Lebensdaten
1700 bis 1745
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
preußischer Beamter ; Schriftsteller ; reformierter Theologe ; Geheimrat ; Oberkonsistorialrat ; Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften
Konfession
französisch-reformiert
Normdaten
GND: 11910007X | OGND | VIAF: 69022215
Namensvarianten
  • Jordan, Etienne
  • Jordan, Charles Etienne
  • Jordan, Etienne
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Zitierweise

Jordan, Charles Etienne, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11910007X.html [25.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Charles (um 1661–1726), Kaufm., S d. ref. Geistlichen Guy aus d. Dauphiné u. d. Catherine Moreau;
    M Catherine (um 1668–1704), T d. Pierre Revel in St. André/Languedoc u. d. Marguerite Astrugue;
    Berlin 1727 Susanne (1702–32), T d. Kaufm. Jean Perreault in B. u. d. Susanne Formey;
    1 S (früh †). 2 T, u. a. Joanne Marie ( Jean Bernard Merian, 1723–1807, Dir. d. Kl. d. schönen Künste u. ständiger Sekr. d. Preuß. Ak. d. Wiss.).

  • Leben

    Frühzeitig für den geistlichen Beruf bestimmt, besuchte J. 1710-16 das Domgymnasium in Magdeburg, 1718-21 studierte er Theologie in Genf und Lausanne. Nach Berlin zurückgekehrt, beschäftigte er sich mit sprachlichen und literarischen Studien, zu denen er durch Mathurin Veyssière de La Croze, Professor für Philosophie am franz. Gymnasium und Akademiemitglied, angeregt wurde. 1725 erhielt J. seine erste Pfarrstelle in Potzlow (Uckermark). 1727 wählte ihn die franz. Gemeinde in Prenzlau zum Pastor. Bereits seit 1725 beschäftigte sich J. mit Giordano Bruno und Servet und geriet darüber 1727 in einen gelehrten Streit mit dem Rektor des Friedrichwerderschen Gymnasiums in Berlin, Barkhusen. 1732 bat J., wahrscheinlich durch den Tod seiner Frau und seinen schlechten Gesundheitszustand dazu veranlaßt, um Entlassung aus seinem Amte. 1733 reiste er 6 Monate lang durch Deutschland, Frankreich, England und Holland, suchte viele Gelehrte auf und teilte in seinem Reisebericht wertvolle Einzelheiten über Bücher, Bibliotheken, Gelehrte, Sammler und Sammlungen aller Art mit. 1735/36 wirkte J. als Erzieher in Frankfurt/Oder.

    Durch die Vermittlung La Crozes und des sächs. Staatsministers v. Manteuffel trat J. mit dem in Rheinsberg residierenden preuß. Kronprinzen Friedrich in Verbindung und übersiedelte im Sept. 1736 dorthin, wo er als Gesellschafter, Bibliothekar und Sekretär Friedrichs wirkte. Aus dem täglichen Verkehr ist eine enge Freundschaft erwachsen, die bis zu J.s Tod ungetrübt andauerte (Briefwechsel von über 200 Nummern). Nach seinem Regierungsantritt 1740 ernannte Friedrich J. zum Mitglied des franz. Oberdirektoriums und verlieh ihm den Titel Geh. Rat. J. wurde Kurator der preuß. Universitäten und Oberaufseher der Hospitäler und Waisenhäuser Berlins. Die Stadt verdankt ihm die Anlage eines Arbeitshauses für 1 000 bettelnde und arbeitslose Personen, die Einteilung Berlins in Polizeireviere zur besseren Kontrolle der Bürger und die Einführung des Droschkenwesens. 1743 begründete J. zusammen mit anderen eine Société littéraire, deren Bemühungen das Fortbestehen der Leibnizschen Akademie zu danken ist. Seine Wahl zum Vizepräsidenten der aus beiden Körperschaften neugebildeten „Académie royale des sciences et belles lettres“ hatte wegen seines fortschreitenden physischen Verfalls keinerlei praktische Bedeutung mehr. Während des 1. schles. Krieges war J. Friedrichs vertrauter Korrespondent in Berlin, wurde auch bisweilen ins Feldlager zitiert. Noch 1744 begleitete er den König nach Pyrmont. Die letzte Zeit seines Lebens verbrachte er in seiner Berliner Wohnung mit gelehrten Studien. Friedrich widmete dem Verstorbenen Freund die am 24.1.1746 in der Akademie verlesene „Eloge de Monsieur J.“ (in: Oeuvres VII).

  • Werke

    Apud Potzlovienses ministri gallici Disquisitio historico-litteraria de Jordano Bruno Nolano, 1726;
    Krit. Briefwechsel üb. Calvins Leben, 1727 (u. Ps. Cranzius a Fluvio);
    Erklärung auf Barkhusens Briefwechsel, Recueil de littérature, de philos. et d’hist., 1730;
    Mist, d’un voyage littéraire, fait en M. DCC. XXXIII. en France, en Angleterre, et en Hollande: avec une lettre fort curieuse concernant les prétendus Miracles de l’Abbé Paris, & les Convulsions risibles du Chevalier Folard, 1735, 21736 (?) (mit Vorwort v. de La Croze);
    Hist. de la vie et des ouvrages de Mr. La Croce, avec des remarques de cet auteur sur divers sujets, 2 T., 1741;
    Korr. mit Friedrich II., in: Oeuvres de Frederic le Grand, ed. J. D. E. Preuß, Bd. 17, 1851, 194 Nrr. (davon ca. 80 Briefe v. J.);
    Catalogue raisonné (ungedr.);
    Korr. mit Z. K. v. Uffenbach (ungedr.).

  • Literatur

    ADB 14;
    S. Formey, Éloges des académiciens de Berlin I, 1757;
    Lettres familières et autres de M. le Baron de Bielfeld, 2 Bde., 1763, dt. 1838;
    D. Thiébault, Frédéric-le-Grand, … ou mes Souvenirs de 20 ans de séjour à Berlin, 5 Bde., 41827;
    H. Tollin, in: Die franz. Kolonie, 1892, S. 147 ff., 161 ff.;
    A. v. Harnack, Gesch. d. Kgl. Preuß. Ak. d. Wiss. zu Berlin, 3 Bde., 1900 (auch f. Schwieger-S);
    Gustav v. Jordan u. Louis Jordan, Chronik d. Fam. J. 1902, S. 39-49;
    G. B. Volz, Friedrich d. Gr. u. s. Leute, III: Ch.-E. J., in: Hohenzollern-Jb. 12, 1908, S. 210-30;
    B. Krieger, Friedrich d. Gr. u. s. Bücher, 1914.

  • Portraits

    Ölgem. (J. am Schreibtisch sitzend) v. A. Pesne, 1738 (ehemals Stadtschloß Berlin, heute Haus Doorn, Holland), danach Kupf. v. R. Trossin (Brustbild) u. 2 Stiche v. F. C. Carstens, Abb. in: A. Pesne, 1958;
    v. G. W. v. Knobelsdorff (Brustbild) (ehem. Schloß Sanssouci);
    Zeichnungen u. Vignetten v. A. Menzel, in: F. Kugler u. A. Menzel, Gesch. Friedrichs d. Gr., 1840, S. 118, 200, u. in: Oeuvres de Frédéric le Grand, ed. J. D. E. Preuß (Fürstenausg.), 1846–56, VII, S. 10. XI, S. 38. XVI.

  • Autor/in

    Gerhard Knoll
  • Empfohlene Zitierweise

    Knoll, Gerhard, "Jordan, Charles Etienne" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 599 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11910007X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Jordan: Charles Etienne J., geb. zu Berlin am 27. August 1700, am 23. Mai 1745, der Freund Friedrichs II. Aus einer bürgerlichen Familie, die aus der Dauphiné der Religion wegen Vertrieben, in die französische Colonie in Berlin eingewandert war, entstammend, wurde er von seinem Vater als der dritte Sohn frühe für den geistlichen Stand bestimmt. Obgleich dies den Neigungen des Sohnes nicht entsprach, so bereitete sich dieser dennoch mit allem Ernst, Eifer und Fleiß anfangs in Magdeburg unter Leitung seines Oheims, eines Predigers, darauf 1719—21 auf den Hochschulen zu Genf und Lausanne auf seinen Beruf vor, betrieb aber zugleich, namentlich nachdem er 1721 nach Berlin zurückgekehrt, mit dem gelehrten La Croze in nähere Verbindung getreten|war, sprachliche und philosophische Studien. 1724 als französischer Prediger nach Potzlow in der Uckermark und von hier 1727 nach Prenzlau berufen, genoß er hier fünf Jahre (1727—32), mit Susanne Perréault vermählt, ein glückliches Familienleben und entfaltete eine rege schriftstellerische Thätigkeit theils auf dem Gebiete der Theologie unter dem angenommenen Namen Cranzius a Fluvio in einem „kritischen Briefwechsel, betreffend Calvin's Leben“, der von einem Amtsbruder anscheinend wegen freigeisterischer Ansichten bekämpft zu einer litterarischen Fehde Anlaß gab, theils auf dem Gebiete der schönen Wissenschaften in einer lateinischen Abhandlung über Jordanus Bruno (Prentzlow 1726) und einem „Recueil de Littérature, de Philosophie et d'Histoire“ (Amsterdam 1730). Der Tod seiner Frau im März 1732, die ihm zwei Töchter geboren hatte (deren eine später den Akademiker Merian heirathete) und eigene schwere Erkrankung bestimmten ihn, sein geistliches Amt aufzugeben und in Berlin sich niederzulassen, von wo er 1733 eine Reise nach Frankreich, England und Holland ausführte, auf welcher er nicht sowol der Natur, als dem litterarischen Leben jener Länder und ihren bedeutenden Gelehrten sein Interesse zuwandte, und deren Ergebnisse er nach seiner Rückkehr in seiner „Histoire d'un voyage litéraire, fait en 1733“ ct. (à la Haye, 1735) veröffentlichte. Durch diese Arbeit und überdies durch den früheren sächsischen Minister v. Manteuffel dem preußischen Kronprinzen empfohlen, wurde er im September 1736 nach Rheinsberg berufen. Zunächst mit litterarischen Aufträgen, dann einer Uebersetzung von Chr. Wolff's Moral ins Französische und der Durchsicht der französischen Arbeiten des Prinzen beschäftigt, gewann er bald das besondere Vertrauen desselben, wurde in seinen näheren Freundeskreis gezogen und in seinen Poetischen Ergüssen als Hephästion und Tindal besungen; ganz besonders gefiel dem Fürsten, daß der gelehrte Mann sein Wissen auch für das praktische Leben zu verwerthen verstand. Sobald daher Friedrich 1740 den Thron bestiegen hatte, ernannte er J. zum geheimen Rath und wies ihm seine Thätigkeit theils im französischen Oberdirectorium an, theils übertrug er ihm die Oberaussicht über die Hospitäler, Waisenhäuser und Universitäten. In diesen Aemtern machte sich J. insbesondere durch zweckmäßige Einrichtungen zur Beseitigung der Straßenbettelei Berlins sehr verdient, nämlich durch die Anlage eines Arbeitshauses, in welchem bald 1000 Menschen durch geregelte Arbeit dem vagabundirenden Leben entzogen wurden, nicht minder durch die Besetzung der Professuren mit geeigneten Docenten. Daneben setzte J. seine gelehrten Studien fort und verwerthete sie zu einer Geschichte des Lebens und der Werke seines Lehrers La Croze (Amsterdam 1741) und für die 1744 erneuerte und umgestaltete Akademie der Wissenschaften in Berlin, zu deren Vicepräsident ihn der König ernannte. Noch höher schätzte dieser, was J. als Genosse seiner litterarischen Bestrebungen und als persönlicher Freund ihm war. Ueber dieses zwischen dem Könige und J. bis an den Tod andauernde innige Verhältniß liegen uns drei gleich gewichtige Zeugnisse vor, in ihrem Briefwechsel, in dem Ehrengedächtnisse (Eloge de Mr. Jordan), das Friedrich dem Freunde bald nach seinem Tode widmete, und in dem Marmordenkmale, auf das er die einfachen Worte: „Ci gît Jordan l'ami des Muses et du Roi“ setzen ließ. In der That konnte der Natur des großen Königs nicht leicht Jemand sympathischer sein als ein Mann, der den nach geistiger Erhebung und Erweiterung seiner Kenntnisse in seinen Mußestunden sich sehnenden Fürsten durch seine Vielseitigkeit und geistreiche Auffassung des Stoffes in vollem Maße befriedigen konnte, der dabei von lebhaftem Interesse für das religiöse Leben erfüllt, die Abneigung seines Königs gegen die dogmatischen Systeme der Theologen theilte, und der endlich, während er durch manche Schwächen, insbesondere durch die Zaghaftigkeit, welche er im Feldzuge von 1741, wo er in|Friedrichs Begleitung sich befand, bewies, den sarkastischen Neigungen des Herrschers manche Blößen darbot, dennoch dadurch, daß er die Ausfälle desselben mit großer Freiheit zu erwidern verstand, vor allem aber durch eine sich stets gleichbleibend edle und herzgewinnende Haltung die Achtung seines Fürsten in dem Maße wahrte, daß dieser ihm selbst in seine politische Thätigkeit tiefern Einblick gestattete und bedenkliche Schritte, die die Diplomatie zu thun ihn nöthigte, z. B. den Abschluß des Berliner Friedens 1742, vor seinem Freunde zu rechtfertigen sich gedrungen fühlte. Der nach vorhergegangener langer Krankheit während des zweiten schlesischen Krieges erfolgte Tod Jordan's erfüllte Friedrich mit lange nachwirkendem Schmerze.

    • Literatur

      Frédéric II. Oeuvr. XI. u. XVII. Müller-Küster, Berliner Chronik, V.

  • Autor/in

    Th. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, Theodor, "Jordan, Charles Etienne" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 504-506 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11910007X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA