Lebensdaten
1896 - 1945
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
sozialdemokratischer Politiker ; Widerstandskämpfer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118773380 | OGND | VIAF: 57410599
Namensvarianten
  • Haubach, Theodor

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Haubach, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118773380.html [22.06.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Emil (1854–96), Großkaufm. in F., S d. Theodor (1814–80), aus Königsberg, Instrumentenmacher, u. d. Sophie Lony;
    M Emilie (1866–1939), T d. Handelsmanns Leopold Hirschfelder u. d. Caroline Freund; ledig.

  • Leben

    H. besuchte und absolvierte das Ludwig-Georg-Gymnasium in Darmstadt. 1914 ging er als Freiwilliger ins Feld und wurde mehrfach verwundet. Im Kriege beschäftigten ihn die sozialen und politischen Probleme seiner Generation und seines Volkes, und er kehrte als Sozialist und Friedensfreund zurück. Anschließend war er Mitherausgeber der expressionistischen Zeitschrift „Die Dachstube“ (Darmstadt 1915–18). H. studierte in Heidelberg Philosophie, Soziologie und Staatswissenschaft. Lebensentscheidenden Einfluß hatten auf ihn K. Jaspers, bei dem er 1923 über ästhetische Probleme promovierte, und Alfred Weber, in dessen wissenschaftlichen Kreis er eintrat. Von Hegel beeinflußt, wurden Philosophie, die Lehren von Gesellschaft und Staat zu den Grundelementen des kommenden Politikers und Philosophen. 1923 wurde H. Assistent am Institut für Außenpolitik in Berlin, 1924 übernahm er als Redakteur beim „Hamburger Echo“ das Ressort Außenpolitik. Hauptthemen waren ihm Kriegsschuldfragen, französische Politik und britische Außenpolitik. In Hamburg wurde er auch militanter Sozialist und 1. Vorsitzender des sozialdemokratischen Kampfbundes, des „Reichsbanners“. – Im November 1929 ging H. als Pressechef in das preußische Innenministerium zu Severing und im Mai 1930 in gleicher Funktion zum Berliner Polizeipräsidium. Er war inzwischen 2. Vorsitzender des „Reichsbanners“ im gesamten Reichsgebiet geworden. Mit dem Staatsstreich Papens in Preußen im Juni 1932 mußte er diese Stellung verlassen. Damit nahm seine Arbeit, durch die er 10 Jahre hindurch mit an vorderster Stelle die Weimarer Republik verteidigt hatte, ein Ende.

    Er tauchte in der Privatindustrie unter und begann sehr bald neben dem Beruf die Arbeit gegen den totalitären Staat. November 1933 war er kurz in Haft in Darmstadt. Danach wurde er Vertreter bei der Versicherungsgesellschaft Allianz. November 1934-Juni 1936 war er abermals in Haft, im Konzentrationslager Esterwegen, wo er J. Leber begegnete, mit dem er nach seiner Haft weiter zusammenarbeiten sollte. Nach abermaliger, kurzer Haft Ende 1939 beteiligte er sich führend an der Widerstandsbewegung. Es war sein Verdienst, die Verbindung des Kreisauer Kreises, dem er besonders nahestand, zu den militärischen Gruppen aufrecht erhalten zu haben. Nach dem Attentat vom 20.7.1944 wurde er am 9.8.1944 verhaftet und am 23.1.1945 hingerichtet. – H. hatte als militanter Sozialist begonnen, im Mannesalter war eine tiefe Religiosität hinzugekommen. Im Europäer H. begegneten sich Sozialismus und deutsche Kultur, Tat und Geist in einem Menschen. Er war im Sinne Platons als Philosoph Politiker geworden. Er führte den Sozialismus an den Staat heran und suchte nach einem Ausgleich zwischen Recht und Macht. Der Staat war dem Hegelianer H. eine sittliche Idee und unausweichlich, daher sein Kampf und auch sein Tod im „3. Reich“. Freiheit in der Macht zu verwirklichen war seine Lebensaufgabe, die weiterzuführen ihm nicht vergönnt war. – Zahlreiche philosophische Manuskripte wurden durch Bomben vernichtet.

  • Werke

    u. a. Wider die Politik, in: Das Tribunal 1, 1919, S. 50 ff.;
    Offener Brief an Kurt Hiller, ebd., S. 76 ff.;
    Zur Krisis d. Rev., ebd., S. 132-34;
    Der Kinokampf, ebd. 2, 1920, S. 6 ff.;
    Reaktion, ebd., S. 34 ff.;
    Sozialist. Außenpol., in: Die Ges. 1, 1924, S. 418-20;
    Der Sozialismus u. d. Wehrfrage, ebd. 3, 1926, S. 120-30;
    Wehrfrage u. Sozialdemokratie, ebd. 4, 1927, S. 493-501;
    Die Richtlinien z. Wehrfrage, ebd. 6, 1930, S. 97-112;
    Wehrsport u. Arbeiterbewegung, ebd., S. 658-60;
    Erfolge u. Fiasko d. Jugendbewegung, in: Frankfurter Ztg. v. 1.5.1925;
    Reichswehr u. Macht, in: Dt. Republik, 1927, H. 6;
    Dtld.s Wehrpol. am Scheidewege, in: Der Zusammenschluß, 1928, S. 630-35;
    Die Generationenfrage u. d. Sozialismus, in: Soziolog. Stud. Alfr. Weber gewidmet, 1930, S. 106-20;
    Positive Verfassungskritik, in: Die Justiz 6, 1930, S. 628 ff.;
    Begriff u. Sinn d. Opposition, in: Neue Bll. f. d. Sozialismus 1, 1930, S. 81-86;
    Die militante Partei, ebd. 2, 1931, S. 208-13;
    Leutnant Scheringer – unser Mann?, ebd., S. 352 f.;
    Revision d. Friedensverträge ?, ebd., S. 545-60;
    Abrüstung u. Sicherheit, ebd. 3, 1932, S. 180-86;
    Ein neuer Abschnitt dt. Außenpol., ebd., S. 633-42;
    Kavallerie im modernen Krieg, in: Sozialist. Mhh., 1932, S. 244-50.

  • Literatur

    Dt. innere Emigration, ges. u. erl. v. K. O. Paetel, New York 1946;
    A. de L'Aigle, Meine Briefe v. Th. H., 1947;
    W. Hammer, Th. H. z. Gedächtnis, 1955 (L, P);
    K. Heyd, Th. H., in: Vom Geist e. Stadt, 1956, S. 394-400;
    M. Boveri, Der Verrat im 20. Jh., 41958, S. 78 f.;
    20. Juli 1944, hrsg. v. d. Bundeszentrale f. Heimatdienst, 1961 (P);
    E. Zeller, Geist d. Freiheit, 1964 (L);
    Th. H. … Ansprachen b. d. Gedenkstunde d. Senats d. Freien u. Hansestadt Hamburg am 22.1.1965, 1965;
    G. van Roon, Neuordnung im Widerstand, 1967, S. 181-88 (W, L, P);
    F. Osterroth, Biograph. Lex. d. Sozialismus, 1960 (P).

  • Autor/in

    Emil Henk
  • Empfohlene Zitierweise

    Henk, Emil, "Haubach, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 68 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118773380.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA