Lebensdaten
1761 bis 1817
Geburtsort
Kreibitz bei Rumburg (Böhmen)
Sterbeort
Cochabamba (Bolivien)
Beruf/Funktion
Botaniker ; Naturforscher ; Forschungsreisender
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118700243 | OGND | VIAF: 41889609
Namensvarianten
  • Haenke, Thaddaeus
  • Haenke, Thaddäus
  • Haenke, Thaddaeus
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Haenke, Thaddäus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118700243.html [22.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus alteingesessenen dt. Bauernfam.;
    V Elias Gg. Thomas (1724–96), Landwirt u. Stadtrichter;
    M Anna Rosalia Eschler; ledig.

  • Leben

    H. besuchte das Altstädter Gymnasium und ab 1780 die Karls-Universität in Prag. Hier förderte ihn besonders J. G. Mikan. 1786-89 setzte er seine Studien in Wien bei dem Botaniker N. J. von Jacquin, dem Mineralogen I. von Born und dem Arzt Maximilian Stoll fort. Mit Unterstützung seiner Lehrer unternahm er zahlreiche botanische Reisen und lernte die Flora Böhmens, vom Riesengebirge bis zum Böhmerwald, und die der Ostalpen kennen. Die gesammelten Pflanzen bearbeitete er in Aufsätzen, so in dem reichhaltigen Pflanzenkatalog „Die botanischen Beobachtungen auf der Reise nach dem böhmischen Riesengebirge“ (in: Beobachtungen auf Reisen nach dem Riesengebirge, Dresden 1791), im „Blumenkalender für Böhmen im Jahre 1786“ (in: Abhandlungen der Böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, 1787, 3. Teile), einem frühen Beitrag zur Phänologie, und in den „Observationes Botanicae in Bohemia, Austria, Styria, Carinthia, Tyroli, Hungaria facta“ (in: Jacquins „Collectanea ab botanicam, chemiam et historiam naturalem Vindobonae“ II, 1788). Durch seine floristischen Arbeiten in Prag und Wien erwarb sich H. Verdienste für die Erschließung der deutschen Flora. Um die gleiche Zeit beschäftigte ihn die Neubearbeitung von Linnés „Genera Plantarum“, die 1791 erschien. 1789 trat H. eine Reise in die Südsee an. Als „físico-botánico comisionado por Su Magestad Catolica“ hatte ihn die spanische Regierung zur Expedition (1789–94), die unter Führung von Kapitän Alessandro Malaspina stand, zugezogen. Da er erst einige Stunden nach Ausfahrt der Schiffe „Descubierta“ und „Atrevida“ im Hafen von Cadiz eintraf, wurde er dem Geschwader auf einem Handelsschiff nachgesandt. Dieses Schiff kenterte in der Bucht von Montevideo, und H. begab sich nun auf dem Landwege, über Buenos Aires quer durch Argentinien und die Anden, nach Santiago de Chile, wo er die Gefährten der Expedition antraf. Von der Reise über die Pampas brachte er der argentinischen Botanik die erste größere Pflanzensammlung aus dem Landesinnern ein.

    Die Reise führte von Valparaiso aus längs der Westküste Amerikas bis nach Alaska, über den Pazifik, vorüber an den Marianen, den Philippinen, der Ostküste Australiens und dem Tonga-Archipel zurück nach Callao. Während der vierjährigen Fahrt kam H. unter anderem ins Quellgebiet des Marañon und botanisierte am oberen Huallaga. Er durchforschte systematisch die Flora Kaliforniens, untersuchte die seltsame und bemerkenswerte Vegetation an der Küste Alaskas, stellte eine umfassende Sammlung von Pflanzen der Marianen-Insel Guam zusammen, durchstreifte die Philippinen-Insel Luzon von Manila bis Kap Boreador und botanisierte in der Botany-Bay an Australiens Ostküste. – In Callao erhielt er den Sonderauftrag, von Lima aus Südamerika in Richtung Buenos Aires zu bereisen. Im Oktober 1793 zog er den Rimac aufwärts, über Huancavelica nach Cuzco und von da über Arequipa, wo er den 5800 m hohen Misti bestieg und die Thermen von Yura analysierte, nach La Paz. Bedeutung kommt seinen fortgesetzten Reisen durch Moxos zu, das er als der erste wissenschaftlich vorgebildete Reisende durchforschte. Von La Paz fuhr er über Tipuani, Los Reyes, Loreto nach Santa Cruz, wobei er die meisten Flüsse des Departements Beni erkundete. 1796 ließ er sich in Cochabamba nieder, von wo er sich immer wieder auf längere Reisen begab. – Ab 1796 beschäftigte H. sich vornehmlich mit angewandter Botanik und sammelte und beschrieb Pflanzen, die Bedeutung für die tropische Landwirtschaft, für die Heilmittelgewinnung und die Technik hatten. Er verwies die spanischen Kolonialbeamten auf zahlreiche bisher unbekannte und unbenutzte Naturprodukte und gab in seinen Prüfungsberichten an die Regierung Aufschluß über Produktionsmöglichkeiten wie die Verwendung und den Handel mit den Rohstoffen. Alle Zweige der Landwirtschaft, des Gewerbes, der Industrie – er war zum Beispiel der wissenschaftliche Initiator der Chilesalpeter-Industrie –, des Verkehrs- und Gesundheitswesens hat H. mannigfach gefördert.

    Von H. existieren nur wenige gedruckte, stets kurze, aber inhaltsreiche Arbeiten, die – wenn auch in gedrängter Form – die Ergebnisse 20jähriger Forschungen und Reisen durch die weiten, unberührten Landschaften des mittleren Südamerikas bergen; denn es hatte in H.s Absicht gelegen, seine reichen Forschungsergebnisse erst nach seiner Rückkehr in Europa zu bearbeiten, wozu es allerdings nicht gekommen ist. H. starb während der politischen Wirren, die ihre Ursachen in den Unabhängigkeitskämpfen der Südamerikaner hatten, plötzlich und unter rätselhaften Umständen. Seine Grabstätte blieb bis heute unbekannt. Er erscheint uns heute als vorbildlicher Naturforscher und als der bedeutendste Landeskundler in Südamerika um 1800.

  • Werke

    Weitere W u. a. einige Aufsätze in: Telégrafo Mercantil, Buenos Aires 1801 f.;
    Descripción geográfica, física e histórica de las Montañas habitadas por la nación de los Indios Yuracarées [1796], La Paz 1898;
    Memorandum sobre los Rios navegables que fluyen al Marañon [1799], ebd. 1900;
    Introducción a la Historia Natural de la Provincia de Cochabamba [1798], Buenos Aires 1900.

  • Literatur

    ADB X;
    C. v. Sternberg, Reliquiae Haenkeanae …, 1825/30, 1831/35;
    M. V. Ballivian u. P. Kramer, T. H. …, La Paz 1898;
    P. Groussac, Noticia de vida y trabajos científicos de T. H., in: Anales de la Bibl., Buenos Aires 1900;
    J. Kühnel, Th. H., 1939, 21960 (W, L, P);
    ders., Th. H., in: Geogr. Taschenbuch, 1962/63;
    J. Gicklhorn, Neue Gesichtspunkte u. Grundlagen z. Wertung v. Th. H. als Botaniker, in: Beihh. z. Botan. Zbl. 60, 1940;
    ders., Th. H.s Rolle in d. Gesch. d. Chilesalpeters, in: Sudhoffs Archiv f. Gesch. d. Med. 32, 1940, S. 337-70;
    H. Beck, Th. H. u. A. v. Humboldt, in: FF 1961.

  • Autor/in

    Josef Kühnel
  • Empfohlene Zitierweise

    Kühnel, Josef, "Haenke, Thaddäus" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 444 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118700243.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Haenke: Thaddäus H., Reisender, Naturforscher und speciell Botaniker, geboren den 5. October 1761 zu Kreibitz in Böhmen, 1817 zu Buxacaxey in Bolivien. H. absolvirte seine Studien in Prag und wurde 1782 zum Doctor der Philosophie promovirt. 1786 durchforschte er mit mehreren Mitgliedern der k. böhmischen Gesellschaft d. W. das Riesengebirge botanisch, kam im Herbste dieses Jahres nach Wien, bereiste in den beiden folgenden Jahren die Alpenländer Oesterreichs und wurde 1789 auf Nicolaus v. Jacquin's Empfehlung der von Spanien ausgesendeten Expedition Malaspina's als Botaniker beigegeben. Erst im April 1790 konnte sich H. mit Malaspina zu Santiago in Chile vereinigen und mit ihm längs der Westküste Amerikas nach Norden bis zur Behringsstraße vordringen. 1792 besuchte H. die Philippinen, kehrte über die Gesellschaftsinseln nach Chile zurück (1794), machte im Auftrage der spanischen Regierung noch mehrere Reisen in das Innere Südamerikas und ließ sich endlich in Bolivien nieder, wo er auch starb. Ueber die Resultate seiner botanischen Forschungen in den Sudeten berichtete H. in Irasek's Beobachtungen|aus dem Riesengebirge; während seines Aufenthaltes in Wien gab er die Editio VIII der „Genera plantarum“ Linné's heraus und beschrieb im zweiten Bande von Jacquin's „Collectaneen“ neue und seltene Pflanzenarten aus Oesterreich. Von den ungemein reichen botanischen Sammlungen, welche H. auf seinen Reisen gemacht hatte, gelangte leider nur ein kleiner Theil nach Europa; derselbe wurde von C. B. Presl in den „Reliquiis Haenkeanis“ beschrieben (1830—35, 2 Bde., 4., mit 72 Tafeln).

    • Literatur

      Kaspar Graf Sternberg, Einleitung zu den Reliquiis Haenkeanis, S. VI bis XV. — Verhandl. d. zool.-botan. Verein. in Wien, V. (1855) S. 33. — Wurzbach, Biograph. Lexik., VII. S. 178.

  • Autor/in

    Reichardt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reichardt, Heinrich Wilhelm, "Haenke, Thaddäus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 515-516 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118700243.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA