Lebensdaten
1845 bis 1916
Geburtsort
Bozen (Aargau)
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Ärztin
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118977962 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Vögtlin, Marie (geborene)
  • Heim, Marie (verheiratete)
  • Heim-Vögtlin, Marie
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Zitierweise

Heim-Vögtlin, Marie, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118977962.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Julius Vögtlin (1813–94), Pfarrer, S d. Postkontrolleurs Joh. Jakob u. d. Verena Erismann;
    M Henriette Benker (1802–64), Pfarrers-T;
    Gebensdorf 1875 Albert Heim (s. 1);
    1 S, 2 T (1 früh †), u. a. Arnold (s. 2).

  • Leben

    H. ist die erste Schweizer Ärztin. Als Pfarrerstochter auf dem Lande aufgewachsen, genoß sie den ersten Unterricht im Elternhaus, später im Herrnhuter Institut Montmirail bei Neuenburg und in befreundeten Familien. Mit ihren Eltern siedelte sie nach Brugg über und half im Brugger Kinderspital und in der Armenschule, wodurch sie mit sozialen Problemen bekannt wurde. Mit 22 Jahren begann sie in heimlichem Selbststudium ihre Vorbereitung auf das medizinische Studium. Als ihr Entschluß, Ärztin zu werden, bekannt wurde, nahmen Schweizer Zeitungen dagegen Stellung. 1868 wurde H. als erste gebürtige Schweizer Medizinstudentin in Zürich immatrikuliert. Sie legte das Abitur erst im 2. Studienjahr an der Kantonsschule Aarau ab. 1872 bestand sie als erste Frau ihres Vaterlandes das medizinische Staatsexamen mit Auszeichnung in Zürich. Sie arbeitete danach bei His und Credé in Leipzig sowie als Assistentin bei von Winckel in Dresden, schrieb dort ihre Dissertation und wurde damit 1874 in Zürich zum doctor medicinae promoviert. Im gleichen Jahr eröffnete sie in Zürich eine sehr erfolgreiche Praxis, vorwiegend als Frauen- und Kinderärztin. Sie heiratete ein Jahr später. 1901 war sie bei der Gründung des Zürcher Frauenhospitals mit Pflegerinnenschule maßgebend beteiligt, gab|dort Unterricht in Wochen- und Kinderpflege und übernahm die Leitung der Kinderabteilung.

    H. trat vom Standpunkt der sozialen Medizin gegen Tabak- und Alkoholgenuß auf. Da es noch keine entsprechenden Ämter gab, vermittelte sie Adoptionen. Auf ihre Initiative wurde in der Nähe von Zürich ein Kinderhaus für Adoptionskinder gegründet. H. betrieb Armenfürsorge und setzte sich für die bildungsmäßige Gleichberechtigung der Frau sowie für das Frauenstimmrecht ein.

  • Werke

    Über d. Befund d. Genitalien im Wochenbett, Diss. Zürich 1874;
    Einige Fälle seltener Blasenerkrankungen, in: Corr.bl. f. Schweizer Ärzte 9, 1879;
    Die Pflege d. Kindes im 1. Lebensj., i. A. d. schweizer. gemeinnützigen Frauenver., 1898;
    Die Aufgabe d. Mutter in d. Erziehung d. Jugend z. Sittlichkeit, 1904;
    Worte e. Mutter an Mütter, = Flugschr. Nr. 5 d. Abstinentenverbandes d. Stadt Zürich, 1907.

  • Literatur

    M. Lipinska, Hist. des Femmes Médecins, Paris 1900, S. 403, 406;
    J. Siebel, Das Leben v. Frau Dr. M. H.-V., der ersten Schweizer Ärztin, 1920 (W, P);
    M. Lejeune-Jehle, in: Lb. aus d. Aargau 1803-1953, 1953, S. 437-41 (W, L, P);
    E. Pohl-Lovejoy, Women Doctors of the World, New York 1957, S. 165 f.;
    S. M. Bono, Die Schweizer Ärztin, Diss. Zürich 1958, S. 3 f., 16, 18 (P);
    V. Bodmer-Gessner, Frauen aus d. Aargau, 1964, S 141-46 (P);
    DBJ I (Tl. 1916, L);
    Lex. d. Frau I, 1953 (P).

  • Autor/in

    Liselotte Buchheim
  • Empfohlene Zitierweise

    Buchheim, Liselotte, "Heim-Vögtlin, Marie" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 265-266 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118977962.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA