Lebensdaten
1860 bis 1945
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Weidling bei Klosterneuburg
Beruf/Funktion
Chemiker ; Fabrikdirektor
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 136838294 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haitinger, Ludwig Camillo
  • Haitinger, Ludwig
  • Haitinger, Ludwig Camillo

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Zitierweise

Haitinger, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136838294.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Ludw. (1826–1904), Arzt, S d. Joh. Michael (1781–1846) u. d. Anna Maria Feßler;
    M Anna (* 1836), T d. Häuslers Joh. Wenzl in Podersam/Böhmen u. d. Johanna Siegl;
    B Max (s. 2); - ledig.

  • Leben

    H. kam 15jährig zur Ausbildung in das II. Chemische Laboratorium der Universität Wien, veröffentlichte bereits 1878 eine Arbeit, „Über Nitrobutylen“, holte 1879 die Reifeprüfung nach und wurde 1880 Privatassistent von A. Lieben. In dieser Zeit entstand unter anderem eine vielbeachtete Mitteilungsreihe über die Chelidonsäure, die wichtige Erkenntnisse für die Chemie der heterozyclischen Verbindungen lieferte. Die Freundschaft mit C. Auer von Welsbach, den er 1882 im Liebenschen Laboratorium kennenlernte, wurde für H. entscheidend. Für Auers Erfindung des Gasglühstrumpfes begeistert, beteiligte er sich an Imprägnierungsversuchen, damals noch mit Zirkon- und Lanthansalzen.|1886 trat er als Mitarbeiter in die neugegründete Welsbach-Williams-Gesellschaft ein, die in Wien-Atzgersdorf ein Werk einrichtete. Bis auf eine Unterbrechung, die durch Absatzmangel eines noch unvollkommenen Erzeugnisses hervorgerufen worden war, blieb H. bis 1907 bei Auer tätig, in den letzten Jahren als Direktor der Österreichischen Gasglühlicht- und Elektrizitätsgesellschaft in Wien.

    Zu den Forderungen des technischen Betriebes gehörten schwierige Erzaufschließungen und Verarbeitungsverfahren (Zirkonerze, Monazitsand) wie auch Auslandsverhandlungen (Schweden, Norwegen) wegen Erzbeschaffung und 1888 Mitwirkung am Aufbau einer Glühkörperfabrik in Philadelphia (USA). H.s Hauptinteresse aber galt der Chemie der seltenen Erden. In der Erkenntnis, daß die Helligkeit des vom Glühstrumpf ausgestrahlten Lichtes in hohem Maße vom Gehalt an Zusätzen und Verunreinigungen abhänge, bemühte er sich um Präparate von höchster Reinheit. Schon 1886 erkannte er das Ceroxyd als günstig wirkenden Zusatz. Die Zeit der Werkstillegung (1889–92) nutzte er, wieder im Liebenschen Institut, ebenfalls für dieses Gebiet, unter anderem zur Aufnahme von Emissionsspektren des Praseodym und Neodym. Zudem gewann er durch einen literarischen Auftrag (Handbuchbeiträge) einen umfassenden Überblick über die Gegenwartsliteratur der Leuchterscheinungen. So konnte er durch seine auf theoretische Kenntnisse und experimentelle Erfahrung gegründeten Ratschläge wichtige Beihilfe zu Auers Erfindung des Gasglühstrumpfes leisten, der in der ganzen Welt Verbreitung fand.

    1907 zog sich H. auf seinen Privatbesitz in Weidling zurück. Er blieb in stetem Kontakt mit Auer. H. hat bedeutende wissenschaftliche Unternehmen gefördert (unter anderem die Arbeiten von F. Exner und E. Haschek, von J. M. Eder und E. Valenta, Aufnahmen von Spektren). Er stiftete 1904 den Haitinger-Preis (Andenken an seinen Vater) bei der Akademie der Wissenschaften.

  • Werke

    W u. a. Unterss. üb. Chelidonsäure, I.-III. Mitt., in: SB d. k. Ak. d. Wiss. Wien 87, 2. Abt., 1883, 90, 2. Abt., 1884, 91, 2. Abt., 1885 (alle mit A. Lieben);
    Ber. üb. d. Verarbeitung v. Uranpecherzrückständen, ebd. 117, II a, 1908 (mit K. Ulrich);
    Über Radium u. Mesothor aus Monazitsand, ebd. 120, II a, 1911 (mit K. Peters u. St. Meyer);
    Über d. Emissionsspektra d. Neodym- u. Praseodymoxydes u. üb. neodymhaltige Leuchtsteine, in: Mhh. f. Chemie 12, 1891;
    Dr. C. Auer v. Welsbach †, in: Österr. Chemiker-Ztg. 32, 1929;
    Zur Gesch. d. Gasglühlichtes, ebd. 33, 1930. - Mitarbeiter: O. Dammer, Hdb. d. anorgan. Chemie, 1892-1907.

  • Literatur

    Haitinger-Feier in d. Chem.-physikal. Ges., in: Österr. Chemiker-Ztg. 33, 1930, S. 179-82;
    A. Lederer, ebd., S. 205 f.;
    J. D' Ans, Erinnerungen an L. H., in: Bll. f. Technikgesch. 22, 1960, S. 119-29 (W, P);
    ÖBL;
    Pogg. VI-VII a.

  • Autor/in

    Grete Ronge
  • Empfohlene Zitierweise

    Ronge, Grete, "Haitinger, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 526 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136838294.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA