Lebensdaten
1857 bis 1946
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Dorf Wehlen bei Dresden
Beruf/Funktion
Bibliothekar
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118700057 | OGND | VIAF: 43422798
Namensvarianten
  • Haebler, Konrad
  • Gebler, K.
  • H., K.
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Zitierweise

Haebler, Konrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118700057.html [10.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Gotthelf (1829–1909), Dr. phil., Gymnasiallehrer, Lyriker (s. Kosch, Lit.-Lex.), S d. Damasthändlers Carl Gotthelf u. d. Joh. Juliane Waentig;
    M Marie Petzsch;
    1) 1883 Elisabeth Lagatz, 2) 1913 Ruth Schiffner.

  • Leben

    Nachdem H., zuvor Kreuzschüler in Dresden, seine historischen und philologischen Studien in Leipzig 1882 bei K. von Noorden mit der Promotion abgeschlossen hatte, widmete er sich, seit 1879 an der Königlichen Bibliothek in Dresden tätig, zunächst Forschungen zur politischen und Wirtschaftsgeschichte Spaniens, wobei er sich als ein von K. Lamprechts wirtschaftsgeschichtlich betonten Auffassungen beeinflußter Historiker erwies. Mit weiteren Veröffentlichungen über Karl V., die Fugger, die Welser, aber auch mit zusammenfassenden Abrissen für die weltgeschichtlichen Sammelwerke von H. Helmolt und J. von Pflugk-Harttung dehnte er diese Forschungen auch auf die portugiesische und amerikanische Geschichte aus. Bei seinen iberischen Archiv- und Bibliotheksreisen (1890, 1897-98) war er auf die Bedeutung der Ausländer, besonders der deutschen Buchdrucker, für die Entwicklung Spaniens im 15. und 16. Jahrhundert aufmerksam geworden. Damit kam er zur Wiegendruckforschung. Nachdem er bereits 1894 mit einer vorläufigen Liste der von ihm aufgefundenen Inkunabeln die bisherigen Kenntnisse wesentlich erweitert hatte, faßte er seine ersten Ergebnisse in dem von der Bibliographical Society in London 1897 veröffentlichten Werk „The early Printers of Spain and Portugal“ zusammen, das er später (1923) zu der abschließenden „Geschichte des spanischen Frühdrucks in Stammbäumen“ ausformte. Inzwischen hatte er, seit 1898 in Dresden, 1896 zum Bibliothekar und Professor ernannt, die Katalogisierung der dortigen Inkunabeln begonnen. Als man sich in Berlin unter Althoffs Initiative, angeregt durch K. Burger, K. Dziatzko und andere, entschloß, zur Ergänzung und Erneuerung des unvollendet gebliebenen bibliographischen Repertoriums der Wiegendrucke von L. Hain ein Gesamtinventar der in den deutschen Bibliotheken vorhandenen Inkunabeln und auf dieser Grundlage einen Weltkatalog aller nachweisbaren Wiegendrucke herstellen zu lassen, wurde H. zum Vorsitzenden der zu diesem Zwecke gegründeten Kommission für den Gesamtkatalog der Wiegendrucke berufen (1904). Er wurde damit, seit 1907 an der Königlichen Bibliothek in Berlin, einer der Organisatoren des wissenschaftlichen Großbetriebs, der sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert auch im deutschen Bibliothekswesen auszubilden begann. H. hat aber einen großen Teil der Inventarisationsarbeit in Deutschland, vor allem in Sachsen und Thüringen, selbst bewältigt. 1904-14 wurden von der Wiegendruckkommission (außer H. waren in ihr K. Burger, E. Voulliéme, A. Schmidt, E. Freys, I. Collijn tätig) gegen 40 000 Inkunabeln, auch aus außerdeutschen Bibliotheken, erfaßt. In dieser minutiös ordnenden Aufarbeitung großer Stoffmassen erreichte H. seine eigentliche schöpferische, auf positivistischer Wissenschaftsauffassung beruhende Leistung. Bei seinen spanischen Wiegendruckforschungen hatte er bereits die von Holtrop, Bradshaw und Proctor vorgebildete Methode des Drucktypenvergleichs, mit der die zahlreichen nicht datierten und signierten Inkunabeln bestimmt wurden, meisterhaft angewendet. Er entwickelte sie jetzt zu einem messenden Verfahren. In seinem „Typenrepertorium der Wiegendrucke“ (6 Bände, 1905–24) hat er, ausgehend von dem 20 Zeilen-Maß und von den Leitformen des gotischen Majuskel-M und des Antiqua-Q, eine Übersicht über die nachweisbaren Typen des 15. Jahrhunderts und damit, unter Hinzunahme aller sonstigen Anhaltspunkte für die Bestimmung einer Inkunabel, ein Arbeitsinstrument für die typographische Methode geschaffen, die sich damit als exakte Stilkritik darstellte. An der Ausarbeitung der Inkunabelbeschreibungen und der Drucklegung des Gesamtkatalogs der Wiegendrucke (seit 1925), bei der jüngere Mitarbeiter (E. von Rath, dann K. Ohly, C. Wehmer) neben der typographisch-buchgeschichtlichen ergänzend die literärgeschichtlich-quellenkundliche und bibliographische Bedeutung der Inkunabeln berücksichtigen wollten, hat H. nicht mehr mitgewirkt. In dem „Handbuch der Inkunabelkunde“ (1925) hat er seine Erfahrungen zusammengefaßt.

    Seit 1920 von der Wiegendruckkommission entpflichtet, seit 1921 wieder in Dresden, wandte er sich vorwiegend der Erforschung des Bucheinbandes zu. Noch bis gegen 1940 hin tätig, beschäftigten ihn wieder die spanische Geschichte, insbesondere die Fueros und die Rechtsgeschichte, die Dresdener Maya-Handschrift wie auch die Briefdrucke des Aeneas Silvius und die Geschichte der eigenen Familie. Ein stets lebendiger Intellekt und eine Arbeitskraft, die er jeweils auf das gesetzte, aus einer eher intuitiv konzipierten Idee erwachsene Ziel konzentrierte, haben es ihm in mehr als 50jähriger Tätigkeit ermöglicht, seine vielseitigen Forschungen, über das Riesenwerk des Gesamtkatalogs der Wiegendrucke hinaus, in hunderten von Publikationen und einem ausgedehnten Briefwechsel niederzulegen.

  • Werke

    Weitere W Der Streit Ferdinands d. Katholischen u. Philipps I. um d. Regierung v. Castilien, 1504–06, phil. Diss. Leipzig 1882;
    Die wirtsch. Blüte Spaniens im 16. Jh. u. ihr Verfall, 1888;
    Dt. Buchdrucker in Spanien u. Portugal, in: Zbl. f. Bibl.-wesen 11, 1894, S. 529-64;
    Típografia Ibérica del siglo XV. Reproducción en facsímile de todos los caracteres tipográficos empleados en España y Portugal hasta en año de 1500, 1902;
    Bibliografía Ibérica del siglo XV. Enumeración de todos los libros impresos en España y Portugal hasta el año de 1500, 2 Bde., 1903-17;
    Ber. üb. d. Plan e. Gesamtkat. d. Wiegendrucke, in: Zbl. f. Bibl.wesen 22, 1905, S. 509-17;
    Ber. üb. d. Komm. f. d. Gesamtkat. d. Wiegendrucke, ebd. 25, 1908, S. 97-100;
    Schlußber. üb. d. Inventarisierung d. Inkunabeln in Dtld., ebd. 28, 1911, S. 318-25;
    Dt. Bibliophilen d. 16. Jh., Die Fürsten v. Anhalt, ihre Bücher u. ihre Bucheinbde., 1923;
    Die dt. Buchdrucker d. XV. Jh. im Auslande, 1924;
    Schriftguß u. Schrifthandel in d. Frühdruckzeit, 1925;
    Rollen- u. Plattenstempel d. 16. Jh., 2 Bde., 1928 f. (mit I. Schunke);
    Wie ich Inkunabelforscher wurde, in: Philobiblon 5, 1932, H. 1, Beil.;
    Ein Briefwechsel zw. K. H. u. E. Consentius, 1932;
    - zur span. Gesch.: Die Gesch. d. Fuggerschen Handlung, 1897;
    Die übersee. Unternehmungen d. Welser, 1903;
    Gesch. Spaniens unter d. Habsburgern, 1907;
    - Stammtafeln d. Fam. Häbler (Haebler), Großschönau, 1937.

  • Literatur

    K. Ohly, Die Proctor-H.sche Methode u. d. Versuch ihrer Widerlegung, 1931 (Vortrag);
    C. Wehmer, Zur Beurteilung d. Methodenstreits in d. Inkunabelkde., in: Gutenberg-Jb., 1933, S. 250-325;
    E. v. Rath u. Wieland Schmidt, Die Schrr. K. H.s, 1937;
    Wieland Schmidt, K. H., in: Zbl. f. Bibl.-wesen 64, 1950, S. 403-13;
    Lex. d. Buchwesens I, 1952.

  • Portraits

    Ölgem. v. W. Witting, 1926 (Berlin, Dt. Staatsbibl.);
    Phot. in: Wiegendrucke u. Hss., Festgabe K. H., 1919.

  • Autor/in

    Hans Lülfing
  • Empfohlene Zitierweise

    Lülfing, Hans, "Haebler, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 422 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118700057.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA