Lebensdaten
1694 - 1774
Geburtsort
Johnsdorf bei Römerstadt (Mähren)
Sterbeort
Olmütz
Beruf/Funktion
Freskomaler ; Künstler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119534053 | OGND | VIAF: 27883651
Namensvarianten
  • Hanke, Johann Christoph
  • Handke, Johann Christoph
  • Hanke, Johann Christoph
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Zitierweise

Handke, Johann Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119534053.html [03.08.2021].

CC0

  • Genealogie

    1724 N. N., Wwe d. Ferd. Naboth ( 1715), Figurenmaler in O. (s. ThB).

  • Leben

    H. begann 1708 als Malerlehrling bei Johann Daniel Langer in Freudenthal, ging 1713 als Gehilfe zu Christian David in Mährisch Trübau und 1715 zu Ferdinand Naboth in Olmütz, erwarb dort 1722 das Bürgerrecht und wurde 1723 in die Malerzunft aufgenommen. Durch seine Heirat wurde er 1724 endgültig in Olmütz seßhaft.

    Die Bedeutung H.s liegt auf dem Gebiet der Freskomalerei, sind von ihm doch 80 Fresken, beziehungsweise 22 Freskenzyklen zwischen 1715 und 1755 nachweisbar. Stilgeschichtlich entspricht sein durchaus barockes Kompositionsschema und seine weiche und breitflächige Malweise den dekorativen Vorstellungen der großen deutschen Freskanten der 90er Jahre des 17. Jahrhunderts. Selbst in seinen späten Werken hat er nicht auf die kraftvoll barocke Fülle zugunsten geistreich zierlicherer Formvorstellungen des Rokoko verzichtet. Seine außergewöhnliche Arbeitsleistung hat in seiner Selbstbiographie einen zeitgeschichtlich aufschlußreichen Niederschlag gefunden, in der er Fragen der Thematik und Praxis der Freskomalerei neben dem interessanten Problem des Verhältnisses des Malers zum Auftraggeber angeschnitten, aber auch wirtschaftliche und Honorierungsfragen nicht außer acht gelassen hat. Die große Zahl der von H. geschaffenen Freskenzyklen macht es begreiflich, daß längst nicht alle Malereien seiner Hand erhalten geblieben sind. Viele Wände und Gewölbe wie die im Stift Sternberg in Mähren mit H.s Malereien von 1728 und in der Liebfrauenkirche in Olmütz mit denen von 1742 sind zerstört.

    Am Beginn seiner Tätigkeit steht die Fertigstellung der von Naboth begonnenen Ausmalung der Linden-Kirche bei Römerstadt 1715. Es folgen in Olmütz zwischen 1717 und 1726 die Aula des Jesuitenkollegs (später als Kaserne benutzt), Fresken auf der Burg, im Rathaus, die heilige Stiege der Franziskanerkirche, Fresken in der Bibliothek der Universität, in der Paulinerkapelle der Jesuitenspäteren Garnisonkirche und in der Corpus-Christikapelle im kaiserlichen Ferdinandischen Konvikt. War H. im ersten Jahrzehnt seiner Tätigkeit hauptsächlich in Olmütz beschäftigt, weitete sich seit 1728 sein Wirkungskreis immer weiter aus und erreichte mit der 1730 erfolgten Ausmalung der Jesuitenkirche in Königgrätz und der 1732 ausgeführten Ausmalung der Aula Leopoldina und des Oratoriums Marianum im Jesuitenkolleg (später Universität) in Breslau ihren künstlerischen Höhepunkt. Es dominiert ein relativ schweres Kolorit, vom leuchtenden Blau unterbrochen und von Brauntönen in Ocker und Rosenrot aufgehellt, dazu aus einem Gefühl für gedrängte farbige Fülle heraus wirkungsvoll abgestimmt. Die Thematik bezieht sich bei H. ebenso auf zeitbezogene Stiftungsvorgänge, Herrscherapotheosen wie auf religiöse Stoffkreise, etwa das Marienleben, oder auf die Personifizierungen der Wissenschaften und Künste unter dem Schutz Mariens. Gerade die Ausmalung der beiden Festsäle der Breslauer Universität bietet ein vorzügliches Beispiel für H.s Fähigkeit, in der Aula die religiösen Themenkreise mit weltlichen Bezügen zum Haus Habsburg und zum Land Schlesien zu verschmelzen oder die musikalische Bestimmung eines Oratorienraumes durch ein gemaltes Engelorchester zu verdeutlichen. In den folgenden Jahren arbeitete H. in Schlesien (Refektorium des Jesuitenkollegs in Glogau, 1733 [zerstört]) wie auch in Olmütz, Stift Hradisch, Groß Ullersdorf (Kapelle im Schloß des Grafen Zierotin, 1742), in Sternberg (Dreifaltigkeitskirche, 1743). In Olmütz sind die Verluste besonders groß und schmerzlich; denn mit dem 1839 erfolgten Abbruch der Liebfrauenkirche ist der umfangreichste Freskenzyklus aus H.s Spätzeit (1742) vernichtet worden. Er enthielt als Thema die Versinnlichung des Gebetes Salve Regina, Szenen aus der Geschichte des Alten Bundes sowie Darstellungen der Wunder und Leiden Jesu. Mit der 1755 vervollständigten Ausmalung der Dreifaltigkeitskirche in Sternberg schließt H.s Freskowerk ab.

    Wenn auch kunstgeschichtlich weniger bedeutend, sind auch die Werke der Ölmalerei der Zahl nach sehr umfangreich. Hierbei handelt es sich vorwiegend um Ölbilder von Kaisern, Päpsten, Bischöfen (Aula des Gymnasiums in Olmütz), Altar- und Heiligenbilder (Kirchen in Olmütz, Gieben, Hradisch, Namischt, Holleschau, Nikolsburg, Freudenthal, Wayschowitz, Gröbnig und viele andere meist mährische Kirchen) oder um den Bilderschmuck ganzer Zimmer.

  • Werke

    Weitere W u. a. Fresken: Jesuitenrefektorium Troppau, 1728;
    Zimmer im Neubau d. Prämonstratenser-Stiftes Hradisch, 1728;
    Winterrefektorium im Stift Sternberg, 1728;
    Kirche in Krönau, 1729;
    Marienkapelle im Minoritenkloster Mährisch-Neustadt, 1730. - Ölgem. (Bilderschmuck ganzer Zimmer):
    Univ. Breslau, 1732;
    Refektorium d. Stiftes auf d. Hl. Berg b. Olmütz, 1733;
    Stift Hradisch, 1737-39;
    Dekanatssaal d. Stiftes Sternberg, 1745. -
    J. Ch. H.s Selbstbiogr., hrsg. v. R. Foerster, 1911 (P).

  • Literatur

    J. P. Cerroni, Skizze e. Gesch. d. bild. Künste in Mähren 1807, in: Mitt. d. Zentral-Comm. f. Denkmalpflege NF 15, 16, 1889, 22-24, 26, 1919;
    H. Tintelnot, Die barocke Freskomalerei in Dtld.,|1951;
    Wurzbach VIII (unter Hanke);
    ThB (L).

  • Portraits

    Selbstbildnis (Mann mit Schlapphut) auf e. Fresko d. Linden-Kirche b. Römerstadt, Abb. in Selbstbiogr., s. W.

  • Autor/in

    Günther Grundmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Grundmann, Günther, "Handke, Johann Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 606-608 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119534053.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA