, in: Dt. Drucker, Berlin, Nr. 541, Okt. 1939;
    H. J., ein Meister dt. Buchkunst, in: Börsenbl. f. d. dt. Buchhandel, Nr. 244, Okt. 1939;
    Ein typografiens Mästere, H. J., 50 år, in: Nordisk Bok-Trykare Konst, Nov. 1939.

  • Autor/in

    Max Waibel
  • Empfohlene Zitierweise

    Waibel, Max, "Jost, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 628 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd142063622.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA