Lebensdaten
1766 bis 1852
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Heidenheim
Beruf/Funktion
Textilfabrikant ; Wirtschaftspolitiker
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 137126905 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hartmann, Karl Ludwig Friedrich von
  • Hartmann, Ludwig von
  • Hartmann, Karl Ludwig Friedrich von
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Zitierweise

Hartmann, Ludwig von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137126905.html [19.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (s. 3);
    B August (s. 1), Ferdinand (s. 2);
    - Stuttgart 1796 Christiane Dor. (1777–1857), T d. Joh. Gg. Frdr. Heyd (1748–1834), Prof. d. Rechte a. d. Hohen Karlsschule in St., u. d. Christiane Marie Reuß;
    11 S, 3 T (4 K früh †), u. a. Ludwig (1797–1884), Kaufm. in St., Karl (1799–1865), Fabr. in H., Paul (1812–84), Fabr. in H., Eduard (1816–94), Fabr. in Herbrechtingen, August (1817–63), Fabr. in H.;
    Ur-E Richard (1881–1965), Prof. d. Orientalistik (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1961).

  • Leben

    Nach Gymnasialunterricht und vorbereitendem Privatunterricht in Stuttgart trat H. 1783 eine Lehrstelle bei einem Kaufmann in Amsterdam an. 1791 folgte er einem Anerbieten, Geschäftsführer der Zitzfabrik Meebold, Schüle & Comp. in Sulz am Neckar zu werden. Dank seiner Tatkraft brachte er den Betrieb in Sulz und einen Filialbetrieb in Heidenheim zu neuem Flor. 1796 konnte er den Anteil eines ausscheidenden Teilhabers übernehmen – da er kein Kapital besaß, gegen ratenweise Erstattung des Gegenwerts – und heiraten. Schon 1791 hatte ihn Herzog Karl Eugen von Württemberg bei einem Aufenthalt in Amsterdam kennen und schätzen|gelernt, so daß dieser ihn für seine Rückkehr und seine industriellen Erfolge 1801 zum Kommerzienrat ernannte. Der kraftverzehrende Doppelbetrieb zwang ihn jedoch zur Auflösung des Sulzer Betriebs. 1802 siedelte H. nach Heidenheim über. Neben dem Betrieb der Kompagnie erwarb er dort 1811 eine Bleicherei. Für die Kompagnie selbst gründete er 1812 neben der Kattunfabrik eine Spinnerei und wurde damit vorbildlich für den maschinellen und den Großbetrieb in der Baumwoll-Industrie des Landes. 1817 wurde H. alleiniger Inhaber aller 3 Betriebe. Stets auf Fühlung mit allen geschäftlichen Veränderungen und Neuerungen und auf Verfolgung der Ein- und Verkaufsmärkte bedacht, hat H. zwischen 1809 und 1815 große Geschäftsreisen nach Wien und Paris gemacht und insbesondere die Frankfurter Messe 30 Jahre lang alljährlich besucht. So war H. auch 1819 in Frankfurt mit Friedrich List, damals Professor in Tübingen, zusammengekommen. Lists Petition an den Bundestag unterschrieb er an 2. Stelle, gleich nach dem Vorstand des von List gleichzeitig gebildeten Deutschen Handels- und Gewerbevereins, und hat sich dem Verein als Korrespondent für Württemberg zur Verfügung gestellt. Er votierte mit für Lists Bestellung zum Konsulenten des Vereins, und als dann eine Delegation desselben auf Lists Betreiben die deutschen Höfe bereiste und im Juli 1819 nach Stuttgart kam, war H. neben dem Vereinsvorstand, Johann Jakob Schnell aus Nürnberg, und Ernst Weber aus Gera das örtlich wichtigste Mitglied, dem es hauptsächlich zu verdanken war, daß die Abordnung vom König und den Ministern Hoffnung erweckende Zusicherungen erhielt. Der Verein blieb bekanntlich nur eine Episode trotz seiner nachhaltigen Bedeutung. Seinen im Sinne Lists auf politische Maßnahmen zur Weckung und Stützung des Unternehmergeistes in Deutschland zielenden Bestrebungen blieb H. auch weiterhin treu. So war er Ausschußmitglied der 1830 gegründeten Gesellschaft zur Beförderung der Gewerbe bis zu ihrer Auflösung 1848. 1826-30 saß H. für Heidenheim in der württembergischen Abgeordnetenkammer, wo er sich besonders für die deutsche Zolleinigung, zunächst für die damals von ihm dringend verlangte wenigstens zwischen Bayern und Württemberg, wie sie dann 1828 zustandekam, einsetzte. König Wilhelm zog ihn auch gelegentlich zu diplomatischen Missionen heran. – Das älteste seiner Unternehmen, die Kattunfabrik, hat H. 1822 wieder verkauft, veranlaßt durch gesundheitliche Störungen. Nach seiner Wiederherstellung richtete er im nahen Herbrechtingen in ehemaligen Klostergebäuden eine zweite Baumwollspinnerei ein (1829). 1831 liefen dort 2880 Spindeln, die 600 Zentner Baumwolle zu feinem Garn verspannen, und in Heidenheim 2688 Spindeln, die jährlich 1200 Zentner Baumwolle zu gröberen Garnen verarbeiteten. 1843 übergab H. alle seine Unternehmen an seine Söhne Karl, Paul und Eduard, die schon bisher in der Geschäftsführung tätig waren. Die Söhne führten die Betriebe unter der Firma L. Hartmanns Söhne bis 1877 gemeinschaftlich weiter. Dann ging die Bleicherei als selbständiges Unternehmen „Bleicherei und Appreturanstalt Heidenheim“ an Karls Söhne über, 1881 auch die Spinnerei Herbrechtingen als Firma L. Hartmanns Söhne an Eduard H. und später an dessen Söhne. Paul Hartmann hatte zu der Spinnerei 1867 noch eine Bleiche, die sogenannte Schneckenbleiche, hinzuerworben und führte nach dem Ausscheiden der Brüder diese zusammen mit der Baumwollspinnerei in Heidenheim unter der Firma Paul Hartmann weiter. Es ist die heutige Firma „Verbandstoffabriken Paul Hartmann AG“ in Heidenheim.

  • Literatur

    F. C. Huber. Festschr. z. Feier d. 50j. Bestehens d. württ. Handelskammern 2, 1910;
    E. Gaus, K. L. F. v. H., in: Der Heydekopf, Beil. z. Heidenheimer Grenzboten 2, 1925, S. 81 ff.;
    P. Gehring Acht württ. Gefolgsleute Fr. Lists Frankfurt 1819, in: Berr. z. dt. Landeskunde 31, 1963, S. 317-38;
    s. a. L z. Gesamtfam.

  • Literatur

    z. Gesamtfam.: ADB X;
    Hartmannsbuch, 1878;
    dass., 1898 (P);
    B. Gerlach, Die literar. Bedeutung d. Hartmann-Reinbeckschen Hauses in Stuttgart 1779-1849, Diss. Münster 1910;
    Dt.GB 75.

  • Autor/in

    Paul Gehring
  • Empfohlene Zitierweise

    Gehring, Paul, "Hartmann, Ludwig von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 734 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137126905.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA