Lebensdaten
1881 bis 1963
Geburtsort
Pettau (Steiermark)
Sterbeort
Garmisch-Partenkirchen
Beruf/Funktion
Gynäkologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 12770499X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jaschke, Rudolf (bis 1916)
  • Jaschke, Rudolf Edler von
  • Jaschke, Rudolf (bis 1916)
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Zitierweise

Jaschke, Rudolf Edler von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12770499X.html [10.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (Adel 1916, 1856-1917), k. u. k. FMLt, S d. Schulleiters Karl in Bautsch/Mähren u. d. Cäcilie Hofmann;
    M Therese (1859–1925), T d. Realitätenbes. Josef Vasold u. d. Therese Kalss;
    Düsseldorf 1912 Elsbeth (1885–1970), T d. Verlagsbuchhändlers Wilhelm Deiters (1857–1904) u. d. Clementine Engels;
    2 S, 3 T, u. a. Herbert (* 1912), Chirurg. Chefarzt in Wadern/Saar.

  • Leben

    J., der 1899-1904 Medizin in Innsbruck, Berlin, Wien und Freiburg/Br. studiert hatte und in Innsbruck 1905 promoviert worden war, begann seine gynäkologische Fachausbildung nach Assistenzjahren in Innsbruck (Anatomie/Hochstetter), Wien (Innere Medizin/Ortner), München (Innere Medizin/F. v. Müller) und Linz (Chirurgie/Brenner) auf breiter Basis. Als Schüler von Rosthorn in Heidelberg und Wien (1907–10) und von Krömer in Greifswald (1910–11) war er bis 1912 Oberarzt bei Opitz in Düsseldorf. Ihm folgte J. 1912 nach Gießen, wo er sich 1912 habilitierte und 1918 zum ao., 1918 zum o. Professor und Direktor der Frauenklinik ernannt wurde. In Gießen blieb J. trotz ehrenvoller Rufe, u. a. nach Wien und Düsseldorf, bis 1947, nachdem er nach Zerstörung der Frauenklinik durch Luftangriff am 6.12.1944 die Arbeit in der von ihm mit beispielhafter Energie geschaffenen Interimsklinik in Kloster Arnsburg fortgesetzt hatte. Dann war er bis zum 9.5.1949 Chefarzt der Städt. Frauenklinik in Offenbach, bis 1954 war er dort noch an einer privaten Frauenklinik tätig.

    Schon bei seiner Berufung, die eine Blütezeit der Gießener Frauenklinik einleitete, besaß J., besonders durch seine Monographie „Physiologie, Pflege und Ernährung des Neugeborenen“ (1917), Anerkennung als Autorität auf einem Gebiet, das er selbst zu einer Art Sonderfach erhoben hatte und später mit seiner „Pathologie des Neugeborenen“ (1920) weiter ausbauen sollte. Umfängliche Wiener Studien zur Beziehung zwischen Herzerkrankungen und Schwangerschaft, die er durch Einzelbeiträge zu verschiedenen Formen von Herzinsuffizienz und Herzstörungen mit Nierenerkrankungen vertiefte, hatten zu seinen Arbeiten über „Funktion“ und „Erkrankungen der Nieren in der Schwangerschaft“ (1913) geführt. Wie hier zeichnete er sich auch in seinen Untersuchungen zur Anatomie, Ätiologie und Therapie der Genitalsenkungen als selbständiger Forscher aus. Eine treffende Darstellung allgemeiner Gesichtspunkte legte er in seinen Beiträgen „Physiologie der Geburt“ (1914) und „Allgemeine Pathologie der Geburt“ (1914) vor, wobei ihn das postoperative Kreislaufverhalten hinsichtlich Thrombose- und Embolieprophylaxe später besonders beschäftigte. Zahlreiche weitere Arbeiten, mit denen er neue Wege beschritt, zeigen, daß nahezu alle Bereiche des Faches von ihm erfaßt wurden. Auch unterstreicht die ausgedehnte Mitarbeit in Handbüchern vieler Grenzgebiete sein hohes Ansehen. Am bekanntesten machten ihn|aber sein „Kurzer Leitfaden der Geburtshilfe“ (1918) und sein „Kurzer Leitfaden der Gynäkologie“ (1918), der „Kleine Jaschke“, mit jeweils etwa 40 Auflagen bis 1950. Das mit O. Pankow herausgegebene „Lehrbuch der Geburtshilfe und Gynäkologie“ (1920), das auch ins Spanische übersetzt wurde, brachte ihm internationalen Ruf ein. Sein Buch „Die Prophylaxe auf dem Gebiet der Geburtshilfe und Gynäkologie“ (1939) enthält nicht nur sein Bekenntnis zum Grundsatz des „primum nil nocere“, es weist ihn zugleich als Verfechter einer umfassenden Geburtshilfe aus, die mit vorbeugender Beratung und Untersuchung Einfluß auf eine „Gesundheitsführung“ zu nehmen sucht.

    Der weithin angesehene Forscher und geschätzte Lehrer – er galt als einer der schnellsten und sichersten Operateure –, dessen starke Eigenpersönlichkeit von hohem sittlichen Ernst, strenger Sachlichkeit und äußerstem Pflichtbewußtsein geprägt war, hat sich hervorragende Verdienste erworben. So hat er vor allem die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie, zu deren Präsident er nach dem Zusammenbruch als einer der Großen des Faches gewählt wurde, aus den Trümmern und der Not der Nachkriegszeit zu neuem Leben erweckt.

  • Werke

    W Verz. s. Dt. Gynäkologen-Verz., hrsg. v. W. Stoeckel, bearb. v. F. Michelsson, 21939. S. 214-17;
    Gynäkologen d. dt. Sprache, bearb. v. H. Kirchhoff u. R. Polacsek, 31960, S. 227 f.;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1961.

  • Literatur

    C. J. Gauß u. B. Wilde, Die dt. Geburtshelferschulen, 1956, S. 259 f.;
    E. Klees u. H. Roemer, Die Frauenklinik, in: Festschr. z. 350-J.feier Gießen, 1957, S. 59 u. 467 (P b. S. 80);
    H. Roemer, in: Die Med. Welt, 1961, S. 1807 (P);
    Zilch, Besuch b. Prof. Dr. med. v. J., in: Cesra-Säule, Wiss. u. therapeut. Mitt., 9, 1962, S. 1-4;
    A. Mayer, in: Zbl. f. Gynäkol. 86, 1964, S. 489-91 (P);
    R. Kepp, Die Entwicklung d. Univ.-Frauenklinik Gießen, Nachrr. d. Gießener Hochschulges. 34, 1965, S. 71 f.;
    Fischer;
    Rhdb. (P).

  • Portraits

    Bronzetafel (Gießen, Univ.-Frauenklinik);
    Ölgem. v. E. Engler, 1922 (im Bes. v. Herbert v. Jaschke, Wadern).

  • Autor/in

    Jost Benedum
  • Empfohlene Zitierweise

    Benedum, Jost, "Jaschke, Rudolf Edler von" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 359 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12770499X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA