Lebensdaten
1835 bis 1924
Geburtsort
Schleswig
Sterbeort
Kiel
Beruf/Funktion
Physiologe ; Meeresbiologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118549340 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hensen, Christian Andreas Victor
  • Hensen, Victor
  • Hensen, Christian Andreas Victor
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Zitierweise

Hensen, Victor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118549340.html [15.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (1787–1846), dän. Etatsrat, Prof., Dir. d. Taubstummenanstalt in Sch., S d. Martin, Bauernvogt u. Hüfner in Bünge, u. d. Margaretha Clausen;
    M Henr. Caroline Amalie (1804–62), T d. Dr. med. Carl Ferd. Suadicani (1753–1824), Leibmedikus u. Etatsrat in Sch. (s. ADB 54), u. d. Margarete Joh. Petri;
    Kiel 1870 Andrea (1845–89), T d. Dr. med. Ludw. Seestern-Pauly (1804–94), Justizrat in K., u. d. Friederika v. Stemann;
    2 S (1 früh †), 2 T, u. a. Karoline ( Hans Podestà, * 1871, Marinegeneraloberarzt).

  • Leben

    H. studierte in Würzburg, Berlin und in Kiel (Promotion 1859), wo er Prorektor bei P. L.|Panum wurde (Habilitation 1860). Seit 1864 außerordentlich Professor der Physiologie und Embryologie, wurde er 1868 Panums Nachfolger (Emeritierung 1911). In der meeresbiologischen Forschung blieb er bis 1921 aktiv und war bis zu seinem Tode Vorsitzender der Preußisch Meereskommission. – Als Medizinstudent in Würzburg trat H. bereits mit dem Nachweis des enzymatischen Abbaus von Glykogen zu Zucker in der Säugetierleber hervor. In Kiel wandte er sich einer mehr physikalischen und histologischen Arbeitsweise zu. Um die Vergleichende Morphologie und Physiologie der Sinnesorgane und der zugehörigen zentralnervösen Systeme hat er sich größte Verdienste erworben. Vor allem seine histologischen Arbeiten über das Auge und das Gehör- und Gleichgewichtsorgan zahlreicher Lebewesen haben sich als grundlegend für die weitere Forschung erwiesen. Besonders eingehend interessierte er sich für die phylo- und ontogenetische Entwicklung der Organismen, ihrer Nervensysteme und Sinnesorgane. So sorgfältig und selbstkritisch H. bei eigenen Untersuchungen vorging, so ideenreich er in methodischer Hinsicht war, so konservativ verhielt er sich bei der Interpretation der Befunde. Als Letzter unter den bedeutenden Erforschern der Labyrinth-Organe hielt er an der traditionellen Vorstellung fest, daß auch die der Raumorientierung dienenden Receptoren dem Gehörorgan zuzurechnen seien. Doch hat dieses formale Beharren auf veralteten Lehrmeinungen ihn nicht daran gehindert, selbst wichtige experimentelle Grundlagen für ihre Überwindung zu schaffen. So gaben seine Arbeiten mehr an Anregungen, als er es erwartete. In seinen späteren Jahren wandte H. sein Hauptinteresse meeresbiologischen Untersuchungen zu; er leitete mehrere Expeditionen, so 1889 die große Atlantik-Plankton-Expedition der Humboldt-Stiftung. Die Meeresbiologie verdankt H. vor allem die Einführung messender Untersuchungsmethoden; diese haben in neuerer Zeit für die Ernährung der Menschheit größte Bedeutung gewonnen.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Hamburg u. Kiel), Ehrenvorsitzender d. Dt. wiss. Komm. f. Meeresforschung, GMR, Mitgl. d. Schleswig-Holstein. Landtages (1867).

  • Werke

    u. a. Über d. Zuckerbildung in d. Leber, 1856;
    Stud. üb. d. Gehörorgan d. Decapoden, in: Zs. f. wiss. Zool. 13, 1863, S. 353;
    Zur Morphol. d. Schnecke d. Menschen u. d. Säugethiere, ebd., S. 481;
    Über d. Auge einiger Cephalopoden, ebd. 15, 1865, S. 1;
    Über d. Bau d. Schneckenauges u. üb. d. Entwicklung d. Augentheile in d. Thierreihe, in: Archiv f. mikroskop. Anatomie 2, 1866, S. 399;
    Über d. Sehen in der Fovea centralis, in: Virchows Archiv f. patholog. Anatomie u. Physiol.Physiologie 39, 1867, S. 475;
    Experimentalunters. üb. d. Mechanismus d. Accommodation, 1868 (mit C. Völckers);
    Beobachtungen üb. d. Befruchtung u. Entwicklung d. Kaninchens u. Meerschweinchens, in: Zs. f. Anatomie u. Entwicklungsgesch. 1, 1876, S. 213;
    Beobachtungen üb. d. Thätigkeit d. Trommelfellspanners b. Hund u. Katze, in: Archiv f. Anatomie u. Physiol., Physiolog. Abt., Jg. 1878, S.312;
    Physiol. d. Gehörs, in: Hermanns Hdb. d. Physiol. III, 2, 1880;
    Einige Ergebnisse d. Plankton-Expedition d. Humboldt-Stiftung, in: SB d. k. preuß. Ak. d. Wiss. Berlin, physikal.-math. CL., 14, 1890, S. 243;
    Über d. z. Unterhaltung v. Tonschwingungen notwendigen Anstoß, in: Ann. d. Physik, IV. F., Bd. 21, 1906, S. 781;
    Die Methodik d. Plankton-Unters., in: Hdb. d. biochem. Arbeitsmethoden, hrsg. v. E. Abderhalden, V, 1, 1911, S. 637.

  • Literatur

    Münchener Med. Wschr. 52, II., 1905, S. 912: K. Brandt, in: Wiss. Meeresunterss., NF 20, 1925, S. 49 (W üb. Meeresbiol., P);
    Pogg. IV-VI;
    BLÄ.

  • Autor/in

    Dietrich Trincker
  • Empfohlene Zitierweise

    Trincker, Dietrich, "Hensen, Victor" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 563-564 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118549340.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA