Lebensdaten
1861 bis 1937
Geburtsort
Seestermühe bei Elmshorn
Sterbeort
Berlin-Wilmersdorf
Beruf/Funktion
Schiffbautechniker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 139938125 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hüllmann, Hermann

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Zitierweise

Hüllmann, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139938125.html [17.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    Ida Jarberg.

  • Leben

    Nach praktischer Werftarbeit studierte H. seit 1883 an der TH Charlottenburg Schiffbau. Nach der Diplomprüfung 1887 trat er in die Marine als Anwärter für die Laufbahn der höheren Baubeamten für Schiffbau ein (1889 2. Staatsprüfung). Endgültig in den Marinedienst übernommen, gehörte er zunächst der Schiffbauabteilung des Torpedoressorts der Marinewerft Wilhelmshaven an. 1894 wurde er zum Reichsmarineamt kommandiert. Nebenamtlich war H. damals 1 Jahr lang Dozent für Einrichtung von Kriegsschiffen an der TH Berlin. 1897 ging er zur Marinewerft Kiel. Er wurde 1898 Marinebaurat und bereits 1899 Marineoberbaurat und Schiffbaubetriebsdirektor; ihm unterstand nun der gesamte Neubaubetrieb der Werft Kiel und die Abnahme der von Privatwerften gebauten Kriegsschiffe. 1906 wurde H. vertretungsweise, 1907 endgültig – unter Beförderung zum Geheimen Oberbaurat – zum „Vorstand der Abteilung für Schiffbauangelegenheiten des Konstruktionsdepartements“ im Reichsmarineamt ernannt.

    Das Konstruktionsdepartement war das Führungsgremium des deutschen Kriegsschiffbaues. Es betrieb die technische Entwicklung durch theoretische Untersuchungen und Auswertung praktischer Erprobungen, durch Zusammenarbeit mit Forschungsstätten und der Industrie. H. hat als Abteilungschef nicht selbst konstruiert. Vielmehr hatte er das Zusammenwirken des vielgliedrigen Apparates zu steuern. Der Kriegsschiffbau befand sich damals in einer stürmischen Entwicklung, die einerseits durch rasche Fortschritte in vielen technischen Disziplinen ermöglicht wurde, andererseits im Zeichen weltweiten Wettrüstens durch enorme Steigerung der Größe und Kampfkraft der Kriegsschiffe gekennzeichnet war. Es war H.s Bestreben, den Kriegsschiffbau aus der noch weithin herrschenden Empirie zu lösen und alle Fragen wissenschaftlich zu klären; das galt besonders für die zentralen Probleme der Schiffsfestigkeit, die durch das hohe Gewicht der neuen schweren Geschütztürme der „Dreadnought“-Ära und die von diesen beim Schießen als Rückstoß auf den Schiffskörper ausgeübte Kraftwirkung eine besondere Aktualität gewannen. Zudem legte das den Kriegsschiffbau beherrschende Streben, zugunsten von Bewaffnung und Schutz am „toten“ Gewicht des Schiffskörpers zu sparen, den Ersatz der bisher im wesentlichen auf Erfahrungswerten beruhenden Dimensionierung der Schiffsverbände durch exakte statische Berechnungen nahe. Hierfür wurden auf H.s Betreiben und mit seiner eigenen Mitarbeit aus der allgemeinen Festigkeitslehre speziell auf die eigentümlichen Bauformen des Schiffbaus – große, relativ dünne, eng versteifte Plattenfelder – abgestimmte Rechnungsverfahren entwickelt.

    H., in dessen Chefzeit sämtliche bis zum Kriegsende 1918 noch fertiggestellten Großkampfschiffe der Kaiserlichen Marine entworfen wurden, ließ sich 1913 aus seiner Stellung verabschieden, um dem Ruf auf das neu eingerichtete Ordinariat für Kriegsschiffbau an der TH Charlottenburg zu folgen, das er bis zu seiner Emeritierung 1926 innehatte. Sein Wirken als akademischer Lehrer (1917/18 Rektor) ist sehr erfolgreich gewesen. In intensivem, meist privatissime abgehaltenem Unterricht lehrte er seine Studenten, technische Probleme mit dem Rüstzeug des wissenschaftlichen Ingenieurs zu lösen. Außer der starken Förderung des konstruktiven Gefühls und Geschicks danken seine Schüler ihm das menschliche Vorbild einer beherrschten und gütigen Persönlichkeit.|

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h. (TH Danzig).

  • Literatur

    Jb. d. Schiffbautechn. Ges. 39, 1938, S. 71 ff. (P);
    E. Strohbusch, GR H., Eine Biogr. mit Ausbilden auf d. dt. Kriegsschiffbau um 1910, in: ZUG 1, 1965 (P);
    Pogg. VII a.

  • Autor/in

    Erwin Strohbusch
  • Empfohlene Zitierweise

    Strohbusch, Erwin, "Hüllmann, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 732 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139938125.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA