Lebensdaten
1835 bis 1900
Geburtsort
Speyer
Sterbeort
Thorwood, Dobbs Ferry on Hudson (New York)
Beruf/Funktion
Journalist ; Eisenbahnunternehmer ; Finanzmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119068605 | OGND | VIAF: 62350211
Namensvarianten
  • Villard, Henry (später)
  • Hilgard, Heinrich
  • Villard, Henry (später)
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Zitierweise

Hilgard, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119068605.html [19.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1807–67), Präs. d. Bez.gerichts in Zweibrücken, dann Rat am Oberappelationsgericht in München, S d. Friedrich (1784–1859), Domänendir. in Worms, 1838-43 Oberbgm. v. Speyer, u. d. Charlotte Henrich;
    M Elisabeth (1811–59), T d. Franz Jos. Pfeiffer (1772–1847), Salzamtmann in S., u. d. Anna Maria Berchtold;
    Schw Emma ( Robert v. Xylander, 1830–1905, bayer. Gen.);
    - 1866 Fanny (1845–1928), T d. William Lloyd Garrison (1805–79), Vorkämpfer d. Sklavenbefreiung (s. DAB VII);
    2 S, 1 T, u. a. Oswald Villard (1872–1949), Journalist in New York, 1919/20 Reporter in Versailles.

  • Leben

    Die revolutionäre Begeisterung des Gymnasiasten H., der 1849 auf ein Collège in Pfalzburg (Elsaß) wechseln mußte, wurde auf einer Reise in die Schweiz durch den Kontakt zu deutschen Emigranten neu genährt. Nach privater Vorbereitung beendete er seine Schulbildung auf dem Gymnasium in Speyer 1851/52 und begann in Würzburg das Studium der Jurisprudenz. Ohne Wissen der Eltern wandte er sich 1853 nach Nordamerika, wo er zunächst Gelegenheitsarbeiten als Gerichts- und Kanzleidiener übernahm.

    Die Hinwendung zum Journalismus führte 1856 eine Wende seines Lebens herbei. Nach einem mißglückten Kolonisationsversuch in Kansas engagierte er sich in deutschrepublikanischen Vereinen; 1856/58 wirkte er mit wechselndem Erfolg als Redakteur und Korrespondent deutschsprachiger Zeitungen. Für das Daily Commercial in Cincinnati berichtete er 1858/59 über das Pike's-Peak-Goldfieber, für den New York Herald 1860 über die Wahl Lincolns, aus Washington zu Beginn des Bürgerkrieges als Korrespondent mehrerer Zeitungen. Als erste Konkurrentin der Associated Press gründete er 1864 mit der Chicago Daily Tribune eine Nachrichtenagentur. 1864/65 weilte H. in Deutschland, 1865/66 als Korrespondent der Chicago Tribune in Washington. 1867 ging er als Sonderkorrespondent zur Weltausstellung nach Paris und England, besuchte 1868 Frankreich und Italien. 1868/70 verbrachte er mit journalistischen Arbeiten in Boston; als Sekretär der American Social Science Association widmete er sich dem Studium des öffentlichen und korporativen Finanzwesens, der Banken und des Eisenbahnwesens.

    Das Engagement europäischen Kapitals in amerikanischen Eisenbahnwerten kanalisierte H., der im Frühjahr 1874 zunächst für ein Komitee unter Führung des Frankfurter Bankhauses Stern die Interessenwahrung der notleidenden Bonds der Oregon and California Railroad Company übernommen hatte, geschickt in eigene Unternehmungen. Als Repräsentant und Manager von ihm gegründeter oder übernommener Eisenbahngesellschaften vermittelte er in den folgenden Jahren vorwiegend deutsches Kapital in amerikanische Unternehmungen (Oregon Central Railroad, Oregon Steamship Company, Kansas Pacific Railway, Oregon Railway & Navigation Company). 1880/81 erlangte er mit 8 Millionen Dollar, die ihm 50 Freunde zur Verfügung stellten („blind pool“), die Kontrolle über die Northern Pacific. Zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung des pazifischen Nordwestens gründete er die Oregon Improvement Company. Die monopolartige Verflechtung der Gesellschaften nützte er jedoch nicht rücksichtslos aus. – In einer allgemeinen Krise und infolge Überspekulation resignierte H. zwischen 1883 und 1885 als Präsident aller von ihm gegründeten Gesellschaften. 1884-86 lebte er in Berlin, kehrte jedoch Ende 1886 im Auftrage der Deutschen Bank und des Frankfurter Bankhauses Jacob S. H. Stern in die Vereinigten Staaten zurück und gewann bald wieder seine frühere Stellung als „Eisenbahnkönig“. – H. erkannte früh die industriellen Möglichkeiten der Elektrizität; so interessierte er 1889 ein deutsches Konsortium (Deutsche Bank, Bankhaus Stern, AEG, Siemens & Halske) für die Bildung der Edison General Electric Company, deren Präsident er bis 1892 war. – 1891 kaufte H. die New Yorker Evening Post, später die Wochenschrift „Nation“. Zu Beginn der 90er Jahre mußte er den Zusammenbruch mehrerer Gesellschaften erleben; 1893 zog er sich ganz von den Eisenbahngeschäften und der Wallstreet-Tätigkeit zurück. Eine Anklage wegen Bereicherung wurde 1895 fallengelassen, aber das Vertrauen der deutschen Bankiers (A. Gwinner, G. von Siemens) hatte H. endgültig verloren. Reisen und literarische Pläne füllten die letzten Jahre des ebenso erfolgreichen wie umstrittenen „Finanzmagiers“.

  • Werke

    The Past and the Present of the Pike's Peak Gold Regions, with Maps and Illustrations, 1860, Neudr. 1932;
    Statement of Mr. Henry Villard to the Stockholders of the Northern Pacific Railroad Company, 1884;
    A Journey to Alaska, 1899, Nachdr. aus The New York Evening Post;
    Jugend-Erinnerungen 1835–53, 1902;
    Memoirs of Henry Villard, Journalist and Financier 1835-1900, 2 Bde., 1904;
    Lebenserinnerungen, Ein Bürger zweier Welten 1835-1900, 1906 (P);
    Lincoln on the Eve of '61, A Journalist's Story, hrsg. v. Harold G. u. Oswald Garrison Villard, 1941. -
    Villard Mss., Widener Library, Harvard University.

  • Literatur

    H. Stich, H. H. 1835-1900, Auf Grund d. Lebenserinnerungen H.s dargest., 1907;
    Th. Engelmann, Eisenbahnkönig u. Menschenfreund, Der Pfälzer H. H.-V., 1835–1900, in: Pfälz. Mus., 1932, H. 9/10;
    A. Becker, Kirche u. Volkstum, Kulturgesch. ums Pfälzer Pfarrhaus, 3. R. d. Btrr. z. Heimatkde. d. Pfalz 18, 1936;
    Th. C. Cochran, Railroad Leaders 1845–90. The Business Mind in Action, 1953;
    F. Seidenzahl, 100 J. Dt. Bank 1870-1970, 1970;
    DAB XIX (unter Villard, L).

  • Autor/in

    Martin Schumacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Schumacher, Martin, "Hilgard, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 139 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119068605.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA