Lebensdaten
1896 bis 1966
Geburtsort
Langstrobnitz Bezirk Kaplitz (Südböhmen)
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118556827 | OGND | VIAF

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Zitierweise

Jaksch, Wenzel, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118556827.html [31.07.2016].

CC0

Jaksch, Wenzel

Politiker, * 25.9.1896 Langstrobnitz Bezirk Kaplitz (Südböhmen), 27.11.1966 Wiesbaden. (katholisch)

  • Genealogie

    V Wenzel (1854–1917), Kleinbauer u. Maurer, S d. Wirts u. Bauern Johann in Hardetschlag u. d. Klara Schinko; M Marie Sieko (1855–1905) aus L.; die meisten von J.s 11 Geschw. starben im Kindesalter; 1) ( 1945) Hanna Bröckl, 2) 1945 Joan, T d. Reverend John Pole Simeon u. d. Dorothy Field; 1 S, 1 T aus 2).

  • Leben

    Nach Abschluß der zweiklassigen Volksschule kam der aus sehr bescheidenen Verhältnissen stammende J. 1911 als Maurerlehrling nach Wien. Bereits vor Ausbruch des 1. Weltkriegs, den er als Munitionsarbeiter erlebte, wurde er Mitglied des sozialdemokratischen Verbandes jugendlicher Arbeiter Österreichs. 1919 kehrte er nach Südböhmen zurück. Durch sein Eintreten für die Anliegen der seit der Gründung der ČSR von ihren gewohnten österr. Arbeitsstellen abgeschnittenen böhm. Wanderarbeiter wurde Karl Čermak, der Sekretär der späteren Deutschen sozialdemokratischen Arbeiter-Partei (DSAP) in der ČSR, auf J. aufmerksam und berief ihn als Sekretär des sozialdemokratischen Kleinbauernverbandes nach Teplitz. 1921 wurde J. Redakteur in Komotau, 1924 beim DSAP-Zentralorgan „Sozialdemokrat“ in Prag. 1929-38 vertrat er einen westböhm. Wahlkreis im Parlament. Mehrmals gefährdeten schwere Erkrankungen seine politische Karriere.

    Seit der Trennung der Kommunisten von der Sozialdemokratie bemühte sich J. in zunehmendem Maße um die ideologische Neugestaltung seiner Partei durch Einbeziehung bürgerlicher und bäuerlicher Schichten in die Arbeit der DSAP. Daneben galt sein politisches Wirken der staatsrechtlichen Reform des unbefriedigenden Minderheitenstatus der deutschen Bürger des tschechoslowak. Staates. J.s Bemühungen scheiterten; er konnte sich gegen die orthodoxe Führung der DSAP unter Ludwig Czech nicht durchsetzen und wurde erst 1938 zum Parteivorsitzenden gewählt, als durch den reichsdeutschen Druck auf die ČSR ein nationaler Ausgleich zwischen Deutschen und Tschechen kaum mehr möglich schien und die DSAP als letzte staatstreue deutsche Partei die Mehrzahl ihrer Wähler an das völkische Lager verloren hatte.

    Nach Abtretung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich organisierte J. mit internationaler Hilfe die Auswanderung von etwa 3 000 gefährdeten sudetendeutschen Sozialdemokraten nach England, Schweden und Kanada. Im Exil gelang es ihm nicht, an die vormals guten Beziehungen zur tschechoslowak. Regierung anzuknüpfen. Nachdem die Engländer J.s Forderung nach einem staatsrechtlichen Abkommen zur Lösung der sudetendeutschen Frage gegenüber der tschechoslowak. Exilregierung anfänglich unterstützten, gewann letztere mit zunehmender Kriegsdauer unter Führung von Eduard Beneš die Oberhand, und J. vermochte schließlich nur wenig gegen die Aussiedlungspolitik der Tschechoslowaken zu unternehmen.

    Nach der Rückkehr aus dem Exil 1949 wurde J. Beamter und später Leiter des hess. Landesamtes für Vertriebene. Als Mitschöpfer des sog. Hessenplanes konnte er zur sozialen Eingliederung der Heimatvertriebenen in Hessen beitragen. Von 1953 bis zu seinem Tode gehörte J. als Abgeordneter der SPD dem Deutschen Bundestag an, wo er sich besonders sozialpolitischen Fragen und dem Verhältnis der Bundesrepublik zu den osteurop. Ländern widmete. Durch sein national orientiertes, konsequentes Eintreten für das westliche Bündnis geriet J. in z. T. beträchtliche Schwierigkeiten mit dem linken Flügel seiner Partei, als deren „nationales Gewissen“ er gelegentlich bezeichnet wurde.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Parteivorstandes d. SPD u. d. Auswärtigen Ausschusses d. Bundestages; Mitbegr. d. Seliger-Gemeinde, Traditionsgemeinschaft sudetendt. Sozialdemokraten; Präs. d. Bundesvers. d. Sudetendt. Landsmannschaft (seit 1959), d. v. ihm mitbegr. Dt. Stiftung f. europ. Friedensfragen (seit 1961) u. d. Bundes d. Vertriebenen (seit 1964); Gr. Bundesverdienstkreuz (1966).

  • Werke

    Volk u. Arbeiter, 1936; Der Weg d. letzten freien Deutschen, 1940/41 (mit W. Kolarz, dt. u. engl.); Sozialist. Möglichkeiten in unserer Zeit, 1944; Benesch war gewarnt, hrsg. v. A. Reitzner, 1949; Europas Weg n. Potsdam, 31967 (P) (amerikan. 1963, franz. 1966); Westeuropa-Osteuropa-Sowjetunion, 21966; ferner zahlr. Artikel in: Tribüne/Kampf (Prag), 1929-38; Sozialdemokrat (London), 1940-49; Brücke (München), 1949-66.

  • Literatur

    Ruhm u. Tragik d. sudetendt. Sozialdemokratie, W. J. z. 50. Geburtstag, hrsg. v. d. Treuegemeinschaft sudetendt. Soz.demokraten, Malmö, 1946;  W. J., 2 Bde., hrsg. v. K. Kern, 1967 f. (P in I);  W. J. - Edvard Beneš, Briefe u. Dokumente aus d. Londoner Exil 1939–43, hrsg. v. F. Prinz, 1973;  M. Bachstein, W. J. u. d. sudetendt. Soz.-demokratie, 1974.

  • Autor

    Martin Bachstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Bachstein, Martin, "Jaksch, Wenzel" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 326-327 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118556827.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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