Lebensdaten
1901 bis 1982
Geburtsort
Hemmehübel (Bezirk Schluckenau, Nordböhmen)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Gewerkschafter ; Verbandsfunktionär ; Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118611151 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schütz, Hans

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Zitierweise

Schütz, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118611151.html [26.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1873–1946), Metallarbeiter in Nixdorf (Nordböhmen), S d Ignaz (1845–1920), Weber in Nixdorf, Mitbegr. e. Unterstützungsver. d. Strumpfwirker f. Krankheit u. Hinterbliebene;
    M Anna Rösler (1878–1959);
    1928 Maria Dietrich (1907–2000);
    1 T Maria (* 1929, ⚭ Otto Schneider, 1927–2002), in M.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Bürgerschule absolvierte S. 1916-18 eine Schreinerlehre und arbeitete als Schreiner in seinem Heimatort. Im benachbarten Nixdorf gründete er als Novum in dieser reinen Industriegemeinde einen kath. Jugendverein. Nach dem 1. Weltkrieg trat er in die Christl. Gewerkschaften ein und wurde 1920 Gewerkschaftssekretär in Schluckenau. Gewerkschaftliche Weiterbildungsangebote nutzend, kam er 1920 in Kontakt mit Jakob Kaiser (1888–1961). Er wurde mit dem Aufbau einer Zentrale der Textilarbeiter in Reichenberg betraut, besuchte 1921/22 die kath. Volkshochschule „Leohaus“ in München und leitete nach seiner Rückkehr das Sozialreferat beim Reichsbund der dt. kath. Jugend, wo er v. a. für die Arbeitsvermittlung zuständig war. 1923 zum Geschäftsführer des Christl. Textilarbeiterverbandes Sudetenland in Zwittau gewählt, war S. 1924-38 Leiter des Gesamtverbandes der Sudetendt. Christl. Gewerkschaften und 1925-28 Schriftleiter der von ihm begründeten und vom Verband der Christl. Gewerkschaften herausgegebenen Vierteljahresschrift „Sudetendt. Arbeit“.

    Seit 1925 Mitglied im Vorstand der Dt. Christl.-Sozialen Volkspartei in der ČSR, wurde S. 1935 in das tschechoslowak. Parlament gewählt, in dem er mit Gustav Hacker (1900–79) vom Bund der Landwirte und dem Sozialdemokraten Wenzel Jaksch (1896–1966) für die dt.-tschech. Verständigung und einen demokratischen Vielvölkerstaat eintrat. Nach dem Zusammenschluß seiner Partei mit der Sudetendt. Partei zog S. sich 1938 aus der aktiven Politik zurück. 1938-40 arbeitete er als Bezirksleiter einer Münchner Versicherung für das Sudetenland in Teplitz-Schönau. 1941-45 leistete er Kriegsdienst.

    Im Herbst 1945 aus amerik. Kriegsgefangenschaft in Weilheim entlassen, wurde S. einer der Wortführer der Vertriebenen und arbeitete maßgeblich an der Lösung ihrer Probleme mit. Anfang 1946 trat er der CSU bei und gehörte seither als deren Flüchtlingsvertreter dem Hauptausschuß der Flüchtlinge und Ausgewiesenen in Bayern an, bis 1950 als dessen Vorsitzender. S. war 1946 Mitgründer und bis 1950 Vorsitzender der Union der Ausgewiesenen/Union der Vertriebenen (UdV), einer Arbeitsgemeinschaft der CSU. Er trug maßgeblich dazu bei, die Vertriebenen in Bayern an die CSU zu binden, deren Landesvorstand er 1946-51 und 1962-68 angehörte. Im Jan. 1946 gründeten kath. Akademiker und Werktätige in München die Ackermann-Gemeinde „als spezifische geistige Orientierungs- und Führungsgruppe der sudetendt. Katholiken“ und wählten S. zum Vorsitzenden (bis 1969). 1948/49 war er Mitglied des Frankfurter Wirtschaftsrates der Bizone und Vorsitzender des Vertriebenenausschusses. Mitglied des Kath. Flüchtlingsrats, wurde er 1949 von Kard. Frings in eine Internat. Studienkommission für Flüchtlingswesen berufen.

    1949-63 vertrat S. den Wahlkreis Dillingen/Donau als direkt gewählter Abgeordneter im Dt. Bundestag, wo er sich als Mitglied in den Ausschüssen für Lastenausgleich, Heimatvertriebene und Sozialpolitik v. a. um soziale Belange und Rentenfragen, aber auch um außenpolitische Themen kümmerte. 1953-61 amtierte er als stellv. Vorsitzender der CSU-Landesgruppe. 1950-63 in die Beratende Versammlung des Europarates nach Straßburg entsandt, wählte ihn diese 1950 zum Vizepräsidenten des Flüchtlingsausschusses. Seit 1955 war er Mitglied der Versammlung der Westeurop. Union. 1963-69 stand er an der Spitze der Christl.-Sozialen Arbeitnehmerschaft, einer Arbeitsgemeinschaft der CSU. Der bayer. Ministerpräsident Alfons Goppel berief ihn 1962 als Staatssekretär, im Juni 1964 als Minister in das Staatsministerium für Arbeit und Soziale Fürsorge (bis Nov. 1966).

  • Auszeichnungen

    Bayerischer Verdienstorden (1959).

  • Werke

    Abgeordnete d. Dt. BT, Aufzeichnungen u. Erinnerungen, hg. v. Dt. BT, II, 1983, S. 189-234 (P).

  • Literatur

    Ein Leben – drei Epochen, FS f. H. S. z. 70. Geb.tag, hg. u. eingel. v. H. Glassl u. O. Pustejovsky, 1971 (P);
    H. S., Helfer u. Wegweiser in schwerer Zeit: Gewerkschaftler, Soz.pol., Jungaktivist, Vertriebenenpol., Europapol., 1982 (P);
    Festakt f. H. S., in: Münchner Kirchenztg. v. 18.3.2001 (P);
    Klimesch (P);
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    LThK3;
    Lex. Christl. Demokratie;
    Nachlaßteile:
    Archiv f. Christl.-Soz. Pol. d. Hanns-Seidel-Stiftung;
    Archiv d. Ackermanngde. München.

  • Portraits

    Gem. v. Josef Vietze, 1967 (Bayer. Staatsmin. f. Arbeit u. Soz.ordnung, München), Abb. in: FS 1971 (s. L);
    zahlr. Fotos in: Sudetendt. Archiv, München.

  • Autor/in

    Renate Höpfinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Höpfinger, Renate, "Schütz, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 661-662 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118611151.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA