Lebensdaten
1827 – 1887
Geburtsort
Schloß Paczolaj (Slowakei)
Sterbeort
Nizza
Beruf/Funktion
Philosoph ; Parapsychologe ; Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 126391017 | OGND | VIAF: 60074706
Namensvarianten
  • Hellenbach, Lazar Freiherr von
  • Hellenbach, Lazar von
  • Gellenbakh, L.
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Orte

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Zitierweise

Hellenbach, Lazar Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd126391017.html [18.05.2022].

CC0

  • Genealogie

    Jankomir 1851 Clotilde (1831–1918), T d. Carl Jellačić v. Bužim u. d. Fanny Gfn. Sermage;
    1 S, 5 T.

  • Biographische Darstellung

    H. war, ohne zu akademischer Lehrtätigkeit gelangt zu sein, ein in Österreich einflußreicher philosophischer Schriftsteller, der auch geschichtliche, sozialpolitische und volkswirtschaftliche Fragen einbezog und am politischen Leben teilnahm. In Wien genoß er seine Schulbildung und ging 1842 auf die Universität Prag, wo er sich mit Rechtsstudien, Cameralia, Philosophie, Literatur und Naturwissenschaften beschäftigte. Nachdem er kurze Zeit in einem ungarischen Regiment gedient hatte, lebte er zunächst als Landwirt auf seinem Heimatgut, bevor er sich politischer Tätigkeit zuwandte. Er war 1860-67 Abgeordneter im kroat. Landtag. 1869 zog er nach Wien, wo er sich seinen Studien und der wissenschaftlichen Publizistik widmete.

    H.s philosophischer Hauptgedanke ist die Idee, daß Geburt und Tod nur ein „Wechsel der Anschauungsform“ seien, in die sich der Mensch jeweils begibt. Der Mensch hat eine „Doppelnatur“: eine phänomenale, in den drei Raumdimensionen erscheinende, die den zellularen Leib und das davon abhängige bewußte „Ich“ ausmacht, und eine „transzendentale“, die sein eigentliches Wesen ist. H. gebraucht für dieses individuelle, sich wiederholt inkarnierende Wesen – in Anlehnung an Kant – den Ausdruck „transzendentales Subjekt“; er nennt es auch „Metaorganismus“ oder schlicht „Seele“. Er wendet sich gegen den monistischen Pessimismus Schopenhauers und Eduard von Hartmanns, nach dem|das „Ich“ jeweils unmittelbar aus dem „Willen“ oder dem „Unbewußten“ individuiert werde, um nach einer sinnlosen Strecke des Leidens wieder im anonymen Weltgrund aufzugehen. Die „Seele“ nehme den „Roman des Lebens“ zu ihrer Vervollkommnung immer wieder auf sich, ihr Ziel sei Selbstfindung, nicht Auslöschung. H. stützt seine Lehre vom „transzendentalen“ Subjekt mit zahlreichen zum großen Teil selbst untersuchten Erscheinungen parapsychischer Art wie Telepathie, Hellsehen, außergewöhnliche Bewegung von Gegenständen und andere, in denen er ein Indiz für ein Hereinwirken der „Seele“, sei sie die von Anwesenden oder auch von Abgeschiedenen, aus der „vierten Dimension“ in die dreidimensionale phänomenale Welt erblickt. Er beruft sich dabei auch auf Experimente und Überlegungen des Physikers und Astronomen Johann K. F. Zöllner und verwahrt sich gegen den Vorwurf, Spiritist zu sein, da er die medialen Mitteilungen keineswegs als „Offenbarungen“ annehme, sondern sie nur als Anzeichen der Existenz „intelligibler“ Wesen betrachte.

    H.s politische Schriften richten sich vor allem gegen soziale und nationale Vorurteile, so gegen die Behauptung, daß ein großer Teil der Menschheit naturgemäß hungern müsse (Malthus' Theorie der Übervölkerung), gegen die Überzeugung von der Notwendigkeit des Kriegs und gegen den Antisemitismus. Er trat, entgegen dem sozialistischen Radikalismus, für einen „veredelten Sozialismus“ ein, der vor allem auf der Anhäufung von „Kollektiveigentum“ beruhen sollte, das dem Staat von kinderlosen Erblassern zu überlassen wäre.

    H. wußte sich, trotz Ablehnung jedes Offenbarungsglaubens, mit dem Christentum eins in der Forderung des Liebesgebots und im „transzendentalen Optimismus“, das heißt der Hoffnung auf ein anderes, besseres Dasein als es das phänomenale Weltdasein ist. Der Wissenschaft seines Jahrhunderts warf er vor, daß sie in ihrer dogmatischen Beschränkung auf mechanisch-kausale Erklärung des Lebens das Bewußtsein des Menschen von seiner höheren Bestimmung verdränge.

  • Werke

    u. a. Eine Philos. d. gesunden Menschenverstandes, 1876;
    Der Individualismus im Lichte d. Biol. u. Philos. d. Gegenwart, 1878, ²1887;
    Die Lösung d. soz. Frage, 1879;
    Die Vorurteile d. Menschheit, 3 Bde., 1879/80, ³1893;
    Aus d. Tagebuche e. Philosophen, 1881;
    Die Magie d. Zahlen, 1882, ³1910;
    Geburt u. Tod als Wechsel d. Anschauungsform od. d. Doppelnatur d. Menschen, 1885;
    Die Insel Mellonta, 1887;
    Das 19. u. 20. Jh., Kritik d. Gegenwart u. Ausblicke in d. Zukunft, a. d. Nachlaß hrsg. v. C. du Prel, 1888.

  • Literatur

    W. Hübbe-Schleiden, H., d. Vorkämpfer f. Wahrheit u. Menschlichkeit, 1891;
    ÖBL;
    Ziegenfuß;
    Überweg.

  • Autor/in

    Anton Neuhäusler
  • Zitierweise

    Neuhäusler, Anton, "Hellenbach, Lazar Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 476-477 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd126391017.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA