• Genealogie

    Aus Handwerkerfam.;
    V Joh. George (1774–1838), Bergmann in Gerbstedt b. Mansfeld, dann in Waldenburg/Schlesien, Freiberg/Sachsen, wieder in Waldenburg, seit 1811 in Tarnowitz, zuletzt Obersteiger, S d. Schneidermeisters Joh. Peter in Bebitz;
    M Juliane Eleonore (1777–1845), T d. Gastwirts Joh. Gottfr. Jüttner in Waldenburg;
    Rybnik 1827 Leopoldine (1804–93, kath.), T d. Kaufm. Matthäus Prusowski in Rybnik u. d. Ludmilla Kalitka;
    11 K.

  • Leben

    Nach der praktischen Arbeit auf der Bleierz-Scheidebank in Tarnowitz ausgebildet auf der dortigen Bergschule, an der er später 1838-39 als Lehrer tätig war, wurde G. 1833 zum Schichtmeister auf der Friedrichsgrube in Tarnowitz ernannt. 1839 schied er aus dem Staatsdienst aus, um die Direktion des Gutes Kattowitz mit seinen reichen Bodenschätzen im Auftrage seines Freundes Franz Winckler zu übernehmen. Nach dessen Tod, 1851, erhielt er von Wincklers Witwe Maria (verwitwete Aresin, geborene Domes, 1853) Generalvollmacht. Nach der 1854 erfolgten Verheiratung von Wincklers Tochter Valeska, der einzigen Erbin des von Wincklerschen und auch des Aresinschen Vermögens, mit Hubert von Tiele blieb G. Generalbevollmächtigter der nunmehr von Tiele-Wincklerschen Bergwerks- und Hüttenbetriebe bis 1872. Sein Verdienst war der vorbildliche Ausbau dieser Verwaltung, die Produktionssteigerung ihrer Gruben und Hüttenwerke sowie die Vermehrung des Grundbesitzes seiner Auftraggeber. Daneben unterstützte G. die Förderung von Kultur- und Sozialaufgaben in Oberschlesien. Mit Energie betrieb er auch als Vertreter der Gutsherrschaft die 1865 erfolgte Stadtgründung von Kattowitz. Angesichts des Notstandes der oberschlesischen Industrie im Revolutionsjahr 1848 arbeitete er zur Behebung der Finanzkrise gemeinsam mit dem Direktor Edler der Donnersmarckschen Verwaltung den Entwurf für ein Gesetz zur Schaffung von Spar- und Darlehenskassen in Preußen aus. Dieses Gesetz wurde bereits am 16.4.1848 durch den Vereinigten Landtag in Berlin verkündet. G. war Mitglied des preußischen Landtages (1849–51, 1855-61, 1868-69), des Provinzial-Landtages und seit 1876 des Provinzialausschusses in Breslau. 1857 gründete er die Oppelner Portland-Zement-Fabrik mit einem Konsortium, 1862-72 war er deren Privatbesitzer, seit 1872 deren Hauptaktionär. Von da an firmierte das Unternehmen Oppelner-Portland-Zement-Fabriken, vormals F. W. Grundmann. 1926 ging das Unternehmen in der Schlesischen Portland-Zement-Industrie A. G. auf.

  • Literatur

    Schles. Provinzialbl. 97, 1833;
    R. V. Carnall, Franz v. Winckler, in: Zs. f. d. Berg-, Hütten- u. Salinenwesen in d. preuß. Staaten 1, 1854;
    Zs. d. Oberschles. Berg- u. Hüttenmänn. Ver. 25, 1886, 26, 1887;
    G. Hoffmann, Gesch. d. Stadt Kattowitz, 1895;
    A. Perlick, Oberschles. Berg- u. Hüttenleute, 1953;
    G. Grundmann, F. W. G., e. Lb. a. d. großen Zeit d. oberschles. Bergbaus, 1956 (L, P).

  • Autor/in

    Günther Grundmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Grundmann, Günther, "Grundmann, Friedrich Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 224 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd134018354.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA