Lebensdaten
um 1360 bis 1416
Geburtsort
Münsterberg (Schlesien)
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; erster Rektor der Universität Leipzig
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119260077 | OGND | VIAF: 17232245
Namensvarianten
  • Johannes
  • Otto, Johannes
  • Münsterberg, Johannes
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Johannes von Münsterberg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119260077.html [15.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Otto, Bürger in Münsterberg.

  • Leben

    Nach dem Studium an der auch für Schlesien zuständigen Landesuniversität in Prag erlangte J. 1382 das Bakkalaureat, 1386 das Lizentiat, 1387 den philosophischen Magistertitel und bald darauf den Rang eines Doktors der Theologie. Auf seiner weiteren akademischen Laufbahn bekleidete er die verschiedensten Universitätsämter, wurde 1395 Dekan, 1398 Rektor sowie 1408 neuerlich Dekan. Mit vielen bedeutenden Gelehrten der Zeit bekannt und selbst ein gefeierter Lehrer, stand er als Vertreter des Nominalismus in heftigem Gegensatz zum extremen Realismus Wyclifs und zu den radikalen religiös-nationalen Bestrebungen Johann Hus', gegen den er später auf dem Konzil von Konstanz auftrat. Nach Erlaß des Kuttenberger Dekrets durch Kg. Wenzel zog 1409 unter seiner Führung der größte Teil der deutschen Magister und Scholaren aus Prag nach Leipzig, wo J. an der neugegründeten Universität, die er wesentlich mit einrichtete, erster Rektor und Prokanzler wurde. Die von ihm geplante und vorbereitete Stiftung des Kollegiums Unserer Lieben Frau in Leipzig – für schles. Professoren bestimmt – konnte erst nach seinem Tode von seinem Freunde und Landsmann Johann Hoffmann von Schweidnitz ausgeführt werden (1422).

  • Literatur

    ADB 24 (unter Otto, Johs.);
    J. Heyne, Gesch. d. Bistums u. Hochstifts Breslau II, 1864, S. 139-44, Nachdr. 1969;
    P. Pfotenhauer, Schlesier als Rectoren d. Univ. Leipzig, in: Zs. d. Ver. f. Gesch. Schlesiens 17, 1883, S. 177-85;
    F. Matthaesius, Auszug d. dt. Studenten aus Prag 1409, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen 52, 1914, S. 451-99, 53, 1915, S. 58-110;
    G. Webersinn, in: Jb. d. Schles. Friedrich-Wilhelm-Univ. zu Breslau 7, 1962, S. 75-95.

  • Autor/in

    Josef Joachim Menzel
  • Empfohlene Zitierweise

    Menzel, Josef Joachim, "Johannes von Münsterberg" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 562 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119260077.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Otto: Johannes O. oder Johannes Münsterberg, erster Rector der Universität Leipzig, geb. in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts zu Münsterberg in Schlesien, am 24. März 1416, studirte in Prag, wurde 1382 Baccalaureus, 1387 Magister und fungirte wiederholt als Examinator und Promotor, als collector pecuniarum facultatis, als Vicedecan und Decan, im Sommer 1398 auch als Rector. Als die durch Huß durchgesetzte Umkehrung des bisherigen Stimmenverhältnisses der Nationen die Deutschen aus der leitenden Stellung, die sie bisher eingenommen hatten, verdrängte, verließ er an der Spitze von 46 Magistern und Doctoren und einer großen Zahl deutscher Studenten 1409 die Universität und Zog mit ihnen nach Leipzig, wo sie von Friedrich dem Streitbaren, Landgrafen von Thüringen und dessen Bruder Wilhelm, Markgraf von Meißen mit offnen Armen aufgenommen wurden. Diese Einwanderung veranlaßte die fürstlichen Brüder zur Stiftung der Universität Leipzig. Sie wurde unter Genehmigung des Papstes Alexander V. 1409 am Montage nach dem ersten Adventssonntage feierlich eröffnet und der Bischof Walter Köckritz von Merseburg zum Kanzler und unser Johannes zum Prokanzler und ersten Rector derselben erwählt. 1410 stifteten die beiden fürstlichen Brüder das Fürstencollegium; Johannes erhielt die erste Collegiatur in demselben und 1414 eines der vom Papst Johann XXII. der Universität zugeeigneten 6 Canonicate in Meißen. Als gefeierter Lehrer der Theologie und Philosophie wohnte er dem Concil von Kostnitz bei. Ein besondres Verdienst aber um die Universität hat er sich durch die Gründung des Frauencollegiums erworben. Den Plan zu einer solchen Stiftung hatte er schon in Prag gefaßt und zur Ausführung desselben bei Magistern und Studenten Beiträge zu sammeln angefangen. In seinem letzten Willen verordnete er alsdann die Gründung eines Collegium beatae Mariae virginis und stattete es unter Festsetzung der Zahl der Collegiaten sowie der Bedingungen zur Aufnahme in dasselbe mit den nöthigen Einkünften aus, ohne es jedoch unwiderruflich an Leipzig zu binden. Es sollte nach seiner Bestimmung in Leipzig oder in Prag, si schola fuerit reformata, errichtet, ja, wenn irgendwo in Schlesien eine Universität gegründet würde, an diese transferirt werden. (Item non obstantibus suprascriptis volo, quod supradictum collegium fiat in Slezia, si et ubicunque in ea fundabitur studiumprivilegiatum.) Auf Grund dieser testamentarischen Bestimmungen befahl daher König Wladislaus in seinem für die in Breslau zu errichtende Universität 1505 ausgefertigten Stiftungsbriefe ohne weiteres den Collegiaten des Frauencollegiums in Leipzig, sich unverweilt nach Breslau zu verfügen. Die Universität kam nicht zu Stande und das Frauencollegium blieb nach wie vor in Leipzig. Bei der Stiftung der Leopoldina ist gar nicht auf dasselbe reflectirt worden, wol aber machte 1830 die preußische Regierung den Versuch, das Frauencollegium mit seinen reichen Einkünften für die Universität Breslau zurückzugewinnen. Da die deswegen angeknüpften diplomatischen Verhandlungen zu keinem Ziele führten, wurde von beiden Staaten auf den Ausspruch eines unbetheiligten Gerichtshofes, des Oberlandesgerichts in Celle, compromittirt, welches den Streit 1849 zu Ungunsten Preußens entschied. Johannes O. starb 1416 und wurde in der Paulinerkirche begraben. Von seinen Schriften sind zu nennen: „Commentariorum in Petri Lombardi sententias libr. IV", „Orationes ad clerum“, „Quaestiones magisteriales“, auch hat er einige Schriften über Logik hinterlassen.

    Mart. Hanckii de Siles. indig. erud. Lipsiae 1707, cap. 20. — Henelii Silesiogr. ren. I. c. VII. p. 314. — Crusius, Vergnügung müssiger Stunden I, 67 ff. — Gaupp, die Stiftungsurkunde des Königs Wladislaus vom 20. Juli 1505 für die in Breslau zu gründende Universität, in der Zeitschrift für Gesch. u. Alterth. Schl. I, 229 ff. u. in derselben Zeitschrift XVII, 177 ff. Pfotenhauer, Schlesier als Rectoren der Universität Leipzig.

  • Autor/in

    Schimmelpfennig.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schimmelpfennig, Adolf, "Johannes von Münsterberg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 756-757 unter Otto, Johannes [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119260077.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA