Lebensdaten
1749 bis 1827
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Verleger ; Buchhändler ; Übersetzer ; Redakteur der "Spenerschen Zeitung" in Berlin ; Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117492175 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Spener, Johann Karl Philipp
  • Spener, Johann Carl Philipp
  • Spener, Johann Karl Philipp
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Zitierweise

Spener, Johann Carl Philipp, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117492175.html [26.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Carl (1710–56), Buchhändler, Verl. in B., S d. Philipp Reinhard (1673–1732), Apotheker, Buchhändler, Kirchenvorsteher, Ratsherr in B. (beide s. Einl.), u. d. Eleonora Rücker;
    M Sophie Helene (1727–99, 2] Christian Gottlob Spener, 1791, Ov . u.), T d. Sigismund Würful ( 1731), Sup. in Crossen/Oder, u. d. Anna Margaretha Helm (Braunsberg);
    Ur-Gvv Philipp Jakob (s. 1);
    Ov Christian Gottlob ( 1791, ⚭ Sophie Helene Würful verw. Spener, s. o.);
    Tante-v Susanne Eleonore (1699–1762, ⚭ Ambrosius Haude, 1690–1748, Buchhändler, Verl. in B., s. NDB VIII);
    B Christian Sig(is)mund (1753–1813, ⚭ Dorothea Catherine Decker, 1756–1835, T d. Georg Decker, s. u.), Buchdrucker in B., Hg. d. Spenerschen Ztg., Friedrich Gottlieb, Buchhändler, Verl. in B., seit 1776 Mitinh. d. Haude & Spenerschen Verlagshandlung ebd.;
    – ⚭ Sophie Charlotte (1760–1847), T d. Georg Decker (1732–99), Verl., preuß. Geh. Oberhofbuchdrucker in B. (s. NDB III), u. d. Catharina Louise Dorothea Grynaeus (1733–84);
    K Georg Gottlieb Carl ( 1821); Gvm d. Ehefrau Jean Grynaeus (1685–1749), preuß. Oberhofbuchdrucker in B.; Schwägerinnen Johanne Henriette Decker (1768–1852, ⚭ Wilhelm Haas, 1766–1838, Schriftgießer, Kartograph in Basel, s. NDB VII; HLS), Elisabeth Decker (1764–1832, ⚭ Friedrich Philipp Rosenstiel, 1754–1832, preuß. Geh. Oberfinanz-, Kriegs- u. Domänenrat, Staatsrat, Dir. d. Porzellanmanufaktur in B., s. Hamberger-Meusel; NND X; Pogg. II).

  • Leben

    1772 übernahm der erst 23jährige S. ein auf dem Markt bestens eingeführtes Verlagsunternehmen. Sein wichtigstes Verdienst war seine Herausgeber- und Redaktionstätigkeit für die „Spenersche Zeitung“, die er über 54 Jahre lang ausübte. Trotz der massiven Literaturkontrolle in Preußen im letzten Drittel des 18. Jh. vermochte sich die „Spenersche Zeitung“ nachhaltig in der gesamtdt. Presselandschaft zu profilieren. In den Jahren der Franz. Revolution zeichnete sich S. v. a. durch eine dezidiert politische Berichterstattung aus. Die Mehrzahl der Artikel, insbesondere die bis 1799 dominierenden über die revolutionären Entwicklungen in Frankreich, verfaßte S. selbst.

    Hatte sich Berlin in den Jahrzehnten zuvor zu einem Hauptumschlagplatz für franz. Aufklärungsliteratur entwickelt, so erlebte die Verlagsstadt mit Gründung der Universität 1810 eine neuerliche Konjunktur als Wissenschaftsstandort; zugleich erwarb es eine zentrale Bedeutung auch als buchhändlerischer Stapelplatz für den nord- und osteurop. Raum.

    S. verkörperte einen neuen Verlegertypus, der das Spannungsfeld zwischen Kunst und Kommerz als produktive Quelle seines unternehmerischen Handelns auszuschöpfen verstand: Er verfügte über eine fundierte Allgemeinbildung, beherrschte mehrere Sprachen, erweiterte Erfahrungshorizont und Berufskenntnisse durch mehrwöchige Auslandsreisen, die ihn mit den Gesetzmäßigkeiten v. a. des franz. und engl. Buchmarkts vertraut machten. Über sein Agentennetz erfuhr er von neuen Autoren und Übersetzungswerken und konnte so auf innovative Entwicklungen im Literaturbetrieb umgehend reagieren. Dagegen war die Eröffnung einer Niederlassung in Lippstadt im Sauerland 1784 primär aufklärungspädagogischen Zielsetzungen geschuldet, um der literarisch unterversorgten Region Zugriff auf die Novitäten des Buchmarkts wie auch auf die eigene Verlagsproduktion zu ermöglichen.

    S. baute zwar seinen wissenschaftlichen Verlagszweig aus und spezialisierte sich auf die Produktion von theologischen, botanischen und mathematischen Werken, das einträglichste Verlagssegment bildeten jedoch Reiseberichte und -beschreibungen, die um 1800 zu den absatzstärksten Verlagsprodukten überhaupt gehörten. Mit Johann Reinhold (1729–98) und Georg Forster (1754–94) gelang es ihm, die renommiertesten Reiseschriftsteller an sein Unternehmen zu binden. S. profitierte von den immensen Personen- und Sachkenntnissen der Forsters im europ. Kulturbetrieb, integrierte hauptsächlich Georg Forster mit unternehmerischem Kalkül in seine publizistischen Verlagsunternehmen und erbat sich bei seinem sprachgewandten Autor regelmäßig Unterstützung bei Übersetzungsarbeiten. Neben seiner verlegerischen Tätigkeit arbeitete S. auch selbst als Übersetzer aus dem Englischen, Französischen und Italienischen. Er übertrug u. a. sämtliche 1772–92 in Berlin aufgeführten ital. Opern ins Deutsche. 1815 kaufte S. die Wegnersche Buchdruckerei, womit sich das Verlagsgeschäft auch auf dem Sektor des Buchdrucks zu einem führenden Unternehmen Deutschlands entwickelte; 1823 führte er als erster die Schnellpresse auf dem Kontinent ein.

  • Werke

    Berlin. Nachrr. v. Staats- u. Gelehrtensachen, 1740–1872;
    Wöchentl. Nachrr. v. neuen Landkarten, geogr., statist. u. hist. Büchern u. Sachen, hg. v. A. F. Büsching, 1773–87;
    Iris, hg. v. J. G. Jacobi, 1775–76;
    Berlin. Mschr., hg. v. F. Gedicke u. E. Biester, 1783–96;
    Calender d. Musen u. Grazien, 1796;
    M. Hamilton, Beobachtungen über d. Vesuv, d. Aetna u. a. Vulkane, in e. Reihe v. Briefen an d. Kgl. Großbrit. Ges. d. Wiss., 1773;
    Gesch. d. Engl. SeeReisen u. Entdeckungen im Süd-Meer, 7 Bde., 1772–84;
    Tagebuch e. Entdeckungsreise nach d. Südsee in d. J. 1776–1780 unter Anführung d. Capitäns Cook, Clerke, Gore u. King, übersetzt u. mit Anmm. versehen v. J. R. Forster, 1781;
    G. Staunton, Des Grafen Macartney Gesandschaftsreise nach China, welche er auf Befehl d. Kg. v. Großbritanien, George des dritten, in d. J. 1792–1794 unternommen hat, 3 T., 1798–1800.

  • Literatur

    ADB 35;
    Ch. Haug, „Ich sehe mit Verlangen der Stunde entgegen, die mich v. Brod-Arbeit befreien soll“, Georg Forster im Beziehungsgeflecht seiner Verleger um 1800, in: Georg-Forster-Studien 12, 2007, S. 25–58;
    s. a. L z. Fam.

  • Autor/in

    Christine Haug
  • Empfohlene Zitierweise

    Haug, Christine, "Spener, Johann Carl Philipp" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 661-662 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117492175.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Spener: Johann Karl Philipp S., geboren am 5. December 1749, war seit 1772 Geschäftsführer der Haude- und Spener'schen Buchhandlung in Berlin und Mitarbeiter, später Redacteur der Haude- und Spener'schen Zeitung (Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen). Eine vierjährige Reise durch Deutschland, die Schweiz, Italien, Frankreich, England und die Niederlande, auf welcher er die vorzüglichsten Gelehrten der damaligen Zeit persönlich kennen lernte, von denen er mit Freundlichkeit aufgenommen wurde, verschaffte ihm reiche Bildung und einen weiten Blick für seine späteren Berufsgeschäfte. Im J. 1776 besuchte er Frankreich und England, 1825 die Schweiz zum zweiten Male. Seit 1781 war er mit Sophie Decker, die ihn überlebte, verheirathet. Er starb am 27. Januar 1827. Nach seinem ausdrücklichen Willen durfte selbst in der Zeitung, die er 54 Jahre lang mit ebenso großer Thätigkeit als Umsicht redigirt hatte, von seinem Tode nicht Erwähnung geschehen. Ein ganz kurzer Nachruf daselbst spricht es denn auch nur aus, daß durch seinen Tod das Vaterland einen treuen, ihm aufrichtig und warm anhangenden Bürger, die Armen einen großmüthigen, unermüdeten Wohlthäter, Kunst und Wissenschaft einen eifrigen Verehrer und die, welche seines Umganges genossen, einen vielseitig gebildeten und durch Geist und Gemüth gleich ausgezeichneten Freund verloren haben. — S. war der Verfasser, oder Bearbeiter und Uebersetzer einer langen Reihe von Werken, die in dem unten angegebenen Buche genau aufgeführt stehen; er hat auch viele Erläuterungen zu Kupfern und historisch-genealogischen Kalendern und anderen Büchern verfaßt. Von ihm sind ferner größtentheils die von 1772 bis 1792 in Berlin aufgeführten Opern aus dem Italienischen übersetzt, und die bedeutendsten Artikel von Paris und London, sowie die meisten wissenschaftlichen Nachrichten in der Haude- und Spener'schen Zeitung aus den Jahren 1772 bis 1784 und 1790 bis 1793 stammen aus seiner Feder.

    • Literatur

      Spener'sche Zeitung Nr. 25 vom 30. Januar 1827. — Gelehrtes Berlin im J. 1825, S. 270 f.

  • Autor/in

    Ernst Friedlaender.
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedlaender, Ernst, "Spener, Johann Carl Philipp" in: Allgemeine Deutsche Biographie 35 (1893), S. 102 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117492175.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA