Lebensdaten
um 1300 bis 1346
Geburtsort
vermutlich Augsburg
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Diplomat ; bayerischer Staatsmann ; kaiserlicher Protonotar
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 133891208 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ulrich Hofmaier
  • Ulrich von Augsburg
  • Ulrich
  • mehr

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Zitierweise

Hofmaier, Ulrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133891208.html [22.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    Elisabeth N. N.;
    T Barbara ( 1415, Claus Hofmair, 1427, Apotheker in A.).

  • Leben

    H. war einer der wichtigsten Diplomaten Kaiser Ludwigs des Bayern. Er war vornehmlich an den Bemühungen um die Rekonziliation des gebannten Kaisers beteiligt und weilte mehrmals, oft monatelang, an der Kurie in Avignon; da die Rekonziliation seitens der Kurie mit der internationalen Politik verquickt wurde, verhandelte er im Namen seines Herrn auch mit dem König von Frankreich, mit Eduard III. von England, mit dem Dogen von Venedig; auch mit innenpolitischen Angelegenheiten war H. zeitweise beschäftigt. Die Zeitgenossen rühmen seine hervorragende Kenntnis des kanonischen Rechts, welche er wohl an der Universität in Paris erworben hat. Über seine Laufbahn, bevor er in den Dienst des Kaisers trat, ist nichts Sicheres bekannt; er begegnet zuerst im Sommer 1331 als Teilnehmer der ersten zweiköpfigen Gesandtschaft des Kaisers nach Avignon, welche im November dieses Jahres unverrichteter Dinge zurückkehrte. Im Winter 1332/33 reiste er zum 2. Mal an die Kurie, ebenfalls ohne Erfolg. Als nach dem Tode Papst Johanns XXII. 1334 der Kaiser seine Bemühungen bei Benedikt XII. mit besserer Aussicht auf Erfolg wieder aufnahm, weilte H. seit März 1335 bis zu dem schroffen Abbruch der Verhandlungen seitens der Kurie im April 1337 fast ununterbrochen in Avignon; nur zweimal reiste er während dieser Zeit zum Einholen neuer Instruktionen und neuer Vollmachten zurück nach Deutschland. H. war damals auch zu Verhandlungen mit König Philipp VI. von Frankreich bevollmächtigt, welcher aus politischen Gründen die Aussöhnung des Kaisers mit dem Papst hintertrieb. H. führte seit 1335 den Titel eines Protonotars, das heißt des nach dem Kanzler höchsten Beamten der Reichskanzlei. Die Haltung der Kurie veranlaßte den Kaiser zu einer politischen Schwenkung und zur Fühlungnahme mit England, das am Vorabend des 100jährigen Krieges Verbündete gegen Frankreich brauchte, welches auch weiterhin die treibende Kraft für die Unversöhnlichkeit des Papstes Kaiser Ludwig gegenüber war. H. muß auch an den Verhandlungen mit König Eduard III. beteiligt gewesen sein, welcher sich seit dem Sommer 1338 meist auf dem Kontinent, vornehmlich in Antwerpen, aufhielt, denn er hat namhafte Summen aus dessen Kammer erhalten, teils als Geschenk und teils als Aufwandsentschädigung für sich und sein Kanzleibüro. Nach dem neuerlichen Umschwung in der Politik des Kaisers reiste H. wieder als dessen Gesandter zu König Philipp VI. und mehrmals zum Papst (seit 7.5.1342: Clemens VI.), ohne daß man in der Rekonziliation jetzt besser vorangekommen wäre als früher. H. hat unter anderem den 1341 in Vilshofen abgeschlossenen Freundschaftsvertrag zwischen Deutschland und Frankreich diplomatisch vorbereitet.

    Er besaß keine kirchlichen Pfründen und ist in diesem Sinne einer der ersten Laien, welche eine hohe Stellung in der mittelalterlichen Reichskanzlei erreichten. Er war nicht der Leiter der großen Gesandtschaften nach Avignon; eine solche mehr repräsentative Rolle war Angehörigen des hohen Adels aus des Kaisers Rat vorbehalten. H. war dagegen neben Marquard von Randeck, mit welchem er seit 1335 häufig zusammen genannt wird, für die schriftlichen Geschäfte, für die juristische und die theologische Seite der Rekonziliation verantwortlich. Der Kaiser hat ihm als Aufwandsentschädigung und als Entgelt für seine Mühen mehrmals beträchtliche Teile, einmal sogar die gesamte Summe der Reichssteuer seiner Heimatstadt Augsburg übertragen.

  • Literatur

    ADB XII;
    S. Riezler, Kaiser Ludwig d. Baier, Meister Ulrich d. Wilde u. Meister U. d. H. v. Augsburg, in: Forschungen z. Dt. Geschichte 14, 1874, S. 1 ff.;
    A. Buff, Der Apotheker Claus Hofmair, die Augsburger Apotheker d. 14. Jh. u. Mag. U. H., Protonotar v. Kaiser Ludwig dem Bayer, in: Zs. d. hist. Ver. f. Schwaben u. Neuburg 16, 1889;
    A. Werner, Meister U. d. H. u. d. H.sche Grabdenkmal in d. St. Moritzkirche zu Augsburg, ebd. 36, 1910. -
    Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Helmut Bansa
  • Empfohlene Zitierweise

    Bansa, Helmut, "Hofmaier, Ulrich" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 443 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133891208.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hofmaier: Meister Ulrich der H., ein vielbeschäftigter, durch Gewandtheit und Kenntnisse hervorragender Staatsmann Ludwig des Baiern, einer der zahlreichen Augsburger, die im Dienste dieses Kaisers wirkten. Doch wohl dieselbe Persönlichkeit ist jener Meister Ulrich H., der 1314 als bischöflich augsburgischer Archivar, das Jahr darauf als Vorstand des bischöflichen geistlichen Gerichtes und 1318 als Kanoniker von Feuchtwangen genannt wird. Dagegen muß ein|verheiratheter Augsburger Bürger. Meister Ulrich, den der Bischof 1338 als seinen „Hofmaier“, d. i. als Oberverwalter der bischöflichen Maierhöfe bezeichnet, von ihm unterschieden werden. Hofmaier's Magistertitel wird von der Universität Paris rühren, wo er nach glaubwürdiger Angabe gelehrt und die Würde eines Procurators der englischen Nation bekleidet hat. 1329 hob er zu Nürnberg Ulmann Stromer, der sich später als Verfasser einer Nürnberger Chronik einen Namen machte, aus der Taufe. Im Dienste des Kaisers ist H. erst nach dessen Rückkehr aus Italien mit Sicherheit nachzuweisen. 1331 wird er als kaiserlicher Secretär, seit 1335 als Protonotar bezeichnet und in den Jahren von 1331 bis 1343 scheinen wenige andere dem Kaiser so nahe gestanden, in Ziele und Wege seiner auswärtigen Politik so tief eingeweiht gewesen zu sein. Neun- oder zehnmal ist H. während dieses Zeitraums in Ludwigs Auftrag nach Avignon, Paris, Venedig, vielleicht auch Antwerpen gewandert. Seine Anstellung im kaiserlichen Dienste mag er dem Bischofe Ulrich von Augsburg verdankt haben, sein rasches Emporkommen erklärt sich leicht durch seine Rechtskenntnisse und seinen früheren Aufenthalt in Frankreich, der ihn besonders zu Unterhandlungen mit den Höfen von Paris und Avignon empfahl. Als ausgezeichneten Decretisten rühmt ihn der zeitgenössische Abt Johann von Victring. 1331, 1335 und 1336 fiel H. gegenüber den Päpsten Johann XXII. und Benedict XII. die unerquickliche Aufgabe eines Sühneversuches zu; jedesmal mußte derselbe scheitern, da die Curie von Frankreich völlig beherrscht war und in Deutschlands Zerrissenheit ihren Vortheil sah. Zur Entschädigung für die Reisekosten ward H. 1336 die jährliche Steuer der Stadt Augsburg für die nächsten drei Jahre im Gesammtbetrage von 400 Pfund Augsburger Pfennigen angewiesen. Ende Januar 1338 ging H. nach Venedig, um mit dem Dogen Francesco Dandolo Verträge abzuschließen. In diesem und dem folgenden Jahre war er auch bei den Verhandlungen mit England thätig. Durch reiche Geschenke suchte König Eduard III. sowol von vornherein den guten Willen des einflußreichen kaiserlichen Raths sich zu sichern, als nach den Unterhandlungen seine Mühe und Sorgfalt zu belohnen. Freilich konnte er dadurch nicht hindern, daß H., allen Wandlungen der kaiserlichen Politik getreulich folgend. 1339 oder 1340 auch zu den Unterhandlungen mit Frankreich sich verwenden ließ. Noch dreimal mußte H. dann den schweren Weg nach Avignon wandern, im Herbst 1341 zu Benedict XII., im November 1342 und October 1343 zu Clemens VI. Bei der letzten Gesandtschaft war er einer der Specialbevollmächtigten, welche im Namen des Kaisers die weitgehenden und dennoch ihren Zweck nicht erreichenden Gelöbnisse abzulegen hatten. Nach einem so bewegten Leben im Dienste einer schwächlichen, wankelmüthigen und erfolglosen Politik mag der kaiserliche Diplomat leichten Herzens zur Ruhe gegangen sein. Als er 1346 zu Augsburg auf dem Sterbebette lag, ließ er sich aus Rücksicht auf die päpstlichen Sentenzen nur heimlich mit der Wegzehrung versehen und ordnete an, daß man ihn ohne Gepränge nicht in der Kirche, wie seinem Range gebührte, sondern auf dem Kirchhofe begrabe. Sein Bischof aber kehrte sich nicht daran und ließ die Leiche feierlich bestatten. Man hat in H. den Verfasser eines allegorischen Lobgedichtes auf Kaiser Ludwig gesucht; doch sind die Gründe, die dafür geltend gemacht wurden, nicht schwerwiegend. Von späteren Historikern ist H. vielfach mit seinem Amtsvorgänger, dem kaiserlichen Protonotar Meister Ulrich dem Wilden, verwechselt worden.

    • Literatur

      Riezler, Kaiser Ludwig der Baier. Meister Ulrich der Wilde und Meister Ulrich der Hofmaier von Augsburg (Forschungen z. deutschen Geschichte, XIV. S. 1—17).

  • Autor/in

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Hofmaier, Ulrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 623-624 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133891208.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA