Lebensdaten
um 1500 bis 1558
Geburtsort
Götzis bei Feldkirch (Vorarlberg)
Sterbeort
Abensberg (Niederbayern)
Beruf/Funktion
Hebraist ; Jurist ; kaiserlicher Vizekanzler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137665865 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jonas, Jacob
  • Jonas, Jakob
  • Jonas, Jacob

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Zitierweise

Jonas, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137665865.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Bauernfam.;
    V Leonhard (erw. 1486), Bauer;
    M Klara Benzer;
    Speyer um 1530/31 Anna Elisabeth (1505–56), Geliebte d. Hzg. Ludwig v. Bayern ( 1545), T d. Martin Eisengrein ( 1531), Bgm. v. Stuttgart, u. d. Agathe Schnell;
    4 S, 1 T, 1 Stief-T (unehel. T d. Hzg. Ludwig v. Bayern, 1545) Anna v. Leonsberg (1525–59, Joh. Albrecht Widmannstadt, 1506–57, Humanist, Staatsmann);
    N Balthasar Eisengrein ( 1611), württ. Hofrichter (s. NDB IV), Martin E. ( 1578), kath. Kontroverstheol. (s. NDB IV).

  • Leben

    Nach Besuch der Stiftsschule St. Luzi in Chur studierte J. 1522 in Leipzig und Wittenberg. 1523 in Chur geweiht, erhielt er eine Schulmeisterstelle an St. Luzi. Er sollte Anwalt des geistlichen Gerichts werden; doch begab er sich nach Tübingen, wo er auf Empfehlung Ferdinands I. einen Lehrauftrag für Hebräisch erhielt. Als Philologe wird er durch den Basler Hebraisten Sebastian Münster günstig beurteilt; eigene Arbeiten sind nicht bekannt. 1532 promovierte J. zum Dr. jur. – Schon auf der Badener Disputation 1526 war J. für die kath. Konfession eingetreten, und der Ruf eines erklärten Feindes der Reformation ging ihm voraus, als er 1533 Kanzler des Bischofs von Konstanz wurde. Seit 1538 fungierte er als Assessor des Fränk. Kreises beim Reichskammergericht in Speyer, wo ihn eine enge Freundschaft mit K. Braun und M. Held verband. J. wurde kurmainz. Kanzler. Nachdem er 1543 als Visitator des Reichskammergerichts von den prot. Ständen abgelehnt worden war, übernahm Ferdinand I. ihn als Hofvizekanzler. J. wurde in Wien Mitglied der juristischen Fakultät, hatte Anteil an der Universitätsreform von 1554 und förderte die Jesuiten. Er konzipierte die königl. Resolution zum Religionsfriedensentwurf, die noch über die Forderungen der kath. Stände hinausging. Nach Abdankung Karls V. führte J. auch die Geschäfte der Reichskanzlei mit. – J.s Charakterbild ist durch seine Gegner verzerrt worden; ev. Autoren sagten ihm ein ausschweifendes Leben nach. Insgesamt ist J. als ein weltgewandter, geistvoller Diplomat und als ein leidenschaftlicher Politiker zu charakterisieren.

  • Literatur

    ADB 14;
    H. Ender, in: Heimat, 1931, S. 175-83;
    O. Vasella, Abt Theodul Schlegel, 1954.

  • Autor/in

    Karl Heinz Burmeister
  • Empfohlene Zitierweise

    Burmeister, Karl Heinz, "Jonas, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 593 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137665865.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Jonas: Jakob J., Lehrer der hebräischen Sprache zu Tübingen und gestorben als kaiserlicher Vicekanzler. Geboren in der Stadt Feldkirch oder doch in der Nähe derselben um das J. 1500, studirte er zuerst zu Wittenberg, wo er der Theologie. Philologie und ganz besonders der hebräischen Sprache mit solchem Erfolg sich widmete, daß er, nachdem er den 26. Februar 1526 zu Tübingen inscribirt hatte, bereits den 1. Mai desselben Jahres auf die Empfehlung Ferdinands, damaligen Regenten Württembergs, vom akademischen Senate den Auftrag erhielt, daselbst das Hebräische und Griechische zu lehren, wofür ihm anfänglich eine jährliche Besoldung von 15, später von 50 Gulden ausgesetzt wurde. Im J. 1527 bewarb er sich (Zeller, Merkw. von Tübingen, S. 346, 491) um die philosophische Magisterwürde, wurde jedoch mit seinem Gesuche von dem Kanzler der Universität, Ambrosius Widmann, abgewiesen, dagegen verzeichnen ihn die Akten der Universität für das J. 1582 als Doctor der Jurisprudenz, zu deren Studium wol jene Zurückweisung die Veranlassung wie der Groll darüber ohne Zweifel auch der erste Grund zu seiner späteren religiösen Conversion gewesen war. Wo J. in den nächsten sechs Jahren, nachdem er bereits am 2. Februar 1533 seine Professur der hebräischen und griechischen Sprache resignirt hatte, sich aufgehalten und welche Verbindungen er zu seinem späteren Fortkommen angeknüpft habe, ist völlig unbekannt, aber wahrscheinlich ist es, daß er sich bald zu dem kaiserlichen Kammergerichte nach Speyer begab, woselbst er auch in die dortige katholische Familie Eisengrein heirathete, die ihm, nachdem er selbst zum Katholicismus übergetreten war, neben seiner eigenen juridischen Brauchbarkeit,|ein Mittel war, sich empor zu heben. Denn schon 1538 erscheint er (Ludolf, jus camerale 366) als Beisitzer des Kammergerichts, 1541 wurde er von Kaiser Karl V. in den Adelstand erhoben (aus dem ihm ertheilten Adelsbriefe vom 10. März geht hervor, daß der ursprüngliche Name seiner Familie „Jon“ lautete), im nämlichen Jahre erhielt er die Kanzlerstelle bei Kurmainz, in welcher Würde er 1543 bei der Visitation des Kammergerichts gegenwärtig war und 1544 ernannte ihn (Mallinckrot, de Archicancellariis 446) König Ferdinand zu seinem Hofvicekanzler. Im J. 1558 hatte J. die Ehre (Harpprecht, Reichsgeschichte, III. 447), die Wahlcapitulation Ferdinands zum römischen Kaiser als kaiserlicher Vicekanzler zu contrasigniren. Aber noch in demselben Jahre starb er auf einer Reise von Wien zum Augsburgischen Reichstage zu Abensperg in Baiern den 28. December 1558 und wurde zu Ingolstadt begraben. Auch unter den Staatsgeschäften hatte J. immer noch eine gewisse Zuneigung für die Beschäftigungen seines früheren Standes als Lehrer unterhalten und genährt und galt, wie auch das zu jener Zeit viel bedeutende „trium linguarum peritissimus“ in seiner Grabschrift bezeugt, bis zu seinem Tode als ein vorzüglicher Sprachgelehrter, wenn auch litterarische Werke aus seiner Feder nicht zu verzeichnen sind; Casp. Brusch in einem Lobgedicht auf Oesterreich (Cuspiniani Austria, 1553) sowie andere Zeitgenossen rühmen seine Gelehrsamkeit; auch mit Sebast. Münster stand er in jüngeren Jahren in Bekanntschaft und der gelehrte Viglius ab Aytta Zuichemius hielt es für eine besondere Ehre, auf einer Reise mit ihm Bekanntschaft gemacht zu haben. Für die römisch-katholische Kirche aber entwickelte er nach Convertitenart und schon aus „Staatsraison“ einen großen Eifer und Thätigkeit und man beschuldigt ihn nicht mit Unrecht, daß er ganz in der Gewalt der Jesuiten gestanden sei, wie er denn auch (Fischer, Suppl. I. ad notit. urb. Vindobon. p. 98) der erste war, der 1554 vier Söhne der neuen Erziehungsanstalt der Jesuiten zu Wien anvertraute, wofür ihn denn auch ein lutherisches Lied (Raupach, Nachlese zum evangelischen Oesterreich S. 93) vom Teufel geholt werden läßt.

    • Literatur

      Vgl. außerdem: Chr. Fr. Schnurrer, Nachr. von Lehrern der hebr. Litt. zu Tübingen, S. 71—87. Sattler, Gesch. Württemb. unter den Herzogen, III. 267; 116, 124. Raupach, Zugabe zu dem evangel. Oesterreich, S. 100. Annal. Ingolstad. I. 255, 324. Denis, Wiens Buchdrucker-Gesch., S. 535 Aug. Fr. Böck, Gesch. d. Univers. Tübingen, S. 95—96. W. Schuckhard. Vita Mich. Beringeri. Moser, Erläut. Württemb., II. 294 ff.

  • Autor/in

    J. Franck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Franck, Jakob, "Jonas, Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 491-492 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137665865.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA