Lebensdaten
1731 - 1797
Geburtsort
Limbach (Ortsteil von Steinheid Kreis Neuhaus am Rennweg, Thüringer Wald)
Sterbeort
Limbach (Ortsteil von Steinheid Kreis Neuhaus am Rennweg, Thüringer Wald)
Beruf/Funktion
Glasfabrikant ; Porzellanfabrikant ; Unternehmer ; Glasmacher
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 121129578 | OGND | VIAF: 22989461
Namensvarianten
  • Greiner, Johann Gotthelf
  • Greiner, Gotthelf
  • Greiner, Johann Gotthelf
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Zitierweise

Greiner, Gotthelf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121129578.html [06.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Gottfried (1707–67), Glasmacher in Stützerbach Kr. Ilmenau, dann Glasmeister in Alsbach, Glasmeisters- u. Schultheißen-S;
    M Sibylle (1714–64), T d. Glasmeisters Joh. Nic. Gundelach (1674–1748) in Allzunah u. d. Glasmeisters-T Cordula Wenzel;
    Ur-Gvv Hans Greiner gen. Fichtelberger ( 1696), Gründer d. Glashütte d. Amtes Ilmenau in Stützerbach;
    Vt Gottfried Greiner (1728–68), Arkanist; Steinheid 1754 Joh. Sophie Dor. (1736–92), T d. Försters Joh. Fröbel in Neuhaus/Rennweg (s. NDB V*) u. d. Hammerschmiedemeisters-T Katharina Jahn;
    11 K, u. a. (alle S wurden Teilhaber d. Fa. „Gotthelf Greiners Söhne“) Daniel (1758–1827), Mitgründer (1795) d. Steingutfabr. Neuhaus/Rennweg, Friedemann (1761–1841), KR, techn. Leiter d. 1782 v. Vater erkauften Porzellanfabr. Großbreitenbach, Gründer (1809) d. Porzellanfabr. Schmiedefeld/Rennsteig, Florentin (1764–1844), Verwalter d. z. Familienbes. gehörenden 4 Güter u. Wälder, Ferdinand (1768–1821), leitete d. 1797 erworbene Porzellanfabr. in Kloster Veilsdorf, Michael Gotthelf (1780–1844), Leiter d. Limbacher Porzellanfabr., erhielt d. Recht z. Herstellung v. Fayencen, Mitbes. d. Porzellanfabr. Rauenstein;
    N d. Ehefrau Frdr. Fröbel ( 1852), Päd. (s. NDB V).

  • Leben

    Nachdem G. bereits seit 1743 in der väterlichen Glashütte als Einträgerjunge, seit 1747 als Fertigmacher gearbeitet hatte, übernahm er 1752 fünf vom Vater herrührende Hüttenstände zunächst in Pacht und kaufte sie 1755. Den restlichen Anteil kaufte er um 1767/72 von den Erben seines Partners Michael Lauterbach ( 1767). Er verwandelte eine im Andruftal gelegene Schneidemühle mit Konzession von 1765 in eine Porzellan-Glasurmühle. Veranlaßt durch das Nachlassen des Glasgeschäftes, hatte sich G. 1760/61 in Gemeinschaft mit seinem Vetter und späteren Schwager, dem Alsbacher Glasmaler und Farben-„Arkanisten“ Gottfried Greiner, sowie mit dem Coburger Hoftöpfer Johann Georg Dümmlor auf Versuche zur Herstellung von Porzellanmasse, -glasur und -farben verlegt. Eine sachsen-meiningische Konzession (1762) zur Errichtung einer „feinen Porzellanfabrik“ und einer Glasurmühle oberhalb von Steinheid konnte G. nicht ausnützen, da sein Partner M. Lauterbach Schwierigkeiten machte. Deshalb bemühte er sich in Gemeinschaft mit dem Eisenhütten-Inspektor Wolfgang Hamann (1713–85), der sich auf seinem Hammerwerk zu Katzhütte bei Schwarzburg seit 1755 ebenfalls mit Versuchen zur Herstellung von Porzellan nach Meißener Vorbild befaßt hatte, darum, die Konzession zur Errichtung einer schwarzburgischen Porzellanfabrik zu erlangen. Da diese bereits 1760 dem stud. theol. Heinrich Macheleid (1723–1801) zugesagt worden war, beteiligten sich G. und sein Vetter Gottfried Greiner (zu je ⅙) an der Porzellanfabrik, deren Errichtung den Gebrüdern Wolfgang und Georg Hamann sowie dem Sohn des ersteren, Ferdinand Friedrich ( 1785), auf dem Rittergut Wallendorf (jetzt Lichte) 1764 zugestanden wurde. Die von dieser Fabrik verarbeitete Masse und Glasur wurde zunächst aus der oben erwähnten Glasurmühle in Andruf-Grund bei Steinheid bezogen. Nach dem Tode seines Vetters 1768 schied auch G. 1773 aus dem Unternehmen wieder aus, um sich auf Grund der 1772 erlangten neuen und nunmehr befriedigenden Exklusiv-Konzession für das Herzogtum Sachsen-Meiningen der inzwischen in Gang gebrachten Porzellanfabrik zu Limbach zuzuwenden; er führte diese alsbald zu hoher geschäftlicher Blüte.

    1782 kaufte er die im schwarzburg-sondershäusischen Amt Gehren gelegene Porzellanfabrik Großbreitenbach hinzu, die ihm 1783 förmlich privilegiert wurde und die – unter Ausdehnung der Konzession auf die Verfertigung von Steingut nach englischer und Coblenzer Art – auf die bereits vor seinem Tode 1793 von ihm begründete Firma „Gotthelf Greiners Söhne“ überging.

    Auch die von Christian Zacharias Gräbner, aus Großbreitenbach, gegründete Porzellanfabrik zu Ilmenau wurde von G. 1786 auf 6 Jahre zu Limbach und Großbreitenbach mit der Maßgabe hinzugepachtet, daß ihm sämtliche Geschäftsgeheimnisse (darunter das wichtige, von Gottfried durch seine Witwe an Gräbner gelangte Farben-„Arcanum“) nebst der gesamten Handelskorrespondenz der damals unter Schuldenverwaltung stehenden Ilmenauer Fabrik ausgeliefert werden mußten.

    Nachdem das Ilmenauer Pachtverhältnis zu Ende gegangen und G. durch die Lähmung einer Hand auch weitgehend arbeitsbehindert geworden war, beschloß er, sich von allen Geschäften zurückzuziehen und die Weiterführung der beiden Betriebe zu Limbach und Großbreitenbach seinen 5 Söhnen zu überlassen.

    In wirtschaftsgeschichtlicher Hinsicht ist es nicht uninteressant, daß sich 1814 unter der Führung von G.s Söhnen die 7 älteren Porzellanfabriken des Thüringer Waldes zu einem allerdings bald wieder auseinandergegangenen Preiskartell zusammengeschlossen haben. Die Familie Greiner war am Besitz der Porzellanfabrik Limbach noch bis 1844, von da ab durch Michael Gotthelf G.s Schwiegersohn Simon Dressel (* 1801) und weiter durch dessen Sohn Viktor Dressel (1837–99) vertreten (1872 AG). Großbreitenbach war in Greinerschem Besitz bis 1869, Kloster Veilsdorf bis 1853, Rauenstein bis 1858.

  • Werke

    W Autobiogr. in: A. Fleischmann, Culturhist. Bilder aus d. Meininger Oberlande, 3 T., 1876 f., H. 2.

  • Literatur

    H. Kühnert, UB z. Thür. Glashüttengesch., 1934 (L);
    ders., Die thür. Fayence-, Porzellan- u. Steingutfabriken d. 18. Jh., in: Zs. d. Ver. f. thür. Gesch. u. Altertumskde., NF 37, 1943, S. 15 (L); ferner
    W. Stieda, Anfänge d. Porzellanfabrikation auf d. Thür. Wald, 1902;
    L. Koch, Gesch. d. Porzellanfabrik Rauenstein 1783-1908, o. J.;
    Graul u. A. Kurzwelly, Altthüringer Porzellan, 1909;
    O. Riesebieter, Die dt. Fayencen d. 17. u. 18. Jh., 1921;
    O. Georgi, Porzellan-Fabrik Limbach AG, Gedenkschr., 1922 (mit Angaben betr. Rohmaterialien, Fabrikate, Arbeiter u. Arbeitsverhältnisse, Absatz u. Absatzgebiete, Warenzeichen);
    P. Kuntze, „Die 5 Söhne G. G.s“ im Mus. Sonneberg, in: Sprechsaal… 67, 1934, S. 151 f. (P);
    W. Vershofen, Figurine u. Fadenführer, 180 J. Porzellan-Fabrik zu Kloster Veilsdorf, 1940;
    W. Huschke, Forschungen üb. d. Herkunft d. thür. Unternehmerschicht d. 19. Jh., 1962.

  • Autor/in

    Herbert Kühnert
  • Empfohlene Zitierweise

    Kühnert, Herbert, "Greiner, Gotthelf" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 38-39 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121129578.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA