Lebensdaten
1381 oder 1382 bis 1459
Sterbeort
Rügenwalde
Beruf/Funktion
König von Norwegen ; Dänemark ; Schweden ; Herzog von Pommern-Stolp
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119446359 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Erich XIII.
  • Bogislaw (ursprünglich)
  • Erich
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Zitierweise

Erich I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119446359.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Wartislaw VII. v. Pommern-Stolp ( 1394/95), S des Hzg. Bogislaw V. v. Pommern-Wolgast ( 1373/74, s. NDB II);
    M Maria, T des Hzg. Heinr. III. v. Meckl.-Schwerin u. der Ingeburg Prinzessin v. Dänemark; Großtante mütterlicherseits Kgn. Margarete v. Dänemark ( 1412);
    Vt Hzg. Albrecht III. v. Mecklenburg ( 1412, s. NDB I);
    1) 26.10.1406 Philippa ( 1430), T des Kg. Heinr. IV. v. England ( 1413), 2) (in ungleicher Verbindung) wohl bald nach 1430 Cecilia (1456 u. 1459 als uxor u. regina bezeichnet); kinderlos;
    N Hzg. Bogislaw IX. v. Pommern-Stolp ( 1446, s. NDB II), Pfalzgfraf Christoph III., Kg. v. Dänemark, Schweden u. Norwegen ( 1448, s. NDB III).

  • Leben

    Von seiner Großtante Margarete von Dänemark wurde der junge Bogislaw an Stelle seines vom norwegischen Reichsrat abgelehnten Vetters Albrecht von Mecklenburg zum Erben ausersehen. Ende 1388 (spätestens 1389) siedelte er nach Dänemark über und nahm den Namen Erich an. Nachdem Margarete den Schwedenkönig Albrecht von Mecklenburg nach der Schlacht bei Falköping (1389) gefangengesetzt hatte, wurde E. auch hier zum Thronfolger erhoben. Auf der Versammlung zu Kalmar 1397, auf der Dänemark, Schweden und Norwegen zu einer Union zusammengeschlossen wurden, fand am 17.6. die Krönung E.s statt. 1400 wurde die Heirat mit einer französischen Prinzessin ins Auge gefaßt, 1406 dann aber die handelspolitisch wohl wichtigere englische Verbindung geschlossen. E.s politisches Bestreben galt, besonders nach dem Tode Margaretes, der Errichtung einer Großmachtstellung im Ostseeraum; deshalb sein Kampf mit den Schauenburgern in Holstein um Schleswig, das ihnen 1386 von Margarete übertragen worden war, deshalb das gegen den Deutschen Orden gerichtete Bündnis (1419) mit dem Polenkönig Wladislaw Jagiello, durch das E. Estland und Livland zu gewinnen hoffte. Auf seiner großen Reise durch Deutschland, Polen und Ungarn nach Jerusalem (August 1423 - Mai 1425) versicherte er sich in Ofen der Unterstützung des deutschen Königs Sigismund (unter anderem durch Beistand gegen den von Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg geführten Kurverein zu Bingen). Der Krieg (1426–35) gegen die Schauenburger und die mit diesen verbündeten Hansestädte, die sich durch die gegen ihre Handelshegemonie gerichteten wirtschaftspolitischen Maßnahmen des Königs (zum Beispiel Einführung des Sundzolls) in ihrer Freiheit bedroht sahen, endete mit der Niederlage E.s (1435 Friede zu Wordingborg). Die von der Hanse durchgeführte Blockade, die die schwedische Erz- und Kupferausfuhr drosselte und allgemeine Not verursachte, führte 1434 zu einem von dem Bergwerksbesitzer Engelbrecht Engelbrechtsson geleiteten Volksaufstand, der sich zugleich gegen die von E. eingesetzten deutschen Vögte richtete. E.s Plan, seinen Neffen Bogislaw IX. von Pommern-Stolp zum Nachfolger zu erheben, an Stelle des Wahlkönigtums die Erbmonarchie einzuführen und sie dem pommerischen Greifenhause zu sichern, stieß auf den Widerstand des Adels der drei Reiche. Um die Union zu retten, riefen die dänischen Reichsräte den Schwestersohn E.s Christoph, Pfalzgraf bei Rhein, ins Land und erklärten E., der sich nach Gotland zurückgezogen hatte, für abgesetzt (1439). Schweden und Norwegen schlossen sich an. E. versuchte seine Rechte zunächst durch ein Schiedsgericht und durch Vermittlung des Deutschen Ordens, dem er Gotland zu verpfänden gewillt war, wiederzuerlangen, später durch einen die gesamte Seefahrt in der Ostsee gefährdenden Kaperkrieg wenigstens eine Abfindung zu ertrotzen. Als nach dem Tode König Christophs I. (1448) die Kalmarer Union durch die Wahl Karl Knutssons zum König von Schweden (20.6.1448) auseinanderbrach und dieser begann, Gotland zu erobern, rief E. den neuen Dänenkönig Christian I. von Oldenburg herbei und verließ (Frühjahr 1449) die Insel. Er begab sich nach Hinterpommern, das er, nachdem Bogislaw IX. 1446, ohne männliche Erben zu hinterlassen, gestorben war, in Auseinandersetzungen mit den einander heftig befehdenden Städten und Adelsfamilien allein regierte.

  • Literatur

    ADB VI;
    Johs. Bugenhagens Pomerania, hrsg. v. O. Heinemann, = Qu. z. Pomm. Gesch. IV, 1900;
    E. Daenell, Die Hansestädte u. d. Krieg um Schleswig, in: Zs. f. schlesw.-holst. Gesch. 32, 1902, S. 271-450;
    K. E. Murawski, Zwischen Tannenberg u. Thorn, 1953, Kap. VI;
    G. Carlsson, in: Svenskt Biografiskt Lexikon 14, Stockholm 1951, S. 267-82 (L);
    ders., Ett nytt svenskt Bergverk under Erik av Pommern, in: (Sv.) Hist. Tidskrift 76, ebd. 1956, S. 153-62;
    ders., Erik Pomrarens väg till kungavärdighet i Norden, ebd. 77, 1957, S. 42-47;
    H. Koht, Drottning Margareta och Kalmarunionen, Stockholm 1956.

  • Portraits

    Wandteppich d. H. Knieper, um 1583 (Nat.mus. Kopenhagen), Abb. b. H. Goebel, Wandteppiche III, II, 1934, Taf. 186 a;
    Ölgem. um 1650 (Schloß Gripsholm).

  • Autor/in

    Roderich Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Roderich, "Erich I." in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 586 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119446359.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Erich I., Herzog von Pommern, geb. 1382 als einziger Sohn des Herzogs Wartislav VII. von Pommern-Stolp, und der Maria, Tochter des Herzogs|Heinrich III. von Schwerin, des Bruders König Albrechts von Schweden, wurde nach dem am 3. Aug. 1387 erfolgten Tode des Königs Olaf von Dänemark und Norwegen am 6. Febr. 1388 durch die norwegischen Stände für sich und das ganze Haus Pommern als Nachfolger anerkannt. Im Juni desselben Jahres brachte ihn sein Vater nach Dänemark, wo es den Bemühungen der Königin Margaretha, Erichs Großtante von Mutterseite her, gelang, daß ihm zunächst in Dänemark, und am 11. Juni 1396 auch in Schweden gehuldigt wurde. Am 13. Juli 1397 wurde durch den Vertrag zu Calmar die Union der drei nordischen Reiche unter König E. vollzogen. Seine Haupthätigkeit gehört denn auch Skandinavien an, wo er, nach Margarethens 1412 erfolgtem Tode allein König, den größten Theil seiner langen Regierung einer fruchtlosen Bemühung, seinem Hause die Thronfolge zu sichern, sowie einem vergeblichen Kriege mit dem Herzogthum Schleswig um das Belehnungsrecht opferte. Auch mit der Hansa gerieth er 1425 wegen Schmälerung ihrer Zollfreiheit in eine hartnäckige Fehde, die erst 1437 beigelegt wurde. Nachdem er durch die Bevorzugung seiner Verwandten und Landsleute bei seinen Unterthanen in hohem Grade unbeliebt geworden war, brach 1434 zunächst in Schweden der offene Aufstand gegen ihn los, dem er durch ein 1436 in Pommern persönlich gesammeltes Heer vergeblich zu steuern suchte. 1439 wurde ihm in allen drei Reichen der Gehorsam aufgekündigt, er verließ das Land und hielt sich demnächst auf der Insel Gothland auf, seinen bisherigen Unterthanen von dort aus vielfach Unruhe bereitend. — In Pommern gelangte E. durch den nach dem 2. Nov. 1394 erfolgten Tod seines Vaters zur Regierung, die sein Oheim, Herzog Bogislav VIII., zunächst als Vormund, dann als sein Stellvertreter führte, und der als solcher 1402 mit seinem Bruder Herzog Barnim V. unter Vorbehalt der Genehmigung durch E. einen Vertrag schloß, wonach Barnim die Lande Stolp, Schlawe und Neu-Stettin, Bogislav und König E. aber Rügenwalde, Belgard, Stargard, Greifenberg und Treptow erhalten sollten. Als Bogislavs Sohn, Herzog Bogislav IX., im December 1446 ohne männliche Erben starb, erbte E. alle Länder jenseit der Swine und kehrte 1449 mit seinen aus Schweden mitgenommenen Schätzen in sein von all dem ausgedehnten Besitz als einzige Zuflucht ihm gebliebenes Erbland zurück, wo er seinen Sitz in Rügenwalde nahm. Händel der Städte mit ihm und untereinander und ein Streit mit seinem Verwandten, Herzog Erich II., um die Herrschaft Massow beunruhigten ihn bis an seinen Tod, der vor dem 16. Juni 1459 erfolgte. — Den Wissenschaften scheint E. nicht abhold gewesen zu sein, sein sittliches Leben aber ist nicht ohne Flecken. Dennoch war seine Gemahlin Philippa, Tochter König Heinrichs IV. von England, die ihm am 26. Oct. 1410 vermählt war und mit der er in kinderloser Ehe lebte, ihm treu ergeben; durch Milde wie durch Verstand und Muth ausgezeichnet, erwarb sie sich überall ein geliebtes Andenken, führte auch während Erichs kurzer Wallfahrt nach Jerusalem vom October 1423 bis Februar 1424 die Regierung und rüstete während des Kriegs mit der Hansa aus den reichen Mitteln ihres Brautschatzes eine Flotte aus, die indeß am 8. Mai 1429 bei Stralsund eine völlige Niederlage erlitt. Philippa starb, von Kummer gebeugt, am 5. (6.) Januar 1430 im Kloster Wadstena. Der liber beneficiorum des Karthäuserklosters Marienthron bei Rügenwalde nennt (Nr. 1627 und 1704) zwar noch eine zweite „Gemahlin“ Erichs, die „Königin“ Cäcilia, unter Angabe des Jahres 1449, dieselbe war aber nur seine Buhlerin, eine Dienerin seiner verstorbenen Gemahlin, die er von Schweden mit nach Rügenwalde brachte.

  • Autor/in

    v. Bülow.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bülow, von, "Erich I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 206-207 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119446359.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA