Lebensdaten
1879 bis 1950
Geburtsort
Marseille
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker
Konfession
reformierte Familie
Normdaten
GND: 116937092 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Guyer, Heinrich Johann Samuel
  • Gujer, Samuel
  • Guyer, Samuel
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Zitierweise

Guyer, Samuel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116937092.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes Gujer (1837–1900), dt.-schweizer. Pfarrer in M., S d. Hans Ulrich, Schullehrer in Uster-Wermalswil, u. d. Anna Müller;
    M Emma Eugenie (* 1847), T d. Jak. Rieter (1815–90), v. Winterthur, Kaufm. in Triest, u. d. Albertine Eugenie Rittmeyer;
    Bern 1909 Hanna (1887–1952), T d. Hans Bäschlin (1843–1920), Buchhändler u. Sekr. d. Ev. Ges. in B., u. d. Anna Tappolet;
    3 T.

  • Leben

    G. verbrachte seine Jugend in Südfrankreich, ging mit 13 Jahren ans Gymnasium in Basel (bis 1898) und studierte in Basel, Berlin und Zürich Theologie (Staatsexamen 1902). Nach kurzem Vikariat ging er zur Kunstgeschichte über; 1906 promovierte er mit einer durch J. R. Rahn angeregten Dissertation über „Die christlichen Denkmäler des 1. Jahrtausends in der Schweiz“ und wandte in der Folgezeit sein Interesse vorwiegend der frühchristlichen Architektur Kleinasiens und Nordmesopotamiens zu. Neben J. Strzygowski, G. L. Bell, H. Rott, C. Preusser und anderen hat er die bis dahin kaum bekannten Baureste dieser Gebiete der Forschung erschlossen. Eine Reise in Kilikien 1906 führte ihm die Wichtigkeit der Denkmäler dieser Provinz vor Augen. Im Jahre darauf nahm er mit dem ihm eng befreundeten E. Herzfeld Korykos und Meriamlik auf. Im Winter 1910/11 beteiligte er sich an den Grabungen in Samarra; auf dem Wege besuchte er das damals gerade bekannt gewordene Amida. Weitere Reisen im Euphrat- und Tigrisgebiet schlossen sich an. Für Sarre-Herzfelds Reisewerk und später für Spanner bearbeitete er die Denkmäler Rusafas. Die zahlreichen Einzelveröffentlichungen dieser Jahre verraten den Geist der „geduldigen und bescheidenen“ Sachforschung, den er einmal programmatisch forderte. Eine jahrelange Fehde mit J. Strzygowski um die Datierung der Bauplastik Nordmesopotamiens, unter der der empfindsame und zurückhaltende G. sehr litt, ist heute im wesentlichen in seinem Sinne entschieden. Spätere Arbeiten (seit 1930) galten vorwiegend der Verarbeitung des hier erschlossenen, insbesondere des kleinasiatischen Materials. Dabei schiebt sich immer mehr eine Frage in den Vordergrund, der auch G.s Spätwerk gilt, die nach dem Verhältnis der spätantiken Architektur Innerkleinasiens zum abendländischen Mittelalter. Er sieht hier wesentliche Elemente mittelalterlichen Bauens (kreuzförmiger Grundriß, Vierung, Vierungsturm) bereits in der inneranatolischen Architektur des 6. Jahrhunderts vorweggenommen. – G. hat nie ein akademisches Amt bekleidet. Sein reicher Besitz in Istrien ging nach dem 1. Weltkrieg verloren. Er lebte seitdem in Florenz, München und seiner Schweizer Heimat, wo er in den letzten Jahren für die Aufnahme schweizerischer Kunstdenkmäler tätig war.

  • Werke

    Weitere W u. a. Surp Hagop, e. Klosterruine d. Kommagene, in: Rep. f. Kunstwiss. 35, 1912, S. 483 ff.;
    Amida, ebd. 38, 1916, S. 193-237;
    La madrasa al-Halâwiyya à Alep, in: Bull. de l'Inst. française d'archéol. orientale 11, Kairo 1914, S. 217-31;
    Rusafah, in: F. Sarre u. E. Herzfeld, Archäolog. Reise im Euphrat- u. Tigrisgebiet [1907/08] II, 1920, S. 1-45;
    Meine Tigrisfahrt, 1923;
    Rusafa, 1926 (mit H. Spanner);
    Venedig, Bauten u. Bildwerke, 1927;
    Siena u. d. Hügelstädte d. Toscana, 1929;
    Meriamlik u. Korykos, Manchester 1930 (mit Aufnahmen v. E. Herzfeld);
    Vom Wesen d. byzantin. Kunst, in: Münchner Jb. d. bild. Kunst NF 8, 1931;
    Der Dom zu Pisa u. d. Rätsel s. Entstehung, ebd. NF 9, 1932, S. 351-76;
    Die Bedeutung d. christl. Baukunst d. inneren Kleinasiens f. d. allg. Kunstgesch., in: Byzantin. Zs. 33, 1933, S. 78-104, 313-30;
    Btrr. z. Frage nach d. Ursprung d. kreuzförmig-basilikalen Kirchenbaus d. Abendlandes, in: Zs. f. schweizer. Archäol. u. Kunstgesch. 7, 1945, S. 43-104;
    Die Wunder v. Rom, 1949;
    Grundlagen ma. abendländ. Baukunst, 1950. - Rezensionen in: Schweizer Mhh., ab 1940. - Mss.: Der sepulkrale Charakter d. christl. Baukunst;
    Denkmäler Mesopotamiens zw. Antike u. Islam.

  • Literatur

    A. v. Salis, in: Schweizer Mhh. 30, 1950/51, S. 428-34;
    HBLS.

  • Autor/in

    Johannes Kollwitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Kollwitz, Johannes, "Guyer, Samuel" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 359 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116937092.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA