Lebensdaten
erwähnt 998, gestorben 1021
Beruf/Funktion
Erzbischof von Köln ; Heiliger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118549618 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heribert von Köln
  • Heribert
  • Heribert von Köln
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Heribert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118549618.html [22.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus edelfreiem vornehml. im Wormsgau begüterten Geschl.;
    V Hugo;
    M Tietwidis;
    B Bischof Heinrich I. v. Würzburg ( 1018, s. NDB VIII); Verwandte Bischof Heribert v. Eichstätt ( 1042, s. NDB VIII) u. Abt Williram v. Ebersberg ( 1085).

  • Leben

    H. empfing seine Ausbildung am Dom zu Worms, trat dann in das Kloster Gorze ein, wurde aber noch vor der Profeßleistung zurückgerufen und zum Dompropst von Worms bestellt. Mit Kaiser Otto III., der ihn 994 zum Kanzler für Italien, 998 zum Kanzler für Deutschland ernannte, verband ihn ein enges Vertrauensverhältnis. Er lehnte 995/96 das ihm angebotene Bistum Würzburg ab, das darauf sein jüngerer Bruder Heinrich erhielt. 999 wurde er zum Erzbischof von Köln gewählt. Anfang 1002 brachte er die Leiche Ottos III. aus Italien nach Aachen, mußte aber die Reichsinsignien an Herzog Heinrich von Bayern, den späteren Kaiser Heinrich II., ausliefern. Er selbst scheint 1002 für die Wahl Herzog Hermanns von Schwaben zum König eingetreten zu sein. Sein Verhältnis zu Heinrich II. entbehrte nicht der Spannungen, doch begleitete er den König 1004 nach Italien, vermittelte zwischen ihm und seinem Bruder Heinrich von Würzburg, als dieser sich gegen die geplante Einrichtung des Bistums Bamberg sperrte, und söhnte 1017 die opponierenden Luxemburger mit dem Herrscher aus. Er gewährte dem Graf Balderich und seiner berüchtigten Gemahlin Adela Rückhalt in ihren Kämpfen am Niederrhein gegen den Graf Wichmann und konnte ihr Erbe für die Kirche sichern. Zusammen mit Otto III. hatte er, der lebenslang die asketischen Neigungen, die ihn in seiner Jugend ins Kloster geführt hatten, beibehielt, die Gründung eines Klosters beabsichtigt, das er nach dem Tod des Kaisers zu Deutz errichtete. Die von ihm geplante Ausgestaltung der Kirche S. Aposteln in Köln zu einem Stift mußte er seinem Nachfolger überlassen. Seine Lebensbeschreibung, die die Heiligsprechung vorbereiten sollte, schrieb um 1050 der Lütticher Mönch Lantbert. Die Kanonisation H.s soll nach der zweifelhaften Überlieferung auf einen Papst Gregor zurückgehen (Gregor VI. oder Gregor VII.).

  • Literatur

    ADB XII;
    Vita Heriberte in: IV u. XV;
    F. W. Oediger, Regg. d. EB v. Köln I, 1954-61.

  • Portraits

    12 Darst. aus s. Leben am Heribertschrein in d. Pfarrkirche zu Köln-Deutz, um 1167; vgl. weiter d. Zusammenstellung b.
    Oediger, s. L, S. 682, 6;
    J. Gürtler, Die Bildnisse d. Erzbischöfe u. Kurfürsten v. Köln, 1912, Tafel I.

  • Autor/in

    Erich Wisplinghoff
  • Empfohlene Zitierweise

    Wisplinghoff, Erich, "Heribert" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 614 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118549618.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heribert, Erzbischof von Köln (999—1021). Während die vier Nachfolger des großen Erzbischofs Bruno ( 965), allenfalls mit Ausnahme Gero's, wenig hervortreten — keiner von ihnen besaß die Kanzlerwürde — begegnet uns in H. wieder eine Persönlichkeit von wenigstens vorübergehend bedeutendem politischen Einfluß. Der Sohn des Grafen Hugo von Worms, gebildet in Metz und Gorze, dann Propst zu Worms, wurde er 993 von Otto III. zum Vorsteher der italienischen Kanzlei erhoben und war seitdem der fast unzertrennliche Begleiter des jungen Kaisers, der ihm 998 auch die Leitung der Kanzlei für Deutschland übertrug. Gleich nach dem Tode Euerger's wurde er zum Erzbischof von Köln gewählt, erhielt in Benevent von Otto und Papst Sylvester II. Investitur und Pallium und empfing Weihnachten 999 in Köln die bischösliche Weihe. Dem Kaiser blieb er auch in dessen letzten traurigen Jahren treu ergeben; er stand an seinem Sterbelager auf der Burg Paterno, brachte die Leiche unter schweren Kämpfen durch das empörte Italien und übergab sie Ostern 1002 der letzten Ruhestätte im Aachener Dom. Auf der Reise hatte er dem Baiernherzog Heinrich die Reichsinsignien übergeben müssen, wirkte dann aber für die Throncandidatur des Herzogs Hermann von Schwaben und unterwarf sich König Heinrich II. erst, als dieser fast allgemein anerkannt war. Seine Stellung beim Kampf um die Krone hat ihm Heinrich nicht vergessen, und viele Jahre hindurch ist das Verhältniß der beiden Männer ein kaltes oder sogar sehr gespanntes gewesen, obwol sich dem Erzbischof keine einzige Handlung der Untreue nachweisen läßt. Er begleitete den König auf dem italienischen Zuge von 1094, theilte seine Gefahr beim Aufstand in Pavia (15. Mai) und erschien mit ihm auf der Dortmunder Synode (Juli 1005). Auch wirkte er für Heinrichs Lieblingswunsch, indem er seinen Bruder, den Bischof von Würzburg, bewegen hals, seinen hartnäckigen Widerstand gegen die Errichtung des Bisthums Bamberg aufzugeben. Er war anwesend bei der Weihe des Bamberger Domes (1012), nicht dagegen beim Römerzuge (Ende 1013). Kurz vorher hatte Heinrich einen Kölner Propst, der durch H. seiner Würde entsetzt worden war, zum Bischof von Werden ernannt. Obwol H. bei der endlichen Beilegung der wüsten lothringischen Fehden (1018) im Einvernehmen mit dem Kaiser handelte und ihn auf dem unglücklichen Zuge gegen Dietrich von Holland unterstützte, auch auf dem großen Convent zu Frankfurt (October 1016) und bei der Weihe der Bamberger St. Stephanskirche (April 1020) erschien, war das Mißtrauen nicht beseitigt, und durch Heriberts Fernbleiben von der Belagerung der rheinischen Burg Hammerstein erhielt es neue Nahrung. Bald darauf (Ende 1020) soll es in Köln zu einer vollständigen Aussöhnung gekommen sein, deren Einzelheiten übrigens in wenig Vertrauen erweckender Form geschildert werden. Wenige Monate später (16. März 1021) ist H. gestorben. Schon Gregor VII. hat ihn heilig gesprochen. Zu bedauern ist, daß wir über den ohne Zweifel politisch bedeutenden und in seinem Privatleben wie in seiner bischöflichen Wirksamkeit allem Anschein nach vortrefflichen Kirchenfürsten fast nur durch die Biographie des Mönches Lantbert unterrichtet sind, der ihn hauptsächlich als Gründer des Benedictinerklosters zu Deutz feiert. — Dem dürftigen Material — bemerkt sei|bei dieser Gelegenheit, daß die Deutzer Schenkungsurkunden zu mehrfachen Bedenken Anlaß bieten — wird es zuzuschreiben sein, daß H. in neuerer Zeit keinen Biographen gefunden hat. Abgesehen von den einschlagenden Werken zur Reichsgeschichte (namentlich Hirsch-Breßlau, Jahrbücher d. d. R. unter Heinrich II.) kann nur auf Ennen's Geschichte der Stadt Köln verwiesen werden. Ein wenig bekanntes, durch seine eigenthümliche Form bemerkenswerthes lateinisches Lobgedicht ist zuletzt gedruckt in Haupt's Zeitschr. f. deutsches Alterth. XI. 6.

  • Autor/in

    Cardauns.
  • Empfohlene Zitierweise

    Cardauns, Hermann, "Heribert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 110-111 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118549618.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA