Lebensdaten
1551 bis 1624
Geburtsort
Leutschau (Zips)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Bankier ; Bergbauunternehmer ; Großhändler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 135933145 | OGND | VIAF: 80365092
Namensvarianten
  • Henckel von Donnersmark, Lazarus
  • Henckel von Donnersmarck, Lazarus
  • Henckel von Donnersmark, Lazarus
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Zitierweise

Henckel von Donnersmarck, Lazarus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135933145.html [20.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1513–65), angebl. 1529-40 im Hofdienst d. Statthalterin d. Niederlande, d. Kgn.witwe|Maria v. Ungarn, dann Einnehmer d. Dreißigsten in L.;
    M Anna ( 1558), Wwe d. Hans Fabricius, T d. Matthias Wildner;
    1) vor 1572 Anna, T d. Kaufm. Ettinger, 2) Wien 1615 Barbara ( 1624), T d. David Hagen Frhr. v. Steinberg u. Werffenstein;
    6 S (4 jung †), 5 T (2 jung †) aus 1), u. a. Lazarus Gf. (1573–1664), auf Beuthen, Tarnowitz u. Oderberg, kaiserl. Kriegszahlmeister u. Rat, Georg (1587–1638), kaiserl. Rat.

  • Leben

    Aus seiner Zipser Heimat kam H. nach Oberdeutschland, wo er die Kaufmannschaft erlernte; 1579 war er zu Wien Faktor der Ulmer Firma Schenner. 1581 wurde er Bürger von Wien, wo er zusammen mit seiner 1. Frau ein Haus auf dem Fleischmarkt kaufte, das dann der Sitz seines Waren- und Geldhandels wurde. Es ist über H.s Privatgeschäfte, durch die er wohl die Grundlagen zu seinem späteren Reichtum legte, nur wenig bekannt. Umso mehr weiß man über seine Geschäfte mit der Hofkammer, der obersten Finanzbehörde. Hier liegt sicherlich der Schwerpunkt seines Wirkens. Was H. aber aus der Reihe der anderen „Hofbankiers“ weit heraushebt, ist die Tatsache, daß er in erster Linie bestrebt war, dem Lande und der Stadt zu dienen, denen er seinen Wohlstand verdankte.

    Die Geschäfte begannen mit einem Kredit von 40 000 Gulden, zur einen Hälfte in barem Geld, zur anderen in Tuch für die Bekleidung der Grenztruppen. Um 1590 war H. schon über das Lokalgeschäft hinausgewachsen. Er unterhielt eigene Faktoren in Leipzig und Nürnberg und einen Diener am Prager Hofe Rudolfs II. Aber nicht nur diesem half er immer wieder, sondern auch der Stadt Wien. Er wurde Mitglied des äußeren Rates und Beisitzer des Stadtgerichts. Er erwarb 1591 einen adeligen Ansitz in Nußdorf bei Wien und begann durch Ankauf von Weinbergen und Bergrechten einen Weinhandel großen Stils. Er handelte vor allem aber mit Vieh, das er aus Ungarn, Siebenbürgen und der Walachei nach Wien und Oberdeutschland importierte. Auf mindestens 5000 Ochsen wird der Trieb des Jahres 1590 geschätzt. Bei der Durchführung aller dieser Transaktionen kam ihm das Vermögen seiner 1. Frau sehr zustatten. 1591 begannen seine Geld- und Darlehenshandlungen mit der kaiserlich Hofkammer. Er war der einzige unter den Wiener Kaufleuten, der mit großen Summen aushelfen konnte. Außer dieser Tätigkeit als Bankier hatte er auch die sogenannte(r) Reichshilfen für den Türkenkrieg zu bevorschussen. Von den 3½ Million(en) Gulden, die der Reichspfennigmeister Zacharias Geizkofler 1595-1600 an Vorschüssen auf diese Türkensteuer zusammenbrachte, hat H. nahezu eine Million allein aufgebracht. Als durch die gänzliche finanzielle Erschöpfung der Erbländer, gefördert durch die Günstlingswirtschaft am Hofe des kranken Kaisers, Geizkofler zum Rücktritt gezwungen wurde, geriet auch H. in Schwierigkeiten. Der Bocskaysche Aufstand in Oberungarn vermehrte diese noch, da die Kupferbergwerke in Neusohl, der einzige Aktivposten in der österreichischen Außenhandelsbilanz und das beste Unterpfand in Darlehensgeschäften, in die Hand des Feindes gefallen waren. H. besaß seit 1603 ¼ Anteil des Verleger (Geldgeber)-Konsortiums dieser Bergwerke. Seine Lage war manchmal geradezu verzweifelt. Nur der Kredit, den er dank dem Vertrauen in seinen Handel und Eigenbesitz wie nicht minder in seine Persönlichkeit allenthalben genoß, befähigte ihn, diese schwere Krise zu überstehen. Sein Besitz hatte sich mittlerweile vervielfacht: Häuser in Wien, 3 adelige Güter, der Weinhandel, das alles waren beträchtliche Aktivposten. Längst war er Mitglied des inneren Rates der Stadt Wien, während der Kaiser ihn wiederholt mit Titeln, Ehrenketten und Ehrenbechern auszeichnete. Er hätte zu hohen Würden aufsteigen können, wenn er nicht alle ihm angetragenen Ämter (darunter das verantwortungsvolle des Reichspfennigmeisters) wohlweislich ausgeschlagen hätte. 1612, im Todesjahr Rudolfs II., zog sich H. vom Warenhandel zurück; die Geldgeschäfte mit dem Hofe aber dauerten unvermindert an; 1610 betrug sein Guthaben bei der Kammer 1 610 120 Gulden; mangels größerer Rückzahlungen durch die Kammer sank es im Laufe des Jahres nur unbeträchtlich. Als Montanindustrieller in Neusohl war er auch noch weiterhin tätig, zumal er seine Beteiligung auf die Hälfte erweitern konnte. Hier erzielte er noch große Gewinne. Kurz vor seinem Tode erwarb er noch Oderberg-Beuthen. H. war ein treuer Anhänger des Kaisers, aber auch des Luthertums.

  • Literatur

    J. Kallbrunner, L. H. v. D., in: VSWG 24, 1931, S. 142 ff.;
    G. Probszt, Der Neusohler „Kupferkauf“, ebd. 40, 1954;
    ders., Die niederungar. Bergstädte, in: Zs. f. Ostforschung 1, 1952;
    J. Kallbrunner, L.H. v. D. u.s. Kreis, in: Jb. d. Dt.Ausland-Inst. z. Wanderungsforschung u. Sippenkde. VI, 1941/42, S. 86-91 (L);
    s. a. L z. Gesamtart.

  • Autor/in

    Günther Probszt
  • Empfohlene Zitierweise

    Probszt, Günther, "Henckel von Donnersmarck, Lazarus" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 517 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135933145.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA