Lebensdaten
um 1501 - 1574
Sterbeort
Eichstätt
Beruf/Funktion
Domherr ; Diplomat
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118719483 | OGND | VIAF: 27866230
Namensvarianten
  • Gumppenberg, Ambrosius Freiherr von
  • Gumppenberg, Ambrosius von
  • Gumpenberg, Ambrosius von
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Zitierweise

Gumppenberg, Ambrosius Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118719483.html [10.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Walter ( 1536), S d. Walter, auf Schmiechen, Pfleger zu Dachau, u. d. Magdalene v. Kammer;
    M Apollonia ( 1531), T d. Wolfg. v. Waldeck, auf Affing usw., u. d. Amalie v. Nußdorf.

  • Leben

    G. studierte in Tübingen und Ingolstadt, wurde bereits 1519 Kanoniker in Regensburg und war seit 1525 Agent zahlreicher deutscher Prälaten und Fürsten in Rom. Hier trat er in die Dienste des Kardinals Thomas de Vio (Cantano) und erwarb das Vertrauen Papst Clemens’ III., der ihn 1527 mit Aufträgen an den bayerisch Hof sandte. Er wurde Augenzeuge des Sacco di Roma; seine vielseitigen Beziehungen ließen ihn zum Unterhändler zwischen den deutschen Landsknechten und dem in der Engelsburg eingeschlossenen Papst werden. G.s wertvolle Augenzeugenberichte wurden von Gregorovius veröffentlicht (SB der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1877, Philosophisch-historischen Klasse, S. 329-97). 1530 begleitete G. den Kardinallegaten Cantano zum Reichstag nach Augsburg. Nach Rom zurückgekehrt, erlangte er auch die Gunst des Farnese-Papstes Paul III. und von dessen Familie. Als reich gewordener Kuriale, ausgestattet mit dem Bürgerrecht der Stadt Rom (1537), lebte er dort das Leben eines einflußreichen Prälaten. Ein unerquicklicher Streit mit dem Orientalisten Johann Albert Widmanstadt brachte ihn zeitweilig ins Gefängnis. Seit 1546 wieder in Deutschland, wo G. 9 Kanonikate besaß, spielte er, wie seine Berichte an die Kardinäle Alessandro und Ranuzio Farnese zeigen, weiterhin eine kirchenpolitisch wichtige Rolle; mit der ihm eigenen Entschiedenheit trat G. gegen jegliche religiöse Neuerungen auf. Als Domherr von Würzburg sprach er sich 1573 für die Wahl des Domdechanten|Julius Echter zum Bischof aus. Seine Hoffnungen auf irgendeinen Bischofsstuhl erwiesen sich freilich als ebenso trügerisch wie sein Bemühen (1548), Titularabt von Heilsbronn zu werden. G. war eine typische Prälatengestalt der Renaissancezeit, ehrgeizig und hemmungslos, zugetan den schönen Künsten, Freund der Numismatik.

  • Literatur

    ADB X;
    G. Muck, Gesch. v. Kloster Heilsbronn I, 1879, S. 363, 428;
    F. Gregorovius, Kleinere Schrr. z. Gesch. u. Kultur, 1887, S. 181-265;
    W. Friedensburg, A. v. G. als päpstl. Berichterstatter in Süddtld. 1546–59, in: Forschungen z. Gesch. Bayerns 10, 1902, S. 149 ff., 263 ff.

  • Autor/in

    Edgar Krausen
  • Empfohlene Zitierweise

    Krausen, Edgar, "Gumppenberg, Ambrosius Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 310 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118719483.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gumppenberg: Ambrosius v. G., ein zur Zeit Karls V. und des römischen Königs Ferdinand I. namhafter Curiale, päpstlicher Protonotar, kaiserlicher Procurator der deutschen Nation in Rom, Domprobst zu Basel, Domherr zu Würzburg, Augsburg, Regensburg etc., stammte aus dem Geschlecht von Gumppenberg, welches neben den Sandizell zum ältesten Feudaladel Baierns gehörte. Er war Sohn Walthers v. G. und geboren um das J. 1501 oder 1502. Nachdem er in Tübingen und Ingolstadt studirt hatte, ging er um das J. 1525 nach Rom, hier sein Glück zu machen. Dies begründete er als Geschäftsführer in Angelegenheiten der Curie und römischer wie deutscher Prälaten und Bischöfe. Er trat in die Dienste des Cardinals Thomas de Vio (Cantanus), und erwarb sich das Vertrauen Clemens' VII., der ihn schon im J. 1527 mit Aufträgen an die Herzoge Baierns sandte. Er kehrte nach Rom zurück in derselben Zeit, als die Armee Karls V. unter dem Connetable von Bourbon diese Stadt erstürmte, war nicht nur Augenzeuge des Sacco di Roma, sondern auch in officieller Stellung an den dortigen Ereignissen betheiligt, da er in den Unterhandlungen der Landsknechte mit dem in der Engelsburg eingeschlossenen Papst als Dollmetscher und sodann als kaiserlicher Kriegscommissär diente. In solcher amtlichen Stellung befand er sich bei den Belagerungen von Neapel und Florenz. Im J. 1530 begleitete er den Cardinal Cantano zum Reichstage in Augsburg. Nach Rom zurückgekehrt, erwarb er sich die Gunst Pauls III. und blieb seither hier als ein reich gewordener Curiale und Geschäftsmann, und kaiserlicher Procurator noch bis zum J. 1545. In diese Zeit fällt sein berüchtigter Proceß mit dem berühmten Orientalisten Johann Albert Widmanstadt (Lucretius), auf Grund des Streites um die Führung eines Geschäftes an der römischen Curie, welches Moritz von Hutten, Bischof von Eichstädt, diesen beiden Männern übertragen hatte. Von Widmanstadt angeklagt, ihm nach dem Leben getrachtet zu haben, wurde G. im J. 1540 ins Gefängniß gesetzt, aber bald daraus befreit. Im J. 1545 verließ er Rom, um sich im Dienst des Cardinals Alexander Farnese nach Deutschland zu begeben. Hier begleitete er die päpstlichen Hülfstruppen unter Ottavio Farnese als Generalcommissar im schmalkaldischen Kriege. Er lebte seit dieser Zeit in Deutschland, zumal in Eichstädt und Augsburg, mit vielen Pfründen ausgestattet, eifrig der katholischen Kirche dienend, ein unruhiger, streit- und proceßsüchtiger Mann. Selbst noch im J. 1552, wo er in Passau während des Abschlusses des Vertrages sich befand, setzte er seinen Proceß mit Widmanstadt fort. Er verwickelte sich im J. 1559 in einen Streit mit dem Hochstift Würzburg, der ihm sogar die Excommunication zuzog. G. starb zu Eichstädt am 4. September 1574, und ward in Augsburg begraben. Die Münchener Staatsbibliothek bewahrt Handschriften von G. und|seinem Secretär Johann Baptist Fickler, mit deren Hülfe Ludwig Albert Baron v. G. die Lebensumstände des Ambrosius zusammengestellt hat (in seiner Geschichte der Familie v. G., Würzburg 1856). Jene Handschriften beziehen sich aus den Proceß mit Lucretius (siehe zu diesem Schelhorn, Amoenitates literariae, T. 14 p. 468 ff.), und enthalten Bruchstücke einer Autobiographie. Als nämlich G. nach Deutschland zurückgekehrt war, versuchte er die Memoiren seiner reichen Erlebnisse niederzuschreiben; leider führte er sie nicht aus. Doch verdanken wir ihm einen schätzenswerthen Beitrag zur Geschichte der Ereignisse in Rom vom Anzug des Connetable bis zum 29. November 1527. Diese durch persönliche Mitbetheiligung des Verfassers merkwürdige Schilderung, die eingehendste überhaupt, welche wir von Zeitgenossen und zwar in deutscher Sprache besitzen, hat Gregorovius in den Sitzungsberichten der k. bairischen Akademie der Wissenschaften (1877. I. Philos.-philol. u. histor. Classe, S. 329—97) herausgegeben ("Ein deutscher Bericht über die Eroberung Roms durch die kaiserliche Armee Karl's V. im J. 1527, von dem Augenzeugen A. v. G.").

  • Autor/in

    G .... s.
  • Empfohlene Zitierweise

    G....s, "Gumppenberg, Ambrosius Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 122-123 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118719483.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA