Lebensdaten
1887 bis 1967
Geburtsort
Bern
Sterbeort
Ermatingen am Bodensee
Beruf/Funktion
klassischer Philologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11877512X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Howald, Ernst
  • Howald, Ernest
  • Howald, Ernestus

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Zitierweise

Howald, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11877512X.html [22.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst (1837–88), Kaufm., S d. Gottlieb u. d. Sophie Ruprecht;
    M Elise (1864–1941), T d. Eduard Russenberger, Dir. d. Nord-Ost-Bahn in Zürich, u. d. Pauline Kirchhofer;
    Zürich 1912 Anna, T d. Karl Joseph Schröter u. d. Margaretha Middelberg;
    2 S.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Zürich studierte H. an den Universitäten München, Heidelberg und Zürich klassische Philologie; in Zürich wurde er 1909 zum Dr. phil. promoviert (Dissertation: Die Anfänge der literarischen Kritik bei den Griechen). 1913 habilitierte er sich in Zürich mit „Untersuchungen zur Technik der euripideischen Tragödien“ (1914), 1918 wurde er dort ordentlicher Professor und blieb dieser Universität, deren Rektor er 1938-1940 war, bis zu seiner Emeritierung 1952 treu.

    H.s wissenschaftliches Werk ist vor allem dem Neuhumanismus verpflichtet; seine kritische Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsche als klassischem Philologen (1920) sowie mit dem vom Stefan-George-Kreis wiederentdeckten Johann Jakob Bachofen, vorher schon mit F. Creuzers symbolischer Deutung der antiken Mythen (1926), aber auch seine Rektoratsrede 1938 über „Probleme des Neuhumanismus“ zeigen dies deutlich. Im Mittelpunkt von H.s eigener Forschung standen folgerichtig nicht bloß quellenkritische Untersuchungen oder Editionen. Das Gesamtbild der Antike ließ er in seiner „Ethik des Altertums“ (1926), besonders aber in seiner umstrittenen „Kultur der Antike“ (1934/38; 21948) erstehen, die „Anfänge der europäischen Philosophie“ (1925) versuchte er psychologisch zu interpretieren. Stilkritische Kriterien jedoch rückte H. bereits bei der Edition von Platons echten Briefen (1923, 1951) in den Mittelpunkt seiner Interpretation, und damit ist die Kernfrage seiner Forschung gestellt, nämlich die nach der Rolle des Künstlers als schöpferischem Menschen. „Der alte Platon“ war schon das Thema seiner Antrittsvorlesung (Zürich 1914) gewesen, seine Behandlung von „Platons Leben“ (1923), die des „Dichters Kallimachos von Kyrene“ (1943), der eine Ausgabe seiner Dichtungen (mit Emil Staiger, 1955) nachfolgte, oder des „Dichters der Ilias“ (1946) führen derartige Fragestellungen weiter. Wie die Person des Künstlers erregte auch das Kunstwerk H.s Interesse. Schriften wie „Mythos und Tragödie“ (1927), „Die griechische Tragödie“ (1930), „Der Mythos als Dichtung“ (1950) leiten zu H.s|persönlichsten, aber auch subjektivsten Werken über: „Vom Geist antiker Geschichtsschreibung“ (1944, Neudruck 1964), vorbereitet durch seinen Aufsatz zu „Jonischen Geschichtsschreibern“ (in: Hermes 58, 1923), und „Das Wesen lateinischer Dichtung“ (1948). In letzterem versuchte H., die Dichtung der augusteischen Zeit aufgrund seiner Annahme der Konstanz der menschlichen psychischseelischen Veranlagungen in allen Zeiten durch den Vergleich mit den Strukturen moderner, besonders französischer Dichtung zu deuten. Von diesem Werk spannt sich der Bogen zu den Essays seiner letzten Lebensjahre über französische und deutsche Literatur. In H.s wissenschaftlichem Werk ist überall die Verbindung von Künstler und Wissenschaftler zu spüren; durch den Subjektivismus seines Urteils und seinen geistigen Standort im Neuhumanismus liegt jedoch seine Bedeutung mehr in den von ihm ausgegangenen Anregungen als in gesicherten Forschungsergebnissen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Handbücher als Quellen d. Diogenes Laërtius, in: Philologus 74, 1917;
    Die Poetik d. Aristoteles, ebd. 76, 1920;
    Die Schrr.verz. d. Aristoteles u. d. Theophrast, in: Hermes 55, 1920;
    Griech. Philol., 1920;
    Friedrich Nietzsche u. d. klass. Philol., 1920;
    Ἀέναιο νεϕέλαι in: Sokrates 10, 1922;
    Die platon. Ak. u. d. moderne Universitas litterarum, 1922;
    Das Griechentum d. Neuhumanismus, in: Geistige Arb. 5, 6, 1938;
    Wilh. v. Humboldt, 1944;
    Humanismus u. Europäertum, Eine Slg. v. Essays, z. 70. Geb.tag hrsg. v. W. Rüegg, 1957 (P);
    Dt.-franz. Mosaik, 1962. -
    Hrsg.: Der Kampf um Creuzers Symbolik, 1926 (mit Einl);
    Antonii Musae De herba vettonica, Liber Pseudo-Apulei herbarius, Anonymi De taxone liber, Sexti Placiti Liber medicinae ex animalibus, 1927 (mit Henry E. Sigerist);
    Die römische Schweiz, Texte u. Inschrr., 1940 (mit Ernst Meyer);
    J. J. Bachofen, Versuch üb. d. Cräbersymbolik d. Alten, = Ges. Werke III, 31954 (mit H. Fuchs u. K. Meuli).

  • Literatur

    Eumusia, Festgabe f. E. H. z. 60. Geb.tag am 20.4.1947, 1947;
    [Festgabe] Mus. Helveticum 14, 2, 1957;
    H. Haffter, E. H. u. d. klass. Philol. in Zürich, in: Schweizer Mhh. 47, 1967;
    O. Gigon, in: Gnomon 41, 1969.

  • Autor/in

    Gerhard Baader
  • Empfohlene Zitierweise

    Baader, Gerhard, "Howald, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 664 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11877512X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA