Lebensdaten
geboren Ende 12. Jahrhundert
Geburtsort
Norddeutschland
Beruf/Funktion
Dichter ; Abt des Marienklosters zu Stade ; Prior ; Chronist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118844644 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Albert von Stade
  • Albert, de Stade
  • Albert, of Saint Mary's at Stade
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Zitierweise

Albert von Stade, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118844644.html [20.09.2018].

CC0

  • Leben

    A. wurde im August 1232 Abt des Benediktinerklosters St. Marien in Stade und versuchte seit 1236 mit päpstlicher Vollmacht das Kloster nach der Zisterzienserregel zu reformieren. Da er sein Ziel nicht erreichen konnte, legte er 1240 die Abtwürde nieder und trat in das Stader Franziskanerkloster ein. Unter Benutzung von Beda, Ekkehard von Aura, Adam von Bremen u. a. schrieb er seit 1240 (?) an einer bis 1256 reichenden Weltchronik, den „Annales Stadenses“. Trotz vieler Mängel sind die jüngeren Teile, die wichtige Einzelnachrichten, Genealogisches, Sagen und dergleichen bieten, wegen der Spärlichkeit sonstiger Nachrichten über diese Zeit wertvoll. 1249 schrieb A. den poetisch fast wertlosen, aber literarhistorisch bemerkenswerten „Troilus“, ein in Distichen verfaßtes Epos von 5314 Versen über den Trojanischen Krieg. A. folgt hauptsächlich dem Bericht des angeblichen Phrygers Dares. Die Zahl der weiteren Quellen (Vergil, Ilias latina, Ovid, Orosius, der angebliche Bericht des Kreters Dictys, die Poetria nova des Galfredus de Vino salvo u. a.) zeugt von A.s großer Belesenheit. Drei weitere Werke sind nicht erhalten. So die zwischen 1234 und 1244 in Verse gebrachte „Summa de poenitentia et matrimonio“ des Raymundus von Peñaforte, ein zeitgenössiches moralistisch-kasuistisches Handbuch. Ferner die Konkordanz „Auriga“, ein alphabetisches Lexikon, und die metrische Paraphrase der vier Evangelien, „Quadriga“, von der nur Auszüge bekannt sind; beide stehen zwar zueinander in Beziehung, müssen aber als selbständige Werke auseinandergehalten werden.

  • Werke

    Chronik, hrsg. v. Reinerus Reineccius, Helmstedt 1587 (einziger vollst. Text), v. J. M. Lappenberg, in: MG SS 16, S. 283-379 (mit Einl., bietet nur die nicht entlehnten Teile), übers. v. F. Wachter, in: GDV, Bd. 72, 21940; Troilus, hrsg. v. Th. Merzdorf, 1875 (sehr mangelhafte Ausg., vgl. M. Manitius, in: Literar. Zbl. 1875, Sp. 1294 ff.;
    R. Peiper, in: Jenaer Lit.-Ztg. 2, 1875, Sp. 547 ff.; H. Dunger, in: Fleckeisens Jbb. 22, 1876, S. 649 ff.; M. Manitius, in: Roman. F 4, 1891, S. 423 ff.).

  • Literatur

    ADB I; zur Chronik: L. Weiland, Ann. Stadenses, Hamburgenses, Bremenses, in: F z. dt. Gesch. 13, 1873, S. 157-98; Manitius II, S. 412, III, S. 355, 518;
    zum Troilus: H. Christensen, Das Alexanderlied Walthers v. Chatillon, 1905, S. 166 ff.;
    K. Fiehn, Zum Troilus A.s v. St., in: Stud. z. lat. Dichtung. d. MA, Ehrengabe f. K. Strecker, 1931, S. 45-59;
    Manitius III, S. 753, 772, 799, 924, 1023;

    E. Schröder, Fiori u. Tyori, in: NA 49, 1932, S. 550 bis 552;
    W. B. Sedgwick, „Pergama flere volo“, in: Speculum 8, 1933, S. 81 f.;
    E. R. Curtius, Europ. Lit. u. lat. MA, 1948, S. 226 Anm. 2, 426 f.;

    T. Eckhard, Vita Alberti Stadensis abbatis, chronici auctoris, Goslar 1726;
    J. M. Lappenberg, in: Archiv d. Ges. f. ältere dt. Geschkde. 6, 1831, S. 8 ff.;
    Wattenbach II, S. 439-41 (L); K. Fiehn, Albertus Stadensis, in: HV 26, 1931, S. 536-72;
    ders., Die Gesch. d. Marienklöster Harsefelde (Rosenfelde) u. Stade, ebenda 30, 1935, S. 233-304; E. Cerulli, Una tradizione medievale sulle origini di Venezia e sulle fonti orientali, in: Rivista degli studi orientale, Bd. 24, Rom 1949, S. 145-60; O. Schumann, A. v. St., in: Vf.-Lex. d. MA I, 1933, Sp. 30-36 (L).

  • Autor/in

    Helmut Plechl
  • Empfohlene Zitierweise

    Plechl, Helmut, "Albert von Stade" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 136 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118844644.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Albert von Stade, Prior, dann 1232 Abt des Marienklosters zu Stade, wo ihm aber die lockere Zucht der Benedictiner Anstoß erregte. Deshalb erwirkte er sich in Rom die Vollmacht, in seinem Kloster die strengere Regel der Cistercienser einzuführen, allein er drang damit nicht durch und trat deshalb 1240 in das Minoritenkloster zu Stade ein; sein Todesjahr ist unbekannt. Im J. 1240 begann A. die Ausarbeitung seiner großen Weltchronik, welche bis 1256 reicht; eine ziemlich rohe Compilation ohne irgend eine innere Verknüpfung der Thatsachen. Nur die Benutzung jetzt verlorner Quellen gibt seiner Arbeit einigen Werth, und wenn er auch im letzten Theile aus eigener Kenntniß berichtet, so verdanken doch, wie J. F. Böhmer mit Recht bemerkt, seine Nachrichten ihre große Bedeutung für uns am meisten unserer Armuth an umständlicheren Nachrichten aus jener Zeit. Neue Ausg. von Lappenberg in den Mon. Germ. XVI., 271 ss., unter dem Titel: Annales Stadenses auctore Alberto. (Vgl. Weiland, Forsch. XIII., 157—198. Wattenbach, Gesch. Q. II. 307.)

  • Autor/in

    Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Albert von Stade" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 209 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118844644.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA