Lebensdaten
1828 bis 1910
Geburtsort
Mittweida (Sachsen)
Sterbeort
Dresden-Klotzsche
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119350920 | OGND | VIAF

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Zitierweise

Schilling, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd119350920.html [27.06.2017].

CC0

Schilling, Johannes

Bildhauer, * 23.6.1828 Mittweida (Sachsen), 23.3.1910 Dresden-Klotzsche, Dresden, später Meißen-Zscheila, Schillingsches Familienbegräbnis in der Gruft der Kirche. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Julius (1791–1878), Prokurist d. Großhandelsfa. Gottlob u. Traugott Dietze in M., seit 1829 kaufm. Dir. d. 1828 gegründeten Gasanstalt in D., 1843 1. Buchhalter, später Dir. d. neu gegründeten Landständ. Bank in Bautzen, S d. Friedrich Gustav (Ps. Zebedäus Kuckuck) (1766–1839), sächs. Hptm. d. Artillerie, später Schriftst. u. Publizist (s. NND 17; ADB 31), u. d. Johanna Neubert geb. Streubel (1765–1848); M Anna (1803–1875), T d. D. Friedrich Praße, Jurist, RA in D.; 4 ältere Geschw (3 früh †); – 1) Dresden 1857 Louise Isidora (1832–80), T d. Ernst Sigismund Arnold (1792–1840), Kunsthändler. Verleger in D., u. d. Cora Kaden, 2) 1888 Natalie, T d. Moritz Immanuel Neubert, Kaufm., u. d. Hedwig Metzler; 1 S aus 1) Georg Rudolf (1859–1933, Elfriede Hantzsch, * 1862), Architekt, Baurat in D., Mitinh. d. Baufa. „Schilling St Graebner“ (s. Stadtlex. Dresden), 3 T aus 1) Katharina Susanne (1858–1904, Arthur Hantzsch, 1857–1935, Prof. u. Dir. d. Chem. Inst. d. Univ. Leipzig, s. NDB VII), Anna Sophie (* 1862), Clara Elisabeth (1864–1913, Erwin Papperitz, 1857–1938, o. Prof. d. Math, an d. Bergak. Freiberg, Sachsen, Geh. Bergrat, Erfinder d. kinodiagraph. Projektionsapparats, Rektor, s. Pogg. IV-VII a; NDB 20*; W), Modell f. S.s „Germania“, 1 S aus 2) Heinrich (Heinar) (1894–1955), Schriftst., Verlagsgründer in D. (s. L), 1 T aus 2) (früh †).

  • Leben

    In einem bürgerlichen, künstlerisch und wissenschaftlich gebildeten Elternhaus wuchs S. seit 1829 in Dresden auf. 1834 kam er in die Böttchersche Privatschule am Altmarkt und bereits mit 14 Jahren an die Kgl. Kunstakademie, wo er in Zeichnen und Kompositionslehre durch Carl Gottlob Peschel (1798–1879) unterrichtet wurde. 1846-50 erlernte er die Bildhauerkunst bei Ernst Rietschel (1804–61). Danach setzte er 1851-52 seine Studien in Berlin fort, zunächst im Aktzeichnen bei Christian Daniel Rauch (1777–1857), seit Ende 1851 bei Johann Friedrich Drake (1805–82). Im Sommer 1851 besuchte er das Thorvaldsen-Museum in Kopenhagen, 1852 kehrte er nach Dresden zurück, wo er 1853 als Schüler und Gehilfe in das Atelier von Ernst Julius Hähnel (1811–91) eintrat. 1854 beeendigte er das Studium bei Hähnel und reiste nach Rom; 1855 erhielt er das Rom-Stipendium der Dresdner Akademie. Im Jahr darauf kehrte er nach Dresden zurück und gründete hier ein eigenes Atelier.

    Nach ersten Arbeiten für Gottfried Sempers Bauten (Relieffries „Die dt. u. d. niederländ. Kunst“, 1857, im Vestibül d. Sempergal.) konnte S. 1861 die Konkurrenz um die Ausschmückung der Treppenanlage zur Brühlschen Terrasse in Dresden für sich entscheiden. Anfang Sept. 1868 erfolgte die Aufstellung der Sandsteingruppen „Nacht“ und „Abend“, 1871 der Gruppen „Morgen“ und „Tag“ (1908 unter seiner Aufsicht durch Bronzegüsse ersetzt; die Sandsteinoriginale nach Chemnitz, Theaterplatz, heute an d. Schloßteichanlagen). Mit den „Tageszeiten“, die aus der Beschäftigung mit Antike und Renaissance, den Werken Schadows und Thorvaldsens, aber auch mit den Schriften Goethes und der Romantiker hervorgegangen waren, gelang S. der Durchbruch zur Spitze der zeitgenössischen dt. Bildhauer.

    Seine zahlreichen Denkmäler, u. a. für den Bildhauer Ernst Rietschel auf der Brühlschen Terrasse (1868–76), für Maximilian Ferdinand Kaiser von Mexiko in Triest (1870–75) und Friedrich Schiller in Wien (1870–76), führten in einer Zeit des ausufernden Neo-Barocks die realistischen Traditionen der Rauch-Rietschel-Schule fort. Für das 1871 als „rhein. Erinnerungsdenkmal“, dann als „nationales Denkmal“ geplante Monument auf dem Niederwald oberhalb von Rüdesheim wurde 1874 S.s Entwurf einer „Germania“ angenommen (Architekt: Karl Weißbach). Auf hohem Sockel stehend, sollte sie nach S.s Worten „das dt. Vaterland überschauen“. Nachdrücklich widersetzteer sich dabei allen Plänen, die Statue (eingeweiht 1883) Richtung Frankreich zu drehen.

    In engem Zusammenwirken mit Semper entstand für dessen Zweites Hoftheater in Dresden 1871-77 die bekrönende Pantherquadriga. Der Theaterplatz mit dem Reiterstandbild für Kg. Johann von Sachsen (1882–89) zählt neben der Brühlschen Terrasse mit ihren Denkmälern zu den bedeutendsten Leistungen der europ. Stadtbaukunst des 19. Jh.

    Stets in harmonischer Beziehung zum städtebaulichen Umfeld, vereinen die Denkmäler S.s Temperament und Frische in der Erfindung mit schönfließender Umrißlinie und noblem Aufbau. Der Präzision im Handwerklichen entsprechen exakte Haltung und Gestik, die Porträts erscheinen geschliffen und zugleich empfindsam beseelt. Von der außerordentlichen Bewunderung, die diese Werke durch die Zeitgenossen erfuhren, zeugt nicht zuletzt eine Fülle von Preisen und Ehrungen.

    S. war seit 1868 Professor an der Kgl. Kunstakademie zu Dresden und bildete während|seiner 40jährigen Lehrtätigkeit mehr als 50 Bildhauer aus. Sein Atelier in Dresden zählte zu den modernsten in Deutschland; die hier vermittelten künstlerischen Prinzipien beeinflußten die weitere Entwicklung nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, in Rußland, England und Amerika. So war einer der erfolgreichsten Schüler S.s, Jakob Otto Schweizer (1863–1955), als vielbeschäftigter Bildhauer in (Philadelphia) USA tätig, S.s engl. SchülerGeorge Simonds (1843–1929) empfahl eine Übertragung die Lehrmethodik S.s für die akademische Ausbildung in England.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. kgl. Kunstak., Dresden (1864), d. kgl. Kunstak., München (1867) u. d. Acc. di San Luca, Rom (1896); wirkl. Mitgl. d. k. u. k. Kunstak., Wien (1868); o. Mitgl. d. kgl. Ak. d. Künste, Berlin (1869); bayer. Maximiliansorden f. Kunst u. Wiss. (1874); Ehrenbürger d. Städte Mittweida (1877) u. Dresden (1883); Dr. phil. h. c. (Leipzig 1878); Orden Pour le mérite f. Wiss. u. Kunst (1882); preuß. Kronenorden II. Kl. (1883); ghzgl. sächs. Komturkreuz d. Hausordens d. Wachsamkeit (1883); Komturkreuz II. Kl. d. kgl. sächs. Verdienstordens (1889); Gr. goldene Medaille auf d. Gr. Akad. Kunstausst., Berlin (1892); kgl. sächs. GHR (1894) u. Geh. Rat (1898); preuß. Roter Adler-Orden II. Kl. (1903).

  • Werke

    Weitere W insgesamt ca. 280 Bildwerke, v. a. Denkmalanlagen, Denkmalplastik, Giebelfelder, Bauplastik, Porträts, Grabdenkmäler, Medaillen in Dtld., Österr., Italien u. Frankreich, u. a. „Die Stadt Speyer“, allegor. Städtefigur f. Rietschels Reformationsdenkmal in Worms, 1867; Denkmäler f. Gottfried Semper, 1891/92 (Dresden, Brühlsche Terrasse), f. Ks. Wilhelm I., 1888-94 (Wiesbaden), 1890-94 (Dortmund), f. Fürst Bismarck, 1899-1901 (Gotha, nicht mehr vorhanden) u. f. d. sächs. Kg. Albert, 1900-03 (Crimmitschau, zerstört); Denkmalsanlage f. Ks. Wilhelm I., 1897-1903 (Hamburg); – Ein Konvolut v. 1087 Zeichnungen kam 1996 durch H. H. Frhr. Schilling v. Cannstatt als Dauerleihgabe an d. Kupf.-Kab. Dresden, e. Slg. v. S.s Werken mit Dauerleihgaben d. Fam.verbandes im Stadtmus. Mittweida; das ehem. Dresdner Schilling-Mus. im 2. Weltkrieg zerstört; – Schrr.: Erklärung des Kg.-Johann-Denkmals, in: Das Landesdenkmal zu Ehren d. Kg. Johann v. Sachsen, errichtet in Dresden 1889, 1889; Erklärung d. Aufstellung der in meiner Modellslg. enthaltenen Bildwerke, 1889; Das Schilling-Mus. zu Dresden. Kat. Dresden 1889, 21898 (mit E. Papperitz); Beschreibung d. Verfahrens b. d. Aufbau d. Gußmodelle d. Germania auf d. Niederwald, 1882, u. in: Der Civiling., N. F. XXVIII, 1892, S. 563 f. u. Tafeln XVIII-XX; Das Hamburger Ks.-Wilhelm-Denk-mal, 1903; Künstler. Sehstudien, 1906; Die Gebiete d. Künste, Krit. Betrachtungen, 1909 (unveröff.); -Krit. W-Verz. v. B. Stephan (s. L).

  • Literatur

    Th. Nipperdey, Nat.idee u. Nat.denkmal in Dtld. im 19. Jh., in: HZ 206, 1968, S. 529-85; H.-E. Mittig u. V. Plagemann (Hg.), Denkmäler im 19. Jh., 1972; L. Tittel, Das Niederwalddenkmal, 1871–1883, 1979; W. Hardtwig, Gesch.kultur u. Wiss., 1990; ders., Der bezweifelte Patriotismus, in: Orte d. Erinnerung, hg. v. U. Borsdorf u. H. Th. Grütter, 1999, S. 169-88; Marianne u. Germania: 1789-1889, Ausst.kat. Berlin 1996; B. Stephan, Sächs. Bildhauerkunst – J. S., Werkverz. (biogr. Abriß mit Mitgl.schaften u. Auszeichnungen, Qu, L), 1996; Mittweidaer Rückblende 2, J. S., Bestandskat. d. Schilling-Slg. Mittweida u. Btrr., Schrr.reihe d. StadtA u. Stadtmus. z. Gesch. d. Stadt Mittweida u. Umgebung, 2003; ThB; Dict. of Art; Hist. Lex. Wien; Stadtlex. Dresden; Augsburger Stadtlex. (L, P); – zu Heinrich: N. Weiß u. J. Wonneberger, Dichter, Denker, Literaten aus sechs Jhh. in Dresden, 1997, S. 165 f.

  • Portraits

    Selbstbildnisse (Zeichnungen) in d. Schillingschen Fam.chronik (Dauerleihgabe Stadtmus. Mittweida).

  • Autor

    Bärbel Stephan
  • Empfohlene Zitierweise

    Stephan, Bärbel, "Schilling, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 769-770 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119350920.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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