Lebensdaten
1784 bis 1871
Geburtsort
Kirchberg/Jagst (Württemberg)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Augenarzt
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 118868268 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jäger, Friedrich (bis 1859)
  • Jäger Ritter von Jaxtthal, Friedrich (seit 1863)
  • Jäger von Jaxthal, Friedrich (seit 1863)
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Zitierweise

Jäger von Jaxtthal, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118868268.html [21.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph Friedrich (1735–1802), württ. u. hohenloh. Leibchirurg;
    M Sophie Elisabeth verw. Drechsel (1745–1823), T d. Gastwirts Joh. Conrad Hiller in K. u. d. Apollonia Elisabeth Glasbrenner;
    B Carl (1782–1811), Augenarzt, Assistent Beers;
    - Wien 1814 Therese (1792–1875), T d. Augenarztes Georg Josef Beer ( 1821, s. NDB I) u. d. Therese Jung;
    3 S, 1 T, u. a. Eduard (s. 1).

  • Leben

    J. wurde schon in frühester Jugend von seinem Vater in dessen chirurgischer Praxis als medizinischer Gehilfe verwendet. Der Knabe zeigte eine außerordentliche manuelle Geschicklichkeit und großes Interesse für die Medizin. Er studierte deshalb in Würzburg und Wien Medizin und promovierte 1808 in Landshut. 1809 ging er nach Wien und arbeitete als Assistent bei dem Ophthalmologen G. J. Beer. 1809 nahm J. als Oberarzt am Feldzug in Ungarn teil. Nach Wien zurückgekehrt, mußte er, um sich niederlassen zu können, das damals für Ausländer vorgeschriebene „praktische Biennium“ absolvieren. Er erwarb 1812 die Doktorwürde an der Univ. Wien und bestand sein Examen als Magister der Augenheilkunde. Eine Professur der Ophthalmologie in Pest schlug er aus. Durch diese Ablehnung fiel er für sein ganzes Leben in Ungnade bei dem Protomedicus Joseph Frhr. v. Stifft. Außer seiner Praxis errichtete J. eine Privatheilanstalt für Augenkranke in Wien im Schottenhof. 1816 wurde er der Leibaugenarzt von Clemens Fürst Metternich, den er oft auf seinen zahlreichen Reisen begleitete. Metternich empfahl J. allen seinen Freunden sowie den Diplomaten und Herrschern, mit denen er verkehrte, und der Ruhm des geschickten Augenarztes verbreitete sich rasch über die Grenzen Österreichs hinaus. Seit 1813 wirkte J. als Assistent von Beer an der seit 1812 bestehenden Universitäts-Augenklinik in Wien und vertrat ihn bei dessen Erkrankung seit 1819.

    J. war ein ausgezeichneter Lehrer und Pädagoge. Augenärzte aus allen Ländern besuchten seine Privatklinik und seine Operationskurse. Seine Schüler Julius Sichel und Louis de Wecker trugen die Kenntnisse der Wiener ophthalmologischen Schule nach Frankreich. J.s neu eingeführte Methode der Linsenextraktion mittels Hornhautschnitt nach oben verminderte die übliche Verlustziffer der bis dahin geübten Staroperation mittels Hornhautschnitt nach unten von 10% auf 4,5%. Er führte auch die sogenannte lineare Starextraktion bei Kapselstaren und Linsenrudimenten ein. Die Operationsmethoden bei Trichiasis und Ektropium wurden von ihm modifiziert und verbessert und einige Instrumente dafür angegeben. 1825 wurde J. nach Klagenfurt berufen, um die Behandlung der dort unter den Garnisontruppen endemischen „egyptischen Augenentzündung“ (Trachom) durchzuführen. Er erkannte richtig die infektiöse Natur der Erkrankung und empfahl die Absonderung der Kranken sowie die Behandlung mit Kupfervitriol. Es gelang ihm, die Epidemie einzudämmen. Auf Befehl des Kaisers schrieb er darüber eine Abhandlung, die außer der Dissertation seine einzige schriftliche Arbeit ist. 1826 wurde J. Professor an der Josephs-Akademie in Wien. 1839 wurde in Galata Serail in der Türkei von Sultan Mahumed II. eine medizinische Schule gegründet, und J. erhielt den ehrenvollen Auftrag, den Direktor und Professoren für den Unterricht vorzuschlagen. Jahrelang stellte das Josephinum Ärzte für diese Anstalt zur Verfügung. 1848 wurde die Josephs-Akademie geschlossen und J. in den Ruhestand versetzt. Er widmete sich nur mehr seiner Privatpraxis.

  • Werke

    De Keratonyxidis usu, Diss. Wien 1812;
    Die egypt. Augenentzündung (Ophthalmia egyptiaca), 1840.

  • Literatur

    ADB 13;
    S. Kirchenberger, Lb. hervorragender österr.-ungar. Mil.- u. Marineärzte, 1813, S. 83 (P);
    W. Schlesinger, in: Wiener med. Wschr. 22, 1872, S. 177-82;
    G. Preyß, Gedächtnisrede, 1877;
    J. Hirschberg, in: Graefe-Saemisch, Gesch. d. ges. Augenheilkde. 14, 21911, S. 551 u. ö. (P);
    A. Pillat, Ein Btr. z. Wiener Schule d. Augenheilkde., in: Wiener klin. Wschr. 63, 1951, S. 614;
    J. Böck, F. v. J., in: Notring Jb. 1957, S. 83 (P).|

  • Quellen

    Qu.: Autobiogr. (Abschr. im Inst. f. Gesch. d. Med., Wien).

  • Portraits

    Lith. v. Staub n. Bild v. Ender (Wien, Inst. f. Gesch. d. Med.);
    Kupf. v. J. F. Bolt n. Bild v. Lieder, 1830 (ebd.);
    Lith. v. Schuberth, 1873, Abb. b. Hirschberg, s. L;
    Ölgem. v. J. Danhauser: „Der Augenarzt“ (Hist. Mus. d. Stadt Wien);
    Lith. v. F. Eybl, 1835 (ebd.);
    Bleistiftzeichnung v. A. F. Seligmann (ebd.);
    Lith. v. Leybold n. J. Danhausers Gem. (Wien, II. Augenklinik).

  • Literatur

    zu 1) u. 2): L. Schönbauer, Das med. Wien, 21947 (P);
    A. Pillat, Zur Gesch. d. beiden Lehrkanzeln f. Augenheilkde. in Wien, in: Ophthalmologica 134, 1957, S. 76-84;
    E. Lesky, Die Wiener med. Schule im 19. Jh., 1965 (P);
    Wurzbach X;
    BLÄ.

  • Autor/in

    Helga Stellamor
  • Empfohlene Zitierweise

    Stellamor, Helga, "Jäger von Jaxtthal, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 272-273 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118868268.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Jaeger: Christoph Friedrich J., Ritter v. Jaxthal, einer der berühmtesten Augenärzte und Augenoperateure seiner Zeit, wurde am 4. September 1784 in Kirchberg an der Jaxt im Fürstenthum Hohenlohe geboren, wo sein Vater die Stelle eines fürstlichen Leibchirurgen einnahm. Schon in frühester Jugend wurde er von seinem Vater als Gehilfe verwendet und assistirte demselben noch nicht|7 Jahre alt bei einer Leichensection und im Verbandanlegen. Im neunten Jahre machte er schon eine Venaesection. J. studirte zuerst in Würzburg, dann in Wien und endlich in Landshut, an welcher Universität er zum Doctor promovirt wurde. Nach seines Bruders Abgang als Assistent des berühmten Georg Joseph Beer in Wien bekam er dessen Stelle. Im J. 1809 trat er in den Militärdienst und übernahm eine chirurgische Abtheilung in Wien; später folgte er seinem Regimente nach Ungarn und verließ nach geschlossenem Frieden den Dienst, um sich in Wien als practischer Arzt niederzulassen und als Privatdocent zu habilitiren, wo er Gelegenheit hatte, die bedeutendsten späteren Augenärzte und Chirurgen in Einübung von Augenoperationen zu unterrichten. Im J. 1815 verehelichte er sich mit Beer's einziger Tochter, wodurch das Verhältniß mit diesem berühmten Meister nur noch inniger wurde. Im J. 1816 wurde er Leibarzt des Staatskanzlers Fürst Metternich und begleitete denselben fortwährend auf seinen Reisen. J. erhielt mehrmals ehrenvolle Berufungen nach Bonn sowie nach Pest, konnte sich aber nie entschließen, Wien zu verlassen, obwol ihm die im J. 1821 durch Beer's Tod erledigte klinische Lehrstelle an der Universität nicht übertragen wurde. Trotzdem wallfahrteten Augenärzte aus aller Herren Länder zu ihm und eine große Anzahl Schüler besuchten seine Privatklinik und seine Operationskurse. Die größten Akademien und gelehrten Gesellschaften ernannten ihn zu ihrem Ehrenmitglieds und Orden in Menge zierten seine Brust. Als in Galata eine medicinische Schule errichtet wurde, schlug J. die zu ernennenden Professoren vor. Auch an dem damaligen Kronprinz von Hannover versuchte er eine Operation zur Wiederherstellung des Sehvermögens, leider ohne Erfolg, worüber man ihm jedoch bei der Zweifelhaftigkeit des Falles keinen Vorwurf machen kann, obwol die Sache vielfach von seinen Neidern ausgebeutet wurde. Noch verhängnißvoller war für ihn ein Augenleiden des berühmten Feldmarschalls Grafen Radezky, das im J. 1889 begann und zu einer großen Hervorragung des Augapfels geführt hatte. J. wurde im allerhöchsten Auftrage nach Mailand geschickt und diagnosticirte als höchst wahrscheinlich eine krebsartige Neubildung. Unter diesen Verhältnissen mußte er sich sehr ungünstig über das Leiden aussprechen, obwol er doch auch die Möglichkeit einer Heilung nicht ausschloß, da in einzelnen Fällen unter derartigen Verhältnissen nach Entwicklung heftiger Entzündungserscheinungen eine Vereiterung eintrete. Als nun aber die Krankheit unter dem Gebrauch homöopathischer Mittel äußerst günstig verlief, so wurde dieser Fall zum Vortheil der Homöopathie und zu Ungunsten Jaeger's ausgebeutet, und ein langer Federstreit war die Folge. Auch erhielt J., als im J. 1848 die Josefs-Akademie aufgelöst wurde, nicht die erledigte Stelle eines Oberfeldarztes, sondern wurde quiescirt. Von nun an wirkte er als practicirender Arzt und Vorstand einer Privatheilanstalt für Augenkranke, wo er sich als humaner Arzt und vortrefflicher Lehrer allgemeine Anerkennung verschaffte; er war ein Operateur ersten Ranges, der noch in seinem höchsten Alter die Staaroperation mit ausgezeichneter Routine ausübte. J. war der Hauptvertheidiger der Extraction des Kataract mit Lappenschnitt nach oben, ferner war er einer der ersten, welcher die lineare Schnittöffnung in die Hornhaut einführte, um Kapselreste zu extrahiren, ebenso erwarb er sich Verdienste um Einführung der Iridectomie und durch eine neue Modification der Operation der Trichiasis, des Ectropium u. s. w. Im Drucke ist von J. nichts erschienen als eine Dissertation über die Keratonyxis und ein amtlicher Bericht über ägyptische Augenentzündung. In späterer Zeit wurde J. durch seinen ausgezeichneten Sohn, den noch lebenden Professor Eduard v. Jaeger, in seinem praktischen Wirkungskreise unterstützt, dessen ausgezeichnete literarische Leistungen, worunter ein bis jetzt durch seine Genauigkeit unübertroffener ophtalmoskopischer Atlas und viele andere geniale Arbeiten die letzten Lebensjahre seines edlen, jedoch nicht immer richtig gewürdigten Vaters verfaßten. J. starb am 26. December 1871 in seinem 88. Lebensjahre.

  • Autor/in

    Rothmund.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bülow, von, "Jäger von Jaxtthal, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 658-660 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118868268.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA