Lebensdaten
1665 – 1725
Geburtsort
Zschorna bei Radeburg
Sterbeort
Zschorna bei Radeburg
Beruf/Funktion
kursächsischer Staatsmann ; Politiker ; Großkanzler ; Selbstverleger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118894528 | OGND | VIAF: 32794875
Namensvarianten
  • Beichlingen, Wolf Dietrich Graf von
  • Beichling, Wolf Dietrich Graf von
  • Beichling, Wolf Graf von
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Beichling, Wolf Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118894528.html [12.12.2023].

CC0

  • Genealogie

    V Gottfried Hermann Graf von Beichling (seit 1700, 1638-1704), sächsischer Geheimrat und Präsident des Oberkonsistoriums, S des Stiftsrats und Oberhofgerichtsassessors Dietrich Wilhelm von Beuchling;
    M Perpetua Margaretha (1638–80), T des Reichspfennigmeisters für den sächsischen Kreis Wolf Siegfried von Lüttichau und der Martha von Bock;
    1) 1693 Anna Katharina von Neitschütz, geschieden 1711, 2) 1715 Dorothea Magdalena, T des Oberforstmeisters Alexander von Miltitz und der Barbara von Künßberg.

  • Biographie

    Die einflußreiche Stellung seines Vaters am Hofe Johann Georgs IV. verschaffte B. früh das Amt eines Hof-, Justizien- und Legationsrates. Seit 1693 mit der älteren Schwester der Maitresse Johann Georgs IV. vermählt, betrieb er im folgenden Jahr in Wien mit Erfolg die Freilassung des Feldmarschalls H. A. von Schöning. Dem jungen Kurfürst Friedrich August, dem er schon vor 1694 nahestand, wurde er bald unentbehrlich. Im Juni 1697 begleitete er den Obersten J. H. von Flemming nach Warschau, um die polnische Thronbewerbung des Kurfürsten vorzubereiten. Der Erfolg steigerte seinen Einfluß. Nach dem Rücktritt des Bischofs von Raab wurde B. 1700 Oberstkanzler und kurz darauf zum Reichsgrafen erhoben. Infolge der Verbindung des Kanzleramtes mit der Leitung der 1704-06 zum Geheimen Kabinett umgewandelten Geheimen Kammerkanzlei übte er praktisch das Amt eines Premierministers aus. Als Haupt derjenigen Partei am Dresdener Hofe, die der Beteiligung König Augusts am Nordischen Kriege entgegenarbeitete, und durch seine Finanzmachenschaften zog er sich den Haß zahlreicher Gegner, u. a. des Statthalters A. E. von Fürstenberg, Flemmings, J. von Patkuls und des späteren Kabinettsministers F. A. von Pflug zu, denen es gelang, ihn im April 1703 zu stürzen. Der Veruntreuung und verräterischer Umtriebe angeklagt, wurde B. am 10.4.1703 in Thorn verhaftet und auf den Königstein gebracht. Nach seiner Freilassung 1709 lebte er auf seinen Gütern.

  • Literatur

    ADB II;
    E. Vehse, Gesch. d. Höfe d. Hauses Sachsen, T. 5, 1854, S. 199-235;
    C. W. Böttiger, Gesch. d. Kurstaates u. Kgr. Sachsen, bearb. v. Th. Flathe, Bd. 2, 1870, S. 307 f., 318, 323, 326, 403;
    W. v. Bötticher, Gesch. d. Oberlausitz. Adels I, 1912, S. 121-23;
    P. Haake, August d. Starke, 1926;
    W. Ohnsorge, Zur Entstehung u. Gesch. d. Geh. Kammerkanzlei, in: Neues Archiv f. sächs. Gesch. 61, 1940, S. 211 f.

  • Porträts

    Stich v. M. Bodenehr (Kupf.kab. Dresden u. Graph. Slgg. München).

  • Autor/in

    Horst Schlechte
  • Zitierweise

    Schlechte, Horst, "Beichling, Wolf Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 17-18 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118894528.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Beichling: Wolf Dietrich v. B., auch Beuchling, Beichlingen geschrieben, geb. 13./23. April 1665 als Sohn des kursächsischen Geheimenraths und Oberpräsidenten von B. ( 1725), stammte aus einem niederen thüringischen Adelsgeschlechte, wahrscheinlich ursprünglich Burgmannen zu Schloß Beichlingen bei Weißensee und knüpfte erst später, als er sich durch seine Vermählung mit einer Schwester der kurfürstlichen Favoritin Magdalene Sibylle von Neidschütz den Weg zu hohen Würden und Einfluß am Dresdener Hofe gebahnt hatte, seinen Stammbaum an den der schon im 12. Jahrhundert in Thüringen reich begüterten Grafen von Beichlingen an. Er begleitete den Obersten v. Flemming nach Warschau, um die Bewerbung des Kurfürsten Friedrich August von Sachsen um die polnische Krone vorzubereiten, stieg zum Geheimenrath, 1700 zum Oberst- oder Großkanzler und wurde 1701 in den Reichsgrafenstand erhoben. Als Haupt derjenigen Partei am sächsischen Hofe, welche die Theilnahme am nordischen Kriege mißbilligte und dafür die am spanischen Erbfolgekriege zu Gunsten Oesterreichs betrieb, zog er sich den Haß Patkul's zu, der im Bunde mit dem nachherigen Cabinetsminister A. F. von Pflugk und der Maitresse des Königs, der Fürstin Lubomirska, sowie der den Eindringling hassenden sächsischen Adelscotterie seinen Sturz am 10. April 1703 herbeiführte. Einer Reihe von Malversationen und Willkürhandlungen überwiesen, wurde er auf dem Königstein gefangen gesetzt, von dem ihn 1709 die Fürsprache der Gräfin Cosel befreite. Er lebte seitdem auf seinem Gute Zschorna bei Wurzen und starb am 28. September 1725.

  • Autor/in

    Flathe.
  • Zitierweise

    Flathe, Heinrich Theodor, "Beichling, Wolf Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 290 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118894528.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA