Lebensdaten
1553 bis 1621
Geburtsort
Halberstadt
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Buchhändler
Konfession
lutherische Familie
Normdaten
GND: 121885550 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Groß, Henning
  • Große, Henning
  • Grosse, Henning
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Zitierweise

Grosse, Henning, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121885550.html [22.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Henning, Ratsherr in H., S d. Henning;
    M Margaretha, T d. Ratsherrn Andreas Kramer in H.;
    Om Joh. Kramer (1530–1602), Prof. d. Med. in L., dann Domkapitel- u. Stadtarzt in H.;
    Vt Christian (1602–73), Gen.sup. v. Pommern;
    - Leipzig 16.6.1577 Anna (1549–1637), Wwe d. Buchhändlers Conrad König ( 1575), T d. Kürschnermeisters Gg. Förster u. d. Martha Handschmann;
    4 S, 3 T, u. a. Gottfried (1591–1637), Buchhändler, war nach vielseitiger Ausbildung seit 1618 Teilhaber, führte dann d. Verlagshandlung allein weiter (1618-37 549 Werke), war rege in d. Stadtverwaltung tätig (seit 1623 Ratsherr), Friedrich (1580–1602), eröffnete e. eigenes Buchhandelsgeschäft, das dann s. B Henning d. J. (1582–1622) übernahm, der in 17 J. 389 Werke verlegte. Des Letztgenannten Wwe Regina Maria geb. Schröter führte d. Geschäft fort u. übergab es 1653 d. E Henning IV, d. 1665 kinderlos starb. Seine einzige Schw Regina Maria heiratete d. Buchhändler Frdr. Lanckisch (1618–69), wodurch d. Unternehmen in d. Fa. Lanckischs Erben aufging, T Martha ( Jacob Schultes, 1571–1629, Jurist, s. ADB 32);
    E Johann (s. 2);
    Urur-E Chrstn. Thomasius ( 1728), Jurist, Philosoph.

  • Leben

    G. wuchs in Halberstadt und Braunschweig auf und kam 1566 auf Empfehlung seines Oheims, Professor Kramer, zu dem Buchhändler Conrad König in Leipzig in die Lehre, bei dem er nach Absolvierung der Lehrzeit blieb. Nach Königs Tod kaufte er 1575 dessen Unternehmen und heiratete dessen Witwe, nachdem er 1576 das Bürgerrecht in Leipzig erworben hatte. – Anfangs war G. nur als Sortimenter tätig, seit 1580 auch als Verleger, in der ersten Zeit mit Niklas Bock gemeinsam. 1590 wurde er in den Rat gewählt, aber 1592 mit 3 anderen Ratsherren wieder entlassen, weil er sich weigerte, die 4 Visitationsartikel zu unterschreiben, die gegen den Calvinismus gerichtet waren und deren Bestätigung die sächsischen Landstände von jedem kursächsischen Würdenträger forderten. G., der mit calvinischen Ländern Buchhandel trieb, glaubte eine Unterschrift nicht verantworten zu können.

    Das Ausscheiden G.s aus öffentlichen Ämtern kam dem Buchhandel zugute: 1595 gab G. den ersten allgemeinen Leipziger Buchmeßkatalog heraus, 1600 einen „Elenchus“ als Fortsetzung; weitere Fortsetzungen folgten, und 1618 erwarb er mit seinem Sohn Gottfried den seit 1598 erscheinenden Lambergschen Meßkatalog, 1620 die Lambergsche Buchhandlung. – Als Großverleger besonders theologischer Werke – es sind von ihm 1580-1621 nachweislich 938 Bücher verlegt worden, für damalige Zeit eine hohe Zahl – übte er einen bedeutenden Einfluß aus und rühmte sich mit Recht, durch seine Meßkataloge einen erheblichen Teil des Buchhandelsgeschäfts von Frankfurt nach Leipzig gebracht zu haben; an der Begründung der Stellung Leipzigs als Buchstadt hat er entscheidenden Anteil.

    Gerühmt wurde von den Zeitgenossen seine und seiner Frau soziale Gesinnung; nicht nur, daß er Schülern, Studenten und Bibliotheken Bücher stiftete, darüber hinaus gab das Ehepaar den Schülern der Thomasschule an bestimmten Tagen Speise und Trank, stiftete alljährlich den Unterhalt für 2 Studenten und spendete ebenso laufend einen festen Betrag für die Promotionen.

  • Literatur

    ADB IX;
    V. Schmuck, Lpr., Leipzig 1621;
    Benzing, Verleger;
    - zu S Henning d. J.:
    Th. Weinrich, Lpr., Leipzig 1622.

  • Portraits

    Ch. F. Geßner, Die so nöthig als nützl. Buchdruckerkunst u. Schriftgießerey I, Leipzig 1740, S. 105.

  • Autor/in

    Adalbert Brauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Brauer, Adalbert, "Grosse, Henning" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 147-148 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121885550.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Große: Henning G., einer der bedeutendsten älteren deutschen Buchhändler, wurde am 14. August 1553 zu Halberstadt geboren, wo sein Vater Rathsherr war. Nachdem er seine Schulbildung zu Braunschweig erhalten hatte, kam er 1566 zu dem Buchhändler Konrad König in Leipzig in die Lehre, bei dem er 10 Jahre verweilte und durch Eifer und Tüchtigkeit dessen Vertrauen in dem Maße erwarb, daß ihm dieser die ganze Geschäftsleitung anvertraute. Nach seines Principals Tode einigten sich mit ihm die Erben wegen der Uebernahme des Geschäftes, welches er nun durch die rastloseste Thätigkeit in solchen Flor brachte, daß es bald zu den hervorragendsten der damaligen Zeit gezählt werden konnte. Er war es, der im Anschluß an den Verleger Peter Kopff und Basse zu Leipzig den Meßkatalog von Frankfurt dahin verpflanzte und so der Leipziger Messe gleichfalls ein Organ ihrer litterarischen und Verkehrs-Wichtigkeit verschaffte. Auch für Anfertigung größerer bibliographischer Hilfsmittel trug er Sorge, indem er im Anschluß an die Basse'sche „Collectio in unum corpus“ einen „Elenchus“ herausgab oder einen „Index generalis in quo continentur libri omnes, qui... usque ad annum 1600... prodierunt“. Der erste Leipziger Meßkatalog erschien in der Michaelismesse 1594 und von da ab in ununterbrochener Reihe. Von dem Ansehen, welches sich G. durch seine buchhändlerische Thätigkeit in Leipzig|rungen hatte, zeugt seine Ernennung zum Rathsherrn 1590, eine Ehrenstelle, die er aber schon 1592 wieder niederlegte, weil er in religiöse Streitigkeiten und Zänkereien verwickelt wurde. Er wurde nämlich, wie dies auch seinem Fachgenossen Ernst Vögelin (vgl. d. Art.) begegnete, des Kryptocalvinismus verdächtigt, da er sich weigerte, die Visitationsartikel zu unterschreiben, doch verständigte er sich späterhin wieder mit der zelotischen Geistlichkeit. Im J. 1604 legte er, weil die Zahl und Größe seiner Verlagsartikel sich immer mehr vermehrte, neben seiner Buchhandlung auch eine eigene Druckerei an. Er starb den 10. November 1621, 68 Jahre alt, und bethätigte seine Liebe für die Wissenschaften noch bei seinem Tode durch die Stiftung eines Stipendiums für arme Studirende. Das väterliche Geschäft setzte einer seiner Söhne, Gottfried, fort. Eine Buchhandlung von Henning Grosse zu Eisleben, welche schon früher vorkommt, scheint gleichfalls einem Sohne des älteren G. gehört zu haben. Die später unter der Firma „Grossische Erben“ zu Leipzig bestehende Handlung wurde 1759 von Frommann in Züllichau angekauft, so daß man also das jetzt blühende Frommann'sche Geschäft in Jena als die Fortsetzung dieser alten Handlung betrachten kann.

    G. Schwetschke, Codex nundinarius Germaniae bisecularis., p. 42 ff. Rößler, Beytr. zur Gesch. d. Buchhandels, S. 59—61. Rodius, De ortu et progr. artis typograph. Kirchhoff, Gesch. d. Buchhandels, II. S. 97—98.

  • Autor/in

    J. Franck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Franck, Jakob, "Grosse, Henning" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 748-749 unter Große [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121885550.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA