Lebensdaten
1777 bis 1843
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Posen
Beruf/Funktion
preußischer General
Konfession
lutherische Familie
Normdaten
GND: 119061376 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grolman, Karl Wilhelm Georg von
  • Grolmann, Karl Wilhelm Georg von
  • Grolmann, Karl von
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Grolman, Karl von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119061376.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinr. Dieterich v. G. (preuß. Adel 1786, 1740-1840), preuß. WGR, Präs. d. Geh. Obertribunals u. Mitgl. d. Staatsrats (s. ADB IX), S d. Christoph Dietrich G. (1700-84), preuß. Reg.dir. in Kleve,|u. d. Marie Elis. Essellen;
    M Maria Susanna (1744–1825), T d. Arnold Gg. Maercker ( 1758), Kriminalrat u. Hofgerichtsadvokat in Kleve, u. d. Elis. Barbara Boehmer;
    B Wilhelm (1781–1856), preuß. WGR, Kammergerichtspräs. (s. ADB IX);
    Schw Karol. Henriette ( Ludw. Wilh. v. Braunschweig, 1853, Kammergerichtspräs.);
    - 1) Berlin 1804 Sophie (1787–1807), T d. Leopold v. Gerlach (1757–1813), Ob.bgm. v. B. (s. NDB VI*), u. d. Agnes v. Raumer, 2) Rentweinsdorf 1816 Hedwig (1796–1864), T d. Siegmund Frhr. v. Rotenhan, auf Rentweinsdorf, u. d. Antoinette v. Lenthe;
    1 T aus 1), 4 S, 5 T aus 2), u. a. Wilhelm (1829–93), preuß. Gen. d. Inf. (s. ADB 49; Priesdorff X, S. 479-82, P);
    N Heinrich (1820–92), Landgerichtspräs, in Neiße, Ernst (1832–1904), preuß. Gen. d. Inf. (s. Priesdorff X, S. 482-84, P);
    E Manfred Frhr. v. Richthofen (1855–1939), preuß. Gen. d. Kav.;
    Groß-N Bernh. v. Brauchitsch (1833–1910), preuß. Gen. d. Kav. (s. Priesdorff VIII, S. 383-85, P), Dedo v. Schenck (1853–1918), preuß. Gen. d. Inf. u. Gen.-Adj., 1912-17 Kommand. Gen. d. XVII. Armeekorps (s. DBJ II, Tl. 1918, L);
    Ur-E Wolfram Frhr. v. Richthofen (1895–1945), GFM;
    Ur-Groß-N Helmuth (* 1898), Gen.-Lt., Wehrbeauftragter d. Dt. Bundestags, Walther v. Brauchitsch (1881–1948), GFM (s. NDB II).

  • Leben

    Bereits mit 14 Jahren als Junker in das Infanterie-Regiment von Moellendorff eingetreten, wurde G. (seit 1805 Hauptmann) während des Krieges 1806/07 mit verschiedenen militärischen Aufgaben betraut, zunächst als Adjutant bei Feldmarschall von Moellendorff im Gefolge des Königs sowie bei General von Kalkreuth, dann im Stabe des Fürsten Hohenlohe, wo er knapp der Kapitulation von Prenzlau entging, bis er schließlich im Generalstab des Korps L'Estocq Verwendung fand. Für seinen Anteil an dem Gefecht bei Soldau am 26.12.1806, in dem er eine schwere Verwundung erlitt, erhielt er den Orden pour le mérite. Im Anschluß an die harten Kämpfe um die Brückenköpfe bei Spandau stieg G. nach der Schlacht bei Heilsberg, an der er sowohl als Truppenführer wie auch als Gehilfe der höheren Führung mitwirkte, im Juni 1807, erst 30 Jahre alt, zum Major auf. Nach dem Zusammenbruch wurde G. im Juli 1807 in die Militär-Reorganisationskommission unter Leitung Scharnhorsts berufen. Er, dem die Mängel der preußischen Armee nicht verborgen geblieben waren, war schon vor Jena mit Scharnhorst in der „Militärischen Gesellschaft“ in Berührung gekommen. Aber der Einfluß des von preußischer Beamtentradition erfüllten Elternhauses und die im Militärdienst empfangene Erziehung in bedingungsloser Pflichterfüllung, die zeitlebens sein Handeln bestimmte, herrschten zunächst doch zu stark vor, als daß er sich den neuen Ideen ganz hätte erschließen können. Er konnte nicht einfach mit der Haltung seiner überkommenen Welt brechen. Die Niederlage, die er noch härter empfand als die Mehrzahl der nichtpreußischen Offiziere, hat ihm den Weg gewiesen. Unter den großen Begabungen, die die preußische Reform und die deutsche Erhebung hervorgebracht haben, nimmt G. nicht zuletzt deshalb eine außergewöhnliche Stellung ein, weil er der erste Preuße von Geburt war, der ohne Rücksicht auf das Überkommene die völlige Neuordnung bejahte. War er bisher nur Offizier gewesen, der, da Preußen den Staat und niemals die Nation verkörperte, das Königtum nur personal aus dem Leistungsprinzip heraus zu begreifen vermocht hatte, so erschloß er sich unter der Einwirkung von Stein, Scharnhorst und Wilhelm von Humboldt dem Ganzen des in der Heranziehung des Volkes zu Mitverantwortung im Staat gipfelnden Reformplanes. Jedenfalls hat sich in den entscheidenden Monaten vor dem Ausscheiden des Reformgegners Borstell aus der Kommission G. mehr als Gneisenau, der die Vorschläge Scharnhorsts oft nur bedingt teilte, als der Mann des Entschlusses, der Einsicht und der Konzentration auf das Notwendigste erwiesen. Die Wirksamkeit als leitendes Mitglied der Reorganisationskommission sowie der Untersuchungskommission, der die besonders schwere Aufgabe zufiel, das Verhalten der Offiziere während des Krieges zu prüfen und zu beurteilen, bedeutet einen ersten Höhepunkt in G.s Leben. Als er dann nach der Kriegserklärung Österreichs an Napoleon aus dem neugebildeten Kriegsministerium, in das er am 1.3.1809 als Führer der 1. Division des Kriegsdepartements versetzt worden war, ausschied, um sich direkt in die Erhebung gegen die Fremdherrschaft einzuschalten, hatte er bereits den Grund gelegt zu seinem Lebenswerk, einen den Anforderungen der Zeit angemessenen Führungsstab zu schaffen.

    Für G., der als der erste der an dem Reformwerk hervorragend Beteiligten den Dienst des gedemütigten Staates verließ, begann damit ein neuer Lebensabschnitt. Nachdem der Waffenstillstand von Znaym seiner Tätigkeit im Stabe des Generals von Kienmayer in Sachsen, wohin er vom Erzherzog Karl beordert worden war, ein Ende bereitet hatte, ging er gegen den Willen Scharnhorsts Anfang April 1810 nach Spanien. G. war der Überzeugung, daß die Befreiung Europas nur von Spanien her ihren Ausgang nehmen konnte. Als Bataillonskommandeur in der Legión extranjera in den Verteidigungsstellungen von Valencia, die dem Verband nach der Übergabe der Festung Sagunt im Herbst 1811 eine Anlehnung geboten hatten, Januar 1812 in französische Gefangenschaft gefallen, gelang|ihm die Flucht. Er traf im August in Jena ein, wo er, den Verlauf des russischen Feldzuges abwartend, an der Universität bei Luden Geschichte studierte, der das Verständnis der historischen Zusammenhänge in ihm weckte, das fortan für sein Denken grundlegende Bedeutung gewann. Seine Wiederverwendung im preußischen Heer während des Frühjahrsfeldzuges bot in einer Dienststellung bei der Reservekavallerie Blüchers seiner Initiative geringen Spielraum. Nach vorübergehender Tätigkeit als Ratgeber des Oberbefehlshabers der russisch-preußischen Truppen, Barclay de Tolly, seit Herbst 1813 dem II. Korps Kleist zugeteilt, vermochte G. in der Schlacht bei Kulm entscheidend zur Niederlage Vandammes beizutragen. War es ihm schon vergönnt gewesen, in der Schlacht bei Leipzig den Rückzug Napoleons mit zu erzwingen (Eichenlaub zum Pour le mérite), so gehörte er auch neben Blücher und Gneisenau zu denen, die Ende Februar 1814 gegen Bedenken im österreichischen Hauptquartier die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen in Richtung Paris durchgesetzt und somit dem Feldzug die entscheidende Wendung zur endgültigen Niederlage Napoleons gegeben haben. An den Operationen von 1815 endlich hat G., seit Ende Mai 1814 General, als Generalstabsoffizier im Hauptquartier Blüchers teilgenommen, wo er ebenfalls mehr leistete als ein amanuensis, ein gefügiges Werkzeug der Feldherrneinheit Blücher-Gneisenau.

    Im Zusammenhang mit der Ernennung Boyens zum ersten preußischen Staats- und Kriegsminister im Juni 1814 hatte sich G. als Direktor des 2. Departements wieder dem Aufbau des Generalstabes zugewandt. Mit diesem ersten groß gedachten Versuch eines Neubaues war der Württemberger Freiherr von Massenbach an der geringen eigenen, überschätzten Kraft und dem Widerstand unbezwungener Wirklichkeiten gescheitert. Durch die bereits im Frieden beginnende Erziehung der Unterführer zur Selbständigkeit, die nach der vielseitigen Ausbildung in dem Gebrauch von Karten, der Auswertung von Nachrichten sowie in dem Entwerfen von Operationsplänen sogleich zur Truppe zurückzukehren hatten, hat G. den „Generalquartiermeisterstab“ in den Generalstab verwandelt und damit das Problem der Heranbildung von Führergehilfen über die elementare Schulung des 18. Jahrhunderts auf eine höhere Ebene gehoben. Seine Mitwirkung an dem Heeresreformwerk dem beherrschenden Gedanken der Förderung der Staatsidee dienstbar machend, hat er Boyen wie einst seinem Waffengefährten Scharnhorst gemeinsam mit Humboldt in den schweren Kämpfen gegen die Hofkreise treu zur Seite gestanden und mit ihnen 1819 die Entlassung aus den königlichen Diensten genommen. 1825 hat er sich dann nochmals als Kommandeur der 9. Division in Glogau und seit 1833 als Kommandierender General des V. Korps in Posen zur Verfügung gestellt. Der Initiative G.s, dessen Leistungen bei der Grundlegung des neuen Staates, in dessen Dienst er sich verbrauchte, von denen Steins, Scharnhorsts, Gneisenaus, Boyens und Humboldts kaum zu trennen sind, ist die Ersetzung der Militär-Gouverneure durch die Kommandierenden Generale zuzuschreiben. Diesen wurden von nun an sämtliche militärische Behörden der Provinz unterstellt. Er hat schließlich mit zäher Energie die Anlage von Befestigungen gefordert und gefördert, von ihm stammt auch der Vorschlag, das Zündnadelgewehr einzuführen, womit die preußische Infanterie eine durchschlagende Waffe erhielt.

    G., eine Gelehrtennatur wie Scharnhorst, dessen vielseitige Interessen ihn mit Niebuhr und Humboldt in Verbindung brachten, – seine kriegsgeschichtlichen Arbeiten nehmen einen hohen Rang ein – zählt zu den profiliertesten Persönlichkeiten seiner Zeit. Die Tatsache, daß er, der erste preußische Generalstabschef und Wegbereiter Moltkes, durch seine politische und militärische Wirksamkeit ein maßgebender geistiger Initiator der deutschen Wiedergeburt geworden ist, macht seine geschichtliche Bedeutung aus. So wirken G. und Moltke, die zwei bahnbrechenden preußischen Generalstabschefs in demselben Verhältnis als Antipoden zueinander nach wie, um mit Franz Schnabel zu sprechen, die beiden bedeutendsten preußischen Kriegsminister Boyen und Roon.

  • Werke

    Gesch. d. Feldzuges 1815 in d. Niederlanden, 2 Bde., 1837;
    Gesch. d. Feldzuges 1814, 4 Bde., 1842.

  • Literatur

    ADB IX;
    E. v. Conrady, Leben u. Wirken d. Gen. K. v. G., 3 Bde., 1894-96;
    G. Wohlers, Die staatsrechtl. Stellung d. Gen.stabes in Preußen u. d. Dt. Reich, 1921;
    Von Scharnhorst zu Schlieffen, 1933;
    R. Stadelmann, Der Ursprung d. großen Gen.stabes, 1939;
    E. Kessel, G. u. d. Anfänge d. Preuß. Gen.stabes, 1944;
    Priesdorff IV, S. 238-47 (P).

  • Autor/in

    Heinz Kraft
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraft, Heinz, "Grolman, Karl von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 123-125 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119061376.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Grolmann: Karl Wilhelm Georg v. G., am 30. Juli 1777 zu Berlin geboren. Der Vater war Präsident des Geheimen Obertribunals und genoß während eines außergewöhnlich langen Lebens und Wirkens, als durch Unabhängigkeit des Charakters, Liebe zum Vaterlande und Schärfe des Urtheils bewährt, in weiten Kreisen hohe Achtung und hervorragenden Einfluß. Noch nicht 14 Jahre alt wurde G. als Junker in das Infanterieregiment v. Möllendorf eingestellt, 1795 zum Fähnrich, 1797 zum Secondelieutenant, 1804 zum Premierlieutenant und Adjutanten bei der Inspection des Feldmarschalls v. Möllendorf und endlich 1805 zum Stabscapitän avancirt. Er gehörte zu dem Kreise von Officieren, der sich in jener Zeit um Scharnhorst gruppirte und der wesentlich, von diesem geleitet, Träger des die Armee regenerirenden Geistes wurde. Grolmann's hohe kräftige Gestalt barg ein durchaus gesundes Innere. Einfach und ruhig, offen und anspruchslos, tapfer und beharrlich, dem Scheine abhold, voll stolzer Freude an Verantwortung und Selbständigkeit, Achtung und Wohlwollen für Andere im Herzen, wurde er einer der ausgezeichnetsten Vertreter seines Berufes. Für den Feldzug 1806 war G. ursprünglich als im Gefolge des Feldmarschalls v. Möllendorf dem Stabe des Königs zugetheilt.|Mit der nach den Schlachten vom 14. October anhebenden Verwirrung führten ihn die verschiedensten Aufträge bald zum General Kalkreuth, bald zum Fürsten Hohenlohe, bis er endlich der Capitulation von Prenzlau glücklich entgehend, dem Generalstabe des L'Estocq'schen Corps überwiesen wurde. Bei der Vertheidigung der Soldauübergänge Ende December wurde er am Arm schwer verwundet. Kaum genesen, focht er 1807 in den blutigen Gefechten am Brückenkopfe bei Spandau und in der Schlacht bei Heilsberg, den russischen commandirenden Officieren mit ausgezeichnetem Rathe zur Seite stehend. Er wurde zum Major befördert. Nach dem Frieden von Tilsit wurde G. als tüchtigste Stütze Scharnhorst's Mitglied der berühmten Armeereorganisations-Commission, sowie der nicht minder eingreifenden Untersuchungs-Commission, welche die während des Krieges zu Tage getretenen personellen Schäden der Armee bloslegen und beseitigen sollte. Bei der neuen Organisation des Kriegsministeriums wurde er in dasselbe berufen (1. März 1809). Die preußische Entwickelung erschien jedoch dem ungestümen Verlangen Grolmann's nicht entschieden genug Stellung zu nehmen. Mitglied des Tugendbundes, vermeinte er die Gemeinsamkeit der Interessen des gesammten von Napoleon geknechteten Europa's überall da verfechten zu müssen, wo die Waffen gegen Napoleon erhoben wurden. Als die Kriegserklärung Oesterreichs gewiß geworden war, nahm er in Preußen den Abschied. Ein Versuch, sich mit Schill zu einigen, mißglückte. Er eilte zur österreichischen Armee, die, nachdem sie bei Aspern geschlagen hatte, auf dem Marchfelde stand. Der Erzherzog Karl überwies ihn als Major dem Generalstabe. Als solcher ging er mit dem General v. Kienmayer nach Sachsen. Der General sollte dort die in verschiedenen Richtungen operirenden österreichischen Truppencorps vereinigen und mit gesammelter Kraft eine Diversion nach Norddeutschland zu machen versuchen. Das Auftreten größerer französischer Truppenkörper hemmte die Unternehmung; der Waffenstillstand von Znaym gebot vollständige Ruhe. G. schied auch von Oesterreich und suchte in Spanien sein Streben zu verwirklichen. Ueber England erreichte er im April 1810 Cadiz, wo das letzte Bollwerk spanischer Regierung nur mühsam durch englische Unterstützung gegen die überlegenen Kräfte des Marschall Victor vertheidigt wurde. Man suchte nach Hülfsmitteln, sich zu verstärken; eine legion extrangera wurde gebildet, in der G. mit der Stellung als Sargento-Major maßgebenden Einfluß gewann. Nach verschiedenen im Sande verlaufenen Unternehmungen gelang im April 1811 eine Cooperation des englischen General Beresford von Portugal her mit dem Spanier Blake. G. nahm Theil am Siege von Albuhera. Bald folgte indessen wieder Ruhe und nach einem erneueten Vorrücken der Franzosen die Rückkehr der Spanier nach Cadiz. Eine Expedition im August 1811 führte G. mit der Legion zur unglücklichen Schlacht von Sagunt und in die Verschanzungen von Valencia. Mit der Capitulation dieses Platzes wurde auch G. kriegsgefangen und unter vielen Fährlichkeiten nach Beaune in Burgund geführt. Ohne an eingegangene Verpflichtungen gebunden zu sein, entkam er am 1. Juni 1812 nach der Schweiz. Er ging unter fremdem Namen nach Jena und wartete dort die Entwickelungen des russischen Krieges ab. Schon im Januar 1813 eilte er nach Berlin, folgte dem Könige nach Breslau und wurde anfangs März von neuem im preußischen Generalstabe als Major angestellt. Im Stabe des Obersten v. Dolffs focht er bei Großgörschen, bei Bautzen und am entschiedensten hervortretend bei Haynau. Im Waffenstillstand wurde er zum Chef des Generalstabes beim zweiten Armeecorps (General v. Kleist) ernannt, indessen schon mit dem 8. August zum General Barclay de Tolly, dem Höchstcommandirenden der russisch-preußischen Truppen bei der großen Armee deputirt. Bei dem Rückzug der Alliirten nach der Schlacht bei Dresden zum General v. Kleist|entsandt, gewann er die Gelegenheit, dem zweiten Corps eine Marschdirection zu geben, durch welche die Schlacht bei Kulm zur Niederlage des Vandamme'schen Corps wurde. Abermals schwer verwundet, konnte er bereits der Schlacht bei Leipzig wieder mit voller Thätigkeit beiwohnen und trat nach derselben definitiv in sein früheres Dienstverhältniß zum General v. Kleist zurück. In dem bunten Wechsel des Feldzugs 1814 ist G. der vornehmlichste Träger der Leistungen des zweiten Corps; er wird aber gleichzeitig der einflußreiche Vertreter der im Gegensatze zum österreichischen Hauptquartiere zur Aggression drängenden Tendenz der Blücher'schen Armee. Wesentlich auf seine Vorschläge erfolgte Ende Februar die Trennung der beiden Armeen und der Abmarsch Blücher's nach dem rechten Marne-Ufer, um dann gemeinschaftlich mit Bülow die entscheidenden Operationen gegen Paris aufzunehmen. Nach Eintritt des Friedens zum Generalmajor und zum Director des zweiten Departements im Kriegsministerium ernannt, ging er zum Congreß nach Wien, wurde dann aber, sobald die Entweichung Napoleons von Elba die Vorbereitungen für den neuen Krieg erheischte, Ende März 1815 als Generalquartiermeister dem Blücher'schen Hauptquartiere überwiesen. Hier hatte er mit Gneisenau gemeinsam den hervorragendsten Antheil an den großen Erfolgen des Feldzuges. In sein dienstliches Verhältniß zum Kriegsministerium zurückgekehrt, fiel ihm nach den damals obwaltenden Ressortverhältnissen die Reorganisation des Generalstabes zu. Auf die von ihm getroffenen Einrichtungen und auf seine Instructionen ist denn auch die Bedeutung zurückzuführen, welche derselbe im Laufe der Zeit für die Armee und ihre Leistungen gewonnen hat. Grolmann's außerordentliche, auch über das rein militärische Gebiet hinausgehende Thätigkeit wurde unterbrochen in Folge des Gegensatzes, in welchem er gemeinsam mit Boyen zu den Bestrebungen gerathen war, die eine Umformung der Landwehr, wie sie das J. 1813 hatte erstehen lassen, zu Gunsten des schärfer gefaßten Begriffs eines stehenden Heeres verlangten. Im December 1819 wurde ihm der Abschied bewilligt; er zog sich auf eine Besitzung in der Lausitz zurück, bis daß er auf des ihn vom Kriege 1813 her besonders schätzenden Prinzen August von Preußen Vermittelung im October 1825 als Divisionscommandeur in Glogau wieder angestellt wurde. Von dort 1833 als commandirender General nach Posen berufen, begann er eine neue einflußreiche Thätigkeit. Es galt, in einer von nationalen und religiösen Gegensätzen durchsetzten Provinz mit Wohlwollen und Ernst die preußisch-deutsche Herrschaft zu vertreten. Sich seiner Aufgabe mit dem Einsetzen seiner ganzen Persönlichkeit widmend, erntete er Achtung und Anerkennung in reichem Maße. Im März 1837 wurde er zum General der Infanterie ernannt und bekleidete seine Stellung als solcher bis zum 1. Juni 1843, an welchem Tage er längeren körperlichen Leiden erlag. Zu eigentlicher schriftstellerischer Thätigkeit ist G. nicht gelangt, doch sind die von Damitz herausgegebenen Werke über die Feldzüge von 1814 und 15 unter seinem Einflusse und unter seiner Anregung entstanden. In dem lebhaften Streite, der 1836 durch die Aeußerungen des Herzogs von Wellington im englischen Parlamente über die Unentbehrlichkeit der Prügelstrafe in der Armee hervorgerufen war, trat G. sehr lebhaft für die vom Herzoge ungünstig beurtheilte Disciplin der preußischen Armee vom J. 1815 in die Schranken. Verheirathet war G. zwei Mal; seine beiden Söhne dienen noch jetzt in der Armee.

    • Literatur

      Beiheft zum Militär-Wochenblatt, October 1843. — Beilage der Norddeutschen Allg. Zeitung, 6./12. 1875.

  • Autor/in

    v. Hartmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartmann, von, "Grolman, Karl von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 714-716 unter Grolmann, Karl Wilhelm Georg von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119061376.html#adbcontent

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