Lebensdaten
1738 bis 1809
Geburtsort
Rittergut Naunhof bei Dresden
Beruf/Funktion
Hofmeister ; Dichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116111631 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bertele, Ernst Wolfgang
  • Behrisch, Ernst Wolfgang
  • Bertele, Ernst Wolfgang

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Zitierweise

Behrisch, Ernst Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116111631.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wolfgang Albrecht ( 1768), kursächsischer Hofrat;
    M Salome Charitas Lösche ( 1790);
    B Heinrich (1744–1825), Jurist, vielseitiger Schriftsteller, u. a. Verfasser des “Tempels d. Unsterblichen“, 1777 [darin Charakteristik Goethes v. E. W. Behrisch?, der „Stimmen der Religion an die besten unter den Menschen“, 1779, und einer ungedruckten Selbstbiographie; ledig.

  • Leben

    B., der nach Beendigung seines Leipziger Studiums dort 1765-67 Hofmeister des Grafen Lindenau war, übte auf Goethes dichterische und menschliche Entwicklung in jenen Jahren einen entscheidenden Einfluß aus. Zu der geläufigen Unterschätzung der geistigen Bedeutung B.s hat Goethe selbst dadurch beigetragen, daß er in „Dichtung und Wahrheit“ fast nur von den Absonderlichkeiten des älteren Freundes zu berichten wußte. Goethes Briefe an B. aus dieser Zeit aber lassen erkennen, wie stark seine innere Bindung an den damals einzigen Freund war. Bei allen dichterischen Versuchen war er ihm ein überlegener Kritiker und Berater. Mit Recht|darf B.s Leipziger Rolle mit der Mercks für die spätere Frankfurter Zeit verglichen werden. Seinen beständigen Warnungen war es zu danken, daß Goethe mit Veröffentlichungen zurückhaltend blieb. Er verfertigte ihm zum Lohn dafür eine kunstvolle Abschrift des Buchs „Annette“. Als B. im Herbst 1767 durch eigene und fremde Schuld seine Leipziger Hofmeisterstelle verlassen mußte und nach Dessau übersiedelte, wo er auf Gellerts Empfehlung Erzieher Franz von Waldersees und bald darauf auch des Erbprinzen wurde, gab Goethe diesem ihn erbitternden Verlust in den „Oden an meinen Freund“ leidenschaftlichen Ausdruck. Am Dessauer Hof war B. bald ein hochgeachteter Mann, dem Fürsten ein geistvoller Gesellschafter, geliebt von seinen beiden Zöglingen. Nach Beendigung seiner pädagogischen Aufgabe zog er sich ins Privatleben zurück. Fortan widmete er sich ganz seinen literarischen und anderen, vielfach recht skurrilen Liebhabereien. Als Dichter war er, wie im Leben, ohne Ehrgeiz, doch bewies er in allem Originalität und entwickelten Kunstsinn, so daß die wenigen Gelegenheitsarbeiten, die von ihm erhalten sind, durchaus einen Platz in der Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts verdienen.

  • Werke

    Gedicht v. 1767 in d. Leipziger Zs. „Fidibus“, 5. Bündel 1768 (Slg. Kippenberg, Düsseldorf);
    Fingal in Lochlin: Inamorula, zwei Schauspiele nach Ossian, komp. v. F. W. Rust, Dessau 1782;
    Gesellschaftslied, in: Oden u. Lieder von F. W. Rust, 2. Slg., Leipzig 1796;
    Teutsch-franz. Wörterb. d. Jägersprache, geschr. 1802, als 2. Anhang z. v. Winckels Hdb. f. Jäger, 1822;
    Kämpfe, Jagden u. Seereisen en ombres chinoises vorgestellt, 1786 (abgedr. b. W. Hosäus, E. W. B. [s. L ], S. 533 ff., v. bes. Interesse f. B.s Lit.kritik);
    einzelne Briefe an Reich u. Weidmann (Slg. Kippenberg Düsseldorf, Slg. Hirzel Leipzig, Goethe- u. Schiller-Archiv Weimar);
    B.s kalligraph. Hs. d. Buchs „Annette“ mit Vignetten aus d. Nachlaß d. Luise v. Göchhausen (Goethe- u. Schiller-Archiv).

  • Literatur

    ADB II;
    Goethes Briefe an B. v. Oktober 1766 bis Mai 1768, in: Goethe-Jb. 7, mit Anm. v. L. Geiger, ferner in: M. Morris, Der junge Goethe I, 1909;
    Goethe, Oden an meinen Freund, 1767;
    Goethe, Dichtung u. Wahrheit, 7. Buch;
    Eckermann, Gespräch mit Goethe v. 24.1.1830;
    K. Elze, E. W. B., in: Vermischte Bll., 1875, S. 26 ff. (auch f. Heinr.);
    W. Hosäus, E. W. B., in: Mitt. d. Ver. f. Anhalt. Gesch. u. Altertumskde., Bd. 3, H. 6, 1883;
    ders., F. W. Rust u. d. Dessauer Musikleben, ebenda, Bd. 3, H. 3, 1883 (W);
    A. Kohut, E. W. B. als Dichter, in: Zs. f. Bücherfreunde, NF, Jg. 1, 1910, S. 238 ff.;
    J. Rammelt, Der Anhalt. Hofrath E. W. B., in: Anhalter Anz., Dessau, 19.3.1932.

  • Portraits

    Bildnis eines Unbek. (E. W. B.?), Phot. nach einer Zeichnung (Leipzig, Universitätsbibl., Slg. Hirzel).

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Behrisch, Ernst Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 15 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116111631.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Behrisch: Ernst Wolfgang B., geb. 1738, 21. October 1809, Sohn des kursächsischen Hofraths Wolfg. Albr. B. in Dresden. Nach Vollendung seiner Studien erhielt er durch Gellert eine Hofmeisterstelle im gräflich Lindenau'schen Hause, wurde in dieser Stellung in Leipzig mit Goethe bekannt (vgl. Goedeke, Goethe's Leben und Schriften S. 23 f.), und ging, als er, vielleicht nicht ohne Beziehung auf seinen Umgang mit Goethe, seines Hofmeisterdienstes entlassen war, 1767 wieder auf Empfehlung Gellert's nach Dessau. Bis zum Jahre 1773 war er hier Erzieher des jungen Grafen Waldersee, seit 1773 (einem Br. an Wieland zufolge) Erzieher des am 27. December 1769 geborenen Erbprinzen Friedrich von Anhalt-Dessau. Er blieb unverheirathet und lebte später in Dessau mit dem Titel eines Hofraths von fürstlicher Pension. Lebhaft, geistreich, voll Witz und Laune, wohlwollend, vor allem ein Freund der Jugend, der er sich gern belehrend und erziehend annahm, dabei nicht frei von mancherlei auffallenden Eigenthümlichkeiten — so lebt er noch jetzt nach der Erinnerung der Zeitgenossen. Schon in Leipzig erkannte er Goethe's hohen Genius (man hat seine damalige Stellung zu Goethe mit der spätern Merck's verglichen), er hielt ihn aber von unzeitiger Veröffentlichung noch unreifer Dichtungen ab, indem er ihn dafür häufig mit kalligraphisch meisterhaften Abschriften seiner Erstlingsgedichte erfreute. Goethe widmete ihm zum Abschiede (1767) drei Oden und erwähnt ihn später in freundschaftlicher Weise in „Dichtung und Wahrheit“, wie in den „Gesprächen mit Eckermann“ (II. S. 175—178). Eine längere Reihe von Briefen Goethe's an B., welche nach dem Tode Behrisch's durch Vermittlung des geh. Rathes A. von Rode an Goethe zurückgelangte und wahrscheinlich von ihm später vernichtet worden ist, bezeugte das von beiden Seiten bis zuletzt treu bewahrte Verhältniß. Sonst ist von B. noch zu bemerken, daß er zuerst den Fürsten L. Fr. Franz von Anhalt-Dessau auf Basedow, den nachmaligen Gründer des Philanthropins in Dessau aufmerksam machte und eine Zeit lang mit Hofrath Dr. med. Kretschmar an der Spitze der Verwaltung der in Dessau gegründeten „Buchhandlung der Gelehrten“ stand. — Wiewol B. viel schrieb und dichtete, hatte er doch eine unüberwindliche Abneigung gegen das Druckenlassen.|Erschienen sind von ihm: „Bathmendi“ (ein Operntext, comp. von Frh. v. Lichtenstein), einige Gelegenheitsgedichte und ein Beitrag zu Herrn aus dem Winckell's Handbuch für Jäger ("Teutsch-franz. Wörterbuch der Jägersprache, welches die bei der Hirschjagd gebräuchlichsten Ausdrücke enthält"). Außerdem rühren von ihm noch mehrere Inschriften für Statuen in den bekannten Dessauer Gartenanlagen, Grabschriften u. dgl. her. Das Zuverlässigste über ihn enthält ein Aufsatz des Professors Dr. K. Elze in Prutz' Deutsch. Mus. 1857, 2. Heft, S. 51 ff. — Der von Meusel im G. T. erwähnte Heinrich Wolfgang B. (1744—1825) war ein jüngerer Bruder des vorigen, ein gleichfalls begabter Mensch, der aber die Eigenthümlichkeiten des Hofrathes B. bis zur Caricatur steigerte und in Sittenlosigkeit und Tollheit verkam. Ein sehr lebendiges Charakterbild auch von ihm gibt K. Elze (im Anschluß an eine Autobiographie dieses jüngern B.) in Prutz, Deutsch. Mus. 1861, Nr. 52, S. 913 ff.

  • Autor/in

    Hosäus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hosäus, Wilhelm, "Behrisch, Ernst Wolfgang" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 289-290 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116111631.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA